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Artikel

Autor(en): Christian Tomiczek, Gottfried Steyrer
Redaktion: BFW, Österreich
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Aktuelle Forstschutzprobleme bei Lärche

Die Europäische Lärche (Larix decidua) zählt in ihrem natür­lichen Verbreitungsgebiet zu den Baumarten mit geringem Forstschutzrisiko. Sie ist kaum sturmgefährdet und gilt als schneebruchsicher.

Schädlinge und Pilzkrankheiten treten mit wenigen Ausnahmen selten in Erscheinung und sind oft die Folge von Witterungseinflüssen oder Managementfehlern. So war es zumindest in der Vergangenheit. Während der letzten Jahre, insbesondere nach dem warmtrockenen Jahr 2003 hat auch die Lärche zunehmend mit Forstschutzproblemen zu kämpfen.

Im Jahr 2010 wurden in der Steiermark, in Salzburg, Kärnten, Ober- und Niederösterreich auffällige Kronenschäden und Schadsymptome am Stamm von Lärchen beobachtet. In niederen Lagen deuteten die Symptome auf primäre Frostschäden durch den Wintereinbruch 2009 hin, der auf einen warmen und regenreichen Herbst gefolgt war. Für die höheren Lagen wurde das charakteristische Zweigsterben als ein Spätfrostschaden während des Austriebes im Mai 2010 interpretiert. 

Von den epidemisch auftretenden Insektenarten an Lärchen fiel neben der häufigen Lärchennadel-Knicklaus und der Lärchennadel-Miniermotte besonders die Lärchenknospen-Gallmücke auf. In manchen Gebieten war die Lärchennadel-Miniermotte für großflächige Vergilbungen verantwortlich. Zumindest lokal war der Lärchengallenwickler bedeutend. Unter den Nadelschütte-Erregern war 2010 Mycosphaerella laricina eine häufige Folge des Lausbefalles. Bei beherrschten oder unterdrückten Lärchen mit konkurrenzbedingt deutlich reduzierten Kronen traten sekundäre Schadorganismen, wie Bockkäfer, vermehrt auf.

Die Lärchen trieben 2011, dem zeitigen und sehr warmen Frühlingsbeginn entsprechend, früh aus. Auf den ersten Blick zeigten die Kronen einen vitalen und synchronen Austrieb. Bei genauerer Betrachtung war auf den Probenzweigen der Großteil der Kurztrieb-Nadeln von Schädlingen befallen. Neben der hauptsächlich vorkommenden Lärchennadel-Miniermotte und der Lärchennadel-Knicklaus wurden besonders die Lärchenknospen-Gallmücke, aber auch der Grauen Lärchenwickler festgestellt.  

Nachfolgend werden die wichtigsten Schadfaktoren an der Lärche und ihre aktuelle Bedeutung diskutiert.

Frost

Die Lärche ist als Pionierbaumart relativ frosthart. Empfindlich ist sie gegenüber Frühfrost und Spätfrost, meist außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes.

Lärchenknospen-Gallmücke

Beobachtungen der letzten Jahre zeigen eine deutliche Zunahme der Schäden durch die Lärchenknospen-Gallmücke (Dasineura kellneri, syn. Dasineura [Dasyneura] laricis). Durch die toxininduzierte Knospengalle, in der die hell-orange Made lebt, ist ein normaler Knospenaustrieb nicht möglich: An diesen Stellen befinden sich entweder gar keine Nadeln oder aber ein Kranz rasch braun werdender Nadeln. Der Schaden ist an der verharzten, vergrößerten Knospengalle erkennbar.

Lärchenknospen-Gallmücke - Knospe Lärchenknospen-Gallmücke - Made
Lärchenknospen-Gallmücke – Knospe
Lärchenknospen-Gallmücke – Made

Besonders betroffen waren bisher Standorte in der Steiermark und in Niederösterreich. Bei Differenzial­diagnosen in der Steiermark waren nicht einmal 10 % aller Knospen als gesund einzustufen. Etwa 70 % wurden durch die Lärchenknospen-Gallmücke geschädigt. In der Folge weisen die Bestände stark verlichtete Kronen auf. Nachfolgend werden die betroffenen Bäume häufig von anderen Schadorganismen befallen, die letztendlich das Absterben herbeiführen können.

Lärchennadel-Miniermotte (Coleophora laricella)

Die Raupen (ca. 5 mm, rötlich-braun mit schwarzer Kopfkapsel) dieses Kleinschmetterlings höhlen unmittelbar nach dem Austrieb die Nadeln von der Spitze her aus. Bei ge­nauerem Hinsehen ist das Einbohrloch an der Nadel erkennbar. Aus der aus­gehöhlten Nadel erzeugt sie dann den charakteristischen, schützenden Sack, aus dem die Raupe herausragend andere Nadeln miniert, so weit sie mit ihrem Vorderkörper hineinreicht. Die betroffenen Nadeln vergilben und werden später braunrot gefärbt.

Lärchennadel-Miniermotte
Lärchennadel-Miniermotte

Starkes Auftreten hat es während der letzten Jahre vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark gegeben. Da die Langtriebe meist nicht befallen werden, kommt es praktisch nie zu Kahlfraß. Empfindliche Zuwachsverluste, die Schwächung der befallenen Lärche und folglich eine höhere Disposition gegenüber anderen Schadfaktoren, wie Frost oder Pilzinfektionen, sind möglich.

