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Dr. Thomas Schröder

Julius Kühn-Institut

Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Institut Pflanzengesundheit

Messeweg 11/12
38104 Braunschweig

Tel. +49 531 299-3381
Fax: +49 531 299 3007

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Artikel

Autor(en): Thomas Schröder, Jörg Schumacher und Nadine Bräsicke
Redaktion: FVA, Deutschland
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Schadorganismen an Europäischer Lärche

Mit der Europäischen Lärche, Larix decidua, wurde seit 1989 die fünfte Nadelbaumart zum Baum des Jahres gekürt. Als eine der forstlichen relevanten Baumarten ist sie wegen Ihres dauerhaften, witterungsbeständigen Holzes als Konstruktionsholz, im Innenausbau und an Außenfassaden sehr geschätzt. Zwar ist die Lärche im Allgemeinen sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheitserregern und Schädlingen, die künstliche Ausweitung des Anbaugebietes außerhalb ihres natürlichen Vorkommens hat jedoch auch Waldschutzprobleme mit sich gebracht.

links Spätfrost; rechts Schaden durch Botrytis cinerea
Abb. 1: Links Spätfrost; rechts Schaden durch Botrytis cinerea.
"Durchwachsener" Lärchenzapfen.
Abb. 2: "Durchwachsener" Lärchenzapfen.

Die seit der nacheiszeitlichen Rückwanderung in vier verschiedene Verbreitungsgebiete getrennte Europäische Lärche tritt von Natur aus in den Mittel- und Hochgebirgslagen auf. Insbesondere forstwirtschaftliche Erwägungen führten dazu, dass diese Baumart heute auch überall außerhalb der natürlichen Areale im Hügel- und Flachland zu finden ist und inzwischen auf knapp drei Prozent der bundesdeutschen Waldfläche stockt. Diese künstliche Ausweitung des Anbaugebietes hat einige Waldschutzprobleme mit sich gebracht, die im Ursprungsgebiet nicht zutage treten.

Abiotische Schäden

Unter europäischen Bedingungen ist die Lärche als Pionierbaumart recht winterhart, leidet jedoch zuweilen unter Spätfrost (Abb. 1), in deren Folge Sekundärpilze den Schaden erhöhen und zu Triebsterben an jungen Pflanzen führen können. Die Trockenempfindlichkeit der Lärche bezieht sich auf sandige Böden. Nadelverfärbungen sind häufig auf Nährstoffmangelerscheinungen zurückzuführen wie z. B. Vergilbung der Nadelspitzen bei Magnesiummangel, weißliche Chlorosen bei Mangan/Eisen-Mangel und gelbe bis braune Nadeln bei Kalium-Mangel. Kupfermangel führt zu schlaffem Herabhängen und Abbiegen der Zweigspitzen.

Als seltenes Symptom treten an der Lärche Verbänderungen auf, die daher rühren, dass sich die Zellen des Vegetationspunktes nach zwei entgegengesetzten Richtungen teilen.

Eine weitere Kuriosität sind Zapfen der Lärche, an deren Spitze ein kleiner Trieb herauswächst (Abb. 2). Der Grund ist botanisch zu sehen, da Lärchenzapfen verholzte, weibliche Blütenstände und keine Einzelblüten sind, bei denen ein Durchwachsen nicht möglich wäre.

Schäden durch Wirbeltiere

Die Samen der Lärche werden gerne vom Kreuzschnabel angenommen. Im Kulturalter führen Mäuse lokal zu teilweise starken Ausfällen. Schäden durch Wildverbiss sind eher schwach, auf das Jugendstadium begrenzt und auf die Maitriebe konzentriert. Fegeschäden durch Rehwild sowie Schlagschäden durch Rot-und Damwild gefährden die Lärche, wobei sie sich nur schwer von starken Fegeschäden erholt. Ein weiteres Schadmoment ist die Winterschäle, wobei die Gefährdung wegen der frühzeitigen Verborkung nicht so lange dauert wie bei anderen Baumarten.

Als seltenerer Schaden wurden Kronenschäden an jungen Lärchen beschrieben, verursacht durch das Schälen der Rinde durch Bilche (Muscardinidae).

Holznutzung und Holzfehler

Lärchenkrebs, Erreger Lachnellula willkommii
Abb. 3: Lärchenkrebs, Erreger Lachnellula willkommii.

