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Artikel

Autor(en): Gottfried Steyrer, Gernot Hoch, Bernhard Perny
Redaktion: BFW, Österreich
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Borkenkäfer 2017: satte 3,5 Millionen Festmeter

Bestimmend für die Waldschutzsituation 2017 in Österreich waren neuerlich Witterungsextreme, zeitliche und regionale Trockenheit, überdurchschnittlich warme Temperaturen sowie ein hoher Kalamitätsholzanfall, verursacht durch Stürme. Die Borkenkäferschadholzmenge erreichte ein vorläufiges Allzeithoch von 3,52 Mio. Festmeter.

Der Befall von Fichten durch den Buchdrucker war der wesentliche Faktor für den Anstieg Käferholzvolumens gegenüber 2016, aber auch bei Weißkiefer nahm die Bedeutung von Kiefernborkenkäfern neben dem komplexen Auftreten verschiedener Schadursachen auffällig zu. Starke Trockenheit bzw. mehrfache Trockenperioden in aufeinanderfolgenden Jahren führten dazu, dass im Zusammenspiel mit Schadursachen, die sonst meist nur von begrenzter Bedeutung sind, regional Schwächungen und Schäden bis hin zum Absterben von Bäumen auftraten.

Sturmschäden und Trockenheit

Schwere Gewitterstürme in der gesamten Vegetationszeit, mehrere orkanartige Stürme im September ("Sebastian") und Oktober ("Herwart") sowie der Föhnsturm "Yves" im Dezember führten zu einem massiven Anstieg bei den Sturmschäden. Die Bezirksforstdienste meldeten in der Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF) ein Schadensvolumen von 3,5 Mio. fm. Das entspricht der 3,5-fachen Menge des Vorjahres. Die meisten Schäden fielen in Kärnten, Steiermark, Nieder- und Oberösterreich an.

Nassschnee verursachte die geringsten Schäden seit dem Bestand der DWF im Jahr 2002 (rund 90.000 fm). Das gesamte, 2017 durch abiotische Schadfaktoren verursachte Kalamitätsholzvolumen von 3,6 Mio. fm wurde nur in drei Jahren innerhalb dieser Periode überschritten.

Schadholzmengen des Jahres 2017 in Österreich (Quelle: Bundesforschungszentrum für Wald)
Schadholzmengen durch Sturm, Schnee und Borkenkäfer in Österreich im Jahr 2017

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) lag die Witterung des Jahres 2017 im Trend der Klimaänderung der letzten Jahrzehnte. Wie schon im Jahr davor wurden auch 2017 deutlich überdurchschnittliche Temperaturen gemessen. Die ZAMG verzeichnete das neuntwärmste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1757 mit einem Plus von 0,9 °C. Abgesehen vom sehr kalten Januar und September war jeder Monat überdurchschnittlich warm. Februar, März (wärmster März in der Messgeschichte) und Juni (zweitwärmster Juni der Messgeschichte) ragten besonders weit über die langjährigen Monatsmittel hinaus.

Nach einem phänologisch sehr frühen Vegetationsstart folgte in der zweiten Aprilhälfte ein Wintereinbruch mit Spätfrost- und Schneebruchschäden, die jedoch jeweils geringer als 2016 ausfielen. Waldbrände unmittelbar vor und nach diesen winterlichen Tagen zeigten, dass damit eine monatelange Phase mit Trockenheit und Dürre sowie zu hohen Temperaturen nur kurz unterbrochen wurde.

Österreichweit lag der Niederschlag 2017 nahe am vieljährigen Mittel, in der zeitlichen und regionalen Auswertung zeigen sich aber beträchtliche Unterschiede. Die erste Jahreshälfte, mit Ausnahme des Aprils, war in beinahe allen Teilen Österreichs von teilweise extremer Trockenheit gekennzeichnet.

In den Landesteilen abseits des Alpenhauptkammes, besonders in den Bundesländern Ober- und Niederösterreich, Burgenland und Steiermark ergaben sich Defizite in den Niederschlagssummen über das gesamte Jahr von 10 bis 25 %. Vor allem Regionen im Nordosten waren aber auch 2015 und selbst im eher niederschlagsreicheren Jahr 2016 von Trockenheit betroffen.

Käferholz - so viel wie noch nie

Nachdem die Borkenkäferschäden im Jahr 2015 sprunghaft zugenommen und sich auch 2016 weiter erhöht hatten trotz zeitweise günstiger Niederschlagsverhältnisse, zeichnete sich 2017 aufgrund der Trockenheit in der ersten Jahreshälfte und der frühen Hitzewelle im Juni bereits sehr bald eine dramatische Entwicklung der Borkenkäferkalamität ab. Tatsächlich wurde 2017 ein neues Allzeithoch von 3,52 Mio. fm Käferholz in der DWF dokumentiert.

Windwurf (Foto: BFW/Tomiczek)
Mehrere orkanartige Stürme im September und Oktober sowie der Föhnsturm "Yves" im Dezember 2017 führten zu einem massiven Anstieg bei den Sturmschäden (Foto: BFW/Tomiczek)

Diese DWF-Daten werden von den Bezirksförsterinnen und –förstern auf Ebene der Forstaufsichtsstationen erhoben und über die Landesforstdienste, wo die Daten überprüft und freigegeben werden, dem BFW übermittelt. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 wurde um mehr als ein Viertel überschritten, die Zunahme gegenüber 2016 betrug 34 %.

