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Artikel

Autor(en): Günter Rössler
Redaktion: BFW, Österreich
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Rindenabzug richtig bemessen

Die Meinungen über die Größe des Rindenanteiles gehen oft so weit auseinander wie die Interessen von Holzverkäufern und Käufern. Deshalb ist es hilfreich, wenn die Ermittlungsmethoden des Rindenanteiles für beide Seiten nachvollziehbar sind.

Für die Abschätzung des Rindenanteiles gibt es einerseits traditionelle Tabellen und andererseits in die Rundholzvermessung integrierte Funktionen. Diese statistischen Beziehungen zwischen Stammdurchmesser und Rindenanteil werden in der Praxis als Tabellen des Rindenabzugs oder bei der elektronischen Rundholzvermessung im Sägewerk angewendet.

Freiburg statt Schönbrunn

Altherr, Unfried, J. Hradetzky und V. Hradetzky von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg haben für viele Baumarten Koeffizienten zur Schätzung von Rindenstärke und Rindenanteilsprozenten am Volumen berechnet.

Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde die Verwendung dieser Koeffizienten von HR Univ.-Prof. Dr. Josef Pollanschütz empfohlen. Deswegen haben sich in Österreich auch die Bezeichnungen "Schönbrunner Rindenabzugstabellen", "Schönbrunner Tabellen" oder "Mariabrunner Tabellen" durchgesetzt, obwohl die Rindenabzugstabellen eigentlich aus Baden-Württemberg stammen (Abbildung 1).

Abbildung 1
Abbildung 1: Je geringer der Durchmesser, umso höher der Rindenanteil

Berechnung der Tabellenwerte

Der prozentuale Rindenanteil am Stammvolumen berechnet sich nach der
Formel (DM in cm):

Formel für Rindenanteil

Die Funktion für die doppelte Rinde (in mm) ist:
Ri = A + B*DM + C*DM2

Dabei muss für DM der Durchmesser in cm eingegeben werden. Demnach ergeben sich für einen 50 cm dicken Fichtenstamm ein gerundeter Volumenanteil der Rinde von 10 % und eine einfache Rindenstärke von etwa 13 mm. Bei einer Traubeneiche auf Muschelkalk erhält man dagegen fast 20 % Rindenanteil und eine Rindendicke von etwa 25 mm.

Berechnung des Rindenanteil: durchschnittliche Koeffizienten aus Baden-Württemberg 
Baumart A B
C
Fichte
0,85149
0,60934
-0,00228
Tanne
1,76896
0,59175
0
Weißkiefer
1,59099
0,50146
0
Schwarzkiefer
5,27169
1,12602
0
Lärche
3,58012
1,03147
0
Douglasie
-2,13785
0,91597
-0,00375
Rotbuche
2,61029
0,28522
0
Traubeneiche (Lehm)
9,88855
0,56734
0
Traubeneiche (Muschelkalk)
14,31589
0,72699
0
Bergahorn
-0,62466
0,73312
-0,00482
Esche
-7,97623
1,40182
-0,01011

Von der FVA wurden die Koeffizienten getrennt für untere, mittlere und obere Stammbereiche sowie auch als Durchschnittswerte ohne Trennung nach Stammkategorien berechnet. Diese durchschnittlichen Koeffizienten bilden die Basis für die Tabellen der Rindenstärke und des Rindenanteils. Schließlich ist im Sägewerk
nicht ersichtlich, ob ein Bloch aus dem unteren, mittleren oder oberen Stammbereich entnommen wurde.

Die Ergebnisse wurden in fünf Mitteilungsbänden unter dem Titel "Statistische Rindenbeziehungen als Hilfsmittel zur Ausformung und Aufmessung unentrindeten
Stammholzes" von der FVA Freiburg veröffentlicht und können dort erworben werden.

Weitere lokal gültige Tabellen

In manchen Gebieten Österreichs werden andere, lokale Rindenabzugstabellen verwendet. So hat Kirschner 1976 Tabellen für die Rindenstärken der Hauptbaumarten Tirols erstellt. Ein weiteres Beispiel sind die von Güde und Hudeczek erstellten und von Peintinger 1973 für Fichte veröffentlichten Kubierungstabellen der Mayr-Melnhof’schen Forstdirektion Frohnleiten, die von Güde 1988 in der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt Graz neu aufgelegt wurden.

Bei Vergleichen von Rindenabzugstabellen ist zu berücksichtigen, aus welchen Gebieten das Probematerial stammt, ob an stehenden oder liegenden Stämmen gemessen wurde und wo die Rindenmessungen (Waldort oder Sägewerk) durchgeführt wurden. Bei Messungen im Sägewerk ist davon auszugehen, dass sich die Rindenstärke durch Bringung und Transport verringert. Auch die Messbereiche etwa nur in Brusthöhe oder Messungen in verschiedenen Stammhöhen beeinflussen die Koeffizientenberechnung und können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Unterschiedlicher Verlauf

Ein Vergleich der Rindenstärke von Fichte bei Güde mit den Berechnungen in Baden-Württemberg ergibt, dass sich bei 10 und 80 cm Durchmesser die Funktionskurven schneiden. Zwischen diesen Werten verläuft die Entwicklung bei Güde jedoch linear, bei den Berechnungen der FVA hingegen nach einem Polynom 2. Grades.

Abbildung 2
Abbildung 2: Vergleich der Rindenstärke von Fichte bei Güde mit den Berechnungen in Baden-Württemberg

Die maximale Differenz von über 3 cm wird bei einem Durchmesser um 50 cm erreicht, wobei die Rindenstärke nach Güde niedriger ist als die in Baden-Württemberg berechnete (Abbildung 2).