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Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Autor(en): Thomas Huber, Sven Korten
Redaktion: LWF, Deutschland
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Logistik in der Forst- und Holzwirtschaft

Intelligente Software-Lösungen, moderne Datenübermittlung und innovative Transportsysteme bringen Bewegung in die Logistik

LogRac, ein für den Seetransport standardisierter Flat-Container für Stammholz
Abb. 1: Der globale Holzmarkt verlangt auch von der Forst- und Holzwirtschaft neue und flexible Transportlösungen. Das LogRac ist ein für den Seetransport standardisierter Flat-Container für Stammholz (Foto: Fa. Ahrenkiel).
 

Logistik ist heute für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens entscheidend, zumal gerade hier oft noch ein großes Rationalisierungspotenzial besteht. Ganz besonders gilt dies für die Forst- und Holzwirtschaft, die auf einen immer globaler ausgerichteten Holzmarkt trifft.

Die Bedeutung der Logistik steigt. Ein schneller und fehlerfreier Datenfluss über Verkaufs- und Transportvorgänge ist ebenso wichtig wie eine intelligente, softwaregestützte Tourenplanung mit innovativen Transportsystemen. Neben diesen technischen Lösungen ist jedoch das partnerschaftliche und vertrauensvolle Miteinander aller Beteiligten der Wertschöpfungskette Holz eine wesentliche Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg.

Der Umsatz der deutschen Wirtschaft in der Logistik erreichte im Jahr 2007 knapp 210 Milliarden Euro, die Zahl der in der Logistik Beschäftigten betrug 2,7 Millionen. Hinter der Automobilindustrie und dem Handel rangiert die Logistikbranche damit in Deutschland auf Platz drei. Logistik zählt heute zu den entscheidenden Faktoren für unternehmerischen Erfolg. Auch wenn die Produktionsprozesse hinsichtlich ihres Rationalisierungspotenzials als weitgehend ausgeschöpft gelten, sind in der inner- und überbetrieblichen Logistik noch zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten zu finden.

Auch in der Forst- und Holzbranche nimmt die Bedeutung der Logistik kontinuierlich zu. In Bayerns Wäldern wurde in den vergangenen Jahren deutlich mehr Holz bereitgestellt. Immer größere Verarbeitungskapazitäten in der Holzindustrie führen zu größeren Einzugsgebieten. Zusammen mit den steigenden Treibstoffpreisen und den neuen Regelungen hinsichtlich der Lenk- und Ruhezeiten sowie der Ladungssicherung erhöhen sich die Anforderungen an die Planung und Steuerung der Holztransporte.

Globalisierung

Optimierung von Fahrtstrecken der LKW-Transporte per Satellitennavigation
Abb. 2: Über Satellitennavigation lassen sich nicht nur die Fahrtstrecken der LKW-Transporte optimieren, um Betriebskosten zu senken, durch einen zügigen Holztransport bleibt auch die Qualität des Holzes gewahrt (Foto: ESA).

Der Markt für Rundholz und Holzprodukte ist global geworden. Das Holz der bayerischen Waldbesitzer muss seinen Platz neben Plantagenholz aus Südamerika oder Nadelholz aus Russland finden und behaupten. Mit der weltweit wachsenden Nachfrage nach Holz wird auch der Anteil an Plantagenholz besonders aus Asien und Südamerika weiter deutlich steigen. Wenn wir mit unserem Holz und daraus erzeugten Produkten aus naturnah bewirtschafteten Wäldern wettbewerbsfähig bleiben wollen, muss die Rundholzlogistik dafür sorgen, dass das geerntete Holz in der bestmöglichen Qualität zum richtigen Zeitpunkt zum Verarbeiter kommt.

Grundlage für die Umsetzung dieser Vision ist, die für den Verkaufs- und Transportvorgang nötigen Daten mit geringstem Aufwand und ohne Übertragungsfehler zu erheben, weiterzuverarbeiten und zeitnah allen Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Dies ist nicht nur für die Abfuhrplanung, Kosten- und Qualitätskontrolle wichtig, sondern auch für die Bereitschaft der Waldbesitzer, ihre Wälder mit dem Ziel der Holzproduktion zu bewirtschaften. Schnelle und transparente Datenströme schaffen Vertrauen und erleichtern den forstlichen Zusammenschlüssen, ihre Mitglieder zum Holzeinschlag zu motivieren und das Holz auf dem Markt anzubieten.

Die Holzlogistik stellt sich den gestiegenen Anforderungen. Eine softwaregestützte Tourenplanung kann teure Leerkilometer reduzieren und damit Kosten senken. Wenn die NavLog-Daten bundesweit vorliegen und entsprechende Software die Navigation im Wald verbessert, ist ein weiterer Schritt zur Optimierung der Holzabfuhr gelungen.

Der intermodale Verkehr mit LKW und Bahn erfährt auf Grund steigender Energiekosten und der sich vergrößernden Einzugsgebiete der Werke eine wachsende Bedeutung, auch wenn der Rückbau an Verladebahnhöfen gerade im ländlichen Raum dagegen steht. Sowohl beim Bahn- als auch beim LKW-Transport sind zunehmend innovative, flexible Transportsysteme gefragt, die den Aufwand für den Umschlag minimieren, die Zuladung maximieren und den Transport verschiedener Güter und damit Rückfrachten zulassen.

Datenfluss mit ELDAT 2.0

Der Datenfluss zwischen den Marktpartnern der Forst- und Holzwirtschaft wird zur Zeit optimiert – ELDAT 2.0 steht seit kurzem zur Verfügung und ermöglicht als bundeseinheitlicher Standard eine durchgängige Kommunikation zwischen allen Beteiligten innerhalb der Prozesskette. Bisher wurde ELDAT hauptsächlich für die elektronische Übermittlung der Werksvermessungsdaten von der Abnehmer- zur Forstseite genutzt. Jetzt soll der Informationsfluss vom Wald in Richtung Werk in Form einer Lieferanzeige etabliert werden. Dieser vereinfachte Datentransfer kann gerade bei den forstlichen Zusammenschlüssen erhebliche Einsparungen bei der Holzdatenverwaltung mit sich bringen und die Qualität und Geschwindigkeit der Prozesse verbessern, gerade auch im Hinblick auf eine Frei-Werk-Lieferung.

Information per RFID-Transponder

Ebenso kann und wird RFID, die Transponder-Technologie, für einen effizienteren Informationsfluss sorgen. Mit Transpondern markiertes Holz lässt sich auf seinem Weg vom Wald bis zum Werk verfolgen. Dies sorgt für mehr Transparenz und führt damit zu einer größeren Planungssicherheit. Die Herkunftssicherung im Sinne der "Chain of Custody" wird ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Obwohl Transponder derzeit (noch) recht teuer sind, kann dennoch bereits heute der Nutzen dieser Technologie die Kosten übersteigen. Trotz aller Software-Lösungen, Informationstechnologien und Transportsysteme liegt der Schlüssel zu erfolgreicher Logistik allerdings vor allem in der effizienten Kommunikation und dem partnerschaftlichen Miteinander aller Beteiligten der Wertschöpfungskette Holz.

Thomas Huber leitete das ehemalige Sachgebiet Holz und Logistik der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Dr. Sven Korten ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Forstliche Arbeitswissenschaft und Angewandte Informatik der Technischen Universität München.

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