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Artikel

Autor(en): Kooperationsabkommen Forst Holz Papier (FHP)
Redaktion: BFW, Österreich
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So kann die Holzmobilisierung aus dem Kleinwald ein Erfolg werden

Zentrales Ziel des Projektes "Holzmobilisierung aus dem Kleinwald" von der Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP, www.forstholzpapier.at) ist es, spürbar mehr Holz zu ernten und die Holznutzungsrate (Verhältnis Nutzung zu Zuwachs) von zirka 60% kontinuierlich in Richtung 75% zu steigern. Unter anderem muss dazu der Kleinwald seine Nutzungen steigern. Dies entspräche einer Mehrmenge von zirka 3,4 Mio. Erntefestmetern (Efm).

Bleiben die politischen Rahmenbedingungen annähernd gleich wie heute, könnten bis 2010 zusätzlich rund 3 Mio. Efm Nutzholz pro Jahr aus den heimischen Wäldern einer
entsprechenden Verwertung am Markt zugeführt werden. Die Zusammenfassung der Pilotprojekte liegt seit Ende 2006 vor, die Erkenntnisse basieren auf einer Studie der Scheff GmbH, Graz.

Immer mehr neue Waldbesitzer

Aus der Österreichischen Waldinventur (ÖWI) geht hervor, dass von der Waldfläche (3,96 Mio. ha) zirka 54% auf Kleinwaldbesitz kleiner 200 ha entfallen. Die Entwicklung der Waldbewirtschaftung im Kleinwald hängt eng mit der Entwicklung der Landwirtschaft zusammen und umfasst den starken Anstieg bei Nebenerwerbslandwirtschaften und Sonderkulturen ebenso wie die zunehmende Zahl "hofferner" Waldbesitzer (Praxistipps und Ansprechpartner finden sie unter klimafitter Wald).

Eine Studie der Universität für Bodenkultur, Wien, zeigt, dass aktuell rund 32% der
Kleinwaldbesitzer als "neue Waldbesitzer" zu bezeichnen sind – Tendenz steigend. Diese haben den unmittelbaren Bezug zum Wald verloren. Zirka 23% der Kleinwaldbesitzer sind in eine, die Bewirtschaftung des Waldes unterstützende Struktur eingebettet und gehören etwa einem Waldverband oder einer Bewirtschaftungsgemeinschaft als Mitglied an. Vergleicht man diese Zusammenschlüsse, so fällt auf, dass sie sehr unterschiedlich aufgesetzt und organisiert sind. In der Regel werden sie als reine Vermarktungszusammenschlüsse tätig, zusätzlich werden Dienstleistungen wie die Organisation von Maschineneinsätze angeboten (Adressen unter klimafitter Wald).

GPS (Foto: Creative Commons - Kolossos)
Die Implementierung von GIS–Systemen und vernetzten Datensystemen ist zu forcieren (Foto: Creative Commons - Kolossos)

Eine erfolgreiche Umsetzung der Holzmobilisierung gelingt dann gut, wenn ein Maßnahmenbündel geschnürt und nicht nur an der Verbesserung einzelner Faktoren gearbeitet wird. Aus diesem Grund fokussiert FHP die Lösungsansätze auf mehrere Themenblöcke wie:

  • Organisationsstruktur und Kooperation
  • Produkt- und Dienstleistungen
  • Bewusstseinsbildung, Aufklärung, Information, Vertrauensbildung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit
  • Logistik und Technik
  • Finanzierung, Bewertung, Preis
  • Verbesserung oder Erhaltung der forstlichen Rahmenbedingungen
  • Datenverfügbarkeit und Datentransparenz

Folgende Schwerpunktthemen werden als Basis einer erfolgreichen Holzmobilisierung
gesehen:

