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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Forstökonomie

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 231
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): J. Odenthal-Kahabka
Redaktion: FVA, Deutschland
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Sturmholz in Folie lagern

Verfahrensprinzip

Handbuch Sturm
Ratgeber "Forstliches Krisenmanagement"

Das zu konservierende Holz wird luftdicht in handelsübliche Silofolie verpackt. Die noch lebenden Holzzellen verbrauchen den im Paket eingeschlossenen Sauerstoff. Dadurch stellt sich eine sauerstoffarme Atmosphäre ein, in der weder holzschädigende Pilze noch Insekten überleben können. Zur Sicherung des Konservierungserfolgs muss der Sauerstoffgehalt innerhalb des verpackten Polters regelmäßig kontrolliert werden. Die Folie wird nach dem Gebrauch stofflich oder thermisch verwertet.

Bisherige Erfahrungen

Bereits nach "Wiebke und Vivian" 1991 wurden Versuche unternommen, mithilfe von Folienlagerung wertvolle Sortimente qualitätserhaltend zu lagern. Ermuntert durch die guten Erfahrungen wurden nach "Lothar" im Jahr 2000 über 40.000 fm Fichten-/ Tannen-/ Dougalsien-/ Kiefern- und Buchenholz eingelagert. Obwohl Verarbeiter bei einigen der Pakete Qualitätsminderungen beanstandeten (Einlauf und verstärkte Rissbildung bei Buche, Bläue, bzw. Rotstreifigkeit und vereinzelt auch Braunstreifigkeit bei Fichte und Tanne) konnten alle mit diesem Verfahren konservierten Hölzer ihrem zu Beginn der Folienlagerung festgelegten Verwendungszweck zugeführt werden. Da aus den vorhergenden Untersuchungen diese Phänomene nicht bekannt waren, wird davon ausgegangen, dass die Qualitätsbeeinträchtigungen auf die Hiebsursache "Sturm" und die z.T. längeren Zeitspannen zwischen Abstocken und Einlagerung zurückzuführen sind.

Folienlager in einem Schwarzwälder Tal
Foliengelagertes Holz im Schwarzwald.

Vorteile

  • Guter Schutz gegen Insekten- und/oder Pilzbefall.
  • Lange Lagerungsdauer möglich, unabhängig von Wetter, Klima und Vorhandensein von Wasser.
  • Das Verfahren kann vor allem dort zum Einsatz kommen, wo eine Nasslagerung aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt.

Nachteile

  • Aufwändiges Verfahren, hoher Kontrollaufwand.
  • Schäden an der Folie durch Mäusefraß, Vandalismus und Wind können aufwändige Reperaturen nach sich ziehen.
  • Die Konservierungsmethode eignet sich aufgrund des hohem Aufwands eher für wertvolles Stammholz. Für ein Standardverfahren mit breiter Anwendung ist es nicht geeignet.
  • Viele Standorte sind für die Folienlagerung ungeeignet. Beste Ergebnisse werden auf ebenen, windstillen Plätzen mit festem Untergrund erziehlt.

Voraussetzungen

Holz
  • Für die Folienlagerung kommt waldfrisches, gesundes Nadel- und Laubstammholz in langer und kurzer Form, vor allem hochwertige Sortimente in Betracht. Eine Homogene Längenaushaltung ist zwingend. Zur Reduzierung der Verpackungskosten sollte das Holz konzentriert verpackt werden.
Material
  • Handelsübliche Silofolie
  • geschulte Mitarbeiter
  • befahrbare Lagerplätze in ausreichender Größe
  • eine geeignete Maschine zum Manipulieren der Stämme
  • zwei Schweißgeräte zum Verschließen der luftdichten Folienhülle
  • ein Messgerät zur Kontrolle des Konservierungserfolges
Lagerplatz
  • Für die Folienlagerung kommen Plätze mit festem Untergrund und guter Infrastrukturanbindung in Frage, die falls möglich, nicht in direkter Lage zu stark frequentierten Erholungsräumen liegen sollten. Besonders bewährt hat sich die Methode auf asphaltierten, betonierten oder gepflasterten, befriedeten Holzlagerplätzen (der holzverarbeitenden Industrie).
  • Auf windexponierten Standorten kann es durch Windeinfluss zu Beschädigungen an der Folie (Knicke und Risse) kommen.
  • Wiesenstandorte eigenen sich in den meisten Fällen nicht als Lagerplätze. Nach Regenfällen können diese nicht kontinuierlich mit dem LKW befahren werden. Zudem besteht die Gefahr, dass die Polter mit der Bodenfolie und den Unterlagehölzern auf der Wiese einsinken, so dass ein Verschweißen der Boden- mit der Deckfolie nicht mehr möglich ist. Bei bereits verschweißten Poltern besteht die Gefahr der Foliendehnung und in der Folge zur Bildung von Rissen.
  • Auf Wiesen können Schäden durch Mäuse ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen. Die Verwendung von Kunststoffgittern schafft Abhilfe.
  • Vandalismus und mutwillige Zerstörungen der Polterfolie sind in der Vergangenheit immer wieder aufgetreten.

