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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Ab in die Kiste – Pappelflaum für einen erholsamen Schlaf

Pappelfrüchte
Abb. 1: Wenn sich die Pappelfrüchte öffnen entlassen sie auch die Samenfasern in ihre Umgebung - den Pappelflaum (Foto: PAP(P)ILLON GmbH).
 
Spindel
Abb. 2: Der Ertrag pro Spindel ist beachtlich (Foto: PAP(P)ILLON GmbH).
 
Ernte des Pappelflaums
Abb. 3: Der Pappelflaum wird in den Baumkronen geerntet (Foto: PAP(P)ILLON GmbH).

Alle Jahre wieder fällt in Moskau sommerlicher Schnee und hüllt die russische Hauptstadt in einen weißen Teppich. Schuld daran sind die von Stalin gepflanzten Balsampappeln. Aber was die Moskauer quält, kann für andere einen erholsamen Schlaf bedeuten. Denn der Flaum der Pappeln – dabei handelt es sich um die Samenfasern der Bäume – kann als Füllung für Bettdecken verwendet werden.

Vom Förster zum Pappelflaum-Sammler

Jens-Gerrit Eisfeld war Forststudent in Freiburg und hatte mit der Pappel eigentlich nicht sehr viel am Hut. Bis ihm die Verwehung der weißen Samenfasern der Pappelfrüchte ins Auge fiel: der Pappelflaum. Voller Eifer ist er dann sammelnd durch die Auwälder gestapft, um sich aus diesen Fasern eine Bettdecke zu schneidern. Er selbst war schon nach der ersten Nacht "unter Pappeln" überzeugt, ansonsten wurden seine Versuche allerdings nicht sonderlich ernst genommen. Heute steht aber fest: Pappelflaumdecken haben zahlreiche Vorzüge und sind besser als Daunendecken. Und der Erfolg mit seiner Firma PAP(P)ILLON gibt dem Diplom-Forstwirt recht.

Ernte: schwierig aber ertragreich

Nur die weiblichen Bäume tragen Früchte, die männlichen Pappeln dagegen verfügen lediglich über Pollen. Geerntet wird zwischen Juni und September und zwar mit Baumkletterern oder Fesselballon. Dabei schneiden die Baumkletterer die ganzen Äste ab, so dass ein- und derselbe Baum nur alle drei bis vier Jahre beerntet werden kann. Die Fasern selbst sind kostenlos, denn die Gemeinden sind froh, wenn der lästige Flaum weniger wird. Als Gegenleistung entfernen die Kletterer trockene Äste und sorgen dadurch für eine bessere Holzqualität und eine erhöhte Verkehrssicherheit. Damit bei der Ernte und dem Transport möglichst wenig Flaum verloren geht, werden die noch nicht komplett geöffneten Fruchtkapseln geerntet.

Jeder Baum verfügt etwa über 25 Kilogramm Fruchtmaterial, wovon 1 bis 1,5 Kilogramm Pappelflaum sind. Eine Menge, mit der drei Bettdecken gefüllt werden können. Die Erlöse aus Pappelflaum übersteigen mit 100 Euro pro Kilogramm die Preise von Daunen und Kaschmirwolle bei weitem. In geschlossenen, fruchtintensiven Beständen ist mit 200 Kilogramm Pappelflaum pro Jahr und Hektar zu rechnen. So können dort lange vor der Holzernte Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden.

Nach der Ernte geht´s erst richtig los

Nach der Ernte wird der Pappelflaum zunächst grob von den Ästen befreit. In einem patentierten Verfahren trennt eine Maschine Blätter, Zweige, Samen und Kapseln vom Flaum. Dann wird der Rohstoff gereinigt. Das Ergebnis sind die feinsten Naturfasern weltweit. Diese werden in der Bettenfabrik gekämmt und über das so entstandene Vlies wird ein Bezug gesteppt – fertig ist die Pappelflaumdecke.

Qualität: sehr gut und durch Kombinationen noch zu steigern

gereinigter Pappelflaum
Abb. 4: Der gereinigte Pappelflaum hat als feinste Naturfaser weltweit schon hervorragende Eigenschaften, die man durch Kombinationen mit beispielsweise Tierhaaren noch steigern kann (Foto: PAP(P)ILLON GmbH).

