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Artikel

Autor(en): Adolf Aigner, Martin Brunnmair
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Österreich: Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Christbaumproduktion

Christbaum in Lissabon. Foto: Osvaldo Gago
Christbaum in Lissabon. Foto: Osvaldo Gago

Um einen Eindruck über die wirtschaftliche Bedeutung der Christbaumprodukte in Österreich zu bekommen, soll eine einfache Rechnung angestellt werden. Dabei werden die Preise sowie die prozentuellen Anteile der Baumarten an den verkauften Christbäumen von der Arbeitsgemeinschaft der Niederösterreichischen Christbaumproduzenten übernommen.

Folgende Annahmen werden getroffen: eine durchschnittliche Baumhöhe von 1,75 m, ein Laufmeterpreis von 4 - 8 Euro bei einheimischen Fichten, 7 - 14 Euro bei Blaufichten, 10 – 30 Euro bei Nordmannstannen und ein Durchschnittspreis von 17 Euro bei sonstigen Baumarten.

Rund 2,4 Millionen Christbäume werden benötigt

Laut Statistik Austria gibt es 3,508 Millionen Haushalte in Österreich. Davon stellen ungefähr 69 % einen Weihnachtsbaum auf, somit werden 2.366.000 Christbäume pro Jahr benötigt. Dieser Bedarf wird zum Großteil aus heimischer Produktion gedeckt.

Laut Schätzung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich werden ungefähr 300.000 Bäume importiert. Der Christbaumexport ist vernachlässigbar, da lediglich einige tausend Christbäume nach Norditalien und Deutschland verkauft werden. Daraus lässt sich für die inländische Christbaumproduktion ein Volumen von 2 Mio. Pflanzen pro Jahr ableiten.

Ein Viertel der verkauften Bäume wird nicht auf den als Christbaumkultur gewidmeten Anbauflächen gewonnen, sondern aus Waldbeständen entnommen. Es kann daher angenommen werden, dass auf der rund 3.000 ha großen Kulturfläche rund 1,5 Millionen Christbäume pro Jahr geerntet werden.

Ausgehend von den unterstellten prozentuellen Baumartenanteilen ergibt das in Summe 980.000 Nordmannstannen, 460.000 heimischen Tannen und Fichten, 200.000 Blaufichten, 320.000 sonstige Baumarten sowie 40.000 Plastikbäume.

Durchschnittlicher Marktwert
Nordmannstannen: 34,3 Mio. Euro
Heimische Tannen und Fichten: 4,83 Mio. Euro
Blaufichte: 3,68 Mio. Euro
sonstige Baumarten: 9,52 Mio. Euro
Gesamt: 52,33 Mio. Euro

Da die Plastikchristbäume für unsere Fragestellung nicht relevant sind, werden sie bei der Berechnung des Marktwertes nicht berücksichtigt. Im Vergleich zum BIP 2007 (267,7 Mrd. Euro laut Wirtschaftskammer Österreich) nimmt der gesamte Marktwert des Verkaufs österreichischer Christbäume 0,19 Promille der Wirtschaftsleistung ein, das sind 52,325 Mio. Euro. Das bedeutet: JedeR ÖsterreicherIn (insgesamt 8.265.000 Menschen) gibt im Jahr durchschnittlich 6,30 Euro oder jeder Haushalt 15,25 Euro für einen Christbaum aus.

Abbildung 1 zeigt den monetären Gesamtwert der in Österreich verkauften heimischen Christbäume in Euro. In der Berechnung wurden die Durchschnittspreise der ARGE Niederösterreichische Christbaumproduzenten für 2007 herangezogen und bis 1997 um die jährliche Inflation verringert (Statistik Austria, 2008). Der Wert der verkauften Bäume steigerte sich kontinuierlich von 1997 bis 2007 von über 35 Millionen Euro auf fast 55 Millionen Euro. Dies ist vor allem auf die steigende Produktion und auf die sinkenden Importe bei gleichzeitiger Absatzsteigerung zurückzuführen.

