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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Thomas Bublitz, Reinhold John, Berthold Metzler, Jörg Schumacher, Jan Wußler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Waldschutzsituation 2015/2016 in Baden-Württemberg

In den Wäldern Südwestdeutschlands hat sich die Fichtenborkenkäfer-Situation aufgrund der warm-trockenen Sommerwitterung 2015 deutlich verschärft. Für 2016 ist mit hohen Ausgangszahlen und demnach mit einer erhöhten Gefährdung zu rechnen. Das Eschentriebsterben befindet sich nach wie vor auf hohem Niveau. Darüber hinaus war regional Blattfraß durch Frostspanner-Raupen sehr auffällig. Neben dem Befall durch Misteln werden an Kiefern vermehrt rindenbrütende Käfer festgestellt. Zudem gefährdet weiterhin der Waldmaikäfer die Wälder in der nördlichen Oberrheinebene. Durch erneute Funde des Asiatischen Laubholzbockkäfers und novellierte EU-Vorgaben stehen erstmals im Wald umfangreiche Monitoring-Aufgaben an.

Inhalt

Witterung, abiotische Schäden und Kronenzustand

Die Witterung war 2015 im Vergleich zum langjährigen Mittel insgesamt deutlich zu warm. Bis in den September sind die Sommermonate deutlich zu trocken ausgefallen. Jedoch schien der Wald bis in die ersten Augusttage vielerorts kaum beeinträchtigt, was auf vergleichsweise hohe Bodenwasservorräte zurückgeführt wird. Lokal sind auch Gewitterregen verschieden häufig und ergiebig aufgetreten. Erst im späteren Verlauf des Sommers kam es auf extrem trockenen Standorten zu erkennbaren Stresssymptomen. Insgesamt wurde schließlich mit rund 8.000 ha nahezu die vierfache Fläche mit Trockenschäden als noch im Jahr zuvor gemeldet. Betroffen waren hauptsächlich Kiefern, Buchen sowie Fichten und darunter ganz besonders Kulturen. Die gesamten Auswirkungen der Trockenheit können bis heute nicht abschließend beurteilt werden.

Infolge des Sturmtiefs "Niklas" sind am 31. März 2015 besonders im Osten des Landes nennenswerte Schäden im Wald entstanden. Am 13. Mai 2015 richtete ein Tornado im Südschwarzwald lokal verheerende Sturmschäden an. Der Winter 2015/16 wies mit Ausnahme einer vergleichsweise kurzen Periode bisher relativ milde Temperaturen auf. Darüber hinaus wurden bis Februar 2016 im Wald keine außergewöhnlichen witterungsbedingten Schadereignisse von überregionaler Bedeutung dokumentiert.

Der Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags aufgrund abiotischer oder biotischer Ursachen am gesamten Jahreseinschlag lag im Gesamtwald von Baden-Württemberg mit 24% (1,956 Mio. Fm) bei etwa dem dreifachen Wert des Vorjahres (Abb. 1). Die mit Abstand größten Anteile daran hatten das "Sturmholz" (56%), gefolgt vom "Insektenholz" (22%) und dem Schadholz infolge eines Pilzbefalls (10%). Aber auch die Eis- und Schneebruchschäden aus dem Winter 2014/15 wurden in größerem Maße verbucht.

Prozentualer Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags (ZN) insgesamt und Holzeinschlag (Fm) allein aufgrund von Insekten über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989 bis 2015; beim durch Insekten bedingten Einschlag entfielen 2015 auf Fichte 88%, auf Laubholz 5%, auf Tanne 3% und auf Kiefer 2%.
Abb. 1: Prozentualer Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags (ZN) insgesamt und Holzeinschlag (Fm) allein aufgrund von Insekten über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989 bis 2015; beim durch Insekten bedingten Einschlag entfielen 2015 auf Fichte 88%, auf Laubholz 5%, auf Tanne 3% und auf Kiefer 2%.

Aus der jährlich von der Abteilung Boden und Umwelt der FVA durchgeführten Kronenzustandserhebung geht hervor, dass der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenschäden 2015 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 36% erheblich gesunken ist. Als Gründe werden der geringere Fruchtbehang bei den Baumarten Buche und Fichte, eine gute Wasserversorgung bis zur ersten Hälfte der Vegetationsperiode und eine bis zum Abschluss der Erhebung Mitte August noch vergleichsweise geringe Belastung der Buche und Fichte durch Schadinsekten genannt..

