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Artikel

Autor(en): Bernhard Perny
Redaktion: BFW, Österreich
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Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Großen Braunen Rüsselkäfer

Großer Brauner Rüsselkäfer
Großer Brauner Rüsselkäfer am Stammfuß einer Tanne

Der Große Braune Rüsselkäfer ist der gefährlichste Schädling in Forstkulturen. Sein verstärktes Auftreten in den letzten Jahren, verbunden mit der langen Lebensdauer der Käfer und der aufwendigen Bekämpfung verursacht zunehmend schwere Schäden.

Der Schaden wird ausschließlich durch den Käfer verursacht. Besonders beliebte Fraßpflanzen sind Kiefer, Lärche und Douglasie, gefolgt von Fichte und Tanne.

Lebensweise

Die Larven des Großen Braunen Rüsselkäfers entwickeln sich in den Stöcken und in flach streichenden Wurzeln frisch oder im Vorjahr geschlägerter Bäume. Gelegentlich können auch ältere Stöcke besiedelt werden (Hochlagen, beschattete Schlagränder) oder die Eier an verletzten, kränkelnden, dann meist jungen Pflanzen abgelegt werden.

Die Generationsdauer ist meist ein- bis zweijährig. Unter günstigen Bedingungen können noch im selben Jahr Käfer der nächsten Generation auftreten. Diese pflanzen sich zwar auch erst im nächsten Frühjahr fort, verstärken aber den Befallsdruck im Spätsommer. Die Käfer fressen während der ganzen Vegetationsperiode, verstärkt jedoch Mai/Juni (Frühjahrsfraß) und August/September (Sommerfraß).

Bruttaugliches Material ist limitierender Faktor

Der Rüsselkäfer kann sich sowohl fliegend (vor allem im Mai – schnell und weit) als auch laufend (etwa 30 – 40 m/ Tag) verbreiten. Haben die Käfer keine Jungpflanzen zur Verfügung, findet man sie oft haufenweise in den dünnrindigen Kronen von Dickungen und Stangenhölzern. Das heißt: Der einzige limitierende Faktor ist das Vorhandensein von bruttauglichem Material.

Plätzefrass an der Rinde einer jungen Lärche Sehr starker Fraß durch Hylobius abietis Stark harzende Fraßstellen
Typischer Plätzefrass an der Rinde einer jungen Lärche Sehr starker Fraß
Stark harzende Fraßstellen

Die Ursache für die starke Zunahme dieses Schädlings sind einerseits die großen Schadereignisse der letzten Jahre (Sturm, Hagel, Borkenkäfer), das Vorhandensein großer Aufforstungsflächen mit mehr als ausreichend Brutmaterial, neugeschaffene labile Bestandesränder sowie - meist aus Kostengründen - rasch durchgeführte Aufforstungen. Was kann der Waldbewirtschafter dagegen machen?

Schlagruhe

Eine Maßnahme ist die Schlagruhe, die mindestens drei Jahre dauern soll. Sie ist allerdings nur auf Flächen, auf denen während der Zeit bis zur Neuaufforstung keine frischen Stöcke anfallen, wirksam und außerdem teuer (Unkrautbekämpfung, Verlängerung des Produktionszeitraumes).

Empfehlenswert ist die Begründung eines laubholzreichen Mischwaldes, außerdem die genaue Auswahl des Pflanzenmaterials, da gesunde, große Pflanzen deutlich mehr Fraß vertragen – eventuell Verwendung von Ballenpflanzen.

Die Stockrodung als technische Maßnahme ist zu teuer. Sie zahlt sich dann aus, wenn auf der Fläche eine Christbaumkultur angelegt wird (Maschinenbefahrbarkeit) und gleichzeitig eine Mulchung erfolgt.

Vorteile der Schlagruhe
Keine aktiven Bekämpfungsmaßnahmen sind zur Populationsreduktion notwendig, dadurch keine Kosten.
Nachteile der Schlagruhe
Produktionsausfall von mindestens drei Jahren.
Wird zu früh aufgeforstet, kann es trotz Schlagruhe zu Schäden kommen.
Verunkrautung ist bei langer Schlagruhe wahrscheinlich, dadurch wird meist eine mechanische oder chemische Kulturvorbereitung notwendig.