  • Die Vor-Ort-Betreuung der neuen und inaktiven Waldbesitzer ist quantitativ zu erhöhen, die Qualität der Betreuung ist sicher zu stellen.
  • Über neue Kommunikationsschienen und zielgruppenspezifische Vorgehensweisen sollen diese beiden Zielgruppen sensibilisiert, eingebunden und letztlich aktiviert werden.
  • Die Steigerung der Nutzungsrate lässt sich durch Bewusstmachen der ökonomischen und ökologische Vorteile der Waldbewirtschaftung erwirken. Vorurteile hinsichtlich Waldbewirtschaftung sind abzubauen wie beispielsweise die Ansicht zahlreicher Waldbesitzer, dass sich die Waldbewirtschaftung nicht rentiere oder
    dass der Maschineneinsatz dem Wald schaden würde.
  • Die Implementierung von GIS–Systemen und vernetzten Datensystemen ist zu forcieren, die zugehörige Datenverfügbarkeit ist abzuklären und einer einheitlichen Regelung zuzuführen.
  • Darüber hinaus empfehlen sich eine Verbesserung der Kooperation bestehender Institutionen und Akteure – wie es das Beispiel Waldservice Niederösterreich positiv zeigt – sowie die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit und Imagemaßnahmen.
Abbildung: Projektstruktur
Abbildung 1: Übersicht über die bearbeiteten Projekte (Grafik: Scheff GmbH, Graz)

Nach Abgleich und Bewertung der Pilotskizzen ergaben sich 27 Umsetzungsprojekte mit einer erwartbaren, direkten oder indirekten Mengenwirkung sowie vier Imageprojekte, die Österreich weit in Umsetzung gebracht werden könnten. Die zu erwartende Mengenwirkung läge bei rund 1,3 Mio. Efm/Jahr. Die Sortimentsverteilung liegt bei 80% Nutzholzsortimenten (Sägerundholz 61%, Industrieholz und Plattenholz 19%) sowie 20% Energieholz.

Gut die Hälfte der Projekte lässt sich aus heutiger Sicht finanzieren, teilweise sind ergänzende Finanzmittel in einem überschaubaren Maß erforderlich. Die andere Hälfte an Projekten hat Bedarf an einer hohen, finanziellen Unterstützung, will man sie umsetzen.

Änderung der Rahmenbedingungen erforderlich

Wesentlich ist auch, dass sich die Rahmenbedingungen ändern. Nur so können die Projekte wirkungsvoll umgesetzt werden. Als wesentliche Punkte führt FHP an:

  • Wissen für die Bewirtschaftung schaffen, Kenntnis über brachliegende Flächen und Nutzungspotenziale, ausfindig Machen der inaktiven Waldbesitzer
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Bestandesstabilität
  • Förderung für Maßnahmen, die indirekt der verstärkten Holznutzung dienen wie beispielsweise allwettertaugliche Forststraßen, etc.
  • Datentransparenz, zugänglich Machen von Sekundärquellen und Daten, die öffentlich finanziert werden
  • Adaption der ÖWI-Erhebung und -auswertung
Effiziente Umsetzung konsequent verfolgen

Für eine effiziente Umsetzung der Holzmobilisierung erteilen die Studienautoren einige Empfehlungen.

  1. Einheitliche Sichtweise und breite Unterstützung aller beteiligten Branchen, keine Gegenfront aufbauen
  2. Koordinierte Vorgehensweise, keine unabgestimmten Parallelitäten
  3. Einbindung aller relevanten Akteure wie Politiker, Vertreter peripherer Branchen, Medienvertreter
  4. Motivation der Akteure zur organisatorischen und finanziellen Unterstützung der Mobilisierungsprojekte
  5. Marktsegmenten mit hohen Erfolgsaussichten Priorität geben wie der Heranführung von Waldverbands-Mitgliedern an die nachhaltige Nutzungsrate
  6. Erfassung und Motivation der inaktiven Waldbesitzer
  7. Systematischer Aufbau von Instrumenten, neuen Informations- und Kommunikationskanälen sowie Dienstleistungsangeboten für die Überzeugung und Sensibilisierung der neuen Waldbesitzer (Informationsmaterial, Darstellung von Best-practise Beispielen in der Öffentlichkeit, Kalkulationen, um die Wirtschaftlichkeit der Holznutzung transparent zu machen, etc.)
  8. Kontinuierliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Waldbewirtschaftung
  9. Evaluierung der Projekte und Transformation der Erkenntnisse und Ansätze auf die Bundesländer mit ähnlichen Voraussetzungen, rasche Gewährleistung der Multiplikatorfunktion
  10. Forcierung des Wissenstransfers und Einbindung der Forschung beispielsweise durch Veranstaltungen
  11. Laufende Kommunikation über die Notwendigkeit der Mobilisierung auf regionaler und nationaler Ebene, Aufrechterhaltung der Themenaktualität
  12. Schaffung der entsprechenden Ressourcen (personell, zeitlich), Einsatz kompetenter Vertrauenspersonen
  13. Verbreitung und Positionierung der Mobilisierungsideen bei den verantwortlichen Personen auf Landesebene wie den Landesräten, Abteilungsleitern in den Landwirtschaftskammern, Landesforstdirektoren, Obmännern der Waldverbände, Obmännern der Maschinenringe, etc.)