Die Dauerhaftigkeit des Holzes wurde schon von den Römern geschätzt und weit über die Wirklichkeit hinaus gelobt. So beschrieb Plinius in seinem Werk "Naturgeschichte", dass die Lärche durch Feuer nicht geschädigt würde. Auch der Regensburger Prediger Konrad von Megenberg schreibt "Wer aus des paums holtz tafeln macht und hängt die an die Häuser, der wiedertreibent die flammen von den häusern, ob ein feuer ankommt nahe bei".

Das Holz der Lärche wird nach wie vor im bewitterten Außenbereich und selbst unter Wasser genutzt. So kommt es auch im Erd-, Berg-, Wasser- und Brückenbau zum Einsatz, aber auch im landwirtschaftlichen Bereich in Silos oder im Mühlenbau. Die Verwendung von Lärchenholz erfolgt heute grundsätzlich in vielen Bereichen: als Furnierholz, in der Möbelindustrie, als Konstruktionsholz im Innen- und Außenbereich und als Spezialholz für Masten, Bottiche, Fässer usw. Holzfehler, die sich negativ auf die Verwendung des Lärchenholzes auswirken können, sind: Abholzigkeit, Säbelwuchs, Drehwuchs, Kernverlagerung, Harzrisse, Harzgallen, Harzknollen, Ringschäle, Wasserreiser, Stockfäule und Krebs (Abb. 3).

Ausgewählte Schädlinge

Nadel-, Knospen-, Frucht- und Triebschädlinge

Innerhalb der natürlichen Verbreitungsgebiete gilt die Europäische Lärche als relativ unempfindlich gegenüber Schadinsekten. In ihrem künstlichen Anbaugebiet kommt es dagegen vermehrt zu Schadbildern wie zum Beispiel zu Triebdeformationen und Welkeerscheinungen an Lärchenkronen, verursacht durch den Lärchenblasenfuß (Taeniothrips laricivorus). Die Saugtätigkeit der Larvenstadien und Imagines an jungen Langtrieben führt zu Harzaustritt, die im weiteren Verlauf vertrocknen und das sog. Lärchenwipfelsterben verursachen. Besonders betroffen sind angebaute Fichten-Lärchen-Mischbestände in tieferen Lagen, weil die Art einen obligatorischen Wirtswechsel vollzieht und auf der Fichte überwintert.

Schaden durch Lärchenminiermotte Coleophora laricella
Abb. 4: Schaden durch Lärchenminiermotte Coleophora laricella.

Als nadelfressende Insekten treten der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera diniana) in den Alpen und die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) im natürlichen und künstlichen Anbaugebiet in Erscheinung (Abb. 4). Beide Arten neigen zu zyklischen Massenvermehrungen, deren Populationen nach wenigen Jahren wieder zusammenbrechen. Als Ursache wird hauptsächlich die sich verändernde Nahrungsqualität der Nadeln nach starkem Fraß angeführt, die mit den physiologischen Abwehrmechanismen des Wirtbaumes einhergehen. Ein völliger Nadelverlust ist dabei nicht selten, den aber vitale Bäume überstehen. Dennoch sind Zuwachsverluste und eine erhöhte Prädisposition von physiologisch geschwächten Lärchen gegenüber Sekundärschädlingen möglich.

Im künstlichen Anbaugebiet kann die Lärchenminiermotte Totalverluste verursachen. Auch die Lärchenknospen-Gallmücke (Dasineura laricis) ist im natürlichen und künstlichen Verbreitungsgebiet als Schädling relevant, da sie u. U. bis zu 70 % der Kurztriebknospen schädigen kann. Grund hierfür ist die Zerstörung des Wachstumskegels, in der die Larve lebt und somit einen normalen Knospenaustrieb verhindert. Massenvermehrungen führen neben Zuwachsverlusten und einer Kronenverlichtung auch zu einer erhöhten Prädisposition gegenüber Borken- und Bockkäferbefall, so dass betroffene Lärchen nur eine geringe Überlebenschance besitzen.

Die Lärchennadelknicklaus (Adelges geniculatus) tritt in hohen Populationsdichten auf und schädigt durch ihre Saugtätigkeit die Nadeln und Knospen der Lärche, wodurch es zum Abknicken der Nadeln an der Saugstelle und zu Austriebanomalien bei Kurztrieben kommt. Besonders an jungen Pflanzen führt ein mehrjähriger Befall zu empfindlichen Zuwachsverlusten bzw. zu einer höheren Anfälligkeit gegenüber anderen abiotischen und biotischen Schadfaktoren.