Biotische Schäden

Die Anzahl der Meldungen ist deutlich gestiegen. Dennoch ist die von Schadorganismen betroffene Fläche durch den Wegfall von rund 14.000 ha, die im Jahr zuvor noch von Buchen-Springrüssler befallen waren, insgesamt merklich gesunken. Demgegenüber haben die gemeldeten Flächen zu Fichtenborkenkäfer, Eschentriebsterben, Frostspanner, Maikäfer und Rindenbrüter an Kiefern zugelegt (Tab. 1).

Tab. 1: Von den Unteren Forstbehörden gemeldete Flächen mit Schaderregern 2006-2015 (N=Anzahl der Meldungen)
Von den Unteren Forstbehörden gemeldete Flächen mit Schaderregern 2006-2015 (N=Anzahl der Meldungen)

Schaderreger an Nadelbaumarten

Fichte

Die durch Borkenkäfer an Fichte verursachte Schadholzmenge bewegte sich mit 382.370 Fm bei dem rund 1,7-fachen des Vorjahres . Gleichzeitig hat der Umfang der von den Unteren Forstbehörden gemeldeten Flächen, die nur von den beiden Arten Buchdrucker und Kupferstecher befallen waren, um das rund 2,4-fache zugelegt.

Die Flugaktivitäten der wichtigsten Fichtenborkenkäfer werden im Süd- und Nordschwarzwald mit Pheromonfallen und wöchentlichen Brutkontrollen an Fangbäumen überwacht.

Durch das relativ kühle und feuchte Frühjahr startete der Schwärmflug von Buchdrucker und Kupferstecher im Südschwarzwald in submontan gelegenen Gebieten 2015 Mitte April und damit verhältnismäßig spät. Auf höher gelegenen Standorten begannen die Borkenkäfer ihren Schwärmflug entsprechend verzögert erst im Mai. Hochsommerliche Temperaturen und geringe Niederschläge im Juli und August beschleunigten die Entwicklung der Käfer massiv. So entwickelten sich je zwei Buchdrucker- und Kupferstecher-Generationen. Bis in montane Lagen wurde eine dritte Generation angelegt, die sich bei der letzten Kontrolle Anfang Oktober im Larven- oder Puppenstadium befand. Ein milder Herbst hat die Weiterentwicklung der Bruten unter der Rinde begünstigt. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Anteil von Jungkäfern, die einer wesentlich geringeren Wintermortalität unterliegen als Larven oder Puppen, gegenüber durchschnittlichen Jahren deutlich höher war. Die Flugaktivität des frühschwärmenden Gestreiften Nutzholzborkenkäfers begann wie im Vorjahr Mitte März. Der Hauptflug fand im April, in höheren Lagen im Mai statt.

Erste Buchdrucker schwärmten auch im Nordschwarzwald Mitte April aus. Die günstigen Witterungsverhältnisse führten schließlich dazu, dass der Buchdrucker insgesamt zwei Tochtergenerationen und damit eine mehr als im Vorjahr ausbildete. Brutbilder der Fangbäume zeigten, dass Ende August eine dritte Generation angelegt wurde, die sich zum Teil bereits Anfang Oktober bei der letzten Fangbaumkontrolle zu Jungkäfern entwickelt hatte. Es muss daher im Folgejahr mit einer relativ hohen Populationsdichte gerechnet werden. Im gesamten Monitoring-Zeitraum wurden beim Buchdrucker deutlich mehr Weibchen als Männchen in den Fallen gefangen. Dieses Geschlechterverhältnis deutet auf eine Progradation hin.

Im vergangenen Jahr 2015 war während der Trockenperioden im Sommer zu befürchten, dass Fichtenborkenkäfer erhebliche Schäden anrichten werden. Allerdings sind die verbuchten Schadhölzer erst im August deutlich angestiegen. In Regionen mit großen Sturmschäden, vor allem im Osten des Landes und im Südschwarzwald, sind besonders viele "Insektenhölzer" angefallen. Doch hielten sich die Mengen über das gesamte Jahr betrachtet landesweit in einem vergleichsweise übersichtlichen Ausmaß. Neben dem Fehlen hoher Ausgangszahlen überwinternder Käfer waren mit Ausnahme der Sturmschadensgebiete keine größeren Mengen Brutmaterials aufgrund abiotischer Schadereignisse vorhanden, so dass sich die Populationsentwicklung in Grenzen hielt. Zudem hielt die Abwehrbereitschaft der Fichten offensichtlich aufgrund vergleichsweise hoher Bodenwasservorräte vielerorts noch bis in die erste Hälfte der Vegetationsperiode an. Erst im späteren Sommer hat insbesondere der Kupferstecher von der Trockenheit profitiert und geschwächte Fichten stehend befallen. 

