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Artikel

Autor(en): Katrin Möller
Redaktion: FVA, Deutschland
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Der Kiefernspinner

Der Kiefernspinner, Dendrolimus pini (Lepidoptera; Familie Lasiocampidae) ist neben Nonne und Forleule einer der bedeutendsten Kieferngroßschädlinge des nordostdeutschen Tieflandes. Schon einmaliger Kahlfraß der Kiefern durch die Raupen dieses Nachtfalters kann bestandesgefährdende Schäden verursachen.

Kiefernspinner Kiefernspinner-Männchen Eier Eiräupchen
Kiefernspinner Kiefernspinner-Männchen Eier Eiräupchen

Beschreibung

Die Falter besitzen einen gedrungenen und wollig behaarten Körper. Die Farbe der Flügel variiert von rötlich-braun bis grau-braun. Damit sind an den Kiefernstämmen sitzende Falter durch die Anpassung an die Rindenstruktur nur schwer auszumachen. Das dunkle Band quer über dem Vorderflügel ist unterschiedlich intensiv ausgebildet, vorhanden ist aber immer ein weißer Fleck.

Ihre Antennen sind doppelt gekämmt. Weibchen erreichen eine Flügelspannweite von 70-90 mm und haben einfach gebaute Antennen. Der Hinterleib ist seitlich gerundet und endet breiter. Die senfkorngroßen (2 mm) Eier sind anfangs grün und verfärben sich später grau-violett. Die Eiräupchen sind braun und stark behaart.

Die älteren Larven haben eine dichte, zumeist braune, selten graue oder ocker farbene Behaarung und zwei stahlblaue Querbänder auf dem 2. und 3. Brustsegment. Diese markanten Nackenpolster sind besonders gut sichtbar, wenn die Raupe den Kopf einrollt.

Die Segmente 4-10 tragen auf der Rückseite einen rautenförmigen, schwarzen Fleck, der beidseitig von weißen, gezackten Linien flankiert wird. Der Kopf ist braun. Am Ende der Larvalentwicklung, zumeist mit dem 7. Larvenstadium (L7), haben die Raupen mit 50-80 mm eine beachtliche Körperlänge erreicht.

Ausgewachsenen Raupe Kokon Fraßschäden
Ausgewachsene Raupe mit gut sichtbaren blauen Nackenpolstern Kokons
Fraßschäden durch Kiefernspinner

Die Puppe, die sich in einem spindelförmigen, weich gesponnenen, graubraunen Kokon befindet, ist dunkelbraun und an beiden Enden stumpf abgerundet.

Der Falterflug beginnt Anfang-Mitte Juli, nach warmen Frühjahren auch schon Ende Juni und erstreckt sich über 2-5 Wochen. Der Schwarm der Falter setzt mit der Dämmerung ein. Die Eiablage erfolgt in kleinen, lockeren Gruppen an Nadeln, dünnen Zweigen, Ästen und auch am Stamm.

Die Larven schlüpfen im August und beginnen mit dem Herbstfraß. Die Eilarven sind mit fast 7 mm Länge relativ groß und haben die Fähigkeit, sich an Spinnfäden auf- und abwärts zu bewegen. Zuerst werden nur die Nadelkanten benagt (Schartenfraß), ab dem 3. Larvenstadium (L3) ganze Nadeln gefressen. Wahrscheinlich in Abhängigkeit von der Tageslichtlänge baumen die Junglarven im L3 oder L4 im Spätherbst (Ende Oktober-November) aus den Kronen ab, um zusammengerollt in der Bodenstreu zu überwintern. Bei Frühfrösten lassen sich die Raupen fallen und graben sich ein.

Entwicklungszyklus
Ein- bzw. zweijähriger Entwicklungszyklus des Kiefernspinners

Schon bei wenigen Plusgraden im zeitigen Frühjahr baumen die Larven wieder auf und beginnen mit dem bei hohen Populationsdichten verheerenden Frühjahrsfraß. Dabei wird die Nadel bis zur Scheide gefressen, Maitriebe, junge Rinden und Knospen werden benagt bzw. abgebissen.

Mit Erreichen des L4 steigt der Nahrungsbedarf in den folgenden Larvenstadien sprunghaft an. Das Gewicht der Larven nimmt vom Schlupf bis zur Verpuppung um das 900-fache zu. Die Entwicklung ist überwiegend einjährig. Selten folgt in Brandenburg eine nochmalige Überwinterung bei zweijähriger Entwicklungsdauer als L6/7. Im Juni spinnen die Altlarven ihren Kokon am Stamm, in der Krone oder leicht versteckt unter der Rinde. Die Puppenruhe dauert 4-5 Wochen.

Forstliche Bedeutung

Massenwechselgebiete des Kiefernspinners befinden sich vor allem in Gebieten mit geringen Jahresniederschlägen von 500-600 mm. Kiefernreinbestände auf warm-trockenen, grundwasserfernen Sandstandorten sind besonders gefährdet. In lichten, warmen Althölzern geringer Bonität, auf Binnendünen, trockenen Hängen und Höhenrücken zeigt sich eine Massenvermehrung früher als an anderen Standorten.

Ursache für den Beginn einer Massenvermehrung sind mehrjährige überdurchschnittlich warm-trockene Witterungsperioden während der Vegetationszeit. Nach warmen Wintern mit nachfolgendem kalten Spätfrühling/Frühsommer und nassem Sommer ist hingegen ein Gradationseinbruch anzunehmen.