Der Großteil des gesamten Käferholzvolumens wurde durch den Buchdrucker (Ips typographus) verursacht (rund 3,0 Mio. fm), das entspricht einem Anstieg von rund 38 %. Beim Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) nahm die Schadholzmenge (384.000 fm) nur gering zu. Die Schäden durch verschiedene Kiefernborkenkäfer vervierfachten sich 2017 gegenüber dem Vorjahr (54.000 fm). Stark erhöhte sich auch die Schadholzmenge beim Großen Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae), lediglich leicht bei den Tannenborkenkäfern.

Absolut ungewöhnlich war ein Befall durch Buchdrucker an der Baumart Schwarzkiefer, im Speziellen nahe Würflach (Bez. Neunkirchen, Niederösterreich), die als Überhälter auf einer zirka 1 ha großen, geräumten Fichtenborkenkäferfläche verblieben waren.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Große Teile der nordöstlich gelegenen Fichtengebiete des Bundesgebietes liegen in Regionen, die von dem wiederholt wiederkehrenden Trockenstress der letzten drei Jahre betroffen waren. In Niederösterreich wurde ein enormer Anstieg von rund 60 % registriert, 1,9 Mio. fm Käferholz fielen alleine hier an. In Oberösterreich wurden regional ähnliche Niederschlagsdefizite verzeichnet; die Schadholzmenge stieg hier ebenfalls sehr stark an (512.000 fm). Eine ähnliche Entwicklung wurde ferner in Salzburg registriert, jedoch bei vergleichsweise geringen Gesamtschaden (183.000 fm).

Aus Tirol sowie Vorarlberg wurden geringere Zunahmen bei einer geringen absoluten Schadenshöhe (rund 131.000 bzw. 18.000 fm) gemeldet. In Kärnten blieb sie annähernd gleich hoch wie im Vorjahr (rund 338.000 fm). Ein gegenläufiger Trend liegt in der Steiermark vor, mit einer Abnahme von rund 24 % (295.000 fm). Geringfügig, um rund 4 %, reduzierte sich das Käferholvolumen im Burgenland (140.000 fm).

Stellt man die Schadholzdaten auf Ebene der Bezirksforstinspektionen gegenüber, treten in den wiederholt dürrebetroffenen Gebieten des Nordostens dramatische Ergebnisse zutage: In den besonders von der Trockenheit betroffenen Regionen Wald- und Mühlviertel, die unter 10 % der österreichischen Waldfläche und 11,5 % des österreichweiten Fichtenvorrates repräsentieren, fiel 2017 die Hälfte des österreichischen Borkenkäferschadholzes an.

Ausblick 2018: besorgniserregende Ausgangslage

Die Ausgangslage nach dem Winter 2017/18 für die Entwicklung der Borkenkäfermassenvermehrung im laufenden Jahr kann nur als besorgniserregend bezeichnet werden.

Die Rekordwerte des Jahres 2017 beim Käferholzvolumen lassen auf extrem hohe Populationsdichten bei den Fichtenborkenkäfern, besonders dem Buchdrucker, schließen. Aber auch Kieferborkenkäfer sind lokal in hoher Dichte vorhanden.

Die Niederschläge der letzten Wochen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Winter 2017/18 im gesamten Norden und Osten des Bundesgebietes überdurchschnittlich trocken ausfiel. Von der ZAMG wurden regional Niederschlagsdefizite bis zu 55 % registriert. Verschärft wird dies durch bereits vorhandene Trockenschäden aus den Vorjahren.

Die Sturmereignisse im Herbst und Winter haben sehr hohe Mengen an Kalamitätsholz erzeugt. Ungünstigerweise fiel ein großer Teil in Einzelwürfen an. Darüber hinaus wurden viele Bäume vom Sturm zwar nicht geworfen, könnten jedoch Schäden im Wurzelbereich erlitten haben. Nicht in allen Beständen, besonders in höheren Lagen, konnten die Windwürfe fertig aufgearbeitet werden. Somit ist für die Borkenkäfer im Frühjahr viel befallstaugliches Holz vorhanden.

Der Wintereinbruch in der zweiten Februarhälfte entspannte nicht die Situation: Die Käfer befinden sich noch in der Winterruhe und sind vor weit tieferen Temperaturen geschützt, als zu dieser Zeit gemessen wurden. Stichproben an zu spät gefällten und unbehandelt in Waldbeständen verbliebenen Fichten bestätigen, dass selbst in kleinflächigen, am Stamm verbliebenen Rindenresten eine große Zahl überwinterter und vitaler, adulter Buchdrucker vorhanden ist.

Für die Waldbesitzerinnen und -besitzer gilt als oberste Prämisse: Befallenes Material und allenfalls im Herbst oder Winter geworfenes und damit bruttaugliches Material sind umgehend aus dem Wald zu entfernen. Denn mit steigenden Temperaturen fliegen die Käfer im April wieder aus, um neue Bäume zu befallen.

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