Chemische Verfahren

Bei chemischen Verfahren werden die Jungpflanzen vor dem Setzen in ein für die Rüsselkäferbekämpfung zugelassenes Pflanzenschutzmittel getaucht oder über dem Tauchfass übergossen (Tauchverfahren), bzw. nach dem Setzen mit dem Mittel besprüht (Spritzverfahren). Bei der chemischen Bekämpfung ist auf die Mittelbenetzung bis zur Tag/Nacht-Zone zu achten, da andernfalls ein gefährdeter Stammteil unmittelbar über dem Boden unbehandelt bleibt. Diese Gefahr besteht beim Sprühen besonders auf gemulchten Flächen oder bei dichter Bodenvegetation wie z. B. Torfmoos, beim Tauchen durch zu geringe Eintauchtiefen.

Darüber hinaus besteht beim Tauchverfahren die Gefahr der Verunreinigung der Brühe durch Erde (Erde mindert die Mittelwirksamkeit, dadurch verringert sich der Schutz bzw. entsteht ein höherer Brühebedarf). Das Sprühen erfordert höheren Arbeitsaufwand (Richtwert 4-8 Std. pro 2.500 Pflanzen/Hektar), dafür kann es nicht zur Verunreinigung der Spritzmittelbrühe kommen.

Vorteile der chemischen Bekämpfung
Das Tauchverfahren ist das kostengünstigste Verfahren (sofern die Brühe nicht durch Erde verunreinigt wird und an Wirkung verliert).
Die meisten zugelassenen Mittel wirken auch gegen andere Schädlinge (zum Beispiel Kupferstecher).
Nachteile der chemischen Bekämpfung
Das Spritzverfahren ist ein teures Verfahren.
Käfer sterben erst durch den Fraß an den Pflanzen ab, bei hohem Befallsdruck kann es dadurch trotzdem zu Ausfällen kommen.
Die meisten Wirkstoffe der Mittel sind giftig.

Fangrinde

Bei dieser Methode werden ab Ende April/Anfang Mai (klimaabhängig) von Stämmen gelöste, voll im Saft stehende Rindenteile (Richtwert ca. 20 x 30 cm) Bast auf Bast gefaltet, mit Schnur oder Steinen fixiert und auf die Bekämpfungsfläche gelegt.

Diese Fangrinden sind für den Käfer wesentlich attraktiver als Jungpflanzen. Als Richtwert gilt eine Anzahl von 6-10 Fangrinden pro Hektar Bekämpfungsfläche, die entsprechend dem Populationsdruck erhöht oder verringert werden kann. Unter drei Käfern pro Fangrinde und bei wöchentlichem Kontrolltermin wird der Populationsdruck als gering angesehen.

Beim Auslegen der Fangrinde wird zunächst die Bodenvegetation entfernt. Die Fangrinde wird in die dadurch entstehende kleine Mulde gelegt (geringere Austrocknung, Rüsselkäfer bewegen sich eher am Boden als im Gras) und mit einem Stein beschwert. Die Markierung der Auslegestelle mit einem Pflock ist zum Wiederauffinden der Rinde im hohen Gras nötig. Die Fangrindenkontrolle sollte wöchentlich am besten in den Morgenstunden erfolgen, da bei kühlen Temperaturen die Käfer sehr langsam sind und daher leicht gesammelt werden können. Die gesammelten Käfer werden bekämpfungstechnisch behandelt. Die Begiftung der Fangrinden ist möglich.

Fangrinden sind je nach Witterung zwei bis vier Wochen lang fängig. Danach ist bei hohen Käferfangzahlen eine zweite Fangrindenaktion anzuraten. Eine mögliche dritte Ausbringung sollte erst im August erfolgen. Als Richtwert für Herstellung und Ausbringung von Fangrinden gilt ein Arbeitszeitaufwand von etwa 1-2 Stunden pro Hektar Bekämpfungsfläche und Fangrindenaktion. Arbeitsaufwand für Kontrolltermine, Absammeln der Käfer bei unbegifteten Fangrinden bzw. Mittelaufwand bei begifteten Fangrinden sind dabei nicht berücksichtigt. Ergänzend können frische unbegiftete oder begiftete Nadelholzzweige in die Fangrinde gelegt werden.

Vorteile der Fangrinde
Höhere Attraktivität als Forstpflanzen, dadurch wird der Fraß an diesen weitgehend vermieden.
Im Fall von unbegifteten Fangrinden wird kein giftiger Wirkstoff ausgebracht.
Nachteile der Fangrinde
Höherer Arbeitsaufwand als beim Tauchverfahren bei der chemischen Bekämpfung.
Rinde muss gewonnen werden. Bei Gewinnung im Zuge von Fangbaumaktionen oder ähnlichen Synergieeffekten entstehen nur geringe Kosten, andernfalls höherer Aufwand.
Im Fall von begifteten Fangrinden wird ein giftiger Wirkstofff ausgebracht.

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