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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Gregor Seitz und Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 67.067.067.067.067.0 (427)

Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner 2018

Die Raupen haben das letzte Larvenstadium vollendet und sich in Gespinstnestern verpuppt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine mechanische Regulierung.

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Aktuelle Situation

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben das letzte Larvenstadium vollendet und sich in dicht aneinander gedrängten Kokons verpuppt. Diese Puppen finden sich vorwiegend in Gespinsten, die sich am Stamm, an der Unterseite von Ästen sowie Astgabeln befinden.

Durch die Häutungsreste besteht weiterhin eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit, auch über mehrere Jahre hinweg. Ein direkter Kontakt mit den Gespinstnestern ist unbedingt zu vermeiden.

Verpuppungsnester des Eichenprozessionsspinners unterhalb einer Eichen-Sekundärkrone
Abb. 1: Verpuppungsnester des Eichenprozessionsspinners unterhalb einer Eichen-Sekundärkrone. (Foto: Seitz, FVA)

Juckende und entzündliche Hautausschläge sowie Augen- und Atemwegserkrankungen nach Kontakt mit den Brennhaaren sind die Folge. Bei besonders empfindlichen Personen kann die Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock führen.

In Regionen mit EPS-Befall sollten Eichenwälder wegen des potenziellen Vorhandenseins von Gespinstnestern nur auf den Wegen betreten werden.

Regulierungsmaßnahmen

Für eine gezielte mechanische Regulierung ist gegenwärtig der richtige Zeitpunkt. Beachten Sie jedoch, dass die Verpuppung in kühleren Regionen um einige Tage verzögert sein kann.

Zur Verringerung der Brennhaarbelastung für die Bevölkerung können die Gespinstnester zusammen mit den Raupen mit Hilfe mechanischer Verfahren entfernt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich die Raupen verpuppt und immobil in den Gespinsten. Hierdurch kann die Population erfasst, durch mechanische Maßnahmen zielgerichtet entfernt und ein möglichst großer Effekt auf die Population erzielt werden. Zeitgleich werden die Brennhaare als Infektionsquellen entfernt.

Bei starkem Befall hat sich das Absaugen der Gespinstnester mit einem speziellen Sauggerät in der Praxis bewährt. Dieses Verfahren sollte jedoch nur von Fachpersonal durchgeführt werden. Eine weitere Möglichkeit der mechanischen Regulierung ist das Absammeln der Gespinstnester und Raupen. Hierzu werden die Raupenhaare beispielsweise mit Sprühkleber oder mit Wasserglas fixiert, bevor die Gespinstnester oder Raupen abgenommen, in einem dichten Behältnis gesammelt und abschließend fachgerecht entsorgt werden.

Folgende Grundsätze sind bei der Durchführung mechanischer Verfahren zu beachten:

  • Schutzausrüstung tragen:
  • Schutzanzug
  • Atemschutz
  • Augenschutz
  • Handschuhe
  • Gummistiefel
  • Kein Aufenthalt ungeschützter Personen in der Nähe. Hierzu auch die Windverhältnisse beachten.
  • Nach Entfernung der Gespinste Bewuchs unter behandeltem Baum mit Wasser – ohne Hochdruck – reinigen.
  • Nach Beendigung der Arbeit Schutzkleidung mit Wasser gründlich abwaschen.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Gregor Seitz: Tel. 0761 - 4018 219
  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761 - 4018 222

Infokasten Brennhaare:

Die Spiegelhaare der heranwachsenden Raupen sind ab dem 3. Larvenstadium Auslöser von juckenden, entzündlichen Hautreaktionen. Die mikroskopisch feinen Haare bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Beunruhigung brechen die innen hohlen Haare ab und werden vor allem bei trockenwarmer Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken verfrachtet (bis 200 m). Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfen und mit Widerhaken versehenen Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Durch das im Hohlraum der Haare vorhandene lösliche Protein (Thaumetopoein) wird eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems bei Mensch und Tier ausgelöst, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Sie reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen). In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Spiegelhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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