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Artikel

Autor(en): Oliver Thees, Roland Olschewski
Redaktion: WSL, Schweiz
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Der Holzmarkt – eine bekannte Unbekannte

Für viele Waldeigentümer hat der Wald eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. Mit dem Holzverkauf müssen sie schwarze Zahlen erzielen. Doch das finanzielle Ergebnis hängt stark vom Verhalten aller Marktteilnehmer ab. Wie lassen sich die komplexen Prozesse am Holzmarkt besser verstehen?

Holzkäufer bei einer Wertholzversteigerung
Abb. 1 - Holzkäufer bei einer Wertholzversteigerung.
Foto: Anton Bürgi (WSL)

Am 8. Waldökonomischen Seminar 2011 in Münchenwiler (Kanton Bern) setzten sich zwei Dutzend Experten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen von Vorträgen und intensiven Diskussionen zwei Tage mit den Holzmärkten auseinander. Im Vordergrund standen alte und neue wissenschaftliche Methoden, um die Märkte zu untersuchen.

Wovon hängen die Marktergebnisse ab?

Wenn man Marktpreise und Holzmengen verschiedener Jahre erklären will, werden traditionell statistische Methoden angewandt. Ökonomen sprechen von ökonometrischen Analysen. Dabei werten sie Marktpreise und Holzmengen verschiedener Jahre statistisch aus. Die Daten stammen beispielsweise aus forststatistischen Jahrbüchern, aus der Forst-BAR oder aus Holzverkaufsdokumenten einzelner Forstbetriebe.

Häufig untersuchen die Ökonomen, wie die Forstbetriebe mit ihrem Holzeinschlag auf Preisänderungen reagieren. Die Holzanbieter verhalten sich dabei unterschiedlich. Manche reagieren kaum auf Preiserhöhungen des Rohholzes. Man spricht dann von einem preisunelastischen Verhalten. Dies lässt sich in der Praxis beobachten, wenn der Hiebsatz jährlich fixiert ist, wie dies bei hohem Eigenregieanteil der Fall sein kann. Ein weiterer Grund liegt im sogenannten Geringfügigkeitsproblem: Viele private Waldbesitzer verfügen nur über relativ kleine Parzellen und entsprechend kleine Nutzungsmengen, was zu vergleichsweise hohen Ernte- und vor allem Transaktionskosten führt. Die Käufersuche und der Vertragsschluss ist für den Kleinwaldbesitzer auch bei hohen Holzpreisen oft sehr aufwendig, sodass er eine grosse Hemmschwelle überwinden muss, um sein Holz zu nutzen und Käufer zu suchen.

Es gibt auch das sogenannte inverse Marktverhalten, wenn bei steigendem Preis weniger Holz eingeschlagen wird. Dies kann durch eine fixe Gewinn- bzw. Liquiditätsvorgabe des Waldbesitzers motiviert sein. Er wird dann nur so viel Holz eingeschlagen, bis die Gewinn- bzw. Liquiditätsvorgabe erreicht ist.

In solchen, auf Statistiken beruhenden Untersuchungen sind in der Regel immer alle Marktteilnehmer enthalten. Daher wird also in diesen Marktanalysen immer ein (Verhaltens-)Durchschnitt abgebildet, was sich in schwachen statistischen Zusammenhängen äussern kann und die Erklärung von Unterschieden erschwert. Dies kann problematisch sein, wenn man dem unterschiedlichen Verhalten – zum Beispiel von "Kostendeckern" und "Gewinnmaximierern" – auf den Grund gehen will. Hinzu kommt, dass die Verkaufsstatistiken wichtige "weiche" Einflussfaktoren wie die Erwartungen über die zukünftige Preisentwicklung oder das Vertrauen in den Marktpartner oft nicht beinhalten.

Verhalten der Marktteilnehmer

Holzmarkt
Abb. 2 - Bei der Analyse von Holzmärkten stehen nicht nur Holzmengen und Preise in Vordergrund, sondern zunehmend auch Methoden der Verhaltensökonomie und der Agentenbasierten Modellierung.
Foto: Oliver Thees (WSL)

Hier setzen neuere Ansätze der Verhaltensökonomie und der Agentenbasierten Modellierung (ABM) an. Damit versucht man zu verstehen, warum der einzelne Akteur auf dem Holzmarkt sich in bestimmter Weise verhält. Hierbei spielen dann nicht nur harte Fakten wie Preise und Mengen eine Rolle, sondern auch Aspekte, die in der Persönlichkeit des Holzanbieters und den Bedingungen in seinem Umfeld begründet liegen. Beispielsweise können Vertrauen, Neid und Missgunst ebenso eine Rolle spielen wie fehlende Anreize, die zum Beispiel Anstrengungen im Holzverkauf belohnen würden. So könnten die Holzproduktion und die Gewinnerzielung im Vergleich zu anderen Zielen eine untergeordnete Rolle im Zielsystem des Betriebes spielen.