Unter den Blattwespen sind ebenfalls Verursacher von Fraßschäden an Lärche zu nennen. Dabei kommt der Lärchengespinstblattwespe (Cephalcia lariciphila) eine größere Bedeutung zu. Ursprünglich im natürlichen Verbreitungsareal von Larix decidua präsent, ist die Art als gefährlicher Schädling im künstlichen Anbaugebiet verbreitet.

Die Afterraupen der Großen Lärchenblattwespe (Pristiphora erichsonii) schädigen durch ihren Nadelfraß die Kurztriebe und führen lokal zu erheblichen Schäden.

Auch die Kleine Lärchenblattwespe (Pristiphora laricis) verursacht einen Schartenfraß vorwiegend an Kurztriebnadeln, während sie bei Massenvermehrungen ebenso die Langtriebe befallen kann.

Zusammen mit den beiden zuletzt genannten Blattwespenarten, führt die Gelbe Lärchenblattwespe (Pristiphora wesmaeli) zu erheblichen Schäden in Jungwuchsflächen. Gelegentlich wurden in der Vergangenheit auch Massenvermehrungen beobachtet, die zu einer existenziellen Gefährdung von Lärchen-Aufforstungen führten.

Tab. 1: Übersicht Schadinsekten an Lärche: Nadel-, Knospen-, Frucht- und Triebschädlinge
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Symptome
Adelges geniculatus Rtzb. Lärchennadelknicklaus geknickte Nadeln
Adelges laricis (Vallot) Kleine Fichtengallenlaus endständige Gallen an Fichte (=Hauptwirt), Saugschäden an Nadeln der Lärche (=Nebenwirt)
Acantholyda laricis Gir. Lärchengespinstblattwespe Fraß, eingesponnene Larve an Kurztrieb
Argyresthia laevigatella H.S. Lärchentriebmotte Larvengang im Trieb, Nadelverlust oberhalb Fraßstelle
Cephalica lariciphila Wachtl. Lärchengespinstblattwespe Nadelfraß
Cinara laricola Cb. + C. laricis Walk. Baumläuse an jungen auch 2-jährigen Trieben bzw. mehrjährigen Zweigen
Coleophora laricella Hb. Lärchenminiermotte minierte Nadeln
Cydia zebeana Rtzb. Lärchengallenwickler Anschwellungen an Zweigen durch Larvenfraß, Absterben von Stammteilen
Dasyneura laricis Lw. Lärchenknospengallmücke starke Harzausscheidung an den Knospen und Absterben der Knospe
Ditula angustiorana Haworth Falter Raupenfraß an Nadeln
Dryophilus pusillus Gyll. Lärchenknospen-Nagekäfer ausgehöhlte Kurztriebknospen
Lasiomma laricicola Karl Lärchenzapfenfliege Larve in Zapfenspindel und Samenanlagen
Lymantria monacha L. Nonne Larvenfraß der Jungraupen an austreibenden Nadeln
Metastigmus pictus Först. Erzwespe Larve in Samen
Oligonychus ununguis Jacobi Nadelholzspinnmilbe Gespinst um Nadeln, Nadelverlust
Orgyia antiqua L. Schlehenspinner Blattverlust und Schädigung der Knospen und Blüten durch Raupen
Pristiphora erichsonii Hartig Lärchenblattwespe Nadelfraß
Pristiphora laricis Hartig Lärchenblattwespe Nadelfraß
Pristiphora wesmaeli Tischbein Gelbe Lärchenblattwespe Nadelfraß bis Kahlfraß
Ptycholoma lecheana L. Falter Raupenfraß an Nadeln und Jungtrieben (selten)
Sacchiphantes (Adelges) viridis Rtzb. Grüne Fichtengallenlaus Gallenbildung an Fichte (=Hauptwirt), Saugschäden an Nadeln der Lärche (=Nebenwirt)
Spilonata ocellana laricana Hein. Roter Knospenwickler Welken und Absterben von Knospen
Strophosmus melanogrammus Först. Fichtenkurzrüssler Ringelung von Trieben durch Käferfraß
Taeniothrips laricivorus Krat. u. Farsky Lärchenblasenfuß Lärchenwipfelsterben; Nadelverfärbung bis -abfall; Triebverfärbung bis -absterben; Hexenbesen
Tmetocera laricana (Zll.) Hein. Lärchennadelwickler Nadelfraß, zusammengesponnene Nadeln
Trisetacus pini laricis v. Tubeuf Gallmilbe Knospengallen
Zeiphera griseana (Semasia diniana Gu.) Grauer Lärchenwickler Kahlfraß, typischer Köcher aus eingetrockneten Nadelresten
Stamm- und Astschädlinge
Brutbild und Käfer des Großen Lärchenborkenkäfers Ips cembrae
Abb. 5: Brutbild und Käfer des Großen Lärchenborkenkäfers Ips cembrae. (Foto Brutbild: Liska, Forestry Images)

