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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Martin Burger, Paula Halbig, Dominik Wonsack und Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 66.3366.3366.3366.3366.33 (503)

03.08.2020: Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner

Der Falterflug hat begonnen, mechanische Maßnahmen wirken jetzt nicht mehr. Die Falter besitzen keine Brennhaare, ein direkter Kontakt mit den Gespinstnestern und Häutungsresten ist jedoch weiterhin unbedingt zu vermeiden.

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Männlicher EPS-Falter, gefangen auf dem Leimboden in einer Delta-Pheromonfalle
Abb. 1: Männliche EPS-Falter in einer Delta-Pheromonfalle (Foto: Halbig, FVA)

Aktuelle Situation

Der EPS-Falterflug hat am Ende der 30. Kalenderwoche begonnen. Während des Falterflugs werden an den Monitoringstandorten der FVA am südlichen Oberrhein männliche Falter mittels Pheromonfallen gefangen (Abb. 1).

Die Falter leben ca. 1‑3 Tage. Durch den zeitlich versetzten Schlupf dauert die gesamte EPS-Falterflugperiode ca. 1,5‑2 Monate. Lichtquellen wirken anziehend auf die dämmerungs- und nachtaktiven Falter. Sie können somit den Eiablageort der flugträgen Falterweibchen beeinflussen.

Im Gegensatz zu den Raupen besitzen die Falter keine Brennhaare. Die in den betroffenen Bäumen vorhandenen Verpuppungsnester und Häutungsreste stellen jedoch weiterhin eine Gefährdung für die menschliche Gesundheit dar, da die Brennhaare auch über mehrere Jahre ihre Wirkung nicht verlieren.

Ein direkter Kontakt mit den Gespinstnestern ist unbedingt zu vermeiden.

Regulierungsmaßnahmen

Eine gezielte Regulierung der Populationsdichte ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Zur Verringerung der Brennhaarbelastung für die Bevölkerung können die Verpuppungsnester zusammen mit den Häutungsresten mit Hilfe mechanischer Verfahren entfernt werden.

Bei starkem Befall hat sich das Absaugen der Gespinstnester mit einem speziellen Sauggerät in der Praxis bewährt. Dieses Verfahren sollte jedoch nur von Fachpersonal durchgeführt werden.

Eine weitere Möglichkeit der mechanischen Bekämpfung ist das Absammeln von Verpuppungsnestern und Häutungsresten. Hierzu werden die Raupenhaare bspw. mit einer Zuckerlösung oder mit Wasserglas fixiert, bevor die Gespinstnester in einem dichten Behältnis gesammelt und abschließend fachgerecht entsorgt werden.

Folgende Grundsätze sind bei der Durchführung mechanischer Verfahren zu beachten:

  • Schutzausrüstung tragen
    • Schutzanzug
    • Atemschutz
    • Augenschutz
    • Handschuhe
    • Gummistiefel
  • Kein Aufenthalt ungeschützter Personen in der Nähe. Hierzu auch die Windverhältnisse beachten.
  • Nach Entfernung der Gespinste Bewuchs unter behandeltem Baum mit Wasser (ohne Hochdruck) reinigen.
  • Nach Beendigung der Arbeit Schutzkleidung mit Wasser gründlich abwaschen.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761-4018 222
  • Dominik Wonsack: Tel. 0761-4018 219

NEU: Ab sofort können Sie sich auf unsere FVA-Website anmelden, um den EPS‐Newsletter zukünftig per E‐Mail zu erhalten.

Website zur EPS-Entwicklung

Tagesaktuelle Informationen zur EPS-Entwicklung mit 7-Tages-Prognose, Gefährdungsabschätzung und Maßnahmenempfehlung bietet die neue Website "PHENTHAUproc" (derzeit Demoversion in laufender Überarbeitung).

Ansprechperson bzgl. PHENTHAUproc: Paula Halbig, Tel. 0761-4018 223

Infokasten Brennhaare:

Ab dem 3. Larvenstadium bilden die EPS-Raupen Brennhaare (sog. Spiegelhaare, Gifthaare, Setae). Diese mikroskopisch feinen, innen hohlen Haare, bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Bewegung und Beunruhigung der Raupen öffnen sich die Spiegelfelder, wodurch sich die Brennhaare leicht lösen und mit der Luftströmung vor allem bei trockenwarmer Witterung verfrachtet werden können.

Bei Kontakt dringen die spitzen, mit Widerhaken versehenen Brennhaare, bevorzugt in dünne, feuchte Hautstellen ein. Die mechanische Verletzung der Haut sowie der Kontakt mit den in den Brennhaaren enthaltenen Proteinen (u. a. Thaumetopoein) und Chitin lösen Gesundheitsprobleme bei Menschen und Tieren aus. Diese können individuell unterschiedlich sein und reichen von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach ca. 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen).

In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Brennhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also auch bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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