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Autor(en): Walter B. Probst (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Didgeridoos aus einheimischen Hölzern

Die Rohlinge werden im Wasser aufgeweicht
Abb. 1 - Die Rohlinge werden im Wasser aufgeweicht, damit sich die Rinde besser entfernen lässt.
 
Die Wanddicke wird angezeichnet
Abb. 2 - Mit Bleistift hat der Fachmann die Wanddicke markiert.
 
Die zwei Hälften werden ausgehöhlt
Abb. 3 - Mit dem Schnitzmesser werden die beiden Hälften ausgehöhlt, ohne dabei den Rand zu verletzen.
 
Erstes Konzert mit den fünf neuen Didgeridoos
Abb. 4 - Erstes Konzert mit  fünf neuen Didgeridoos

Fotos: Walter B. Probst

Walter Probst war zwar noch nie in Australien, baut aber seit vielen Jahren Didgeridoos, die traditionellen Musikinstrumente der Aborigines. Dazu verwendet er Nadelhölzer, Erle, Weide oder Kastanie.

Für seine Didgeridoos bevorzugt der Künstler und Instrumentenbauer aus dem Rheintal weiche Hölzer, die beim Trocknen keine Risse bilden, zum Beispiel Nadelhölzer, Erle, Weide, Kastanie oder Thuja mit einer Länge von 1,2 bis 1,8 m. Das Holz soll ruhige Wachstumsstrukturen aufweisen. Oberstes Gebot ist: Das Didgeridoo muss dicht sein, damit die Klangfülle gewährleistet ist.

Der ausgewählte Ast wird zuerst aussen bearbeitet. Zylindrische Äste kann man nach oben verjüngen, sodass ein Konus mit leichter Trichteröffnung entsteht. Dann trennt Walter Probst mit einer Bandsäge den ausgewählten Rohling auf. Bevor er mit dem Schnitzmesser die beiden Hälften aushöhlt, zeichnet der Instrumentenbauer die gewünschte Randdicke von 6 bis 8 mm an (Abb. 2). Am schnellsten geht das Aushöhlen natürlich mit der Kettensäge – nur bleiben da Nostalgie und Romantik auf der Strecke (Abb. 3). Vorsicht: die Wanddicke sollte nicht zu gering sein, und auf keinen Fall darf die Wand durchgesägt werden. Eine glatte Innenwand entwickelt einen schöneren Klang.

Sind die zwei Hälften einmal ausgenommen, werden die Klebeflächen etwas glatt geschliffen. Dann trägt Walter Probst einen Holz-Weissleim dünn auf und presst die zwei Hälften mit Klemmbriden zusammen. Da die Druckverteilung ausgeglichen sein muss, sollte man dazu nicht Schraubzwingen verwenden. Weil die beiden Hälften alle 15 cm gepresst werden müssen, sind für diese Arbeit vier Hände ein Vorteil. Bereits jetzt ist eine erste Klangprobe möglich. Es empfielt sich aber, die zusammengeklebten Didgeridoo-Hälften über Nacht trocknen lassen.

Länge des Didgeridoos bestimmt die Tonlage

Nach dem Entfernen der Klemmbriden schleift Probst die Unebenheiten der Klebestellen nach und verfeinert die ganze Oberfläche. Bevor er das Bienenwachsmundstück anbringen kann, muss zuerst die Tonlage festgelegt werden. Dazu ist ein Stimmgerät oder ein anderes Instrument erforderlich.

Die Länge des Astes entscheidet über die Tonlage des Klanges. Je kürzer, desto höher die Tonlage, je länger, desto tiefer. Wenn man ein sich nach vorne weitendes Rohr wählt, so steigt die Tonlage an. Scheibchen für Scheibchen kürzt der Fachmann das Didgeridoo beim Mundstück, bis der gewünschte Ton erreicht ist. Danach kann das Mundstück anmodelliert werden.

Damit sich Holz und Wachs gut verbinden ist es ratsam, das Holz am Mundstückrand in flüssiges Bienenwachs zu tauchen. Die Form des Mundstücks ist oval und hat eine Öffnung von 2,5 mal 3,5 cm. Die Oberfläche behandelt Walter Probst mit einer Imprägnierlasur. Ein neues "Schwizzeridoo" ist geboren (Abb. 4).

Seit Urzeiten gibt es ihn, den von Termiten ausgehöhlten Ast; den Wind, der durch ihn hindurch bläst und eine Melodie auf ihm singt. Und weil die Menschen den Wind in sich tragen, lernten sie von ihm und spielten mit. Wie das Didgeridoo, das in sich leer ist, haben sich die Aborigines innen wie aussen von materiellen Einflüssen freigehalten. Diese innere Leere schafft Platz für das Empfangen geistiger Werte.

Wird der Ast des Didgeridoo verstopft, kann der Wind nicht mehr singen, gleich wie die mit weltlichen Belangen angefüllte Seele ihre Kraft verliert. Das innere Wissen versiegt und damit die Verbundenheit zum eigenen Ursprung und Urklang. Die Materie wird wichtiger als der Geist, der sie erschaffen hat. Die Umkehr bedeutet, den Ast durchzupusten, alte Rückstände loszulassen und sich wieder zu öffnen für das Unaussprechliche.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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