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Artikel

Autor(en): Carina Schwab
Redaktion: LWF, Deutschland
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Nutzung der Edelkastanie

Geröstete Maroni – ein Genuss. Aber die Früchte der Edelkastanie sind nicht das einzige, was wir von diesem besonderen Baum nutzen können. Sie liefert auch leckeren Honig und wertvolles Holz.

Die Edelkastanie (Castanea sativa) ist der Baum des Jahres 2018. Die Baumart verbindet aufgrund ihrer vielfältigen Facetten sehr verschiedene Bereiche und ist für viele Nutzer besonders interessant. Wegen ihrer Früchte war die Esskastanie lange Zeit eine wichtige Nahrungsquelle; wegen ihres raschen Wachstums ist sie ein ernst zu nehmender Waldbaum. Ihr dauerhaftes Holz macht sie zu einem wertvollen Rohstofflieferanten, ihre jahreszeitlich späte aber reiche Blüte macht sie zu einer bedeutsamen Bienenweide.

Inhalt:

Holzbeschreibung

Die Edelkastanie ist ein Kernholzbaum mit regelmäßiger Farbkernbildung und einem deutlichen Farbunterschied zwischen Splint- und Kernholz. Der schmale Splint ist von schmutzig weißer bis gelblicher Farbe, dar Kernholz in frischem Zustand gelblich braun oder hellbraun. Unter Lichteinfluss dunkelt letzteres zu einem hell- bis dunkelbraunen Farbton nach. Das Esskastanien-Holz zählt zu den ringporigen Holzarten und ist optisch dem Eichenholz sehr ähnlich. Auf dem Querschnitt lassen sich jedoch holzanatomische Unterschiede gut erkennen. Merkmale der Edelkastanie sind eine zartere Flammung und die sehr schmalen, erst durch die Lupe erkennbaren, in der Regel einreihigen Holzstrahlen (Abb. 1).

Querschnitt Esskastanie Querschnitt Eiche Tangentialschnitt Esskastanie
Abb. 1a: Querschnitt Esskastanie mit deutlich abgesetzten Jahrringgrenzen und groben Frühholzporen im Ring angeordnet; feine Flammung der Spätholzgefäße und kaum erkennbare Holzstrahlen (Foto: Holzforschung München)
Abb. 1b: Querschnitt Eiche, ebenfalls ringporig mit hellen, radial gerichteten Feldern der Spätholzgefäße (Flammung) und deutlich hervortretenden, breiten Holzstrahlen (Lupenbilder) (Foto: Holzforschung München)
Abb. 2: Tangentialschnitt Esskastanie: Am rechten Bildrand setzt sich das Splintholz deutlich vom Kernholz ab. Die dekorative Fladerung entsteht durch das Zusammenspiel der deutlich hervortretenden Jahrringgrenzen und den großen Frühholzporen des Porenrings (Lupenbild) (Foto: Holzforschung München)

Die Frühholzporen sind sehr groß mit reichlich Thyllen und erscheinen unter dem Mikroskop auffällig oval (Abb. 3). Sie sind auf den radialen Längsflächen als Porenrillen und auf tangentialen Flächen als Fladern (Abb. 2) bildbestimmend. Die Spätholzgefäße sind dagegen sehr klein und in schmalen, radialen bis schrägen uns sich oft gabelnden Reihen angeordnet. Axialparenchym ist nur spärlich im Fasergrundgewebe vorhanden und auf dem Radialschnitt als Strang mit zwei bis fünf Zellen erkennbar (Abb. 3). Die Holzstrahlen sind ausschließlich einreihig und daher makroskopisch nicht erkennbar (Abb. 1 und 2).

mikroskopische Aufnahme, Querschnitt mikroskopische Aufnahme, Tangentialschnitt mikroskopische Aufnahme, Radialschnitt
Abb. 3a: Mikroskopische Aufnahme Esskastanie: Querschnitt mit deutlich erkennbarer Jahrringgrenze; Frühholzgefäße mit Thyllen; die kleinen Spätholzgefäße sind von Fasergrundgewebe umschlossen (Foto: Holzforschung München)
Abb. 3b: Mikroskopische Aufnahme Esskastanie: Tangentialschnitt mit einreihigen, zumeist 5-30 Zellen hohen Holzstrahlen (Foto: Holzforschung München)
Abb. 3c: Mikroskopische Aufnahme Esskastanie: Radialschnitt mit Frühholzgefäß (Durchbrechung einfach), strangförmigem Axialparenchym (↓) und homogenem Holzstrahlaufbau (Foto: Holzforschung München)

Gesamtcharakter

Dekoratives, ringporiges Laubholz mit farblich deutlich voneinander unterscheidbarem Splint- und Kernholz; Kernholz gelblich- bis hellbraun bis dunkelbraun nachdunkelnd; Jahrringgrenzen deutlich erkennbar; ringförmige Anordnung der grobporigen Frühholzgefäße, bilden auf der Längsfläche deutliche Fladern bzw. Streifen; dem Eichenholz sehr ähnlich, aber insbesondere durch die unter der Lupe erkennbaren sehr schmalen Holzstrahlen gut zu unterscheiden. 

Eigenschaften

Die Dichte des Esskastanienholzes liegt im Mittelwert etwas unter der der bekannten einheimischen Laubholzarten (Tab. 1). Die ungewöhnliche Merkmalskombination "belastbar und elastisch" kommt in den mechanischen Kenngrößen des Holzes gut zum Ausdruck: Die Zugfestigkeit liegt bei 135 N/mm2, die Steifigkeit ist mit 9.000 N/mm2 ausgesprochen niedrig. Damit ist auch die Biegefestigkeit mit 80 N/mm2 geringer als bei den in Tabelle 2 verglichenen Laubhölzern und dem Holz der Kiefer. Deutlich fallen auch die Härtewerte ab.