Pappelflaum wurde insbesondere auf die wichtigsten Eigenschaften einer Decke – nämlich Wärme und Feuchtigkeitsregulierung – getestet. Diese Tests belegten, dass Decken mit einer Pappelflaum-Füllung wärmer und trocknender sind als beispielsweise Daunendecken. Diese optimalen Eigenschaften können durch eine Kombination mit anderen Materialien noch ergänzt werden. So können sich Pappelflaum und (feines) Tierhaar optimal bereichern: Die geringere Isolationsfähigkeit des Tierhaars wird durch Pappelflaum ausgeglichen, während der gute Feuchtetransport des Pappelflaums durch feines Tierhaar (und auch durch Seide) noch verstärkt wird.

Die weltweit unübertroffene Kurzzeit-Feuchteaufnahme des Pappelflaums nimmt die auf der Haut entstehende Feuchtigkeit prompt und aktiv auf und leitet sie weiter. Kombinationen mit Pappelflaum können größere Temperaturunterschiede ausgleichen als Daunen- oder Tierhaardecken. Der Flaum kann aufgrund seiner Feinheit ohnehin nicht in reiner Form verarbeitet werden, sondern benötigt immer eine Trägerfaser.

High-Tech aus der Natur mit starken Argumenten

Pappelflaumfasern
Abb. 5: Die mikroskopische Querschnittsaufnahme der Pappelflaum-Fasern zeigt, dass die Fasern hohl sind (Foto: PAP(P)ILLON GmbH).

Pappelflaum weist nicht nur eine außerordentliche Faserfeinheit auf, sondern besitzt auch auffällig große Hohlräume. Dadurch wird eine extrem hohe Oberflächenwirksamkeit erreicht. Das Material ist leicht, isoliert hervorragend und kann Feuchtigkeit gut aufnehmen und abgeben. Pappelflaum ist die feinste hohle Textilfaser weltweit. Selbst ein Haar ist um ein vielfaches größer. Dies führt dazu, dass der Pappelflaum hervorragende Eigenschaften besitzt:

  • warm und schnell wärmend: Pappelflaum ist die wärmste Pflanzenfaser weltweit, sogar noch wärmer als Cashmere und Daunen. Pappelflaum macht sofort warm.
  • atmungsaktiv und feuchteregulierend: Pappelflaum reguliert die Feuchtigkeit besser als alle bisherigen Textilfasern. Damit hat das Schwitzen unter der Decke ein Ende.
  • fein und leicht: Pappelflaum ist aufgrund seiner sehr großen Hohlräume extrem leicht und sogar die feinste hohle Textilfaser weltweit.
  • gesund und hypoallergen: Pappelflaum ist pflanzlich und nicht chemisch behandelt. Er wird von Öko-Test für Allergiker empfohlen.
  • langlebig: Pappelflaum wird mit der Zeit nicht spröde.
Tab. 1: Faserfeinheiten und Hohlräume bei den edelsten Naturfasern
Faser Feinheit Ø Hohlraum
Leinen
40 μ gering
Wolle
37 μ nein
Mohair
32 μ nein
Lama
30 μ nein
Merino
30 μ nein
Baumwolle
30 μ gering
Alpaca
27 μ gering
Kamelhaar
20 μ nein
Kaschmir
15 μ nein
Seide
10 μ nein
Pappelflaum
8 μ ja (sehr groß)

Ökologischer und gesellschaftlicher Nutzen

Aus ökologischer Sicht ist die Verwendung des Pappelflaums ebenfalls sehr sinnvoll. Er ist ein Sammelprodukt, für den kein zusätzlicher Anbau nötig ist. Vorhandene Ressourcen werden genutzt und hoch veredelt. Das Naturprodukt Pappelflaum kann die nicht nachhaltigen synthetischen Materialien ersetzen.

Pappeln sind schnelle CO2-Absorbierer. Aufforstungen mit Pappel stellen daher erhebliche CO2-Senken dar. Gleichzeitig sind Auwälder, in denen sich Pappeln sehr wohl fühlen, unerlässlich für den Hochwasserschutz.

Literatur

Mehr im Web