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Originalartikel: Blattert, C.; Bürgi, A.; Lemm, R. (2012): Berechnung von Mehraufwand und Minderertrag infolge des Trinkwasserschutzes im Wald. Schweiz. Z. Forstwes. 163, 11: 437-444.
Autor(en): Clemens Blattert, Anton Bürgi, Renato Lemm
Online-Version: verändert, Stand: 24.03.2014
Redaktion: WSL, CH

Kosten des Trinkwasserschutzes berechnen

Grundwasserschutzzonen im Wald verursachen Einschränkungen bei der Waldbewirtschaftung. Mitarbeiter der Forschungsanstalt WSL haben ein Excel-Programm entwickelt, mit dessen Hilfe sich der Mehraufwand und der Minderertrag aufgrund der gesetzlichen Vorschriften schnell und einfach berechnen lässt.

Grundwasserfassung
Abb. 1 - Grundwasserschutzzonen verursachen Mehraufwand und Mindererträge bei der forstwirtschafltichen Nutzung des Waldes.
Foto: Thomas Reich (WSL)

In der Schweiz werden rund 80% des Trinkwassers aus Grundwasservorkommen gewonnen. Ein grosser Teil davon stammt aus Grundwasserfassungen im Wald (Abb. 1). Laut dem Schweizerischen Landesforstinventar liegen in der Schweiz rund 47% der Grundwasserschutzzonen in Waldarealen.

Trinkwasser aus bewaldeten Gebieten ist naturrein und im Vergleich zu Wasser aus landwirtschaftlichen Gebieten ohne jegliche Aufbereitung nutzbar. Dies hat verschiedene Gründe: Im Gegensatz zur Landwirtschaft setzt die Schweizer Waldwirtschaft weder Düngemittel noch Pestizide ein. Zudem schützt das Rodungsverbot die Grundwasserschutzzonen im Wald wirksam und langfristig gegenüber anderen Raumnutzungen. Damit ist das Risiko, dass eine Trinkwasserfassung im Wald belastet wird, sehr klein.

Um die für die Trinkwasserbereitstellung bedeutenden Waldgebiete vor Verunreinigungen zu bewahren und die Wasserqualität stetig zu gewährleisten, werden diese Gebiete im Rahmen der Gewässerschutzverordnung (GSchV, SR 814.201) durch sogenannte Grundwasserschutzzonen geschützt. Die Grundwasserschutzzonen bestehen aus:

In der Zone S1 sind gemäss der GSchV nur bauliche Eingriffe und Tätigkeiten zulässig, welche der Trinkwasserversorgung dienen und für welche der Fassungseigentümer verantwortlich ist. Diese Eigentumsbeschränkung kommt folglich einer Enteignung gleich. Die Zuweisung einer Waldfläche zu den Schutzzonen S2 und S3 ist für die Forstbetriebe mit der Einhaltung mehrerer Vorgaben verbunden, die die Waldbewirtschaftung verteuern.

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt haben Mitarbeiter der Forschungsanstalt WSL ein Excel-Tool entwickelt, mit dessen Hilfe sich der Mehraufwand und der Minderertrag aufgrund der gesetzlichen Einschränkungen schnell und einfach berechnen lässt. Im Originalartikel finden Sie ausführliche Hintergrundinformationen dazu.

   
Schema Grundwasserschutzzonen  
Abb. 2 - Zum Schutz der Trinkwasserfassung im Wald scheiden die Kantone Grundwasserschutzzonen aus. Diese umschliessen die Fassungen in drei Zonen.
 
   

Berücksichtigte Vorschriften und Empfehlungen

Der Mehraufwand und der Minderertrag, die durch die Ausweisung von Grundwasserschutzzonen bei der Waldbewirtschaftung entstehen, sind die Folge einer gesetzlichen Vorschrift (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, ChemRRV) und zwei Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt. Diese sollen zur Sicherung und Verbesserung der Wasserqualität beitragen:

   
Gesetzliche Vorschrift (V; ChemRRV) und Empfehlungen des BAFU  
Abb. 3 - Gesetzliche Vorschrift (V; ChemRRV) und Empfehlungen des BAFU (E), die im Trinkwasserschutz-Tool berücksichtigt werden und die daraus abgeleiteten Massnahmen für die Berechnungen.
 
   

Ergebnisse aus Fallbeispielen

Anhand von drei Fallbeispielen haben die Entwickler des Programms die Mehraufwände und Mindererträge mit dem Trinkwasserschutz-Tool berechnet. Die ausgewählten Waldstandorte in den Gemeinden Surpierre (FR), Rheinfelden (AG) und Bassins (VD) unterscheiden sich insbesondere bezüglich der Schutzzonengrösse. Für jedes Gebiet wurde ein Waldbestand ausgewählt, der für die ganze Schutzzone einen repräsentativen Charakter aufweist, vor allem hinsichtlich der Distanzen (zusätzlicher Transport des Holzes ausserhalb S3 und Betanken der Motorsäge ausserhalb S2) und der pflanzensoziologischen Gesellschaft.

Die Gesamtkosten für eine Grundwasserschutzzone variieren zwischen CHF 146.– (Fallbeispiel 1, Holzernteverfahren 3) und CHF 514.– pro ha und Jahr (Fallbeispiel 3, Holzernteverfahren 1).

Mehr im Originalartikel.

 
Standard-Holzernteverfahren für die Berechnungen im Trinkwasserschutz-Tool
Abb. 4 - Standard-Holzernteverfahren für die Berechnungen im Trinkwasserschutz-Tool.
 

Fazit

Durch die Einhaltung der gesetzlichen Vorschrift sowie der Berücksichtigung der Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt bei der Waldbewirtschaftung innerhalb von Grundwasserschutzzonen entstehen den Forstbetrieben Mehraufwände und Mindererträge. Das hier vorgestellte Trinkwasserschutz-Tool ermöglicht es, diese unter Beachtung von zonenspezifischen Eigenschaften und Bewirtschaftungsmethoden schnell und einfach zu berechnen.

Die mit dem Tool ermittelten Ergebnisse können eine wesentliche Grundlage für die Kommunikation zwischen den Waldbewirtschaftern und den Wasserversorgern im Rahmen der Inwertsetzung der wasserwirtschaftlichen Leistungen der Forstwirtschaft bilden. Die Ergebnisse sind aber nicht als absolut anzusehen, sondern sie verstehen sich als Richtwerte.

Für die Benutzung des Tools wäre es ideal, wenn die örtlichen Revierleiter gemeinsam mit den zuständigen Wasserversorgern den Mehraufwand und Minderertrag für ihre Grundwasserschutzzone berechnen würden. Aus der Zusammenarbeit ergibt sich automatisch ein gegenseitiges Vertrauen und ein Vertrauen in die Resultate. Dies ist wiederum eine wesentliche Voraussetzung für eine sachliche Diskussion im Rahmen der Inwertsetzung von Waldleistungen.

Website Trinkwasserschutz-Tool

Excel-Programm zum Herunterladen

Benutzerhandbuch (PDF)

Schlussbericht (PDF)

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