Darüber hinaus haben sicher auch die von den Waldbesitzenden regelmäßig und gewissenhaft durchgeführten Kontrollen der Fichtenbestände auf Symptome eines Befalls (Abb. 2) sowie die daraufhin zügige Abfuhr befallener Stämme bei einer immer noch vergleichsweise günstigen Holzmarktlage wesentlich zur Entspannung beigetragen.

Infolge Stehendbefall durch Buchdrucker geschädigte Fichten. Mit dem Fernglas entdeckt man auch das Bohrmehl an befallenen Fichten.
Abb. 2a: Infolge Stehendbefall durch Buchdrucker geschädigte Fichten.
Abb. 2b: Mit dem Fernglas entdeckt man auch das Bohrmehl an den befallenen Fichten. (Fotos: FVA/John)

Auf das Jahr 2016 blickend ist nach der letzten warm-trockenen Vegetationsperiode und dem vergleichsweise milden Spätherbst und Winter von beträchtlichen Ausgangszahlen überwinternder Käfer auszugehen. Dadurch ist die Gefahrenlage gegenüber dem Vorjahr deutlich verschärft. Insbesondere bei länger anhaltenden Hitze- und Trockenperioden können während der nächsten Vegetationsperiode kritische Situationen entstehen. Dann ist bei auftretendem Brutmaterial aus Sturm- oder Schneebruchhölzern und besonders in Beständen mit Vorjahresbefall allerhöchste Aufmerksamkeit geboten. Erforderlichenfalls ist eine zügige Durchführung einschlägiger Maßnahmen zur effizienten Regulierung der Borkenkäfer dringend geboten. Dies wird durch die fortlaufende Einschätzung der Gefährdungslage auf Grundlage des Monitoring der Flugaktivitäten und des Brutfortschritts unterstützt. Eingehende Informationen sind im Beitrag Steigende Borkenkäfergefahr für 2016 – so beugen Sie vor zu finden.

Tanne

Abgestorbene Kiefer im Rhein-Neckar-Kreis
Abb. 3: Abgestorbene Kiefer im Rhein-Neckar-Kreis. (Foto: FVA/John)

Die von der Tannen-Komplexkrankheit und der Tannen-Trieblaus betroffenen Flächen sind weiter zurückgegangen. Trotzdem bleibt der Trieblausbefall regional in mehr oder weniger freistehenden Jungwüchsen weiterhin ein bedeutendes Problem. Sowohl die Stamm- als auch die Trieblaus werden durch Witterungskonstellationen mit milden Frühjahren und Wintern besonders gefördert. Nach wie vor sind ältere Tannen intensiv von vitalitätsmindernden Misteln befallen.

Kiefer

Der Umfang von mit Waldgärtner, sonstigen Borkenkäfern sowie Pracht- und Bockkäfern befallenen Flächen ist auf insgesamt rund 1.800 ha gestiegen. Ein großes Risiko für die Kiefernwirtschaft in der nördlichen Oberrheinebene stellt auf rund 3.800 ha nach wie vor der Befall durch die Mistel dar. Vor allem im Zusammenhang mit Trockenstress kann dies zu erhöhter Mortalität führen, wie dies seit dem Sommer 2015 festzustellen ist (Abb. 3). Eng damit in Verbindung steht die Kiefern-Komplexkrankheit, die mit einer gemeldeten Fläche von rund 1.100 ha etwa auf dem Niveau des Vorjahres lag. Die Baumart Kiefer scheint in der nordbadischen Oberrheinebene dauerhaft gefährdet zu sein. In Anbetracht der Massenvermehrung des Waldmaikäfers (siehe unten) auf nahezu gleicher Fläche steht auf den betroffenen trockenen Sandstandorten die Waldwirtschaft in dieser Region vor einer großen Herausforderung.

