Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

Telefon: +49 (8161) / 71 - 4640
Telefax: +49 (8161) / 71 - 5404

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 76.6776.6776.6776.6776.67 (50)

Leimbinder – neue Absatzmöglichkeiten für Laubholz

Buchenschnittholz
Abb. 1: An der TU München wurde nach neuen Absatzmöglichkeiten für Buchenschnittholz gesucht (Foto: TUM).

Weite Teile Mitteleuropas haben als potenzielle natürliche Vegetation den Buchenwald. Für eine standortgerechte und naturnahe Bewirtschaftung der Wälder ist daher die Buche von herausragender Bedeutung. Der Klimawandel fordert von der Forstwirtschaft Anpassungsstrategien, bei denen die Buche künftig eine noch wichtigere Rolle beim Aufbau stabiler Wälder einnehmen wird.

Wohin mit dem Laubholz?

Im Widerspruch zu der zunehmenden Bedeutung der Buche steht die geringe Nutzung von Buchenholz. In Bayern wurde beispielsweise zwischen 1987 und 2002 nur ein Drittel des Buchenzuwachses genutzt. Bei der Fichte waren es dagegen etwa 70 %. Die Forstwirtschaft steht somit vor einem Konflikt. Die notwendigen Anpassungen an den Klimawandel lassen sich vorrangig mit der Buche realisieren. Nach deren Rundholz besteht allerdings derzeit nur eine geringe Nachfrage. Insbesondere die Absatzmöglichkeiten von sägefähigem Rundholz stagnieren seit Jahren auf einem geringen Niveau.

Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) hat daher am Lehrstuhl für Holzkunde und Holztechnik an der TU München ein Forschungsvorhaben initiiert. Es hat zum Ziel, neue Absatzmöglichkeiten für Buchenschnittholz zu finden. Hierdurch werden den bayerischen Waldbesitzern neue Vermarktungsmöglichkeiten für Buchenrundholz eröffnet. Auch die Holzindustrie profitiert durch zusätzliche Marktanteile. Die Innovationen verbinden Forstwirtschaft, Holzbau und Holzindustrie (Abb. 2).

Grafik Leimbinder
Abb. 2: Sowohl Forstwirtschaft als auch Holzindustrie und Holzbau haben Anforderungen an das neuen Produkt.

Festigkeit des Laubholzes

Festigkeitsversuch
Abb. 3: Bei den Festigkeitsuntersuchungen waren Laubhölzer um ein Drittel besser als die Fichte (Foto: TUM).
 
Querschnittsreduktion
Abb. 4: Bei gleicher Tragfähigkeit haben Träger aus Buche (links) einen geringeren Querschnitt als Träger aus Fichte (rechts). Daher können aus Laubholz filigranere Bauteile gefertigt werden (Foto: TUM).

Festigkeitsuntersuchungen ergaben, dass die Festigkeit von Eiche, Esche und Buche um ein Drittel höher ist (Abb. 3). Diese Baumarten haben somit ein großes Potential für den Holzbau. Mit dem Ergebnis wurden die baurechtlichen Grundlagen für die Verwendung von Laubschnittholz geschaffen.

Aus Buchenholz kann man, aufgrund seiner besseren Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften im Vergleich zu Fichtenholz, Bauteile mit höherer Tragfähigkeit herstellen. Somit können bei gleichbleibender Tragfähigkeit Querschnitte reduziert und filigranere Bauteile geformt werden (Abb. 4). Außerdem ermöglicht die höhere Tragfähigkeit auch größere Spannweiten zu überbrücken. Damit kann Holz in Konkurrenz zu anderen Baumaterialien wie Stahl oder Beton treten, mit dem Vorteil eines energieeffizienten und nachwachsenden Baumaterials.

Gerader Balken aus krummem Stamm

Buchenholz ist oftmals krumm oder reich an Starkästen. Diese holzartenspezifischen Eigenschaften machen es unmöglich Buchenvollholz in größeren Querschnitten zu verwenden. Aber durch die Verklebung kleinteiliger Lamellen lassen sich formstabile Bauteile in den gewünschten Abmessungen anfertigen. Allerdings muss sich eine dauerhafte und zuverlässige Klebeverbindung zwischen den Buchenlamellen herstellen lassen, die die baurechtlichen Anforderungen erfüllt.

Hierfür wurde eine Klebetechnologie entwickelt, die eine zuverlässige Verklebung von Buchenholz ermöglicht. Auf diese Grundlage gelang es nachzuweisen, dass eine dauerhafte Verklebung von Buchenholz für tragende Holzbauteile möglich ist.

Die Festigkeitsuntersuchungen am Leimholz ergaben neue Festigkeitsklassen. So besitzen Träger aus Laubholz gegenüber Fichte eine um bis zu 50 % erhöhte Festigkeit. Die positiven Forschungsergebnisse flossen direkt in einen Antrag auf Erteilung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung von Brettschichtholz aus Buche beim Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin ein. Damit wird sichergestellt, dass Brettschichtholz aus Buche für tragende Zwecke in Deutschland generell anwendbar sein wird. Die baurechtlichen Vorgaben sind sehr streng, aber die Zulassung erfolgte 2009.

Umsetzung in der Praxis

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird auch ein Bauprojekt wissenschaftlich begleitet. Dabei werden weltweit zum ersten Mal Brettschichtholzträger aus Buche angewendet. Bauträger ist die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Mit diesem Vorhaben sollen allen Beteiligten der Forst-Holz-Kette, aber auch Tragwerksplanern und Architekten, die Möglichkeiten und Chancen von Buchenholz an einem konkreten Objekt demonstriert werden.

Zusammenfassung

Das Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Laubholz im Baubereich verwendet werden kann. Die baurechtlichen Voraussetzungen für die Produktion hochtragfähiger Leimbinder sind geschaffen. Dadurch wurden mengenmäßig interessante Absatzmöglichkeiten für die Forstwirtschaft entwickelt.

Ergänzung

Die Präsentationsfolien des Vortrages sind als PDF (2,5 MB) erhältilich.

Die übrigen Vorträge des 6. Bayerischen Waldbesitzertages sind ebenfalls kostenlos verfügbar. 

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net