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Dr. Herbert Borchert

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz
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Artikel

Autor(en): Alexandra Wauer
Redaktion: LWF, Deutschland
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Eigenes Holz, eigene Hackschnitzel, eigene Energieversorgung

LWF im Gespräch mit Waldbesitzern

Landwirt Haslbeck vor Hackschnitzelhalle
Abb. 1: Landwirt Haslbeck vor seiner Hackschnitzelhalle in Weigendorf.

Hier stellen wir einen bäuerlichen Haupterwerbsbetrieb im ländlich geprägten Osten von Landshut vor. Das Interview führten wir mit dem Betriebsinhaber, Herrn Willi Haslbeck. Er ist nicht nur Landwirt, sondern auch Jagdvorstand, Vorstand des Maschinenhilfsringes Dingolfing-Landau, Vorstandsmitglied der örtlichen Waldbesitzervereinigung sowie Kreisrat. In diesem Jahr wurde ihm einer der Wald-Wild-Preise des Landkreises Dingolfing-Landau verliehen (siehe Kasten).

LWF aktuell: Wieviel Wald gehört zu Ihrem Hof?

Haslbeck: Zu unserem Hof gehören mittlerweile 52 Hektar Wald, auf vier Parzellen verteilt. 15 Hektar davon haben wir vor fünf Jahren zugekauft und mit Wegen erschlossen, um die Bestände pflegen zu können.

LWF aktuell: Wie würden Sie Ihren Wald kurz charakterisieren?

Haslbeck: Unser Wald besteht überwiegend aus Fichte. Tanne, Kiefer, Lärche und etwas Buche sind beigemischt. Die dritte und vierte Altersklasse nehmen den Hauptanteil ein, die übrigen Altersklassen sind unterausgestattet. Dieses Ungleichgewicht rührt daher, dass der Betrieb über lange Zeit nicht auf regelmäßige Holznutzung angewiesen war. Wir benötigen – bisher – die Einnahmen aus dem Wald nicht zur Existenzsicherung, sondern sehen sie als willkommenes Zusatzeinkommen, der Wald hat also Sparkassenfunktion. Wir schlagen etwa fünf bis sechs Festmeter pro Jahr und Hektar ein. Der Zuwachs liegt jedoch darüber. Größere Entnahmen waren in der Regel kalamitätsbedingt.

LWF aktuell: Welche Besonderheiten kennzeichnen den von Ihnen geführten Betrieb?

Haslbeck: Zwei Drittel unserer Waldböden sind sehr gut. Sie würden sich auch für den Zuckerrübenanbau eignen. Diese Feinlehme neigen allerdings teilweise zur Verdichtung. Die Fichte leistet hier natürlich einen hervorragenden Zuwachs. Aus der Zeit von 1945 bis 1948 stammen die sehr tannenreichen Bestände in der dritten Altersklasse. Damals erlegten die US-amerikanischen Besatzungstruppen, denen in dieser Zeit das Jagdrecht zustand, sehr viel Rehwild. Zwischen 1950 und 1990 kam dann fast keine Tanne mehr hoch. Nach "Wiebke" zäunten wir großflächig und hatten 1995 etwa 20 Prozent unserer Waldfläche unter Zaun. Vor etwa sechs Jahren kamen wir davon wieder ab. Wir setzen jetzt auf die Verjüngung der Hauptbaumarten außer Zaun. Das sieht bis jetzt schon recht erfolgversprechend aus. Auch Tannenverjüngung kommt reichlich an. Aber sie ist noch nicht gesichert, weil sie mit der auf den Windwurfflächen der letzten Jahre stark wuchernden Brombeere schwer zu kämpfen hat.

LWF aktuell: Wieviel Personal beschäftigen Sie, wer erledigt die Waldarbeit? Setzen Sie Unternehmer ein?

Haslbeck: Wir arbeiten selbst im Wald, setzen aber bei Bedarf auch Harvester und Maschinenringkräfte ein.

LWF aktuell: Welche betrieblichen Ziele und Schwerpunkte sehen Sie für die Zukunft?

Haslbeck: Insgesamt sehe ich eine gute Zukunft für den Wald und für die energetische Nutzung von Holz. Unser wichtigstes Ziel bleibt die Holznutzung. Aber wir sind bestrebt, den Fichtenanteil zugunsten von Tanne, Lärche und Ahorn zu reduzieren. Außerdem wollen wir erreichen, dass unsere Kulturen ohne Zaun aufwachsen können. Als Jagdvorstand übe ich hier schon einen gewissen Druck aus, auch über den Wildschadenausgleich - ich habe schon einige Entschädigungsfälle rigoros durchgezogen - aber dennoch im Einvernehmen mit dem Jagdpächter. Die Verbissbelastung ist zwar schon zurückgegangen, aber noch nicht so weit, wie wir uns dies wünschen. Wir regeln den Wildschadensausgleich nach dem Rosenheimer Modell mit festen Entschädigungssätzen, das spart Gerichts- und Gutachterkosten.