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Untere Forstbehörden mit 2015 gemeldeten Fraßschäden durch Schmetterlingsraupen (vor allem Frostspanner).
Abb. 4: Untere Forstbehörden mit 2015 gemeldeten Fraßschäden durch Schmetterlingsraupen (vor allem Frostspanner). (Grafik: FVA/Wußler)

Schaderreger an Laubbaumarten

Eiche

Die gemeldete Laubwaldfläche mit Fraßschäden durch Schmetterlingsraupen (Abb. 4), vor allem Frostspanner, ist gegenüber dem Vorjahr auf rund 2.200 ha gestiegen. Die routinemäßig durchgeführten Leimring-Kontrollen lassen je nach Witterung auch für das Frühjahr 2015 besonders in der nördlichen Oberrheinebene und im Neckarland wieder einen Raupenfraß erwarten. Der Schwammspinner wurde auf rund 40 ha beobachtet. Anhand von jährlich durchgeführten Pheromon-Fallenfängen gibt es jedoch keine Anzeichen auf einen verbreiteten Anstieg der Population.

Der Eichenprozessionsspinner ist auch aufgrund der von den Brennhaaren der Raupen für Mensch und Tier ausgehenden Gefahren vielerorts ein besonderes Problem. Die Befunde des exemplarisch bei Freiburg jährlich an Eichen durchgeführten Monitorings weisen derzeit nicht auf einen Anstieg der Populationsdichte hin. Die Entwicklung dieses Schmetterlings ist besonders von der Witterung im Frühjahr und Frühsommer abhängig.

Der Flächenumfang mit Eichenmehltau befallener Bestände ist insgesamt auf rund 470 ha angewachsen. Dies korrespondiert mit dem festgestellten Anstieg blattfressender Raupen, denn der junge Neuaustrieb nach Fraß wird je nach Witterung sehr häufig von diesem Blattpilz befallen. Dadurch verstärkt sich die durch den Raupenfraß bedingte Schwächung der Eichen oft erheblich.

Befall durch den Kleinen Buchenborkenkäfer bei Ettenheimmünster 2016
Abb. 5: Befall durch den Kleinen Buchenborkenkäfer bei Ettenheimmünster 2016. (Foto: FVA/John)

Buche

Die gemeldete Fläche mit Stehendbefall durch Rindenbrüter, Buchenprachtkäfer und Kleiner Buchenborkenkäfer, hat sich auf rund 190 ha deutlich erweitert. Örtlich wurde nach der Sommertrockenheit ein teils erheblicher Befall festgestellt (Abb. 5). Eingehende Informationen und Handlungsempfehlungen zu diesen Schadorganismen sind im Artikel Rindenbrüter an Buche zu finden.

Esche

Das Eschentriebsterben ist weiterhin äußerst bedrohlich (Abb. 6). Die gemeldete Schadfläche ist noch einmal gestiegen, nunmehr auf rund 18.800 ha, wovon mehr als die Hälfte als "bestandesbedrohend" eingeschätzt wurde. Betroffen sind alle Altersklassen in allen Regionen des Landes. Nachdem die Krankheit jetzt fast überall verbreitet ist, fiel der Anstieg gemeldeter Schadflächen im Vergleich zu den Vorjahren erstmals geringer aus. Besondere Besorgnis erregt das zunehmende Vorkommen von Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere (jedoch nicht nur) auf nassen Standorten. Hier kommt es oft zusätzlich zu Hallimasch-Infektionen, welche eine relativ rasche Stockfäule mit Bruchgefährdung nach sich ziehen. Damit verbunden sind große Herausforderungen bei der Arbeits- und Verkehrssicherung sowie eine rasche Holzentwertung. Untersuchungen der FVA und anderer europäischer Forschungseinrichtungen zeigen jedoch, dass ein kleiner Teil der Eschen eine genetisch bedingte Resistenz gegen das Triebsterben zeigt.

Hoher ungeplanter Holzanfall durch das Eschentriebsterben. Eschenindustrieholz durch das Eschentriebsterben
Abb. 6a: Hoher ungeplanter Holzanfall durch das Eschentriebsterben. Abb. 6b: Eschen-Industrieholzpolter (Fotos: FVA/Metzler).