Als Folge von Nadelfraß durch die oben beschrieben Schädlinge wurde in den vergangenen Jahren zunehmend Folgebefall mit Bock- und Borkenkäfern festgestellt. Besonders zu nennen sind hier der Großer Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae, Abb. 5) sowie der Lärchenbock (Tetropium gabrieli). Zuweilen kommen beide Arten am selben Baum vor, wobei der Lärchenbock im unteren, der Lärchenborkenkäfer im oberen Stammbereich zu finden ist. Schäden durch den Großer Lärchenborkenkäfer sind nach Trockenperioden an Stangenhölzern zu beobachten, aber auch Altbäume werden befallen. Unter normalen Bedingungen ein Sekundärschädling, kann er bei Massenvermehrung auch stehende vitale Bäume befallen. Er kommt im Alpenraum bis zu Höhenlagen von 2000 m vor.

Der Große Lärchenborkenkäfer ist als Überträger von Bläuepilzen bekannt, die wie im Falle von Ceratocystis laricicola selbst pathogen sind. Bei beiden Käferarten sind Schäden vor allem im künstlichen Anbaugebiet der Lärche zu beobachten. Der Lärchenbock ist normalerweise ein Sekundärschädling, der jedoch nach Dürreperioden durch die den Saftstrom unterbrechenden, im Splint verlaufenden Larvengänge, vorgeschädigte Lärchen zum Absterben bringen kann. Befallene Lärchen sind durch eine schüttere Krone sowie Harz- und Bohrmehlaustritt am Stamm charakterisiert.

An jungen 4–10jährigen Lärchen führt ein Befall mit dem Lärchengallenwickler (Cydia zebeana) bei starkem Befall zum Absterben oberer Stammteile. Das Schadbild ist charakterisiert durch bis zu kirschgroße Anschwellungen (Gallen) hervorgerufen durch die Larve, meist an der Basis einjähriger Triebe.

Tab. 2: Übersicht Schadinsekten an Lärche: Ast- und Stammschädlinge.
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Symptome
Cinaria laricis Walk. Baumlaus an mehrjährigen Zweigen
Cryphalus intermedius F. Kleiner Lärchenborkenkäfer platzförmiger Muttergang, Larvengänge wirr durcheinander
Dryocoetes autographus Rtzb. Achtzähniger Lärchenborkenkäfer kurze gebogene Muttergänge, wirre Larvengänge, selten
Hylobius abietis L. Großer brauner Rüsselkäfer Pockennarbenfraß, Ringelung der Triebe
Ips cembrae Heer Großer Lärchenborkenkäfer 3 bis mehrarminger Sterngang, Kambiumschädigung
Orthotomicus laricis F. Vielzähniger Kiefernborkenkäfer zuerst gemeinsame, später getrennte Larvengänge
Polygraphus poligraphus L. Doppeläugiger Fichtenbastkäfer 3–8 Muttergänge, unregelmäßige Larvengänge
Tetropium castaneum L. Fichtenbock Larvenfraß im Kambialbereich
Tetropium fuscum F. Fichtenbock Larvenfraß im Kambialbereich
Tetropium gabrieli Weise Lärchenbock Larvengänge im Holz (Hakengang)
Tomicus minor Hart. Kleiner Waldgärtner selten 2-4 sternförmig angelegte Muttergänge
Tomicus piniperda L. Großer Waldgärtner einarmiger Muttergang längs, am Rand mit Harz ausgekleidet

Ausgewählte Krankheitserreger

Nadel- und Triebkrankheiten

Bei kühl-feuchter Witterung treten häufig infolge von Spätfrostschäden Infektionen durch Schwächeparasiten auf wie z. B. durch den Erreger der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea, geschl. Fruchtstadium: Botryotinia fuckeliana). Die zumeist nur die Nadeln bzw. den noch nicht verholzten Trieb betreffende Schädigung erfolgt im Gegensatz zu einem reinen Frostschaden nur an einzelnen Trieben und fällt durch das mit bloßem Auge wahrnehmbare, silbrig-graubraune Luftmyzel des Pilzes auf (Abb. 1).