LWF aktuell: Wie läuft bei Ihnen der Holzverkauf?

Haslbeck: Einen Teil des Holzes brauchen wir selbst im Betrieb als Bauholz und für die Hackschnitzelproduktion. Das übrige Stammholz verkaufen wir über die Waldbesitzervereinigung. Papierholz auszuhalten rentiert sich erst ab etwa 25 Euro. Momentan ist es wirtschaftlicher, dieses Holz zu häckseln. Wir heizen seit 1984 mit Hackschnitzeln. Vor kurzem wurde auf dem Hof eine neue Anlage mit höherer Kapazität eingebaut. Sie heizt die beiden Wohnhäuser und kann der mit Heizöl betriebenen Körnermaistrocknungsanlage in Stoßzeiten zusätzliche Energie liefern.
Einmal pro Jahr findet im Landkreis eine Laubholzversteigerung für die Waldbesitzer statt. Bergahorn erzielt dort sehr gute Preise. Deshalb wird er auf den gut wasserversorgten und nährstoffreichen Standorten gern als Mischbaumart eingebracht.

LWF aktuell: Gibt es andere Einnahmequellen für den Betrieb, zur Zeit spricht man von "neuen Geschäftsfeldern" in der Forstwirtschaft?

Haslbeck: Wir haben vor, aus Hackschnitzeln erzeugte Wärme an benachbarte Haushalte zu liefern. Auf Grund der Zuschüsse für Wärmeleitungen ist dies kostengünstig möglich. Hier können wir Nachbarn, bei denen z. B eine Erneuerung der Heizanlage ansteht, eine preislich attraktive Alternative anbieten. In Zukunft kommt vielleicht auch die Holzverstromung in Betracht, wenn einmal eine geeignete Technologie auf dem Markt ist.

LWF aktuell: Mit welchen besonderen Problemen haben Sie zu kämpfen?

Haslbeck: Unser Wald blieb zwar von keiner Kalamität in Bayern verschont, war aber nie überdurchschnittlich betroffen. Im Winter 1980/81 führte starker Schneedruck zu einem größeren Schadholzanfall. 1990 warf "Wiebke" ein Mehrfaches des Hiebssatzes. Dann hatten wir vor allem mit dem Borkenkäfer zu kämpfen, weil der Trockensommer 2003 große Schäden anrichtete. Etwa 200 Festmeter Käferholz nutzten wir, um einen Schweinestall mit 800 Plätzen in Holzbauweise zu errichten. Auch die Kleine Fichtenblattwespe breitet sich immer weiter aus, aber es sind noch keine bestandsbedrohenden Schäden. Daher ist es wichtig, rechtzeitig reine Fichtenbestände in weniger anfällige Mischbestände umzubauen. Buche ist hier nicht so beliebt, weil ihre Qualität auf den nährstoffreichen Böden sehr zu wünschen übrig lässt. Außerdem bereitet sie Probleme bei Pflege. Wir bevorzugen dabei Tanne, Lärche, Bergahorn und auch mit geringem Anteil Douglasie.

Wald-Wild-Preis im Landkreis Dingolfing-Landau

Diese Preise initiierten die Waldbesitzervereinigungen und der Bauernverband auf Anregung das Forstamtes Landau im Jahre 1996. Seither wird jedes Jahr eine gelungene naturnahe Mischwaldverjüngung ohne Zaun ausgezeichnet. Den mit 500 Euro dotierten Preis erhält zwar der Waldbesitzer, gelobt wird aber ausdrücklich auch der zuständige Jagdinhaber. Gleichzeitig wird ein Preis von ebenfalls 500 Euro für eine besonders geglückte Lebensraumgestaltung in der Feldflur vergeben.

Sponsoren sind in der Regel Banken des Landkreises. Eine Jury, zusammengesetzt aus Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Unteren Jagdbehörde, des Sponsors, des Bauernverbandes sowie den drei Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigungen des Landkreises und den zwei Vorsitzenden der Kreisgruppen des Bayerischen Jagdverbandes entscheidet, welchen der gemeldeten Flächen die Preise zuerkannt werden.