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Artikel

Autor(en): Katrin Dännart
Redaktion: FVA, Deutschland
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Waldbrandarten: Von Kronenfeuern und Stammbränden

Handbuch Waldbrand
Ratgeber "Forstliches Krisenmanagement"

Waldbrandarten unterscheiden sich dadurch, wie sie entstehen und was sie auszeichnet. Man unterscheidet Boden- und Vollfeuer, Moor- und Stammbrände. Im Artikel erfahren Sie alles über die Form von Feuern im Freiland und im Wald. Sonderformen wie Hangfeuer und Feuer auf munitionsbelasteten Flächen werden im Artikel Strategien der Waldbrandbekämpfung erläutert.

Inhalt

Typische Form von Waldbränden

Wald- und Flächenbrände haben typischerweise die Form einer angenäherten Ellipse (Abb. 1). Die Brandherde sind nur im Bereich des Saumes dieser Ellipse zu finden. Rechts und links der Windrichtung befinden sich die Feuerflanken, die sich deutlich langsamer ausbreiten, als die in Windrichtung gelegene so genannte Feuerfront oder Feuerspitze. Dreht sich der Wind, können die Flanken schnell zur Feuerfront werden.

Typische Form eines Waldbrandes
Abb. 1: Typische Form eines Waldbrandes. (Skizze: Eigene Darstellung nach König)

Es brennt in der Regel ein ca. 20-50 cm breiter Streifen am Rande der Brandfläche. Nur bei einer großen Reisigauflage kann sich dieser Streifen auf eine Breite von ein bis zwei Metern ausdehnen. Hinter dem Feuersaum brennen oder schwelen einzelne Holzstücke, Stöcke oder Humuspolster. Das Betreten einer solchen Fläche ist aber durchaus möglich. Ein Feuer kann sich innerhalb einer Stunde 200 bis 1200 m (gelegentlich bis 2000 m) weit ausbreiten.

Bodenbrand (oder Lauffeuer)

Der Bodenbrand betrifft bodennahe Vegetation und abgestorbenes Material (Abb. 2). Das Feuer läuft im Anfangsstadium nach allen Seiten und verstärkt sich dann in Richtung der höchsten Sauerstoffzufuhr. Der Rauch ist aufgrund der Beschaffenheit des brennbaren Materials hellgrau gefärbt. Dies ist für Beobachtende ein deutliches Zeichen, dass es sich um einen Bodenbrand handelt. Waldbrandstatistiken belegen, dass 75% der Waldbrände in Deutschland Bodenfeuer bleiben und sich nicht zu Vollfeuern ausweiten.

Bodenfeuer
Abb. 2: Bodenfeuer. (Foto: FVA/Kaulfuß)

Die Intensität des Bodenfeuers hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Auflagenhöhe/ -menge, Feuchtigkeitsgehalt des Brennmaterials und des Bodenbelags (Nadel-, Laubstreu, Zapfen,…)
  • herrschenden Windgeschwindigkeit
  • Temperatur und relativen Feuchte der bodennahen Luftschicht
  • Geländeausformung

Diese Charakteristika kennzeichnen ein Bodenfeuer:

  • Der Feuersaum ist maximal 1-2 m breit.
  • Die Flammenlänge beträgt höchstens 2 m.
  • Die Ausbreitungs- bzw. Laufgeschwindigkeit beträgt im Durchschnitt 500m/h und maximal 1200 m/h.

Vollfeuer (oder Kronenfeuer)

Waldbrand in einer Kiefernkultur
Abb. 3: Vollfeuer. (Foto: Bundesforstbetrieb Oder-Havel-Spree)

Vollfeuer entstehen immer aus Bodenbränden, wenn das Feuer über Totholz, trockene Borke oder tief hängende Äste den oberen Bereich der Bäume erreicht. Im Kronenbereich ist durch geringe Verqualmung noch viel Sauerstoff vorhanden. So wird das Feuer genährt und die Ausbreitung zum Vollfeuer geschieht rasend schnell. Der Rauch eines Vollbrandes ist aufgrund von dicht benadeltem oder belaubtem und grünen Brennmaterial dunkelgrau bis schwarz. Ein Vollfeuer verbraucht viel Sauerstoff, dieser Verbrauch führt zu einem starken Luftzug im bodennahen Bereich. Dieser "selbstgemachte" Wind sorgt dafür, dass sich das Feuer rasch zu allen Seiten ausbreitet. Wegen der starken Verqualmung ist die eigentliche Feuerfront nur schwer zu lokalisieren.

Die Charakteristika eines Vollfeuers sind folgende:

  • Feuersaum: bis zu mehrere Meter breit
  • Flammenlänge: je nach Baumbestand, Thermik und Hanglage bis zu 50 m
  • Ausbreitungs- bzw. Laufgeschwindigkeit: maximal 1800 m/h jedoch meist um die 500 m/h; bei Großbränden ab 50 ha kann mit einer Ausbreitung von 100 ha/h gerechnet werden.
  • Bei Windgeschwindigkeiten über 10 m/s kann das Wipfelfeuer dem Bodenfeuer des Vollbrandes um bis zu 50 m im Wind vorauseilen: Durch diese Flugfeuer können neue eigene Brandherde und Feuer entstehen.

Erd- oder Moorbrand

Moorbrände (Abb. 4) kommen relativ selten und meist nur bei lang anhaltenden Dürren vor. Den Saum eines Moorbrandes zu orten ist schwierig, da der Brand sich meist im Unterboden des Moores abspielt und der Rauch selten in einer senkrechten Linie aus dem Boden aufsteigt. Bei Nichtlöschen eines Moorbrandes kann es sein, dass dieser über Monate hinweg schwelt, ohne dass eine nennenswerte Rauchentwicklung auf einen Brand hindeutet.

Moorbrand
Abb. 4: Moorbrand. (Skizze: Eigene Darstellung, verändert nach Heber Longás/ Elpaís)

Auch können diese unterirdischen Brände unerkannt eine Winterpause überstehen und erst in der Vegetationsperiode auf sich aufmerksam machen. Die Laufgeschwindigkeit ist sehr langsam und beträgt maximal 1000 m/24 h. Dennoch bedürfen Moorbrände einer lang anhaltenden und permanenten Kontrolle und Beobachtung. Hierbei sollte die Gefahr eines Einbruchs durch entstandene unterirdische Hohlräume nicht verkannt werden.

Stammbrand im Weilhartsforst bei Hochburg-Ach in Österreich.
Abb. 5: Stammbrand im Weilhartsforst bei Hochburg-Ach in Österreich. (Foto: Freiwillige Feuerwehr Hochburg)

Stammbrand

Stammbrände entstehen in der Regel durch Blitzschlag oder Knallkörper vor allem an Silvester (Abb. 5). Daher sind diese Brände äußerst selten und machen im Schnitt nur 2% des gesamtdeutschen Brandgeschehens aus. Meist brennen die Borke oder hohle Bäume. Aus einem Stammbrand kann ein Bodenfeuer entstehen, wenn sich bei Trockenheit der am Stammfuß befindliche Bodenbelag entzündet.

Literatur

  • König, H.-C. (2007): Waldbrandschutz Kompendium für Forst und Feuerwehr. Hrsg. M. Bessel, Fachverlag Matthias Grimm, Berlin
  • Südmersen, J. et al. (2008): Wald- und Flächenbrandbekämpfung; 1. Auflage. ecomed Sicherheit, Verlagsgruppe Hüthig, Jehle Rehm GmbH

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