Marktentwicklung 1997 - 2007
Abbildung 1: Gesamtwert der Christbaumproduktion,
Quelle: eigene Berechnung nach BOKU (2008) und Statistik Austria (2008)

Christbaumproduzenten sind positiv gestimmt

Die österreichischen Produzenten haben also allen Grund, positiv in die Zukunft zu blicken. Die Umfrage belegt, dass etwa zwei Drittel der Christbaumproduzenten ihre Zukunft am Christbaummarkt als "Gut" oder "Sehr Gut" einschätzen. Ein weiteres Drittel sieht seine Chancen zumindest "gleich bleibend". Nur zwei Prozent sehen pessimistisch in die Zukunft. Diese zwei Prozent haben auch angegeben, ihre Christbaumproduktion auslaufen zu lassen, da der Arbeitsaufwand zu groß wurde.

Abbildung: Investitionsvorhaben
Abbildung 2: Zukunftsaussichten, Umfrage unter Christbaumproduzenten. Quelle: BOKU (2008)

Neue Schiene: Bio-Christbäume

Eine weitere Option könnte auch das vermehrte Angebot von biologisch produzierten Christbäumen sein. Bio-Christbäume werden nach der EU-Verordnung 2092/91 des biologischen Landbaus produziert. Diese verbietet den Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden. Die Verwendung von biologischen Jungpflanzen ist Pflicht.

Laut der Umfrage sehen sich mehr als die Hälfte der Produzenten als biologisch produzierend an. Eine Zertifizierung für biologische Christbäume haben aber die wenigsten. In den Fällen, in denen die Christbaumproduktion als Nebenzweig einer biologischen Landwirtschaft betrieben wird, scheint es plausibel, dass auch die Christbäume biologisch bewirtschaftet werden.

Weihnachtsmarkt. Foto: Väsk
Für Bio-Christbäume werden gute Verkaufschancen gesehen. Foto: Väsk

Bei einer konventionellen Landwirtschaft ohne Zertifizierung als Biobetrieb scheint es aber eher der persönliche Eindruck und die Tatsache zu sein, dass die Christbaumkultur als Nebenerwerb geführt und deshalb die Bewirtschaftung nicht so intensiv ausgeübt wird, die zu der Aussage, eine biologische Christbaumproduktion zu betreiben, führt.

Ein Verein, der sich für die biologische Produktion von Christbäumen einsetzt und auch als Interessensvertretung für biologisch Produzierende fungiert, ist der Club der Bio-Christbaumproduzenten. Die Mitgliedsbetriebe werden einmal jährlich unangemeldet von einem unabhängigen Kontrollorgan der EU inspiziert. Dabei werden auch Nadel- und Bodenproben untersucht. So kann eine biologische Produktion mit einem Zertifikat nachgewiesen werden.

Aufgrund des bei richtiger Bewirtschaftung (zum Beispiel mit Shropshire Schafen) geringen Mehraufwandes in der Produktion und des etwas höheren Preises wird die Bio-Schiene auch im Christbaummarkt der Zukunft stärker vertreten sein.

Literatur

ARGE NÖ CHRISTBAUMPRODUZENTEN. www.weihnachtsbaum.at [Abfrage am 25. 4. 2008]

BOKU (2008): Interdisziplinäre Projektstudie Nachwachsende Rohstoffe: Christbaumproduktion in Österreich; Universität für Bodenkultur, Wien

STATISTIK AUSTRIA (2008): Übersicht zu Verbraucherpreisindizes
http://www.statistik.at/web_de/static/uebersicht_025206.pdf [Abfrage am 11. 6. 2008]

Kontakt

  • Harald Vacik
    Institut für Waldbau, Department für Wald- und Bodenwissenschaften
    BOKU - Universität für Bodenkultur,
    Peter Jordanstr. 82, 1190 Wien, Österreich

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