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Originalartikel: Friederich Tillmann, Dännart Katrin (2018): Der Umgang mit Risiken. http:/www.waldwissen.net, 16.05.2018.
Autor(en): Tillmann Friederich, Katrin Dännart
Online-Version: Stand: 15.08.2018
Redaktion: FVA, D

Der Umgang mit Risiken

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In den vorigen Kapiteln haben wir den Risikomanagement-Zyklus und einige Methoden der Risikoidentifikation und Risikobewertung kennen gelernt. Die Handhabung von Risiken kann wiederum auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. In der Abb. 1 sind die Überbegriffe der Risikohandhabung zusammengefasst.

Die Arten der Reaktionen auf Risiken lassen sich in ursachenbezogene und wirkungsbezogene Reaktionen einteilen.

Ursachenbezogen bedeutet, dass zum Beispiel das Auftreten eines Schadens vollständig verhindert wird, indem auf risikobehaftete Handlungen verzichtet (Risikovermeidung) wird. Es bedeutet aber auch über präventive Maßnahmen die Höhe des Risikos v.a. über die Verminderung der Eintrittswahrscheinlichkeit herabzusetzen (Behandlung).

Wirkungsbezogene Handhabung zielt v.a. auf die Verringerung der Schadenshöhe bei unvermeidbaren Risiken ab. Das geht durch Risikoübertragung, Risikoselbstübernahme oder Risikominderung durch zum Beispiel Produktdiversifizierung.

Ein Alltagsbeispiel und ein forstliches Beispiel sollen die vier Arten der Risikohandhabung aus der Abb. 1 anschaulich erklären.

Unterschiedliche Arten der Risikohandhabung
Abb. 1: Unterschiedliche Arten der Risikohandhabung.

Alltagsbeispiel Autofahren-Unfallrisiko

Als Beispiel soll der tägliche Weg zur Arbeit dienen. Für die meisten von uns geht dies mit einer Autofahrt von der Wohnung zum Arbeitsplatz einher. Neben dem unmittelbaren Zweck der Fahrt, ist ein weiteres Ziel, die unfallfreie Ankunft. Leider ergeben sich jedoch unweigerlich gewisse Umstände (technische Mängel am Fahrzeug, eigene – oder fremde Fahrlässigkeit, Schlaglöcher, etc.), die dieses Ziel in Gefahr bringen. Doch wie kann man zum Beispiel mit dem Unfallrisiko umgehen?

Vermeidung: Auto stehen lassen, um die Gefahr einen Unfall mit dem eigenen Auto zu verursachen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Übertragung: Über Teil- oder Vollkaskoversicherungen lassen sich zumindest die Kosten, die ein Unfall verursacht an Dritte weitergeben, sodass man diese nicht selber tragen muss.

Behandlung: Bedeutet eine Verminderung der Eintrittswahrscheinlichkeit durch das Ergreifen verschiedener Maßnahmen. Zum Beispiel keine Geschwindigkeit größer 130 km/h und eine strikte Promillegrenze von 0,0.

Toleranz: Wie das Wort schon sagt, man lebt mit dem Risiko. Man ergreift Standardmaßnahmen wie die regelmäßig geforderten Inspektionen und notwendigen Reparaturen, sonst aber keine weiteren Maßnahmen zur Handhabung.

In der Praxis werden meistens mehrere dieser Risiko-Handhabungs-Strategien kombiniert. Bei dem eben bemühten Beispiel könnte eine solche pragmatische Lösung darin bestehen eine möglichst günstige Fahrzeugversicherung zu wählen (Übertragung), grundsätzlich ein verantwortungsvolles Fahrverhalten zu pflegen (Behandlung) und ansonsten bei Überwachung der möglichen Risikotreiber das theoretisch denkbare Restrisiko eines Unfalls einzugehen (Toleranz). Sollte sich durch eine plötzliche Änderung des Risikopotentials (z.B. durch Steinschlag in der Windschutzscheibe) die Ausgangslage ändern, könnte eine Vermeidungsstrategie durch Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs bis zur Reparatur notwendig werden um einen adäquaten Umgang mit dem Risiko zu gewährleisten.

Eine solche Strategie, die darauf abzielt, eine optimale Mischung der Möglichkeiten im Umgang mit Risiken zu finden, wird als PARETO-optimal (Heinimann, 2002) bezeichnet. Diese Methode versucht die Kosten möglicher Schäden bzw. die Kosten zur Vermeidung solcher Schäden in ein optimales Verhältnis zu bringen.

Forstliches Beispiel Waldbrand

Je nach Temperaturen und Region ist Feuer im Wald während des Sommers ein Risikotreiber, welcher immer vorhanden ist. Immer wieder kommt es zu besonders niederschlagsarmen Perioden in den Sommermonaten. Klimamodelle gehen von einer dramatischen Erhöhung der Waldbrandgefahr spätestens ab der Mitte des Jahrhunderts v.a. in Ostdeutschland und im Rhein-Neckar- und Rhein-Main-Gebiet aus.

Vermeidung: Um in einem Wald einen Brand zu vermeiden, ist die einzige Möglichkeit den Wald entweder in eine andere Fläche (z.B. Landwirtschaft) umzuwandeln oder den Betrieb aufzugeben, sodass kein wirtschaftlicher Schaden entsteht.

Übertragung: Viele Versicherungsgesellschaften bieten Waldversicherungen an, welche die Abdeckung von Waldbränden beinhalten. So eine Versicherung kann man als Einzelperson abschließen oder auch gemeinschaftlich z.B. über eine forstliche Betriebsgemeinschaft.

Behandlung: Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Um die Eintrittswahrscheinlichkeit zu verringern, kann man besonders gefährdete Wälder überwachen (Überwachungstürme, Überwachungsflüge,…). Um das Schadausmaß für den Gesamtbetrieb zu minimieren, kann man Rücklagen aus Überschüssen bilden, die an spezielle Schadereignisse gebunden sind und dabei helfen, die Schäden zu beseitigen (Risikoselbstübernahme).

Toleranz: Auch hier bedeutet es, das Risiko zu akzeptieren und keine besonderen Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen. Doch heißt dies auch, dass wenn der Schaden eingetreten ist, man sich mit all seinen Konsequenzen selber darum kümmern muss.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) empfiehlt land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ein betriebliches Risikomanagement durchzuführen. Der Umgang mit jedem erkannten Risiko sollte individuell anhand der vier oben dargestellten Risikohandhabungen festgelegt werden. Wenn eine Behandlung des Risikotreibers vorgesehen wird, schließt sich sinnvollerweise ein Krisen-Management-Zyklus an.

Die BLE weist ausdrücklich auch auf die Bedeutung passender und kostengünstiger Versicherungen hin, um die Möglichkeit einer Risikoübertragung zu nutzen.

Literatur

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