Rohdichte
 
Elastizität, Festigkeit und Härte

Positiv für die Verwendung ist das feuchtephysikalische Verhalten des Holzes einzustufen. Sowohl Volumenschwindmaß als auch differentielles Schwind-/Quellmaß sind verglichen zu den anderen Holzarten tief (Tab. 3), wodurch ein gutes Stehvermögen abgeleitet werden kann. Auch die Wasserdampfpermeabilität liegt tief, die Fasersättigungsfeuchte unter 22 Prozent.

Schwindmaße
Ringschäle
Abb. 4: Querschnitt einer Edelkastanie mit ausgeprägter Ringschäle (Foto: P. Fonti, WSL)

Der hohe Säuregehalt (pH-Wert des Kernholzes < 4) führt bei Kontakt mit eisenhaltigen Metallen im feuchten Milieu zu Korrosionsverfärbungen. Das Holz der Edelkastanie besitzt aber eine gute natürliche Dauerhaftigkeit (Klasse 2 nach EN 350).

Für die Einsatzabschätzung und die Verwendung des Kastanienholzes sind vor allem die waldseitig verfügbaren Rundholzeigenschaften heranzuziehen. Problem bei der Esskastanie kann die Ringschäle sein, die das Holz für die Schnittholzgewinnung entwertet (Abb. 4). Die Wertholzproduktion der Edelkastanie muss daher konsequent durch Behandlungskonzepte, die an Standort und Klimabedingungen angepasst sind, sicherstellen, dass abrupte Zuwachsschwankungen (insbesondere in der juvenilen Wachstumsphase) vermieden werden.

Schnittholzsortimenten sollte man die Feuchte langsam entziehen, um die Gefahr des Reißens und Verwerfens zu vermeiden. Bei zu hohen Trocknungsgradienten ist ein Zellkollaps möglich. Das getrocknete Holz ist gut zu bearbeiten (schleifen, polieren, drechseln, bohren), es zeigt sowohl in der Flächen- als auch in der Keilzinikverklebung ein befriedigendes bis gutes Verhalten.

Verwendung

Für die Wertholz- und Furnierproduktion muss das Rundholz ausreichende Stammholzqualitäten und -dimensionen (>D4) aufweisen. Aus guten Qualitäten werden dekorative Messerfurniere hergestellt. Auch im Fenster- und Türenbau, für die Herstellung von Fassdauben sowie als Konstruktionsholz im Innen- und Außenbereich werden die geradwüchsigen und astfreien Rohholzqualitäten erfolgreich vermarktet.

Verwendung im Spielplatzbau Verwendung im Gartenbau Verwendung im Wasserbau
Abb. 5: Anwendung von Edelkastanie im Spielplatzbau, ...
... im Gartenbau ...
... und im Wasserbau (Fotos: Holzforschung München)
Lawinenscutzverbauung
Abb. 6: Lawinenschutzverbauung aus unbehandelter Kastanie (Foto: Holzforschung München)

Insbesondere in den mediterranen Ländern wurde und wird Kastanienholz als lokal verfügbares Konstruktionsholz im Hausbau eingesetzt. Schwächere Sortimente werden im Garten- und Landschaftsbau sowie zur Herstellung von Terrassendielen, Gartenmöbeln und für Bodenbeläge im Nassbereich geschätzt. Für Pfähle und Palisaden wird die dünne Splintzone abgefräst, dann kann das Holz der Esskastanie ohne chemischen Schutz oder Modifikationsbehandlungen im Erdkontakt und Wasserbau eingesetzt werden. Die gute Anstrichverträglichkeit des Holzes wird von gestaltenden Künstlern geschätzt (Abb. 5). Wie die Robinie wird die Edelkastanie für Gleitschnee- und Lawinenschutzverbauung in Form von Dreiböcken unbehandelt verwendet – bei Haltbarkeitserwartungen von mindestens 30 Jahren (Abb. 6).

In der Holzwerkstoffindustrie kann Esskastanienholz prinzipiell zur Spanplatten- und Faserplattenherstellung eingesetzt werden. Für konstruktiv eingesetzte OSB-Platten war die Nutzung nicht erfolgreich. Im Feld der Bioraffinerie dürfte die Edelkastanie künftig mehr Beachtung erfahren.

Brot und Honig

Auch kulinarisch wird die Edelkastanie genutzt. Galt die Kastanie früher als das Brot der armen Leute, so ist sie heute vor allem bei Allergikern, gesundheitsbewussten Menschen und Selbstversorgern sehr beliebt. Die gerösteten Maroni dürfen auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen. Die glutenfreien Früchte können aber noch mehr: Aus dem Mehl lässt sich köstliches Brot backen, sie lassen sich zu leckeren Suppen verarbeiten, passen in Salate wie auf Pizzen und sind eine köstliche Beilage für Wildgerichte. Nicht zu vergessen ist das süße Maronen-Püree.

Ebenfalls süß und ein besonderes Topping nicht nur für das Esskastanien-Brot ist der Edelkastanienhonig. Der Geruch und Geschmack des Honigs ist sehr intensiv, aromatisch-herb. Der Honig hat auch eine deutlich bittere Komponente, was ihn zu einer besonderen Spezialität macht. Die Edelkastanie bietet für blütenbesuchende Insekten sehr viel Nektar und Pollen, ist also eine gute Bienenweide.

Literatur

Artikel aus der LWF Wissen 81:

Das komplette LWF Wissen 81 "Beiträge zur Edelkastanie" ist ebenfalls als PDF (8,4 MB) kostenlos erhältlich.

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