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Artikel

Autor(en): Rüdiger Unseld
Redaktion: FVA, Deutschland
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Ernteschäden nach maschinellen Pflegemaßnahmen in birkenreichen Jungbeständen

Der Einsatz moderner Forsttechnik zur Behandlung junger Waldbestände kann eine Holznutzung ökonomisch vorteilhaft gestalten. Zudem sprechen Aspekte der Arbeitsergonomie und der Arbeitssicherheit für den Einsatz dieser Technik. Nachteile können sich bei einer zunehmenden Mechanisierung nicht nur durch langfristige Bodenschädigungen, sondern auch durch gehäufte und frühzeitige Ernteschäden am verbleibenden Bestand ergeben. Im Projekt "Piowood" wurden die Ernteschäden nach Pflegemaßnahmen zur Vornutzung von Birken eingehender untersucht.

In 61 Stichproben mit insgesamt 2,8 ha Fläche wurden Stammzahlreduktionen als Pflegemaßnahmen in birkenreichen Beständen durchgeführt. Es kamen fünf Maschinentypen mit unterschiedlichen Fäll- und Vorliefertechniken zum Einsatz.

Versuchsplots entlang von Rückegassen
Abb. 1: Versuchsplots entlang von Rückegassen

Je nach Maschinentyp und Stärke des Bestandes wurden unterschiedliche Sortimente ausgehalten. Die Bestände waren zwischen 10 und 30 Jahre alt und die Bestandesmittendurchmesser lagen zwischen 6 bis 14 cm. In den jüngeren Beständen wurde ausschließlich Hackholz in Form von Vollbäumen geerntet. In den älteren Beständen wurde Industrieholz mit und ohne Hackholz als Koppelprodukt gewonnen. Im Mittel wurden 14 % der verbliebenen Bäume durch die Erntetätigkeiten beschädigt. Über die Hälfte der Schäden waren Rindenschäden, die vorwiegend am unteren Stammteil auftraten.

Tab.1: Prozentuale Verteilung der Schadarten
Schadart Gesamt
Rindenschaden 54 %
Astschaden 17 %
Wipfelbruch 12 %
Neigung 11 %
Schnitt 4 %
Totalschaden 3 %
Gesamt 100 %

Die Häufigkeit der Fällschäden wurde mit Maschinen- und Bestandeswerten regressionsanalytisch nach Erklärungsvariablen untersucht. Es konnten für die aufgetretenen Schadhäufigkeiten rund 40 % der Streuung durch die Variablen erklärt werden. Für die Häufigkeit von Schäden waren demnach drei Einflussgrößen maßgeblich: Die Anzahl der entnommenen Bäume in Interaktion mit deren Mittendurchmesser und mit etwas geringerer Bedeutung die Anzahl an Bäumen im verbliebenen Bestand. Die eingesetzten Maschinen bzw. deren Sortimentsaushaltung spielte als Erklärungsvariable keine signifikante Rolle. Auf Basis der Regressionsergebnisse wurden Schadmodelle erstellt.

Schadmodelle zur absoluten und relativen Schadhäufigkeit
Abb. 2: Schadmodelle zur absoluten und relativen Schadhäufigkeit. Variiert wurden der Mittendurchmesser des entnommenen Bestandes und die Baumdichte im verbliebenen Bestand. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Ein später und/oder starker Eingriff, also hohe Entnahmebaumzahlen und/oder hohe Mittendurchmesser des entnommenen Bestandes, führen zu einem deutlichen Anstieg an geschädigten Bäumen. Weniger Einfluss hat die Anzahl der Bäume im verbliebenen Bestand auf die absolute Schadhöhe. Sie beeinflusst besonders die relative Schadhöhe.

Typischer Rindenschaden an älterer Birke Rindenschnittverletzung an einer Fichte
Abb. 3: Typischer Rindenschaden an älterer Birke Abb. 4: Rindenschnittverletzung an einer Fichte

Fazit:

Zu überdurchschnittlich hohen Schadbaumzahlen kommt es bei einer maschinellen Pflege in überdichten Jungbeständen, in denen zur Erreichung des Betriebsziels viele Bäume entnommen werden müssen. Höhere Durchmesser des Erntebestandes, was bei den Untersuchungen 11 bis 13 cm bedeutete, erhöhen das Schädigungsrisiko ebenfalls signifikant. Das Alter der Bestände beim Eingriff und die Eingriffsstärke sind bei den betrachteten Fällmethoden offenbar die wichtigsten Stellschrauben zur Steuerung von Fällschäden. Aufgrund der Schäden kann in den jungen Beständen ein erhöhtes Risiko entstehen, dass in der Folgezeit in einigen Bestandsbereichen wertvolle Bäume fehlen.

Rückegasse nach Bestandesbearbeitung
Abb. 5: Rückegasse nach Bestandesbearbeitung durch die raupenbetriebene Maschine Neuson Ecotec 132

Als Bewertungsmaßstab bietet sich in den unhomogenen Beständen weniger die nur sehr beschränkt aussagekräftige Angabe von Schadprozenten an. Die Schäden sollten in diesem Stadium besser dahingehend evaluiert werden, ob das geplante Betriebsziel mit den unbeschädigten Bäumen noch problemlos erreicht werden kann.

Eine Einschätzung der Bodenschäden durch die Befahrung mit den verschiedenen Maschinentypen wurde nicht durchgeführt und sollte bei weiterführenden Aufnahmen untersucht werden. Erste visuelle Eindrücke lassen hier spürbare Pfleglichkeitsvorteile bei raupenbetriebenen Maschinen oder bei der Verwendung von Bogiebändern vermuten.

Folgerungen für die Praxis:

Eine wichtige Maßnahme zur Schadprävention ist die Vermeidung von Überdichten. Dies impliziert eine frühe und wiederkehrende Jungwuchs und Jungbestandspflege mit anschließenden Jungdurchforstungen mit geringer Eingriffsstärke.

  • Verweise

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