Kritische Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung.

Es gibt etliche kritische Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg der Mobilisierungsansätze bestimmen können. Hierzu gehören:

  • Aus der Projektumsetzung ist der (zeitliche) Druck herauszunehmen, Gemeinsamkeiten sind zu erkennen (win/win)
  • Alle Akteure müssen zur Mobilisierung bereit sein und eine selbstkritische Sichtweise einnehmen
  • Zusätzliche gut ausgebildete Personen für die Waldbewirtschaftung sind zu akquirieren (Waldmanager)
  • Die Kosten/Nutzenrelation der Waldbewirtschaftung ist mittelfristig darzustellen
  • Finanzielle Unterstützung durch die Industrie forciert die Intensivierung der Kleinwaldbewirtschaftung
  • Aufbau von Vertrauen, Abbau von Vorbehalten und hinderlichen Gewohnheiten
  • Die gemeinsamen Interessen stehen vor den Eigeninteressen und sind die Basis einer funktionierenden Kooperation

Die derzeit zur Verfügung stehenden Ressourcen lassen eine Umsetzung der Mobilisierungsprojekte im großen Stil nicht zu; und das, obwohl die Akteure genügend motiviert sind.

Exkursion FV Baden-Württemberg (Foto: Lackner, BFW)
Die Vor-Ort-Betreuung der neuen und inaktiven Waldbesitzer ist quantitativ zu erhöhen und die Qualität der Betreuung sicher zu stellen

Handlungen rasch einleiten, konsequent umsetzen

Damit die Holzmobilisierung aus dem Kleinwald gelingt, sind aus Sicht von FHP fünf Dinge unumgänglich:

Information

Vernetzte Systeme aufbauen, offene Nutzerplattform installieren
(Informationsplattform für fachkundige Waldbesitzer, Forstleute, Ernteunternehmer),
Informationsplattform für Waldbesitzer schaffen, Image-Kampagnen starten

Kommunikation

Zielgruppen definieren, Maßnahmen auf die Zielgruppen abstimmen, Verbesserung der Kommunikation zwischen den Akteuren, Länder übergreifenden Wissenstransfer ermöglichen, positive Kommunikation durch relevante Multiplikatoren verstärken

Kooperation

Mut zu neuen Kooperationsformen aufbringen, Zusammenarbeit verbessern

Technik

Vorhandene Kapazitäten zielgerichteter koordinieren

Personal

Quantitative Verbesserung der Vor-Ort-Betreuung, zusätzliches, gut ausgebildetes Personal auf der Fläche, Erhöhung und Unterstützung der Dienstleistungskapazitäten

Ziel der Mobilisierungsprojekte ist es, bis zum Jahr 2010 die Holzerntemengen in Österreich unter Einhaltung der Aspekte der Nachhaltigkeit deutlich zu erhöhen. Dazu wäre eine zügige Umsetzung der Projekte mit mehr personellen und finanziellen Ressourcen erforderlich.

Kontakt

Mag. Hermine Hackl, Kooperationsplattform FHP,
hackl@forstholzpapier.at