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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Gregor Seitz und Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
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Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner 2018

Die Raupen sind geschlüpft und befinden sich im ersten Larvenstadium. Die ersten beiden Larvenstadien besitzen keine Brennhaare. Für präventive Behandlungen ist der Laubaustrieb der Eichen voraussichtlich in den kommenden zwei Wochen ausreichend fortgeschritten.

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Raupen des Eichenprozessionsspinners im ersten Larvenstadium an Eichenknospen
Abb. 1: Raupen des Eichenprozessionsspinners im ersten Larvenstadium an Eichenknospen (Foto: P. Halbig, FVA)

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Aktuelle Situation

Die ersten Raupen des Eichenprozessionsspinners sind in der vergangenen Woche (KW 15) geschlüpft und befinden sich im ersten Larvenstadium.

Die frisch geschlüpften Eiraupen sind nur etwa 2,5 mm lang, rötlich-braun gefärbt und behaart (s. Abb. 1). Aufgrund ihrer geringen Körpergröße werden sie leicht übersehen. Zunächst wandern sie in Prozessionen auf den Zweigen nahe dem Eigelege auf der Suche nach geöffneten Knospen oder warten im Gruppenverband auf den noch geschlossenen Knospen bis zu deren Schwellen und Aufgehen.

Regulierungsmaßnahmen

Die ersten beiden Larvenstadien des EPS besitzen keine Brennhaare. Daher geht von diesen Stadien noch keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit aus. Aktuell auftretende Beschwerden können aber durch Brennhaare aus alten Gespinsten der Vorjahre hervorgerufen werden.

Wenn die Blätter aller zu behandelnden Eichen mindestens die Größe eines 2 Euro-Stücks erreicht haben, können präventive Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln oder Biozidprodukten durchgeführt werden. Die Wirkstoffe der Präparate werden über den Blattfraß der Raupen aufgenommen.

Für die Anwendung dieser Präparate ist der Laubaustrieb der Eichen voraussichtlich in den kommenden zwei Wochen ausreichend fortgeschritten. Zur dezidierten, situativen Einschätzung ist allerdings eine Vor-Ort-Kontrolle unabdingbar.

Die Applikation sollte nicht bei kühlen und regnerischen Witterungsbedingungen erfolgen. Hierdurch kann die Persistenz nicht oder nur unzureichend gewährleistet werden.

Zudem sind die Raupen bei kühler, feuchter Witterung weniger aktiv und zeigen eine geringere Fraß-Aktivität, was eine Behandlung ineffizient werden lässt.

Grundsätzliches zur präventiven Regulierung

Je nach Schutzziel finden bei der Regulierung des Eichenprozessionsspinners unterschiedliche Rechtsgrundlagen Anwendung:

  1. Für die Zweckbestimmung zum Schutz des Waldes vor dem Kahlfraß der Raupen ist das Pflanzenschutzrecht maßgebend.
  2. Für die Zweckbestimmung zum Schutz des Menschen vor den Brennhaaren der Raupen ist das Biozidrecht maßgebend.

Von den derzeit für beide Einsatzbereiche zur Verfügung stehenden Präparaten empfehlen wir den Wirkstoff: Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Gregor Seitz: Tel. 0761 - 4018 219
  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761 - 4018 222

Infokasten Brennhaare:

Die Spiegelhaare der heranwachsenden Raupen sind ab dem 3. Larvenstadium Auslöser von juckenden, entzündlichen Hautreaktionen. Die mikroskopisch feinen Haare bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Beunruhigung brechen die innen hohlen Haare ab und werden vor allem bei trockenwarmer Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken verfrachtet (bis 200 m). Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfen und mit Widerhaken versehenen Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Durch das im Hohlraum der Haare vorhandene lösliche Protein (Thaumetopoein) wird eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems bei Mensch und Tier ausgelöst, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Sie reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen). In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Spiegelhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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