Lärchennadel-Knicklaus (Adelges geniculatus)

Die Nadelverfärbungen beginnen meist im mittleren Nadelteil und sind in der Baumkrone relativ gleich­mäßig verteilt. An der Saugstelle erkennt man gelbe Punkte, später knicken die Nadeln ab, färben sich später rotbraun und fallen ab. Durch die Saugtätigkeit der Läuse werden auch die Knospen geschädigt, es kommt zu Austriebanomalien und Nadelverkürzungen.

Lärchennadel-Knicklaus
Lärchennadel-Knicklaus

Auch dieser Schädling ist seit Jahren vor allem in den östlichen und südlichen Bundesländern auffällig. Betroffen sind Lärchen aller Altersklassen. Die Zunahme der Läuse wird dem Temperaturanstieg der letzten Jahre zugeschrieben. Es kann ebenfalls, wie bei der Miniermotte, zu Zuwachsverlust, Schwächung und Disposition des Baumes gegenüber anderen Schadfaktoren kommen.

Lärchenkrebs (Lachnellula willkommii)

Bei Untersuchungen von Lärchen mit starken Kronenverlichtungen wurde in den letzten Jahren fast immer Lärchenkrebs in unterschiedlicher Intensität festgestellt. Aus diesen Beobachtungen kann man schließen, dass Lachnellula willkommii in den Ostalpen in montanen bis subalpinen Lärchenbeständen aller Altersklassen weit verbreitet ist. Klimafaktoren allgemein und ungünstiges Standortsklima im Besonderen sowie empfindliche Lärchenherkünfte, waldbauliche Fehler, insbesondere unterlassene Pflegeeingriffe und mangelnde Waldhygiene, fördern diese Krankheit. Bevorzugte Infektionsstellen sind Kambial­schäden, die durch vorzeitige Frosteinbrüche oder durch Spätfröste verursacht werden.

Lärchenkrebs
Lärchenkrebs

Das Pilzwachstum im Baum erfolgt während der Vegetationsruhe. Die Fähigkeit des Baumes, Infektionsherde zu überwallen, ist dann eingeschränkt. Während der Vegetationszeit reagiert das Pflanzengewebe mit Wundkallusbildung, und an den befallenen Stellen entwickeln sich Krebswucherungen.

Großer Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae)

Der Käfer erzeugt ein typisches Brutbild mit drei- oder mehrarmigen, länglichen Sterngängen und wenig geschlängelten Larvengängen. Er wird auch durch den Reifungs- und den Regenerationsfraß der Adulten sekundär an dünnrindigen Baumteilen und gesunden Lärchentrieben schädlich. 

Lärchenborkenkäfer Lärchenbock
Großer Lärchenborkenkäfer Lärchenbock

Lärchenbock (Tetropium gabrieli)

Der Lärchenbock gilt als Sekundärschädling, der aber zumindest geschwächte Altbäume zum Absterben bringen kann. Erstmals wurde dies 2004 und in den Folgejahren an Lärchen-Überhältern beobachtet. An den betreffenden Bäumen konnten keine anderen Schadenserreger festgestellt werden, weshalb angenommen wurde, dass das warme und trockene Jahr 2003 zu einer Vorschädigung geführt hat, in deren Folge der Bockkäferbefall stattfinden konnte. Der Befall kann an Harz- und Bohrmehlaustritt sowie den Larvengängen erkannt werden.

Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera diniana)

Der Kleinschmetterling kann hauptsächlich in den Alpen gefährlich werden (oberhalb von 1200 m mit alle acht bis neun Jahre wiederkehrenden Massenvermehrungen), sonst hat er eher geringere Bedeutung. Durch den Fraß an den Kurztriebnadeln (Nadelwickel!) und später an allen Nadeln trocknen die befressenen Nadelreste ab. Sie bleiben gemeinsam mit dem Kot in den Gespinsten hängen, die Triebe erscheinen insgesamt braun. In letzter Zeit wurden in Österreich keine Massenvermehrungen dokumentiert.

Lärchen-Nadelschütten

Die Mycosphaerella-Lärchennadelschütte (Mycosphaerella laricina) ist die am weitesten verbreitete Lärchenschütte in Österreich. Oft tritt der Pilz als Folge von Lausbefall auf, wobei er sich von den Saug­stellen ausgehend ausbreitet. Lang anhaltende feuchte Witterung im Frühjahr und Sommer sowie ungünstiges Standortsklima fördern das Auftreten. Vor dem Abfall ver­färben sich die Nadeln in Bändern (rötlich)braun, innerhalb dieser Verfärbungen sind die kleinen, schwarzen Fruchtkörper unregel­mäßig verteilt. Bei mehrjährigem Befall ist mit Zuwachsverlusten zu rechnen, bei Jungbäumen kann es zu Ausfällen kommen. In den letzten Jahren hat sich die Krankheit stark ausgebreitet und war häufig an den Kronensymptomen beteiligt.

Lärchennadelschütten
Lärchen-Nadelschütten

Die Hypodermella-Lärchennadelschütte (Hypodermella laricis) ist vor allem über 1000 m Seehöhe häufig. Die Fruchtkörper sind bei diesem Pilz regelmäßig angeordnet, der Nadelfall setzt erst ab dem zweiten Jahr ein. Bei mehrjährigem Befall ist ein Triebsterben oder Absterben von jungen Lärchen möglich. 

Ähnlich wie die Mycosphaerella-Lärchennadelschütte ist auch die Meria-Lärchennadelschütte (Meria laricis) im Alpenraum bei Lärchen aller Altersklassen weit verbreitet. Auf der verfärbten Nadel sind keine Fruchtkörper und keine Querbänder erkennbar. Die Krankheit kann für junge Lärchenpflanzen ein Problem werden.

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