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Dr. Klemens Schadauer

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Bundesforschungszentrum für Wald
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Autor(en): Klemens Schadauer
Redaktion: BFW, Österreich
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Umfassende Studie zum Holz- und Biomassenaufkommen in Österreich

Das Bundesministerium für Land-und Forst­wirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft beauftragte das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) mit einer Studie zum Holz- und Biomassenaufkommen für Österreich (HOBI). Ziel war es, Grundlagen für die Wald-, Klima und Um­weltpolitik bereitzustellen, die Antworten auf die Frage nach erneuerbaren Energieträgern aus dem Wald und zur künftigen Verfügbarkeit von Holz liefern.

Holzstoss
Die Herausforderung in der Studie zum Holz- und Biomassenaufkommen war, die nachhaltige Nutzung der Waldressourcen möglichst umfassend zu berücksichtigen.

Alles baut auf dem Baumwachstum auf

Die wesentliche Grundlage für ein solches Projekt muss das Wachstum der Bäume sein. Ohne gute Information über den künftigen Zuwachs in Österreichs Wald kann die Nachhaltigkeit von Nutzungen nicht beurteilt werden. Das Waldwachstumsmodell PROGNAUS, das auf Basis der Österreichischen Wald­inventur (ÖWI) für den österreichischen Wald entwickelt wurde, wurde als Fundament für alle weiteren Bausteine von HOBI eingesetzt.

Mit PROGNAUS wurde eine Reihe von Nutzungsszenarien simuliert, wobei bereits erste Nutzungseinschränkungen im Sinne der Nachhaltigkeit und des Forstgesetztes berücksichtigt wurden. Neben anderen forstgesetzlichen Bestimmungen betrifft dies auch die Auflagen im Schutzwald. Es wurden für fünf Nutzungsszenarien die theoretischen Gesamtpotenziale errechnet:
A) Business as Usual (diente nur einem ersten Zwischenbericht)
B) konstanter Vorrat
C) Waldbau-Szenario
D) Vorratsadaption
E) Klimawandel

Die fünf theoretischen Potenziale wurden im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit um Nutzungseinschränkungen verringert, die aus bodennährstofflichen, ökonomisch/technischen und naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen abgeleitet wurden. Das Ergebnis sind die verfügbaren Potenziale (Abbildung). 

Grafik verfügbares Potenzial

Nicht in der Studie enthalten sind die Aspekte der Mobilisierung, das heißt die tatsächliche Bereitschaft der Waldbesitzer zur Nutzung der verfügbaren Potenziale. Dieses wichtige Thema könnte vom BFW mit speziellen Auswertungen der Österreichischen Waldinventur in Form von flächendeckenden Waldkarten mit Informationen zu Baumarten und Vorräten unterstützt werden.

Genügend Nährstoffe müssen im Wald verbleiben

Ökologische Nutzungseinschränkungen betreffen den Nährstoffkreislauf im Wald und basieren auf einer Abschätzung von Biomasseentnahmen und damit Nährstoffentzügen. Sie wurden für die Nutzung im Baum-, Stamm- und Sortimentverfahren kalkuliert. Ausgangspunkt waren die jeweiligen Standortsverhältnisse, aus denen sich die Nährstoffpools ergaben. Damit wurde neben der ökologisch vertretbaren Nutzung von Nadeln und Ästen das Nutzungsverfahren festgelegt.

Für die ökonomische Nachhaltigkeitsbeurteilung wurden ausgehend vom gewählten Nutzungsverfahren die Kosten für Ernte und Rückung kalkuliert und diese den Erlösen aus dem Holzverkauf gegenübergestellt. Zum einen mussten die Probestämme der ÖWI im Computer sortimentiert werden, zum anderen für alle handelsübliche Sortimente Preise festgelegt werden. Um unterschiedliche Preisentwicklungen in Zukunft gut abdecken zu können, wurden fünf Preisszenarien durchgerechnet. Dabei wurden sowohl die aktuelle Preis­situation als auch mögliche und zum Teil markante Preissteigerungen im nächsten Jahrzehnt angenommen.

Beispiel für Preisannahmen für die Preisszenarien
  P1 P2
P3
P4
P5
Fichte B, 2b (in Euro)
71
81 100
162
243

In der Tabelle sind die angenommenen Preise für das Leitsortiment Fichte B 2b angeführt. Für andere Sortimente und andere Baumarten wurden die Preise entsprechend der aktuellen Relationen ermittelt. Auch die regionalen Preisunterschiede innerhalb von Österreich wurden durch Zu- oder Abschläge einkalkuliert.

Durch die Zusammenführung der Nutzungsszenarien mit den verschiedenen Rahmenbedingungen, er­weitert durch die Preisszenarien, ergeben sich zahlreiche Kombinationen. Es wurden aber nur jene Kombinationen durchgerechnet, deren Informationsgehalt nicht schon durch andere Kombinationen größtenteils abdeckt ist. Diese Einschränkung war notwendig, da jeder komplette Szenariendurchlauf sehr zeitaufwendig war.

Erstmals Nutzungseinschränkungen durch Naturschutz berücksichtigt

Erstmalig in so einem Projekt wurden Nutzungseinschränkungen infolge von Naturschutzzielen in dieser Ausführlichkeit und Differenzierung einbezogen und mengenmäßig abgeschätzt. Die Komplexität der Materie und der Pilotcharakter dieses Vorhabens haben einige noch offene Fragen aufgezeigt, die in Zukunft noch zu lösen sind.

Räumliche Stratifizierungen, wie zum Beispiel Auswertungen für Bundesländer, wurden in Rahmen dieses Projektes nicht durchgeführt. Die Schwierigkeit dabei: Die Nutzungsszenarien werden meist über den verbleibenden Vorrat gesteuert, sodass die Nachhaltigkeit für jedes Bundesland getrennt bewertet werden müsste. Diese Berechnungen wären sehr aufwendig. 

Für Tirol hat es, von ProHolz Tirol beauftragt, bereits eine eigene Studie des BFW gegeben: Hier konnten zusätzliche Daten der Landesforstdirektion Tirol eingesetzt werden. Dies erhöhte die Aussagekraft auf Landesebene und ermöglichte Bezirksergebnisse.

Im Projekt ist zusätzlich ein landwirtschaftlicher Teil enthalten, in dem Nachhaltigkeitsüberlegungen für landwirtschaftliche Kurzumtriebsflächen getroffen werden. Darüber hinaus werden die Waldzugänge der letzten 50 Jahre mit ihren Bodeneigenschaften beschrieben und darauf aufbauend wird jene landwirtschaftliche Fläche abgeschätzt, die ähnliche Boden­eigenschaften ausweist und somit als potenzielle Aufforstungsfläche in Frage kommt.

Das für den umfassenden Ansatz notwendige Know-how wurde nicht alleine vom BFW abgedeckt. Kooperationspartner waren die Universität für Bodenkultur mit dem Institut für Waldwachstumsforschung und dem Institut für Waldökologie. Weiters waren das Umweltbundesamt, die AGES und BirdLife am Projekt beteiligt.

Mehr im Web

Kurzfassung der Studie, zusammengafasst als BFW-Praxisinformation 18

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