Lärchenhexenbesen
Abb. 6: Lärchenhexenbesen.

Rickettsien-ähnliche Organismen (niedere Bakterien) können an Lärchen v. a. in Flachland- und Mittelgebirgsstandorten (außerhalb der natürlichen Verbreitung) Nadelvergilbungen, Triebstauchungen und Hexenbesen (Abb. 6) hervorgerufen (sog. Lärchendegeneration), die mitunter zum Absterben älterer Bäume führen. Solange nur einzelne Bestandesglieder von der Erkrankung betroffen sind, bedarf es allerdings keiner waldhygienischen oder waldbaulichen Maßnahmen.

Zu den wichtigsten Nadelkrankheiten der Lärche gehören auch verschiedene Schütte-Erkrankungen, die sich z. T. hinsichtlich des regionalen Vorkommens oder des bevorzugt befallenen Baumalters unterscheiden. So kommt die Meria-Lärchenschütte (Erreger: Meria laricis) v. a. an Sämlingen und wenige Jahre alten Pflanzen vor. Hingegen befallen Hypodermella laricis oder Lophodermium laricinum auch ältere Bäume, jedoch bevorzugt im Alpenraum.

In Mitteleuropa weit verbreitet ist die durch Mycosphaerella laricina verursachte Lärchenschütte, die sich zunächst als Braunfleckigkeit äußert, im späteren Jahresverlauf (ab Juli) aber zu einem vorzeitigen Nadelfall insbesondere in der unteren Kronenhälfte führt.

Tab. 3: Übersicht Krankheitserreger an Lärche: Blüten-, Frucht-, Nadel- und Trieberkrankungen [GF: geschlechtliches, UF: ungeschlechtliches Fruchtstadium bei Pilzen].
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Symptome
Botrytis cinerea Pers. [UF]; Cytospora sp. [UF]; Cryptosporiopsis sp. [UF] Grauschimmelfäule, Triebsterben Trieb- und Zweigschäden, Schwächeparasiten (z. T. nach Spätfrost)
Gremmeniella laricina (Ettl.) O. Petrini, L. Petrini, G. Lafl. & G.B. Quell. [GF] Triebsterben der Lärche Nadelverlust und Triebsterben, Absterbeerscheinungen, montan bis subalpin (z. T. in Verbindung mit Frost)
Hypodermella laricis Tub. [GF] Lärchenschütte Fleckennekrosen und Nadelschütte, Alpen- und Voralpenraum, v. a. bei feucht-warmer Witterung
Lophodermium laricinum Duby [GF] Lärchenschütte Fleckennekrosen und Nadelschütte, v. a. im Alpenraum
Melampsora laricis –caprearum Kleb.;

M. laricis-pentandrae Kleb.; M. laricis-epitea Kleb.

Weidenrost -Komplex Fleckennekrosen und Nadelfall, Hauptwirt: Salix spp.; Nebenwirt L. decidua
Melampsora larici-populina Kleb. und

M. larici-tremulae Kleb.

Pappelrost-Komplex Fleckennekrosen und Nadelfall, Hauptwirt: Populus spp.; Nebenwirt L. decidua
Meria laricis Vuill. [UF] Meria-Lärchenschütte Vergilbung und Nadelschütte an Sämlingen und Jungpflanzen
Mycosphaerella laricina R. Hartig [GF] Lärchenschütte Braunfleckigkeit, Nadelschütte
Phytophthora ramorum Werres, De Cock & Man in 't Veld Nadel-, Rinden- und Kambiumnekrosen Quarantäneschadorganismus (jedoch bisher nur an L. kaempferi
Rhizoctonia solani [UF] Umfallkrankheit Erreger einer Keimlingsfäule
Sclerophoma pityophila (Corda) Höhn. [UF] Nadel- und Zweigsterben Schwächeparasit an Nadeln und Trieben, z. T. nach Insektenbefall.

