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Artikel

Autor(en): Andrea Corinna Mayer et al. (externe Autoren)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldweide im Alpenraum: Neubewertung einer traditionellen Mehrfachnutzung

In den Alpen hat die land- und forstwirtschaftliche Doppelnutzung von Waldflächen eine lange Tradition. Wissenschaftler haben die Auswirkungen der Waldweide auf den Gebirgswald unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht.

Hausrind im Wald
Abb. 1 - Hohe Tierbesatzstärken riefen im Experiment bereits nach kurzer Beweidungsdauer relativ starken Verbiss hervor.
Foto: zwergdesign / pixelio.de

Die Gebirgswälder der Alpen erfüllen meist mehrere Funktionen auf der gleichen Fläche: z.B. Holzproduktion, Schutz gegen Naturgefahren, Erholung oder Biodiversität. Auf 15% der Gebirgswaldfläche kommt  eine weitere Nutzung hinzu: die Waldweide. Diese Doppelnutzung des Waldes hat in den Alpen lange Tradition. Ihre Bedeutung ist aber regional sehr unterschiedlich. Im Zentralalpengürtel (Graubünden und Nordwestalpen) dient ein Viertel der Waldfläche der Waldweide.

Waldweide früher und heute

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als man die Wälder mit verschiedenen Tierarten beweidete, spielt heute zur Waldweide fast ausschliesslich Rindvieh eine Rolle (87%). Einzig in den Wäldern der Alpensüdseite weiden ähnlich viele Ziegen (38%) wie Rinder (43%). Schafe und Pferde sind überall von untergeordneter Bedeutung.

Die heutige Waldweidepraxis – extensive Beweidung mit Rindern während weniger Wochen im Sommer – unterscheidet sich sowohl in Bezug auf die Art der weidenden Tiere als auch in deren Anzahl stark von den Zuständen im 19. Jahrhundert. Um 1870 lebten im Gebirgskanton Graubünden beispielsweise eineinhalb mal weniger Einwohnerinnen und Einwohner als Schmalvieh (Schafe und Ziegen), und dieses weidete fast ausschliesslich im Wald.

Vielerorts war damals die freie Gemeinatzung von Schmalvieh üblich. Jedoch strapazierte auch der grosse Brennholzbedarf für Kochen und Heizen die Schutzwälder. Als dann katastrophale Naturereignisse auftraten, die nicht zuletzt auf die stark dezimierten Schutzwälder zurückgeführt wurden, hat man die Waldweide im ersten eidgenössischen Waldgesetz von 1874 gesetzlich eingeschränkt.

Trennung von Wald und Weide sinnvoll?

Im Artikel 16 des Bundesgesetzes über den Wald (1991) wird die Waldweide zwar nicht mehr explizit als nachteilige Nutzung bezeichnet; Nutzungen, welche die Funktionen oder die Bewirtschaftung des Waldes gefährden oder beeinträchtigen, sind jedoch unzulässig, und Rechte an solchen Nutzungen sind abzulösen; die Kantone erlassen die erforderlichen Bestimmungen. Die Waldgesetzgebung einiger Gebirgskantone sieht vor, umstrittene Weiderechte neu zu reglementieren. Hierbei wird vielerorts eine Trennung von Wald und Weide angestrebt.

Die gegenwärtigen Bestrebungen, die Waldweide einzuschränken oder aufzuheben, gründen in der Befürchtung nach einer Einbusse der Holzqualität und nach dem Ausbleiben der Verjüngung des Waldes, insbesondere des Schutzwaldes. Artikel 3 des Bundesgesetzes über den Wald (1991) besagt zudem, dass die Waldfläche nicht vermindert werden sollte. Daher werden Einzäunungen gegen weidende Haustiere vom Bund noch subventioniert.

Über die Auswirkungen der heutzutage auf Waldweiden dominierenden Tierart, des Rindviehs, gehen die Meinungen jedoch auseinander und quantitative Angaben insbesondere zur Futterselektion der Rinder im Wald in Abhängigkeit von Besatzstärke und Beweidungsdauer gibt es kaum. Solche Kenntnisse sind für eine sinnvolle Bewertung oder Neuorganisation der Waldweide unbedingt erforderlich

Studie zu den Auswirkungen der Waldweide auf den Wald

Um den Einfluss der Beweidung auf den Wald zu überprüfen, führte die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL Feldversuche und Experimente zu den Auswirkungen einer Beweidung mit Rindern auf Verjüngung und Struktur subalpiner Wälder durch. Mit den Resultaten des Projektes sollten Wege für eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Regelung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung des Gebirgswaldes aufgezeigt werden.

Die Forschenden erfassten vom Vieh verursachte Schäden, indem sie den Zustand junger Bäume vor und nach Beweidung miteinander verglichen. Jahrring-Untersuchungen dienten der Erforschung langfristiger Einflüsse der Beweidung auf die Waldstruktur. Um die Futterwahl des Viehs auf Waldweiden zu ermitteln, wurde auch der Verbiss der vorkommenden Krautpflanzen kartiert. Die Verdaulichkeit des Futters untersuchten die Wissenschaftlerinnen anhand von repräsentativen Futter- und Kotproben.

Haupterkenntnisse

Rinder im Gebirgswald
Abb. 2 - Rinder im Gerbirgswald.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Die Bewirtschaftung subalpiner Wälder als Waldweideflächen und die dadurch favorisierte Schaffung einer kleinflächig heterogenen Waldstruktur kann sowohl die tiergerechte Ernährung von Nutztieren als auch den nachhaltigen Schutz gegen Naturgefahren gewährleisten. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass die Tierbesatzstärke sich unter einem bestimmten Grenzwert bewegt, um den Verbiss des Jungwuchses zu minimieren und damit die Regeneration des Waldes möglichst wenig zu beeinflussen.

Die hohen Tierbesatzstärken (ab 2,8 Grossvieheinheiten pro Hektar), die in unserem Experiment verwendet wurden, riefen bereits nach kurzer Beweidungsdauer relativ starken Verbiss hervor. Die Tierbesatzstärke von Waldweiden sollte sich demnach unter diesem Wert bewegen. Bei den in der Feldstudie untersuchten traditionell genutzten subalpinen Waldweiden mit etwa 50% Waldfläche und 50% halboffener bis offener Weidefläche (Lawinenrunsen) hat sich gezeigt, dass extensive Beweidung mit einer Besatzstärke von 1 bis 2 Grossvieheinheiten pro Hektar während mehrerer Wochen sowohl verjüngungsverträglich für den Wald als auch sinnvoll in Bezug auf die Tierernährung ist.

Bei einer allfälligen Neuregelung der Waldweide sollte die maximale, verjüngungsverträgliche Beweidungsintensität von Fall zu Fall – basierend auf einer Überprüfung der tatsächlichen viehbedingten Schädigungen am Jungwuchs – festgelegt werden. Generell gilt es zu beachten, dass eine bestimmte Mindestgrösse der Weidefläche nötig ist (etwa 5 ha), damit die Tiere ihre Fähigkeit zur Selektion der besten Weideplätze und Futterpflanzen nutzen können.  Auf sehr kleinen Weideflächen (besonders < 1 ha) scheinen die Rinder zu wenig beschäftigt zu sein und beginnen mit jungen Bäumen zu spielen, was eine höhere Schädigungsrate zur Folge hat.

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Kontakt

  • Andrea Corinna Mayer
    Via Serte 21
  • 6516 Cugnasco
    Schweiz
    Tel: +41 79 823 94 07

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