Es wird empfohlen, bis auf weiteres keine Eschen anzupflanzen. Bei anstehenden Eingriffen sind bevorzugt anfällige Eschen zu entnehmen, die sowohl durch Kronenverlichtung und/oder durch die Bildung von Ersatztrieben erkenntlich sind. Eschen mit normaler Belaubung, ohne Ersatztriebe sowie ohne Stammfußnekrosen müssen für den Aufbau einer künftig gesünderen Eschengeneration erhalten werden; ebenso sind vorhandene Mischbaumarten zu fördern.

Schaderreger in Kulturen und Jungwüchsen

Waldmaikäfer beim Reifungsfraß an Roteiche.
Abb. 7: Waldmaikäfer beim Reifungsfraß an Roteiche. (Foto: FVA/Delb)

In der nördlichen Oberrheinebene sind die Jungwüchse und unterständigen Laubhölzer durch den Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers weiterhin verbreitet gefährdet. Unmittelbar spürbare Schäden werden inzwischen auf rund 1.600 ha festgestellt. Im Frühjahr 2015 fand zwischen Bietigheim und Bruchsal im Großraum Karlsruhe beim "Südstamm" auf rund 11.000 ha und bei Baden-Baden auf rund 1.100 ha ein auffallender Schwärmflug statt (Abb. 7). Dementsprechend ist dort nach den Eiablagen der Waldboden mit großer Sicherheit wieder mit Engerlingen teils dicht besetzt. Nach den Befunden aus den systematischen Probegrabungen sind in diesem Frühjahr 2016 von Friedrichstal bis Schwetzingen beim "Nordstamm" auf mehr als 14.000 ha Waldfläche wieder umfangreiche Flugaktivitäten und somit Eiablagen der Waldmaikäfer zu erwarten.

Quarantäne-Schadorganismen

Der Esskastanienrindenkrebs ist mit Schwerpunkt in der Oberrheinebene auf rund 80 ha gemeldet worden. Durch die Verbreitung von hypovirulenten Pilzstämmen, die durch einen spezifischen Virusbefall ihre Aggressivität verloren haben, besteht grundsätzlich die Aussicht, dass sich die Krankheit verlangsamt. In Bezug auf die inzwischen in Südwestdeutschland weit verbreitete Japanische Esskastanien-Gallwespe sind die zu Anfang gültigen EU-Notmaßnahmen aufgehoben worden. Ähnlich wie für den Erreger des Esskastanienrindenkrebses werden in Zukunft besondere Anforderungen lediglich für die Verbringung von Pflanzgut in eigens ausgewiesene Schutzgebiete gestellt. Der Erreger der Dothistroma-Nadelbräune ("Kiefernnadelbräune") wurde bei Rastatt im Jahr 2013 zum ersten Mal in einem Waldbestand nachgewiesen. Neben der Schwarz- waren auch die Gelb-Kiefern befallen. Die betroffenen Bestände sind inzwischen abgetrieben. Seitdem findet in den Gebieten des ehemaligen Befalls ein jährliches Erfolgs-Monitoring statt.

Larve des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in Verpackungsholz aus China.
Abb. 8: Larve des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in Verpackungsholz aus China. (Foto: FVA/Delb)

In der bereits seit dem Jahr 2012 in Weil am Rhein bestehenden Quarantänezone wurden im Jahr 2015 nochmals diverse Stadien des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in einer Pappelgruppe am Rheinufer gefunden. Darüber hinaus erfolgte ein weiterer Nachweis des invasiven Schädlings an einer Weide im nahegelegenen Grenzach. Auf der Grundlage eines neuen EU-Durchführungsbeschlusses und einer davon abgeleiteten deutschen Leitlinie ist in den Befallsgebieten für die nächsten Jahre ein intensives Monitoring verpflichtend, welches nun erstmals auch größere Waldflächen mit einbezieht. Wie in Weil am Rhein und in Grenzach gelten auch anderenorts Waldflächen in der Nähe von Warenumschlags- und Lagerplätzen vor allem von Importen aus Asien (z. B. Granit) mit Verpackungsholz als besonders risikobehaftet (Abb. 8). Insbesondere ein im Wald auftretender Verdacht ist der FVA unbedingt unverzüglich mitzuteilen.

Seit letztem Jahr gelten über EU-Monitoring-Programme in den Mitgliedsstaaten deutlich erweiterte Verpflichtungen zur umfangreichen Durchführung spezifischer Überwachungsmaßnahmen bei potentiell invasiven und geregelten Schadorganismen, wovon auch der Wald betroffen ist.

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