Auffällige Nadelkrankheiten am Baum des Jahres werden ebenso durch wirtswechselnde Rostpilze verursacht, wobei die Lärche jeweils als Nebenwirt (Wirtspflanze, auf der ausschließlich haploide Pilzstadien ausgebildet werden) fungiert. Dazu zählen verschiedene Weiden- (z. B. Melampsora laricis-caprearum, Wirtswechsel mit Salweide) und Pappelrostarten (z. B. Melampsora laricis-populina, Wirtswechsel mit Schwarzpappel und deren Hybriden).

Relevant sowohl für die Baumgesundheit als auch für die Wertigkeit des Holzes ist der Lärchenkrebs (Erreger: Lachnellula willkommii). Der Schlauchpilz dringt über geschwächte bzw. absterbende Bereiche meist schwächerer Verzweigung in den Baum ein. Sofern sich die Infektionsstelle nahe dem Stamm befindet, kann der Erreger in die Stammrinde einwachsen und dann zu einem wirtschaftlichen Schaden aufgrund der zunehmenden Stammdeformation führen. Das chronische Krankheitsbild ist durch einen symmetrischen Baumkrebs gekennzeichnet, der durch die wechselseitige Aktivität des Pilzes (Rinden- und Kambiumnekrosen) sowie des Wirtsbaumes (Wundkallus bzw. Wundholz) zustande kommt (Abb. 3). Die becherförmigen, orangefarbenen und am Rand mit weißen Haaren besetzten, 1–4 mm großen Fruchtkörper des Pilzes zeigen sich regelmäßig bei genauerer Betrachtung an den Wundrändern der Krebsstelle. Die weite Verbreitung und ökonomische Bedeutung des Lärchenkrebses trugen in der Vergangenheit dazu bei, dem Anbau der weitgehend resistenten Japanischen Lärche (Larix kaempferi) ein größeres forstwirtschaftliches Gewicht zukommen zu lassen, wenngleich auch zwischen den verschiedenen Herkünften der Europäischen Lärche erhebliche Anfälligkeitsunterschiede bestehen (z. B. ist die Sudetenlärche widerstandsfähig). Grundsätzlich fördert insbesondere stagnierende Luftfeuchtigkeit die Entwicklung der Krankheit.

Tab. 4: Übersicht Krankheitserreger an Lärche: Spross- und Rindenerkrankungen [GF: geschlechtliches, UF: ungeschlechtliches Fruchtstadium bei Pilzen].
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Symptome
Rickettsien-ähnliche Bakterien (RLO) Lärchendegeneration Hexenbesen, Triebstauchung, Vergilbung, Absterbeerscheinungen
Lachnellula willkommii (R. Hartig) Dennis [GF] Lärchenkrebs Mehrjähriger, symmetrischer Stammkrebs, Rinden- und Kambiumschädigung, Stammdeformation
Moniliopsis klebahni G. Burckhard [GF] Umfallkrankheit Erreger einer Keimlingsfäule
Neonectria fuckeliana (C. Booth) Castl. & Rossmann [GF] Fichtenrindenpilz Rindennekrose
Wurzel- und stammbürtige Fäuleerreger
Fruchtkörper des Lärchenschwamms Laricifomes officinales
Abb. 7: Fruchtkörper des Lärchenschwamms Laricifomes officinales. (Foto Schwandt, Forestry Images)

Obwohl an der Europäischen Lärche eine ganze Reihe überwiegend wurzelbürtiger Fäulepilze vorkommt, sind Erreger mit hoher Wirtsspezifität selten. Eine Ausnahme stellt der wegen seiner beim Menschen schweißtreibenden und abführenden Wirkung früher auch als Heilmittel verwendete Lärchenschwamm (Laricifomes officinales) dar. Dieser allgemein seltene und ausschließlich in montanen sowie subalpinen Lagen auftretende, stammbürtige Saproparasit (Organismus mit sowohl parasitischer als auch saprotropher Lebensweise) erzeugt wie die meisten Holzzersetzer an Lärche eine Braunfäule. Die hufartigen, konsolenförmig vom Substrat abstehenden 10–15 cm breit werdenden Fruchtkörper erscheinen oberseits zunächst creme-weiß, später zunehmend grau-schwarz mit rissiger Kruste (Abb. 7). Die unterseitige Porenschicht ist orange-braun gefärbt.

