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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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Artikel

Autor(en): Berthold Metzler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Schäden an Douglasienpflanzungen und –jungbeständen

wurzelnackte Douglasien
Abb. 1: Besonders wurzelnackte Douglasien sind gefährdet. (Foto: FVA)

Die Baumart Douglasie wird in den letzten Jahren wieder verstärkt angepflanzt. Es wird erwartet, dass diese Baumart aufgrund ihrer Trockenresistenz besser mit dem Klimawandel zurecht kommt. Ferner spielen auch ökonomische Gründe eine Rolle. Diese Erwartungen werden nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Allerdings sind auch dieser Baumart spezifische Grenzen durch abiotische und biotische Risiken gesetzt. Insbesondere bestätigt sich gegenwärtig, dass die Douglasie bis zum Erreichen des Dickungsalters eine der empfindlichsten Baumarten ist (WEZEL 2008).

Hohe Ausfälle bei Pflanzungen

In diesem Frühjahr waren die Einsendungen und Berichte über Ausfälle bei frisch angelegten Douglasienpflanzungen ungewöhnlich zahlreich. Dies trifft nicht nur für Baden-Württemberg, sondern auch für die benachbarten Bundesländer zu. Die Probleme betrafen ausschließlich wurzelnackte Pflanzen (siehe Abb. 1). In der Regel waren bei den untersuchten Pflanzen keine ursächlichen biotischen Schaderreger festzustellen. Auch waren kaum Schäden durch zu starken Wurzelrückschnitt zu finden.

Verschiedentlich musste vermerkt werden, dass zwischen Anlieferung der Pflanzen und deren Auspflanzung zu viel Zeit verstrichen ist, so dass es zur Austrocknung der ungeschützten Wurzeln kommen konnte. Auch konnte der optimale Pflanzzeitraum von Mitte März bis Ende April aus verschiedenen Gründen oft nicht eingehalten werden.

Fast einheitlich wurde das Vertrocknen der Pflanzen Mitte/ Ende Mai festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass die trockene Witterung zwischen dem 2. und 14. Mai ebenfalls eine wesentliche Schadensursache war, bzw. den bereits vorhandenen Pflanzschaden verstärkt hat.

Maßnahmen: Es wird empfohlen, Douglasienpflanzen bei der Anlieferung besonders sorgfältig auf Frische zu prüfen und dann nur frische Pflanzen unverzüglich einzupflanzen. Bei unausweichlichen Verzögerungen vor der Pflanzung müssen die Wurzeln durch sachgemäßen Einschlag sorgfältig vor Austrocknung geschützt werden. Deutlich weniger Probleme sind bei Verwendung von Weichwand-Containerpflanzen zu erwarten. Als Pflanztermin eignet sich besonders der Zeitraum von Mitte März bis Ende April, da zu dieser Zeit mit einer schnellen Wurzelregeneration noch vor oder während des Knospenbrechens zu rechnen ist.

Nadelschütte und Käferbefall in Jungbeständen

von der Rußigen Douglasienschütte befallene Douglasie
Abb. 2: Symptome der Rußigen Douglasienschütte (Erreger Phaeocryptopus gaeumannii). (Foto: FVA)

Douglasien-Jungbestände bis etwa zum Stangenholzalter leiden gegenwärtig weiträumig und insbesondere im Schwarzwald unter der Rußigen Douglasienschütte (Erreger Phaeocryptopus gaeumannii, siehe Abb. 2). Diese Pilzkrankheit hat einen ziemlich eng eingegrenzten Infektionszeitraum etwa Mitte Mai bis Anfang Juli. Wenn in dieser Zeit nasse Witterung herrscht, werden nicht nur Bestände mit ständig feuchtem Mikroklima, sondern auch mehr oder weniger frei stehende Bestände befallen. Das Ergebnis zeigt sich jedoch erst im Folgejahr. Die kritische Witterungskonstellation war bereits im Frühjahr 2006 und verstärkt im Jahr 2007 gegeben (siehe Abb. 3), so dass sich eine entsprechende Epidemie aufbauen konnte (SCHRÖTER et al. 2008).

Innerhalb eines Jahres nach der Infektion entstehen an der Unterseite der infizierten Nadeln die winzigen schwarzen Fruchtkörper des Pilzes (siehe Abb. 4). Gleichzeitig verfärben sich die betroffenen Nadeln bei starkem Befall fleckig gelb-grün und werden abgestoßen. Bei geringem Befall bleiben die Nadeln noch ein weiteres Jahr grün.

Hinzu kommt, dass die befallenen Douglasien offensichtlich über das normale Maß frostempfindlich werden, da die parasitierten Nadeln weniger Assimilate besitzen und die Spaltöffnungen teilweise nicht mehr regulieren können. So haben ihnen die Frostwechseltage Anfang März 2008 sicher zugesetzt. Weitere Informationen zur Rußigen Douglasienschütte sind im Waldschutz-INFO 2/2003 zu finden.

Niederschlagsabweichung vom langjährigen Mittel, Station Freudenstadt
Abb. 3: Niederschlagsabweichung vom langjährigen Mittel; Station Freudenstadt (797 m ü. NN) 2003-2007. Die Ellipsen symbolisieren den Infektionszeitraum der Rußigen Douglasienschütte. Niederschlagsüberschuss in diesem Zeitraum bedeutet hohes Infektionsrisiko.
(Grafik verändert nach FVA-Waldschutzbericht 2007/2008)
 
Fruchtkörper des Pilzes (Rußige Douglasienschütte)
Abb. 4: Fruchtkörper des Erregers der Rußigen Douglasienschütte an der Unterseite einer Dgl-Nadel (Phaeocryptopus gaeumannii). (Foto: FVA)

Die Rußige Douglasienschütte allein führt normalerweise nur zu temporärem Minderzuwachs. Bei starker Schwächung kommt es zu vereinzelten Ausfällen durch Hallimaschbefall und durch Brutversuche des Furchenflügligen Fichtenborkenkäfers oder des Kupferstechers. Gegenwärtig kann man beobachten, dass mindestens der Furchenflüglige Fichtenborkenkäfer zum Bruterfolg kommen kann (siehe Abb. 5). Unter diesen Umständen sollten wipfeldürre und absterbende Douglasien vorsichtshalber umgehend vernichtet werden.

Furchenflüglige Fichtenborkenkäfer, Bohrlöcher und Brutbild
Abb. 5: Bohrlöcher und Brutbild des Furchenflügligen Fichtenborkenkäfers. (Foto: FVA)

Literatur

Blaschke M, Wezel G, Immler Th., (2008): Ausfälle in Douglasienpflanzungen 2008. LWF Blickpunkt Waldschutz 12/2008, 3S. www.lwf.bayern.de/
Huss J, Siebert H, (1976): Erfahrungen mit der Kultur der Douglasie. AFZ 31: 279-284.
Metzler B. (2003): Rußige Douglasienschütte. FVA Baden-Württemberg, Waldschutz-INFO 2/2003, 2 S.
Schönhar S. (1965): Frosttrocknis bei Douglasie. AFZ 20: 44-45.
Schröter H, Delb H, Metzler B, (2008): Waldschutzsituation 2007/2008.
Wezel G, (2008): Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) – Anbau und Kulturbegründung. www.EZG-Forstpflanzen.de

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