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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Gregor Seitz
Redaktion: FVA, Deutschland
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Letzter Hinweis zum Eichenprozessionsspinner 2017

Der Falterflug ist beendet, eine Regulierung der Population ist nicht mehr möglich. Durch die Häutungsreste und Nester besteht weiterhin eine Gefahr für die Gesundheit, auch über mehrere Jahre hinweg. Ein Kontakt mit den Gespinstnestern ist zu vermeiden!

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Männlicher EPS-Falter, gefangen auf dem Leimboden in einer Delta-Pheromonfalle
Abb. 1: Männlicher Falter des Eichenprozessionsspinners in einer Delta-Pheromonfalle (Foto: Halbig, FVA)

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Aktuelle Situation

Der Falterflug des Eichenprozessionsspinners hat in der 28 Kalenderwoche eingesetzt und endete in der Kalenderwoche 34 (s. Abb. 2).

In der Zeit des Falterflugs wurden am Referenz-Standort "Möhlin" 489 Falter mittels Pheromonfallen gefangen. Dies stellt im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine Erhöhung der Fallenfänge dar (2016: n = 382; 1015: n = 261). Die Kulmination des Falterfluges erfolgte im Jahr 2017 in der Kalenderwoche 30 und somit früher als in den Vorjahren (2016: KW 31; 1015: KW 32).

Nach der Paarung erfolgt die Eiablage in Form von flachen Eipaketen mit ca. 50-200 Eiern. Die Eier weisen einen Durchmesser von ca. 1 mm auf und sind von grauen Afterschuppen bedeckt. Bereits unmittelbar nach der Eiablage beginnt die Embryonalentwicklung der Raupen im Ei und wird noch im selben Jahr abgeschlossen. Die fertig entwickelten Eiraupen überdauern den Herbst und Winter in einem Ruhezustand.

Für die Eiablage bevorzugt der Eichenprozessionsspinner dünne Zweige in der oberen Kronenperipherie von i.d.R. besonnten, lichten Eichen. Verstärkt erfolgt die Eiablage an den sonnenexponierten Außenkronen entlang der Waldränder oder an solitären Eichen Da die Hauptaktivitätsphase der Falter in der Nacht liegt, können künstliche Lichtquellen in der Umgebung als Attraktor für die Eiablage dienen.

Verlauf des EPS-Falterfluges von 2007 bis 2014
Abb. 2: Flugverlauf der männlichen Falter des Eichenprozessionsspinners im Zeitraum von 2007 bis 2017.

Im Gegensatz zu den Raupen besitzen die Falter keine Gifthaare. Die in den betroffenen Bäumen vorhandenen Verpuppungsnester und Häutungsreste stellen jedoch weiterhin eine Gefährdung für die menschliche Gesundheit dar, da die Gifthaare auch über mehrere Jahre ihre Wirkung nicht verlieren.

Durch die Häutungsreste besteht weiterhin eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit, auch über mehrere Jahre hinweg. Ein direkter Kontakt mit den Gespinstnestern ist unbedingt zu vermeiden.

Regulierungsmaßnahmen

Imago des Eichenprozessionsspinners
Abb. 3: Imago des Eichenprozessionsspinners (Foto: Wagenhoff, FVA)

Eine gezielte Regulierung der Population ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Zur Verringerung der Gifthaarbelastung für die Bevölkerung können die Gespinstnester zusammen mit den Häutungsresten und den reizenden Spiegelhaaren mit Hilfe mechanischer Verfahren entfernt werden.

Bei starkem Befall hat sich das Absaugen der Gespinstnester mit einem speziellen Sauggerät in der Praxis bewährt. Dieses Verfahren sollte jedoch nur von Fachpersonal durchgeführt werden.

Eine weitere Möglichkeit der mechanischen Bekämpfung ist das Absammeln der Gespinstnester und der Häutungsresten. Hierzu werden die Raupenhaare beispielsweise mit einer Zuckerlösung oder mit Wasserglas fixiert, bevor die Gespinstnester oder Häutungsreste abgenommen, in einem dichten Behältnis gesammelt und abschließend fachgerecht entsorgt werden.

Folgende Grundsätze sind bei der Durchführung mechanischer Verfahren zu beachten:

  • Schutzausrüstung tragen:
    • Schutzanzug
    • Atemschutz
    • Augenschutz
    • Handschuhe
    • Gummistiefel
  • Kein Aufenthalt ungeschützter Personen in der Nähe (Windverhältnisse beachten!)
  • Nach Entfernung der Gespinste Bewuchs unter behandeltem Baum mit Wasser reinigen (kein Hochdruck!)
  • Nach Beendigung der Arbeit Schutzkleidung mit Wasser abwaschen.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Gregor Seitz: Tel. 0761 - 4018 219
  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761 - 4018 222

Infokasten Brennhaare:

Die Spiegelhaare der heranwachsenden Raupen sind ab dem 3. Larvenstadium Auslöser von juckenden, entzündlichen Hautreaktionen. Die mikroskopisch feinen Haare bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Beunruhigung brechen die innen hohlen Haare ab und werden vor allem bei trockenwarmer Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken verfrachtet (bis 200 m). Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfen und mit Widerhaken versehenen Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Durch das im Hohlraum der Haare vorhandene lösliche Protein (Thaumetopoein) wird eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems bei Mensch und Tier ausgelöst, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Sie reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen). In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Spiegelhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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