Natürliche Feinde

Der Kiefernspinner besitzt in allen Entwicklungsstadien Gegenspieler. Einfluss auf den Gradationsverlauf haben von Viren verursachte Krankheiten sowie für Insekten pathogene Pilze, die während der Überwinterungsphase die Larven in der Bodenstreu zersetzen können. Mit den durch Laubholz-Einbringung verbundenen kleinklimatischen Veränderungen in den Beständen kann sich deren Infektionsrate erhöhen.

Als weitere Gegenspieler sind über 50 Hautflügler- und 10 Fliegenarten beschrieben. Am häufigsten findet man die Schlupfwespe Anomalon circumflexum, Brackwespen als Raupen und Puppenparasitoide sowie Erzwespen als Eiparasitoide. Mit Waldameisen, Laufkäfern, Raubwanzen und Kamelhalsfliegen-Larven sind weitere Insekten als Räuber an der Dezimierung des Kiefernspinners beteiligt. Fledermäuse erbeuten die Falter. Vögel verzehren Falter, Eier, Raupen und insbesondere die Puppen. Schwarzwild dezimiert die Raupendichte während der Winterruhe im Waldboden.

Überwachung, Prognose und Gegenmaßnahmen

Vorbeugende Maßnahmen

Standortgerechte Bestockungen und Baumartenvielfalt sind Voraussetzungen für gesunde, stabile Waldbestände.

Vorbeugend gegen die Entstehung von Kiefernspinnergradationen wirken u.a.:

  • die Erhöhung der Diversität der Bestände,
  • die Schaffung naturnaher Mischungen und Bestandesstrukturen,
  • die Auflösung der Altersmonotonie.

Stufige Überwachungsverfahren

Die Winterbodensuche nach den im Boden überwinternden Kiefernschadinsekten eignet sich als Standardüberwachung, um beginnende Massenvermehrungen des Kiefernspinners anzuzeigen und erste Einschätzungen der Populationsdichte vorzunehmen.

In Brandenburg wird landesweit einheitlich entsprechend der aktuellen Verwaltungsvorschrift gearbeitet. Ab Ende November bis Ende Januar wird durch die Forstbehörden nach vorangegangener Frostperiode in ausgewählten Probebeständen die Bodenstreu entsprechend einem vorgegebenen Muster von 10 x 0,5 m2 nach Raupen des Kiefernspinners sowie Puppen von Kiefernspanner, Forleule und Kokons der Kiefernbuschhornblattwespen abgesucht.

Kiefernspinnerraupen Kotkrümel Kotfalltücher Kiefernnaturverjüngung
Die Raupen liegen im Winter zusammengerollt unter der Bodenstreu Kotkrümel
Kotfalltücher
Die Naturverjüngung ist besonders gefährdet

Als Warnung muss schon der Fund einer Raupe angesehen werden. Mehr als 10 Raupen/m2 sind als kritisch für den Bestand zu werten und sollten Anlass zu anschließenden Leimring- und Kotfallkontrollen sein. Zur Erfassung der Zahl in die Krone aufbaumender Raupen wird im Februar in den Winterboden-Suchbeständen mit Raupenfunden die Anbringung von Leimringen an Bäumen empfohlen. Werden bei den Leimringkontrollen kritische Werte erreicht, die Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig machen, sollten Kotfallkontrollen genutzt werden, um Befallskomplexe präzise abgrenzen zu können. Im Herbst sind nach auffälligen Eiablagen bzw. bei beginnenden Entnadlungsprozessen Kotfallkontrollen und Probefällungen für eine Gefährdungsabschätzung sinnvoll. Die Einbeziehung von Lockstofffallen in die Überwachung ist noch nicht praxisreif.

Prognose/Gefährdungseinschätzung

Zertifizierungskriterien für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln:

PEFC: Flächige Bekämpfungsmaßnahmen unter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln finden nur als letztes Mittel bei schwerwiegender Gefährdung des Bestandes oder Verjüngung und ausschließlich auf Grundlage fachkundiger Begutachtung statt.

FSC: Chemische Biozide werden grundsätzlich nicht eingesetzt. Ausnahmen stellen behördliche Anordnungen einer Schädlingsbekämpfung dar.

Für die Prognose der Fraßschäden an vollbenadelten Kiefern gilt in Abhängigkeit von der Bonität für die Bewertung der Ergebnisse von Leimringkontrollen bzw. Kronenbesatzermittlung folgender Richtwert: Kahlfraß ist in Beständen geringer Bonität zu erwarten, wenn die Anzahl der Raupen pro Stamm bzw. Krone die doppelte Zahl des Bestandesalters überschreitet.

Die Kiefernnaturverjüngung in betroffenen Beständen ist als besonders gefährdet anzusehen, da Kiefernspinnerraupen bei Nahrungsmangel aktiv die Bäume wechseln und dabei auch unterständige Bäume entnadeln. Beobachtet wurden im Fall von Nahrungsmangel auch Wanderbewegungen in benachbarte Dickungen.

Gegenmaßnahmen

Wird nach sorgfältiger Überwachung eine akute Gefährdung der Bestände prognostiziert, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach Abwägung der weiteren waldbaulichen Möglichkeiten gerechtfertigt (siehe Box).

Weiterführende Literatur

ALTENKIRCH, W.; MAJUNKE, C.; OHNESORGE, B. (2002): Waldschutz auf ökologischer Grundlage. Ulmer.
SCHWENKE, W. (1978): Forstschädlinge Europas. Bd.3 Schmetterlinge. Parey. Hamburg und Berlin.
WEEKWERTH, W. (1952): Der Kiefernspinner und seine Feinde. Die Neue Brehmbücherei. Akademische Verlagsgesellschaft Geest Portig K.-G. Leipzig.

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