Ein Beispiel für einen wurzelbürtigen Braunfäuleerreger ist der Kiefernbraunporling (Phaeolus schweinitzii). Die saisonal am Boden in Wurzelnähe oder auf Stubben kürzlich geschlagener Bäume entstehenden, gelb- bis kastanienbraunen und oberseits mit rostrotem Filz bedeckten, bis zu 30 cm hohen Fruchtkörper sind anfangs kreiselförmig, später dachziegelartig entfaltet und verfärben sich auf der gelblich-grünen Unterseite bei Druck dunkelbraun. Das in der Wurzel und im unteren Stock braunfaule Holz nimmt einen auffälligen Terpentingeruch an.

Ebenfalls wurzelbürtig, aber maßgeblich junge, heranwachsende Bäume befallend, tritt mit ihren eher unscheinbar den Boden gewölbt bedeckenden, kastanien- bis schwarzbraunen Fruchtkörpern die Wurzellorchel (Rhizina undulata) an der Europäischen Lärche auf. Der Schlauchpilz, dessen im Boden ruhende Sporen zur Keimung einer kurzzeitigen Erhitzung bedürfen, wird durch Brände oder Asphaltierungsarbeiten an Waldverkehrswegen gefördert. Die Infektion erfolgt über die sich im Boden ausbreitenden Myzelstränge und führt bald zu einer Nadelverfärbung und Triebstauchung sowie schließlich zum Absterben der Bäume. Dabei entstehen charakteristischerweise kreisförmige Sterbelücken. Das Vermeiden jeglicher Feuerstellen (z. B. Schlagabraumverbrennung) und die Verzögerung von Anpflanzungen nach Waldbränden sind die effektivsten Vorbeugungsstrategien.

Tab. 5: Übersicht Krankheitserreger an Lärche: Wurzelerkrankungen und Holzfäuleerreger.
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Symptome
Armillaria spp. Hallimasch-Arten wurzelbürtiger Wurzel- und Stockfäuleerreger, Weißfäuleerzeuger
Calocera viscosa (Pers.) Fr. Klebriger Hörnling Wurzelparasit, Braunfäuleerzeuger
Heterobasidion annosum s. l. (Fr.) Bref. Wurzelschwamm i.w.S. wurzelbürtiger Wurzel-, Stock- und Stammfäuleerreger, Weißfäuleerzeuger
Laetiporus sulphureus (Bull.) Murrill Schwefelporling stammbürtiger Braunfäuleerreger Braunfäuleerreger (häufig)
Laricifomes officinalis (Vill.) K.&P. Lärchenschwamm stammbürtiger Braunfäuleerreger, montan bis subalpin an älteren Lärchen
Phaeolus schweinitzii (Fr.) Pat. Kiefern-Braunporling wurzelbürtiger Wurzel- und Stockfäuleerreger, Braunfäuleerzeuger
Porodaedalea pini (Brot.) Murrill Kiefern-Feuerschwamm stammbürtiger Weißfäuleerreger ("Weißlochfäule")
Rhizina undulta Fr. Wurzellorchel Wurzelparasit (durch Brände gefördert), konzentrische Sterbelücken
Sparassis crispa (Wulfen) Fr. Krause Glucke wurzelbürtiger Wurzel- und Stockfäuleerreger, Braunfäuleerzeuger
Stereum sanguinolentum (Alb. & Schw,: Fr.) Fr. Blutender Schichtpilz stammbürtiger Krebsfäuleerreger, Weißfäuleerzeuger, Verursacher der Rotstreifigkeit
Quarantäne-Schadorganismen

Seit einigen Jahren sind in Europa zwei Quarantäneschadorganismen aufgetreten, die möglicherweise auch der Lärche gefährlich werden können. Der Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus) wird mit Vektorkäfern der Gattung Bockkäfer (Monochamus), die in Deutschland auch an Lärche vorkommen, auf neue Wirtsbäume übertragen. Primär ist der Nematode ein gefürchteter Schädling an Kiefern, Infektionsversuche mit L. decidua haben jedoch gezeigt, dass auch diese Baumart hoch anfällig ist. Der pilzähnliche Mikroorganismus Phytophthora ramorum wurde zwar in Europa noch nicht an L. decidua nachgewiesen, seit jüngster Zeit führt er jedoch in Großbritannien zu massivem Absterben von Larix kaempferi, wobei die Ursache für dieses plötzliche Absterben noch nicht aufgeklärt ist, denn der Erreger ist dort seit mindestens Mitte der 1990er Jahre bekannt.

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