Um Aufschluss über die wahren Beweggründe des Verhaltens der Akteure zu erhalten, werden Workshops, Interviews oder auch Rollenspiele durchgeführt. Dabei sind die Teilnehmer mit Entscheidungssituationen aus dem Alltag des Holzverkaufs oder mit Fragen konfrontiert, die ihren Willen zur Zusammenarbeit erkennen lassen. Das Verhalten der einzelnen Akteure lässt sich anschliessend im Computer simulieren. Szenarien können aufzeigen, wie Marktteilnehmer zum Beispiel auf ein grosses Windwurfereignis, den Markteintritt eines neuen grossen Sägewerkes oder auf eine Holzpreissteigerung reagieren.

Was treibt den holzverkaufenden Förster an?

Neben den beschriebenen Methoden der Marktanalyse spielt auch das Verhalten der Förster eine wichtige Rolle. Die theoretischen Betrachtungen zu den Holzmarktanalysen und ihren Ergebnissen wurden deshalb während des 8. Waldökonomischen Seminars durch Erfahrungsberichte aus der Praxis ergänzt.

Ein Praktiker hat die komplexen Entscheidungswege eines Schweizer Försters beim Holzverkauf mit seinen vielfältigen Überlegungen exemplarisch dargestellt. Verschiedene Faktoren beeinflussen sein Angebotsverhalten. Diese wirken unterschiedlich und können sein Verhalten in einzelnen Fällen so stark leiten, dass selbst eine preislich oder mengenmässig sehr attraktive Nachfrage nicht befriedigt wird. Eine Vielzahl von Bedingungen muss überprüft werden und erfüllt sein, bevor es zu einem Vertragsabschluss bzw. zu einer Lieferung kommt. Die wichtigsten Faktoren sind im Folgenden aufgelistet und in einer Art Wasserfallmodell gruppiert, das die Reihenfolge der Abarbeitung vorgibt.

Die Ebene der Normen, Ziele und Planvorgaben:

  • Erlaubt der nachhaltige Hiebsatz die geplante Nutzung?
  • Gibt es Budgeteinschränkungen?
  • Haben Arbeiten ausserhalb der Holzernte Priorität – weil es sich zum Beispiel um terminierte subventionsfinanzierte Arbeiten oder solche mit grosser Aussenwirkung handelt?

Die Ebene der betrieblichen Organisation und Abläufe, bei denen Betriebsleiter selbst verkaufsrelevante Entscheidungen treffen:

  • Bestehen gewachsene, gute Kunden-Lieferanten-Beziehungen, oder handelt es sich um einen neuen Nachfrager, dessen Bonität zuerst geprüft werden muss?
  • Muss man im Falle einer Zusage andere Geschäftspartner enttäuschen?
  • Fallen Koppelprodukte an, die schwer verkäuflich sind?
  • Erlauben die waldbaulichen Prinzipien einen Eingriff, oder gibt es hier weniger Freiheitsgrade, wie im Fall des Dauerwaldes?
  • Sind für die Erfüllung einer zusätzlichen Nachfrage genügend Holzschläge angezeichnet?

Die Ebene des Ressourceneinsatzes:

Selbst hier, wo es um die technische Ernte des Holzes geht, gibt es noch verschiedene Einflussmöglichkeiten bzw. Entscheidungskriterien, die dafür verantwortlich sind, ob und wohin das Holz geliefert wird:

  • die Verfügbarkeit des eigenen Personals, welche nicht nur durch andere Betriebsarbeiten, sondern auch durch Lehrlingskurse oder Militärdienstverpflichtungen eingeschränkt sein kann;
  • die Verfügbarkeit "meines" Unternehmers, weil dieser ortskundig ist und der Aufwand für die Erteilung des Arbeitsauftrages minimal ist;
  • die persönliche Bindung an Transportdienstleister, denn der Forstbetriebsleiter wird kaum einen Verkaufsentscheid treffen, bei dem er nachher "seinem Transporteur" erklären muss, dass ein anderer das Holz abführen wird.

Nationales Forschungsprogramm "Ressource Holz"

Das 8. Waldökonomische Seminar 2011 bot ein Forum, um neueste Erkenntnisse auf den Gebieten der empirischen, verhaltensökonomischen Marktanalyse sowie der agentenbasierten Modellierung zu präsentieren und zu diskutieren. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis brachte wertvolle Hinweise darauf, wie die verschiedenen Ansätze zur Beschreibung und Erklärung des Marktgeschehens in Zukunft weiterentwickelt werden können.

In der Schweiz liefert das Nationale Forschungsprogramm NFP 66 "Ressource Holz" einen idealen Rahmen dafür. Daraus entstand unter anderem ein Forschungsprojekt, das die oben angesprochenen Ansätze verknüpft. So soll geprüft werden, wie sich das Verhalten der Marktteilnehmer umfassend erklären lässt und welche Auswirkungen forstökonomische und forstpolitische Instrumente auf die Holzverfügbarkeit in der Schweiz haben können.

Die Originalbeiträge des Waldökonomischen Seminars 2011 sind in der
Ausgabe10/2012 der Schweizerischen Zeitschrift für Forstwesen (SZF) veröffentlicht.

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