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Artikel

Autor(en): Christian Tomiczek
Redaktion: BFW, Österreich
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Klimawandel verschärft Forstschutzprobleme

Der Klimawandel, insbesondere die steigenden Temperaturen werden zu einem Anstieg der Forstschutzprobleme führen. Dies zeichnet sich bereits jetzt ab, wo seit 1990 die Schadholzmengen durch Sturm, Schnee und Borkenkäfer ständig neue Rekordhöhen erklimmen. Gleichzeitig ist aber auch damit zu rechnen, dass neue, bisher in unseren Breiten noch nicht aufgetretene Schaderreger, Neuland gewinnen und ihr Areal deutlich Richtung Norden, aber auch  in höhere Gebirgslagen ausbreiten werden.

Dem rechtzeitigen Erkennen von Forstschutzproblemen und dem raschen Einleiten von Gegenmaßnahmen sowie der Forstschutzprophylaxe wird in Zukunft noch größere Bedeutung zukommen als bisher. Um hier einen Schritt weiter zu kommen, wurden im Projekt MANRED (Management strategies to adapt Alpine Space forests to climate change risk; www.manfredproject.eu) ein Internet basiertes

  • transnationales Forstschutz-Monitoring-Netzwerk und
  • eine Informationsplattform für Krankheiten und Schädlinge

sowie Risikokarten für das Forstschutzgrundrisiko, aber auch für diverse abiotische und biotische Schäden erstellt. Zusätzlich wurde ein sogenannter "Pest Management Guide" entwickelt, der dem Waldbesitzer und den Behörden eine einfache Anleitung zum Erkennen von Schadfaktoren sowie die "richtigen" Maßnahmen zur Abwendung der Gefahr an die Hand geben soll.

Beispiel Buchdrucker

Der Buchdrucker (Ips typographus) ist in Mitteleuropa der bedeutendste Schädling an Fichte. Bis zum Jahr 2003, dem bisher wärmsten Jahr in Österreich, produzierte der Buchdrucker in den tieferen Lagen (bis ca. 1.200 m Seehöhe) zwei Generationen, in den Hochlagen (>1.200 m) höchstens eine Generation. Im Jahr 2003, aber auch 2006 und teilweise auch 2012 wurden in Tieflagen plötzlich drei, in Hochlagen zwei Generationen gebildet (Mehr zur Bedeutung des Klimawandels für Borkenkäfer). 

Größflächiger Schaden durch Buchdrucker
Abbildung 1: Großflächige Schäden durch den Buchdrucker in einem natürlichen Fichtenwaldgebiet

Erklärt wird dieses Phänomen einfach durch die Tatsache, dass bei höheren Umgebungstemperaturen die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt wesentlich schneller verläuft und auch früher im Jahr beginnt. Drei statt zwei Generationen bedeutet aber, dass beispielsweise ein einziger Mutterkäfer plötzlich mehr als 30.000 Nachkommen gegenüber "nur" 1.250 produziert. Übertragen auf die Hochlagen stehen 50 Nachkommen im "Normalfall" plötzlich 1.250 gegenüber. Die Auswirkungen lassen sich in der Natur deutlich erkennen (Abbildung 1).

Beispiel  Amerikanischer Webebär

Der Amerikanische Webebär (Hyphantria cunea) ist eine ursprünglich in Nordamerika und südlich bis Mexiko beheimatete Schmetterlingsart, die im Obst- und Weinbau, aber auch im Wald spürbare Schäden verursachen kann (Abbildung 2). Im letzten Jahrhundert wurde er in Europa eingeschleppt und verbreitete sich vor allem in den wärmeren Ländern Europas (Ungarn, Slowakei, Südwestfrankreich, Italien und Tessin/Schweiz). 

Amerikanischer Webebär
Abbildung 2: Raupe des wärmeliebenden Amerikanischen Webebärs beim Fraß an Eschenahorn im Burgenland (Foto: H. Krehan)

Während der letzten Jahre ist der Amerikanische Webebär vermehrt in Ostösterreich aufgetaucht und hat zuletzt 2009 einen Laubmischwald im Burgenland auf einer Fläche von rund 16 Hektar kahlgefressen (Artikel dazu). Er ist nur ein Beispiel dafür, dass mit zunehmender Klimaerwärmung sich eine Reihe "wärmeliebender Arten" auch nördlich der Alpen ausbreiten werden.

Waldschädlingsmonitoring

Seit vielen Jahren gibt es Bemühungen, die nationalen Schädlings-Monitoringprogramme international zu vernetzen. Forstschutzprobleme sind meist nicht national begrenzt, sondern betreffen oft deutlich größere Gebiete. Um das vorhandene Wissen zu bündeln und rechtzeitig Informationen über drohende Kalamitäten zu erhalten, wurde im Projekt ein transnationales Forstschutznetzwerk und eine internetbasierte Informationsplattform entwickelt, die künftig als Frühwarnsystem fungieren könnte.

Gefahrdrohende Entwicklungen sollen künftig von europäischen Forstschutzexperten in eine Datenbank eingegeben werden und allen interessierten Waldschützern, Waldbesitzern, Bewirtschaftern und Behörden, in einem gewissen Rahmen auch den interessierten Waldnutzern zur Verfügung stehen. Das Motto hinter der Idee lautet: "Je früher ich über eine mögliche Gefahr informiert bin, desto früher kann ich auch wirksame prophylaktische Maßnahmen oder Gegenmaßnahmen ergreifen und Schaden abwenden."

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