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Originalartikel: Hoch, G. (2019): Aktuelle Waldschäden in Österreich – der Klimawandel macht auf sich aufmerksam. Aktuell - Zeitschrift der Land&Forstbetriebe Österreich, Nr. 3/19
Autor(en): Gernot Hoch
Online-Version: Stand: 26.09.2019
Redaktion: BFW, A

Österreich: Klimaerwärmung schlägt sich deutlich in aktuellen Waldschäden nieder

Höhere Temperaturen und Wassermangel setzen die Wälder in manchen Teilen Österreichs erheblich unter Druck. Die letzten Jahre geben einen Vorgeschmack auf mögliche Entwicklungen bei weiter fortschreitendem Klimawandel.

Beginnend mit dem Sommer 2015 entwickelte sich eine beispiellose Massenvermehrung des Buchdruckers im Norden von Österreich (Schäden durch Borkenkäfer österreichweit laut Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren: 3,5 Millionen fm im Jahr 2017, 5,2 Millionen fm 2018), für 2019 ist keine Verbesserung zu erwarten. Den weitaus überwiegenden Teil der Schadholzmengen verursachte der Buchdrucker an Fichte.

Borkenkäfer-Schadholz, liegend
Für den Buchdrucker ergibt sich durch die Klimaerwärmung eine andere Dynamik als bisher bekannt: Die Fichtenbestände sind auf großer Fläche angreifbar.

Foto: Bundesforschungszentrum für Wald

Österreich ist hier nicht alleine, auch in Teilen Deutschlands und vor allem in der Tschechischen Republik, wo der Schaden durch Fichtenborkenkäfer 2018 noch deutlich höher ausfiel, stellt sich die Situation ähnlich dar. In Österreich fällt die höchst ungleiche Verteilung der Borkenkäferschäden auf.

Seit Beginn der derzeit laufenden Massenvermehrung ist der Norden des Bundesgebietes weit überproportional betroffen, 69 % der Borkenkäferschäden fielen 2018 in Wald-und Mühlviertel an, während aus anderen Regionen keine extremen Werte gemeldet wurden. Ganz deutlich besteht ein Zusammenhang mit der Sommertemperatur und der Trockenheit.

Die Buchdruckermassenvermehrung kann also nicht zuletzt als ein Symptom der Auswirkungen der geänderten klimatischen Bedingungen der letzten Jahre gesehen werden. Für den Buchdrucker ergibt sich eine andere Dynamik als bisher bekannt, nunmehr sind es nicht große Mengen an Brutholzangebot nach Windwürfen oder Schneebrüchen, die eine Massenvermehrung ermöglichen, sondern die Fichtenbestände sind auf großer Fläche angreifbar.

Fichte kommt überraschend schnell in Bedrängnis

Waldwachstums-Modelle prognostizierten die Probleme der Fichte in den von Borkenkäfern betroffenen Regionen bei verschiedenen Szenarien des Temperaturanstiegs. Die Situation kommt daher prinzipiell nicht unerwartet, erschreckend ist die Geschwindigkeit, mit der eine Baumart auf großer Fläche in Bedrängnis kommt. Die letzten, extremen Jahre geben einen Vorgeschmack auf Klimawandelszenarien.

In den betroffenen Gebieten ist allerdings nicht nur die Fichte unter großem Druck, auch andere Baumarten sind mancherorts in schlechtem Zustand und ein Zusammenhang mit klimatischen Bedingungen liegt nahe.

Trockenheit ist dabei ein wesentlicher Faktor. Für Österreich wurde eine gegenüber dem früheren Vergleichszeitraum um 80 mm höhere, jährliche Verdunstung berechnet (Blöschl et al. 2018). So kommt es bei höheren Temperaturen für die Vegetation auch bei gleichbleibender Niederschlagsmenge durch höhere Verdunstung (Evapotranspiration) früher zu Wassermangel, der sich in reduzierter Assimilation, dem Auftreten von Embolien und nicht zuletzt höherer Anfälligkeit für sekundäre Schädlinge auswirkt. 

Insekten und Pilze an Kiefer

Die Weißkiefer stirbt in den letzten Jahren im Wald- und Weinviertel vermehrt nestweise ab. Fast immer sind Borkenkäfer beteiligt: Typischerweise ist es der Sechszähnige Kiefernborkenkäfer, der im Kronenbereich den Befall beginnt, oft bald gefolgt vom Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer. Aufgrund der geringeren Größe des ersteren und dem weniger auffälligen Bohrmehlauswurf wird der Befall manchmal übersehen. Es sind allerdings in der angespannten Situation Forstschutzmaßnahmen angeraten, d.h. befallene Kiefern sollten rechtzeitig vor Abschluss der Brutentwicklung aus dem Wald gebracht werden.

