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Originalartikel: UVEK (2012): Bericht in Erfüllung des Postulats Erleichterung des Baus von Windkraftanlagen in Wäldern und auf Waldweideflächen 10.3722 (Cramer Robert). Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK. www.uvek.admin.ch
Autor(en): Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)
Online-Version: verändert, Stand: 02.12.2013
Redaktion: WSL, CH

Windenergieanlagen in Schweizer Wäldern grundsätzlich möglich

Grosse Windräder beeinflussen das Landschaftbild und können negative Auswirklungen auf die Tierwelt haben. Der Bau von Windkraftanlagen im Wald ist deshalb nicht unproblematisch und dementsprechend umstritten. Ein Bericht des Bundes kommt zum Schluss, dass die bestehenden rechtlichen Grundlagen den Bau von Windenergieanlagen im Schweizer Wald grundsätzlich zulassen.

Windrad im Wald
Abb. 1 - Windkraftanlagen im Wald erfordern in der Schweiz eine Rodungsbewilligung.
Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de

Die Schweizer "Energiestrategie 2050" sieht einen erheblichen Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien vor. Gegenüber dem heutigen Stand ist in allen Bereichen mit einem massiven Zubau von Anlagen zu rechnen. Dies gilt auch für die Windkraft, die bis anhin im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien eine eher untergeordnete Rolle spielte.

Bereits 2010 hat sich die Nutzung der Windenergie in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. In den nächsten 20 Jahren wird eine zwanzigmal höhere schweizerische Windenergieproduktion angestrebt. Das Bundesamt für Energie (BFE) schätzt das wirtschaftliche Potenzial der Windenergie in der Schweiz auf 12‘000 GWh pro Jahr. Werden Schutzgebiete auf Bundesebene als Standorte für Windenergieanlagen ausgeschlossen, reduziert sich dieses Potenzial auf 5‘300 GW pro Jahr. Wird auch der Wald als Standortgebiet generell ausgeschlossen reduziert sich das Windenergiepotenzial weiter auf 3‘400 GWh pro Jahr.

Im Herbst 2012 hat der Bund den Bericht "Bau von Windkraftanlagen in Wäldern und auf Waldweideflächen" veröffentlicht. Dieser Bericht soll mehr Klarheit schaffen, wie sich Windräder mit dem Waldgesetz, dem Schutz von Lebensräumen sowie dem Schutz von Natur und Landschaft vereinbaren lassen.

Rodungsbewilligung für Windenergieanlagen

Windrad im Wald
Abb. 2 - Der Bau von Windrädern setzt eine entsprechende Erschliessung voraus.
Foto: Philipp Treier / pixelio.de

Eine Rodung ist eine dauernde oder vorübergehende Zweckentfremdung von Waldareal für nichtforstliche Zwecke. Die gerodete Fläche ist nicht mehr Wald im Sinne des Waldgesetzes. Im Gegensatz zu einem Holzschlag wird das Aufkommen der Waldbäume dauernd (definitiv) beziehungsweise während einer gewissen Zeit (temporär) verhindert. Beispiele dafür sind der Bau einer Autobahn durch den Wald (definitive Rodung) oder der Bau einer unterirdischen Gasleitung (temporäre Rodung).

Rodungen sind grundsätzlich verboten. Sie können aber bewilligt werden, wenn die folgenden Bedingungen kumulativ erfüllt sind (Art. 5 WaG):

Die Rodungspolitik richtet sich nach dem jeweils aktuellsten Stand der Technik und des Wissens. Angesichts einer relativ jungen Technologie bei Windenergieanlagen sind Weiterentwicklungen sowie allfällige weitere Erkenntnisse über Auswirkungen zu berücksichtigen. Falls eine Rodung bewilligt wird, ist in der Regel in derselben Gegend ein Realersatz zu leisten. Künftig (die Gesetzgebung ist noch nicht in Kraft) sollen in Gebieten mit zunehmender Waldfläche anstelle von Realersatz gleichwertige Massnahmen zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes möglich sein. Bedingung ist, dass damit landwirtschaftliches Kulturland sowie ökologisch oder landschaftlich wertvolle Gebiete geschont werden.

Fazit

Windrad im Wald
Abb. 3 - Foto: Steffen Recke / pixelio.de

Der Wald ist nicht grundsätzlich ein Ausschlussgebiet für den Bau von Windenergieanlagen in der Schweiz. Die bestehenden rechtlichen Grundlagen lassen eine Realisierung von zeitgemässen, energieeffizienten und ressourcenschonenden Windenergieanlagen auch im Wald zu.

Die Beurteilung erfolgt im Rahmen eines Rodungsbewilligungsverfahrens gemäss Artikel 5 ff. WaG. Die vom Parlament neu beschlossenen Änderungen des Waldgesetzes werden in absehbarer Zeit die Regelungen für den Realersatz lockern. Eine weitergehende Anpassung der Waldgesetzgebung ist nicht erforderlich. Die Kantone verfügen bereits heute über die Flexibilität, auf möglichen Standorten auf Waldareal Abklärungen für die Planung von Windenergieanlagen zu treffen und die Vorhaben unter günstigen Voraussetzungen auch zu realisieren.

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