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Dr. Udo Hans Sauter

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Michael Nill, Ulrich Kohnle, Udo-Hans Sauter
Redaktion: FVA, Deutschland
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Nehmen die Schäden eher ab oder zu?

Handbuch Rindenschäden durch Holzernte

Ausweislich der Befunde aus permanenten Betriebsinventuren sind Fichte und Buche von Rindenschäden durch Holzernte besonders betroffen. Bereits beschädigte Bäume wurden zwar bevorzugt gehauen. Trotzdem zeigten die Schadprozente weiter ansteigende Tendenz. 

In Abhängigkeit der Entstehung wird im gängigen Sprachgebrauch häufig zwischen "Rückeschäden" und "Fällschäden" unterschieden. Diese Klassifizierung beinhaltet allerdings Unschärfen. Die beiden Schadarten sind im Bereich des Stammfußes oft nur schwer auseinander zu halten. Außerdem tritt bei mechanisierter Holzernte vor allem an gassennahen Bäumen mit den "Aufarbeitungsschäden" im Prinzip eine weitere Kategorie von Rindenschäden auf, die weder beim Fäll- noch beim Rückevorgang entstehen.

Im Zusammenhang mit den im Folgenden dargestellten Auswertungen auf der Basis von Betriebsinventuren (BI) baden-württembergischer Forstbetriebe (zur Datenbasis s. Methodik und Literaturhinweise) wird daher aus Gründen begrifflicher Klarheit die inventurtechnisch eindeutige Klassifizierung der Rindenschäden nach ihrer Lage am Stamm verwendet: bodennahe Rindenschäden bis ein Meter Höhe und höher liegende Rindenschäden. Dabei wird davon ausgegangen, dass bodennahe Rindenschäden im Wesentlichen mit "Rückeschäden" korrespondieren, während die höher liegenden Rindenschäden vor allem "Fällschäden" repräsentieren dürften.

Empfindlichkeit der Baumarten

Die Pärchenvergleiche ergeben zu diesem Aspekt eindeutige Ergebnisse. Nicht unerwartet stellt sich die Fichte als die empfindlichste Nadelbaumart heraus. Im direkten Vergleich erleiden Kiefern, Douglasien und Tannen signifikant weniger Rindenschäden. Die BI-Befunde mit Tanne bestätigen dabei Ergebnisse früherer Untersuchungen. Bei den Laubbäumen zeigt sich die Buche als am empfindlichsten; Bergahorn, Esche und Eiche werden weniger beschädigt.

Ganz offensichtlich unterscheiden sich die Rinden der Baumarten hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen Belastungen. Allerdings spielt die Baumart im Vergleich zu anderen Dispositionsfaktoren wie beispielsweise Eingriffsstärke oder Ernteverfahren nur eine nachrangige Rolle für das Ausmaß der bei Holzerntemaßnahmen entstehenden Rindenverletzungen.

Aktuelles Niveau der Schäden

Ausweislich der Anfang 2008 gültigen BI liegt das Schadprozent bei den bodennahen Rindenschäden gegenwärtig bei 19 % aller Bäume (Tab. 1). Im Vergleich dazu bewegt sich das Schadprozent bei den höher am Stamm liegenden Rindenschäden derzeit (noch?) auf einem etwas niedrigerem Niveau (13 %). Werden beide Schadkategorien zusammen betrachtet, ergibt sich aus der dazu verfügbaren Datenbasis theoretisch ein Schadprozent von insgesamt 28 % aller Bäume. Allerdings ist die Datenbasis hinsichtlich der höher am Stamm liegenden "Fällschäden" stark eingeschränkt: Für dieses Merkmal liegen nur für zehn Betriebe Befunde vor; das entspricht lediglich etwa einem Fünftel der untersuchten Betriebe. Eine Verallgemeinerbarkeit der Befunde sowohl hinsichtlich des Merkmals "Fällschäden" als auch des für alle Schäden gemeinsam ermittelten Schadprozents erscheint damit kaum möglich.

Tab. 1: Rindenschadprozente in Forstbetrieben mit permanenten Betriebsinventuren in Baden-Württemberg (Gültigkeitsstichtag der Inventuren: 01.02.2008)
bodennahe Rindenschäden*
(<1m Höhe)
höher am Stamm liegende Rindenschäden**
(>1m Höhe)
Fichte 22% 12%
Tanne 18% 11%
Douglasie 9% 6%
Buche 16% 16%
Eiche 14% 12%
alle Baumarten 19% 13%

*) berechnet auf Basis aller 43 Inventurbetriebe; **) berechnet auf der Basis des Teilkollektivs der 10 Inventurbetriebe, in denen beide Schadkategorien erhoben worden waren (zur Datenbasis s. Methodik und Literaturhinweise)

Entwicklung der Schäden

Interessanterweise zeigten bodennahe Rindenschäden ("Rückeschäden") und höher am Stamm liegende Schäden ("Fällschäden") in der jüngeren Vergangenheit eine differenzierte Entwicklung: Während bodennahe Rindenschäden im Zeitraum zwischen Erst- und Wiederholungsinventur „nur“ um vier Prozentpunkte zugenommen haben, sind die höher liegenden Rindenschäden im gleichen Zeitraum um sieben Prozentpunkte angestiegen. Diese Entwicklung unterstreicht und bestätigt den Trend zum Einsatz mechanisierter Holzerntesysteme, die sich in technischer Hinsicht vor allem durch leistungsfähige Kräne zur Manipulation und Vorrücken der Rohschäfte und Stammteile von den traditionellen Seilschleppern unterscheiden.

Grundsätzlich weisen diese Befunde darauf hin, dass die Dynamik der in der Holzerntepraxis laufend neu verursachten Rindenschäden wohl nach wie vor eine als kritisch zu beurteilende Größenordnung aufweisen dürfte. Interessant ist dabei die Beobachtung, dass diese Entwicklung stattfindet, obwohl die Betriebe ausweislich den BI überdurchschnittlich viele beschädigte Bäume entnahmen: Das Schadprozent der in der Inventurperiode entnommenen Bäume liegt nämlich um gut zwei Prozentpunkte über dem Schadprozent der Bestände zu Beginn der Periode.

Ähnliche Größenordnungen neu beschädigter Bäume ergab auch die Analyse der 183 Praxishiebe in Baden-Württemberg. Allerdings betrafen diese in den Hieben verursachten Rindenschäden zum Teil auch solche Bäume, die bereits einen Schaden aufweisen, so dass der Anteil erstmals beschädigter Bäume geringer ausfällt.

Rückegassen

Auch hinsichtlich des Beschädigungsgrades entlang von Feinerschließungslinien bestätigen die BI-Analysen die Befunde in den Praxishieben: Bei unmittelbar an Erschließungslinien angrenzenden BI-Stichprobenpunkten ist der Anteil beschädigter Bäume deutlich erhöht. Dagegen ließ sich der Einfluss der mittleren Vorrückeentfernung auf den Schadgrad der Bestände nicht untersuchen. Diese Kenngröße wurde im Gegensatz zu den Aufnahmen in den Praxishieben bei der BI nicht erhoben.

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