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Dr. Udo Hans Sauter

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Stefan Stängle, Udo Hans Sauter
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die Rinde von Fichte und Tanne – dünner als gedacht

Die im deutschsprachigen Raum verwendeten Rindensabzugsfunktionen und -werte für Stammholz basieren größtenteils auf Messungen aus den 1970er Jahren. In dieser Studie wurden die Werte für Fichte und Weißtanne mit Hilfe neuer Messungen in Baden-Württemberg überprüft und eine Aktualisierung der Funktionen wird empfohlen.

Bestimmung der Rindenstärke an einem Fichtenstamm
Abb. 1: Bestimmung der Rindenstärke an einem Fichtenstamm.
 
Präparation eines Fichtenstamms zur Validierung der automatisierten Rindenerkennung mittels Computertomographie
Abb. 2: Präparation eines Fichtenstamms zur Validierung der automatisierten Rindenerkennung mittels Computertomographie.

Inhalt

Rindensabzugsfunktionen und -werte dienen dazu, aus in Rinde erhobenen Stammdurchmessern abrechnungsrelevante Durchmesser ohne Rinde abzuleiten. Die heutzutage in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Praxis angewandten Rindenabzugswerte für die manuelle Stammholzvermessung basieren weitestgehend auf Messungen in den 1970er Jahren, die federführend durch die FVA fast ausschließlich in Baden-Württemberg durchgeführt wurden. Ziel der aktuellen Studie war, anhand neuer Messungen die derzeit angewandten Rindenabzugswerte für die Baumarten Fichte (Picea abies (L.) Karst) und Weißtanne (Abies alba Mill.) auf ihre Aktualität und ihre Eignung für unterschiedliche Aushaltungsvarianten und Stammabschnitte zu überprüfen.

Material und Methoden

Für diese Studie wurden Messdaten aus den 1970er Jahren neu aufbereitet und zusätzlich in ganz Baden-Württemberg hunderte Stämme in dutzenden Beständen neu vermessen. Ausgewählt wurden sowohl Fichtenreinbestände als auch Mischbestände mit Nadel- und Laubholzarten. Um ein möglichst breites Spektrum von Durchmesserklassen zu beproben, wurden sowohl Durchforstungsbestände als auch Bestände in der Phase ihrer Hauptnutzung für die Studie herangezogen. Die neuen Messungen wurden an 508 Fichten und 217 Tannen mit einem durchschnittlichen Brusthöhendurchmesser von 39,8 cm und 48,3 cm durchgeführt. Der Probenumfang wurde nach einer Analyse der Variabilität der Rindenstärke in den vorliegenden Daten aus den 1970er Jahren gewählt. Regionalen Unterschieden in der Ausprägung der Rindenstärke innerhalb des Landes Baden-Württemberg wurde durch die geographische Verteilung der Versuchsbestände so gut wie möglich Rechnung getragen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lage der Durchmesser im Stamm im Rahmen der simulierten Varianten (z.B. Langholz von 21 m Länge und Stammabschnitte von 5 m Länge) nur eine geringe Rolle spielt. Dies hat zur Folge, dass dieselbe Rindenabzugsfunktion sowohl für die manuelle Stammholzvermessung als auch die Vollerntervermessung angewandt werden könnte. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen heute bei gleichem Stammdurchmesser eine geringere Rindenstärke als vor rund 40 Jahren, was eine Verschiebung der Klassengrenzen für zentimeterweise Rindenabzüge zur Folge hat (Tabelle 1).

Tab. 1: Rindenabzugswerte für Fichte und Weißtanne basierend auf dem Versuchsholz zweier Messserien.
Rindenabzugswerte für Fichte und Tanne basierend auf dem Versuchsholz zweier Messserien

Die neu ermittelte Rindenstärkenfunktion sagt im Vergleich zur bisher angewandten Funktion fast über den gesamten Durchmesserbereich einen geringeren Rindenanteil vorher (Abbildung 3 und 4). Dabei spielt die maximale Transportlänge, die sich von 26 m auf 21 m reduziert hat, kaum eine Rolle. Für die neuen Daten konnte im Gegensatz zu den Daten von Altherr et al. (1978) keine Abflachung der Kurve im oberen Durchmesserbereich festgestellt werden.

Doppelte Rindenstärke der Fichte in Abhängigkeit vom forstüblich abgerundeten Mittendurchmesser mit den 95%-Konfidenzintervallen der Regressionslinien. Die vertikalen Linien markieren die Grenzen der zentimeterweisen Rindenabzugsklassen.  
Abb. 3: Doppelte Rindenstärke der Fichte in Abhängigkeit vom forstüblich abgerundeten Mittendurchmesser mit den 95%-Konfidenzintervallen der Regressionslinien. Die vertikalen Linien markieren die Grenzen der zentimeterweisen Rindenabzugsklassen.  
Doppelte Rindenstärke der Weißtanne in Abhängigkeit vom forstüblich abgerundeten Mittendurchmesser mit den 95%-Konfidenzintervallen der Regressionslinien. Die vertikalen Linien markieren die Grenzen der zentimeterweisen Rindenabzugsklassen.
Abb. 4: Doppelte Rindenstärke der Weißtanne in Abhängigkeit vom forstüblich abgerundeten Mittendurchmesser mit den 95%-Konfidenzintervallen der Regressionslinien. Die vertikalen Linien markieren die Grenzen der zentimeterweisen Rindenabzugsklassen.

