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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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Autor(en): Reinhold John, Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 1 Kommentar
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Borkenkäfer an der Weißtanne akut

Aus vielen Landesteilen Baden-Württembergs kommen aktuell Meldungen über teils gravierenden Borkenkäferbefall an der Weißtanne. Vor allem der sogenannte Krummzähnige Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens) und seine nahen Verwandten (Pityokteines spinidens, Pityokteines vorontzovi) sind an diesem Geschehen beteiligt. Allerdings gibt es auch Hinweise auf Beteiligung des Kleinen Tannenborkenkäfers (Cryphalus piceae).

Im aktuellen WALDSCHUTZINFO 2/2017 der FVA Baden-Württemberg erfahren Sie alles über die Borkenkäfer an der Weißtanne und die Maßnahmen, die Sie jetzt ergreifen sollten. 

Typisch Weißtanne, einen Käferbefall signalisiert sie recht schnell mit roter Krone.
Abb. 1: Typisch Weißtanne, einen Käferbefall signalisiert sie recht schnell mit roter Krone.

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern wird empfohlen, jetzt ihre Bestände mit Tannenanteilen auf frischen Befall hin zu kontrollieren. Bei trockener Witterung müssen die Kontrollen in wöchentlichem Abstand erfolgen.

Für den Umgang mit dem Weißtannenborkenkäfer (Pityokteines- Gruppe) gelten im Grunde dieselben Regeln, nach denen das Buchdrucker-Management abläuft (WS-Info 1/2017): entdecken, umschneiden, entrinden oder rasch abfahren. Das Entrinden sollte vor der Verpuppung erfolgen. Auf das frische Ast- und Wipfelmaterial ist zu achten, denn dieses kann durchaus von den beiden Arten Mittlerer und Kleiner Tannenborkenkäfer zu erfolgreicher Brut genutzt werden. Im Zweifelsfall muss gehackt werden.

Einbohrungen der Pityokteines-Vertreter können am Stamm entdeckt werden. Wie beim Buchdrucker geben Harztropfen und Bohrmehl und Spechteinschläge Hinweise auf einen Befall. Allerdings wird meist deutlich weniger Bohrmehl als beim Buchdrucker produziert.

Schwieriger ist die Erkennung eines Befalls mit dem Kleinen Tannenborkenkäfer. Der Befall wird meist erst entdeckt, wenn die Nadeln im Kronenbereich fahl oder bereits rot werden. Dann ist es, ähnlich wie bei einem Kupferstecherbefall, schon meist zu spät.

Kontrollieren Sie Ihre Tannenbestände!

Zu kontrollieren sind:

  • alle stehenden Tannenbestände,
  • nach Schadereignissen, Hiebsmaßnahmen und Pflegeeingriffen liegengebliebenes, bruttaugliches Material,
  • aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz.

Der Brut- bzw. Brutraumentzug im Rahmen der "sauberen Waldwirtschaft" ist die bewährte und effektive Methode zur Vermeidung einer Massenvermehrung. Hier wirken Prophylaxe (potenzieller Brutraum wird vor der Besiedlung entfernt) und kuratives Handeln (Brut wird vor Weiterentwicklung bzw. Schlupf vernichtet) eng zusammen. Käferbäume sollen rasch aufgearbeitet, entrindet (falls noch keine Käfer vorhanden sind) oder mindestens 500 m, besser aber 1.000 m aus dem Wald verbracht werden.

Eine Zwischenlagerung eingeschlagener Nadelbäume in reinen Laubbaumbeständen ist möglich. Dort herrschen in der Regel ungünstigere klimatische Bedingungen für eine Entwicklung der Tannenborkenkäfer und die Laubbäume sind durch den reinen Nadelholzbesiedler nicht gefährdet.

Waldresthölzer mit einem Durchmesser von mehr als 7 cm sollten z.B. durch Zerhacken unschädlich gemacht werden. Dies gilt aber nur, wenn sicher ist, dass nur der Krummzähnige Tannenborkenkäfer den Baum befallen hat. In allen anderen Fällen sollte das gesamte Kronenmaterial gehackt werden.

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