Aufbau eines Folienlagers

Auslegen der Bodenfolie
Aufpoltern der Stämme
Fertig eingeschweißte Polter
Arbeiter beim Verschweißen der Folien
Letzte Arbeiten an der Verpackung
Alle Fotos: FVA Baden-Württemberg, Abt. Waldnutzung.
  • Damit das Holz von allen Seiten gegen Luftzutritt geschützt ist, wird zuerst eine doppelte Bodenfolie ausgelegt. Um diese vor Beschädigungen zu schützen, muß der Untergrund frei von Steinen und größeren Ästen sein.
  • Mit größter Sorgfalt werden die Unterlagenhölzer, auf denen das Polter aufgebaut wird, auf die Bodenfolie gelegt. Diese Teilarbeit, insbesondere die Kranbedienung, sollte nur von erfahrenem Personal ausgeführt werden.
  • Nach dem Polteraufbau wird die Deckfolie über das Polter gezogen. Vorher werden die Kanten der obersten Lage Stämme zu den Seiten hin abgerundet und Äste beseitigt, um eine Beschädigung der Folie zu verhindern.
  • Das Verschweißen der sauberen und trockenen Bodenfolie mit der Deckfolie erfolgt mit einem "Endlosheizkeil-Schweißgerät".
  • Als Abschluss können zur zusätzlichen Fixierung im unteren Bereich schmale Bahnen Folie rund um das Polter befestigt werden.
  • Die Polter sollten täglich kontrolliert und Beschädigungen umgehend ausgebessert werden. Schon kleinere Abweichungen in der Gaskonzentration der Innenatmospäre können den Lagerungserfolg beeinträchtigen oder sogar verhindern.

Kosten

In Abhängigkeit von Poltergröße, Polterform und dem Übungsgrad der Mitarbeiter liegen die Konservierungskosten zwischen 7,50 und 12,50 € je Festmeter Rundholz. Darin enthalten sind nur die Material- und Personalkosten, weder aber die Kosten für die Beifuhr und Manipulation am Lagerort noch die Kosten für die eventuelle Anmietung von Lagerplätzen. Unkalkulierbare Kosten können im Laufe der Lagerung durch die Behebung von Beschädigungen an der Folie (Vandalismus, Mäuse, Wind, s.o.) entstehen. Diese können u.U. zu erheblichen Kostensteigerungen führen.

Silofolie wird in Agrarhandlungen in verschiedenen Abmessungen angeboten. Die Preise liegen bei einer Breite von 16 m bei ca. 3,3 €/lfm zuzügl. Mwst.

Empfehlungen

Die Folienlagerung kann als Instrument der Qualitätserhaltung der Hölzer eingesetzt werden. Aufgrund der Voraussetzungen und Restriktionen kann die Folienverpackung allerdings nicht als Konservierungsart für große Mengen Holz dienen, sondern sollte sich auf die Verwendung zur kurzfristigen Lagerung von qualitativ hochwertigen (Laubholz-) Sortimenten auf befriedeten, befestigten Plätzen beschränken.

Vor Anlage eines Folienlagers sollte unbedingt Kontakt zur Abteilung Waldnutzung der FVA aufgenommen werden. Einen Schulung der zuständigen Mitarbeiter ist nötig.

Arbeitssicherheit: Die Lagerung von frischem (noch feuchtem) Holz unter Sauerstoffabschluss in Folie führt zum Ansteigen der Temperatur im Inneren des Lagers und bietet damit dem Wachstum von Schimmelpilzen optimale Lebensbedingungen. Beim Öffnen des Polters wird daher geraten, eine Atemmaske zu tragen, da das Einatmen von Pilzsporen zu allergischen Reaktionen führen kann.

Literatur

  • Bort, U.; Hörger, R. (1991): Konservierung von Holz in kontrollierter Atmosphäre. Versuchsbereichte der FVA Baden-Württemberg, Abt. AWF, Freiburg, S. 1-13
  • Brammer, T. (2001): Qualitätsuntersuchungen bei folienkonservierten Furnierbuchen. Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt. WN, Freiburg, S. 1-25
  • Gross, M; Mahler, G; Metzler, B. (1992): Ergebnisse der Holzlagerung unter Schutzgas. Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt. AWF, Freiburg, S. 1-35
  • Maier, T. (1995): Alternative Holzkonservierung durch Sauerstoffentzug – Methodik und erste Ergebnisse. Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt. AWF, Freiburg, S. 1-28
  • Maier, T. (1997): Alternative Holzkonservierung durch Sauerstoffentzug – Lagerungsverlauf und Holzqualität bei der Auslagerung. Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt AWF, Freiburg, S. 1-55
  • Maier, T.; Schüler, G.; Mahler, G. (1999): Ganzjährig frisches Rundholz aus dem Lager. In Holz-Zentralblatt Nr. 73 vom 18. Juni 1999. Seite 1092 bis 1094.
  • Maier, T.; Schüler, G. (2000): Abschlußbericht zum Forschungsprojekt "Rundholzkonservierung durch Schutzgas" Teilprojekt 2. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, 139 Seiten, unveröffentlicht
  • Schleier, D.; Püschel, A. (2002): Kann die Folienkonservierung zur biochemischen Borkenkäferbekämpfung eingesetzt werden? Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt WN, Freiburg, S. 1-27
  • Schüler, G. (1998): Alternative Holzkonservierung durch Sauerstoffentzug – Umsetzung in die Praxis. Versuchsberichte der FVA Baden-Württemberg, Abt. AWF, Freiburg. 1-28
  • Schüler, G.; Schleier, D.; Mahler, G.; Maier, T. (2001): Rundholzkonservierung in Folie nach "Lothar". Holz-Zentralblatt Nr. 21, 127. Jahrgang, Seite 295

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