Eine Anwendung der neuen Klassengrenzen würde in Baden-Württemberg bei ähnlicher Einschlagsintensität und ähnlichen Sortimenten wie in den letzten fünf Jahren eine Erhöhung des Verkaufsvolumens von im Wald vermessenem Fichten-Stammholz um ca. 1,5% und von Tannen-Stammholz um 0,8% bedeuten.

In dieser Studie konnten keine deutlichen Hinweise für eine großflächige umweltbedingte räumliche Variation der Rindenstärke innerhalb Baden-Württembergs gefunden werden. Jedoch konnte für beide untersuchten Baumarten eine beträchtliche Variation der Rindenstärke zwischen einzelnen Bäumen und zwischen unterschiedlichen Beständen nachgewiesen werden, die teilweise mit dem Baumalter erklärt werden konnte. Dabei hatten ältere Bäume generell eine größere relative Rindenstärke. Dieser beobachtete Effekt des Alters führt zu der Schlussfolgerung, dass die Wuchsgeschwindigkeit das Verhältnis zwischen Holzzuwachs und Rindenzunahme beeinflusst. Da die Variation der Wuchsgeschwindigkeit maßgeblich vom Standort beeinflusst ist, scheint eine bessere Standortsqualität zu geringerer relativer Rindenstärke zu führen. Allerdings zeigte sich, dass die ermittelte durchschnittliche Rindenstärkenfunktion für die meisten Messkollektive zu einer Abweichung der Durchmesserschätzung von wenigen Millimetern führte. Aufgrund der Messungenauigkeit einer forstüblichen Kluppung von Rundholz im Wald ist diese regionale Abweichung vertretbar und eine einheitliche Rindenabzugsfunktion für manuell vermessenes Fichten- und Tannen-Stammholz in Baden-Württemberg kann weiterhin empfohlen werden.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieser Arbeit unterstreichen die Notwendigkeit, die Variabilität der Rindenstärke zu berücksichtigen um korrekte Rindenstärkenfunktionen erstellen zu können. Außerdem sollten existierende Rindenstärkenfunktionen und -werte regelmäßig auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. Es wird empfohlen, für Fichte und für Weißtanne die aktualisierten Werte – zumindest in Baden-Württemberg - zu verwenden. Die Messungen dieser Studie fanden in unterschiedlichen Wuchsgebieten Baden-Württembergs statt, repräsentieren jedoch nicht alle standörtlichen und klimatischen Bedingungen, die in Deutschland vorzufinden sind. Bevor die hier ermittelten veränderten Rindenabzugswerte für die Anwendung außerhalb Baden-Württembergs empfohlen werden können, sollte die Variation der Rindenstärke von Fichte innerhalb Deutschlands untersucht werden. Dazu sollte die Datenbasis durch Validierungsmessungen in anderen Bundesländern erweitert werden. Durch die geringere Anzahl beprobter Bäume in sehr starken Durchmesserklassen ist die Unsicherheit der Regression in diesem Bereich etwas erhöht. Von einer Extrapolation der Rindenstärkenfunktion über den beprobten Durchmesserbereich hinaus muss daher abgeraten werden.

Im Lichte der forstpraktischen Auswirkungen der dargestellten Ergebnisse auf das ermittelte Holzvolumen bei der manuellen Stammholzvermessung kann empfohlen werden, die Untersuchungen auf weitere Baumarten und weitere Regionen auszudehnen. Dabei ist insbesondere die Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco) zu erwähnen, deren momentan angewandten Rindenabzugswerte auch auf Messungen aus den 1970ern beruhen. Damals wurden fast ausschließlich viel schwächere Dimensionen von Douglasien-Stammholz beprobt, als sie heute auf dem Markt gehandelt werden. Es ist daher wahrscheinlich, dass die angewandten Rindenabzugswerte die Rindenstärke von heute gehandeltem Douglasienholz mit unzureichender Genauigkeit wiedergeben.

Literatur

Originalartikel
  • Stängle, S.M., Sauter, U.H., Brüchert, F., und Kändler, G. 2016. Überprüfung der Rindenabzugswerte für Fichten-Stammholz in Baden-Württemberg. Forstarchiv 87(5): 162-169. doi:10.4432/0300-4112-87-162.
Weitere Literatur
  • Stängle, S.M., und Dormann, C. 2018. Modelling the variation of bark thickness within and between European silver fir (Abies alba Mill.) trees in southwest Germany. Forestry 91: 283-294. doi:10.1093/forestry/cpx047.
  • Stängle, S.M., Sauter, U.H., und Dormann, C.F. 2017. Comparison of models for estimating bark thickness of Picea abies in southwest Germany: The role of tree, stand, and environmental factors. Ann. For. Sci. 74:16. doi: 10.1007/s13595-016-0601-2
  • Stängle, S.M., Weiskittel, A.R., Dormann, C.F., und Brüchert, F. 2016. Measurement and prediction of bark thickness in Picea abies: assessment of accuracy, precision, and sample size requirements. Can. J. For. Res. 46(1): 39-47. doi:10.1139/cjfr-2015-0263.

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