Schwarzkiefer-Triebsterben
Trockene Sommer schwächen die Schwarzkiefer, so wird der Pilz zum Pathogen und verursacht das Triebsterben der Schwarzkiefer.
Foto: Bundesforschungszentrum für Wald/A. Walli

An der Schwarzkiefer ist es wiederum vor allem ein pilzlicher Krankheitserreger, Diplodia sapinea, der schädlich wird. Der Pilz kommt weit verbreitet als Endophyt in den Kiefern vor, ohne Symptome zu verursachen. Warme Winter begünstigen sein Wachstum, trockene Sommer schwächen den Wirtsbaum, so wird der Pilz zum Pathogen und verursacht das Triebsterben der Schwarzkiefer. Massiver Befall bringt die Bäume zum Absterben. Hygienemaßnahmen (wie das Entfernen stark betroffener Bäume) und mittelfristig waldbauliche Ansätze (etwa die Beimischung anderer Baumarten) können der Krankheit entgegenwirken. 

Tanne regional geschwächt

Auf die Tanne wird im Hinblick auf die Klimawandelszenarien einige Hoffnung gesetzt, sie ist jedoch nicht generell gefeit vor negativen Auswirkungen extremer Trockenheit. Eine derartige Situation kann sich auch in an sich niederschlagsreichen Gebieten ergeben: Der in Teilen Vorarlbergs extrem trockene Sommer 2018 schwächte Tannen anscheinend so stark, dass sie attraktive Wirte für den Befall durch die Tannenborkenkäfer-Arten wurden. Ein für dieses Bundesland ungewohnt hoher Schadholzanfall war und ist die Folge. Bei der Tanne wird auch die Bedeutung der weit verbreiteten Mistel bei Trockenstress augenscheinlich. Diese Halbschmarotzer bleiben weiter photosynthetisch aktiv, wenn der Baum bei Trockenheit die Spaltöffnungen schließt. So wird der Wasserstress erheblich verstärkt, was bis zum Absterben von Wipfeln oder Kronenteilen führen kann.

Auch Douglasie betroffen

Für einen weiteren Hoffnungsträger, die Douglasie, erreichten das BFW auch Meldungen über Ausfälle. Bäume wurden vom Wipfel dürr, differentialdiagnostische Untersuchungen zeigten teils die Beteiligung verschiedender Borkenkäferarten, aber auch pilzlicher Pathogene, wozu derzeit noch Untersuchungen laufen. Man soll also bei der derzeitigen Forcierung der Douglasie nicht außer Acht lassen, dass auch diese Baumart manchem bei uns ansässigen Schadorganismus als Wirt dienen kann.

Rußrindenkrankheit an Bergahorn

Ein bei uns neu in Erscheinung getretenes Pathogen bei Ahornarten, insbesondere am Bergahorn, gibt Anlass zur Sorge. Cryptostroma corticale ist ein Pilz, der lange unbemerkt im Holz wachsen kann. Bei sehr hohen Sommertemperaturen kommt es zu verstärktem Wachstum des Pilzmyzels, das schließlich die Rinde erreicht und diese zum Absterben bringt.

Nun entwickeln sich die typischen Symptome der Rußrindenkrankheit: Es bildet sich eine schwarze Schicht, auf der sich enorme Mengen von Sporen entwickeln. Diese bergen auch ein Risiko für die menschliche Gesundheit, da sie Lungenerkrankungen auslösen können. Bislang war die Rußrindenkrankheit bei uns von Ahornen im urbanen Bereich mit besonders hohen Temperaturen bekannt. Im Sommer 2018 wurde erstmals nestweises Absterben von Bergahorn in einem Waldbestand im Weinviertel beobachtet. Diese Krankheit könnte im Sommerwarmen Osten weiter bedeutend werden, noch bestehen aber bedeutende Wissenslücken dazu.

Empfehlung des BFW: auf Vielfalt bei Baumarten und Strukturen setzen

Wenn auch der Fokus in der Forstwirtschaft aufgrund der dramatischen Lage derzeit auf der Fichte und deren Borkenkäfern liegt, dürfen die anderen Baumarten nicht unbeachtet bleiben. Die Beispiele sollen zeigen, dass es eine Reihe von Schadorganismen gibt, die von höheren Temperaturen und insbesondere von trockengestressten Wirtsbäumen profitieren können. Aus Sicht des Waldschutzes kann dennoch nur die Empfehlung gelten, auf Vielfalt bei Baumarten und Strukturen zu setzen.

Denn die meisten der in Zukunft potentiell gefährlichen Schadorganismen werden umso leichteres Spiel haben, je höher der Anteil ihrer Wirtsbaumart in einem Gebiet ist. Die letzten Jahre geben einen Hinweis darauf, dass auch ein moderater Temperaturanstieg die Waldbewirtschaftung vor enorme Herausforderungen stellt. Umso dringlicher sind Maßnahmen in allen gesellschaftlichen Bereichen, die der weiteren globalen Erwärmung entgegen wirken.

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