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Dr. Christoph Hartebrodt

Dr. Christoph Hartebrodt

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Forstökonomie

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

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Artikel

Autor(en): Andreas Gehrke, Wolfgang Hercher
Redaktion: FVA, Deutschland
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Testbetriebsnetze der Waldwirtschaft in Baden-Württemberg

Über 38% der Landesfläche Baden-Württembergs sind mit Wald bedeckt. Eine Besonderheit stellt die relativ ausgewogene Aufteilung des Waldes in die drei größten Besitzkategorien dar: ungefähr 40% Kommunalwald, 36% Privatwald und 24% Staatswald. Diese Aufteilung macht deutlich, dass valide Aussagen über Einschlag, Rohholzmengen und Holzvermarktung nur mit einer gründlichen und regelmäßigen Datenerhebung in allen Waldbesitzarten zu treffen sind.

Testbetriebsnetz 5-200 ha: Datenerhebung im Kleinprivatwald
Abb. 1: Testbetriebsnetz 5-200 ha: Datenerhebung im Kleinprivatwald. (Foto: FVA/Weidner)

Inhalt

Ergebnisse aus den Testbetriebsnetzen der FVA

Fazit und Ausblick

Ob zur Berechnung von Energieholzpotenzialen, zur Durchführung regionaler Clusterstudien oder zur Einschätzung von Rohholzaufkommen, ohne Verfügbarkeit zeitnaher Daten aus allen Waldbesitzarten sind diese Berechnungen nur eingeschränkt möglich. Dank der an der FVA betriebenen Testbetriebsnetzen gibt es eine zuverlässige Datenbasis für die Waldwirtschaft in allen Besitzarten Baden-Württembergs.

Ergebnisse aus den Testbetriebsnetzen der FVA

Baumartenverteilung und Waldstruktur

Jeder Testbetrieb im Kommunalwald oder größeren Privatwald hat normalerweise einen forstlichen Betriebsplan. Für die Betriebe aus dem Kleinprivatwald wird extra ein vereinfachtes forstliches Betriebsgutachten erstellt. Hier werden die Waldfläche nach Waldbetriebsarten (Altersklassen-, Plenter-, Niederwald u. a.), Baumarten, Vorräten, Zuwachsverhältnissen und Nutzungsmöglichkeiten aufgeschlüsselt. In beiden Testbetriebsnetzen werden die Daten in eine einheitliche Struktur gebracht und in den jährlichen Rechenläufen ausgewertet.

Der Kleinprivatwald ist durch die Konzentration auf Höhenlagen und diverse Aufforstungswellen die nadelholzreichste Besitzart. Mit 75% erreicht diese Besitzart eindeutig den höchsten Anteil der Baumartengruppe Fichte/Tanne/Douglasie (Abb. 2). Der Mittlere Privatwald (200-500 ha) und der Großprivatwald (> 500 ha) kommen auch in tieferen laubholzreicheren Lagen vor. Daher waren diese von den Aufforstungswellen nicht in dem Maße wie der Kleinprivatwald betroffen. Mit 64% der Baumartengruppe Fi/Ta/Dgl rangieren diese Besitzarten direkt hinter dem Kleinprivatwald.

Flächenanteile der Hauptbaumartengruppen im Wirtschaftswald
Abb. 2: Flächenanteile der Hauptbaumartengruppen im Wirtschaftswald.

Während der Nadelholzanteil im Kleinprivatwald auf einem stabilen Niveau blieb und im Großprivatwald eher wieder im Ansteigen begriffen ist, werden im Kommunalwald und Staatswald die Bemühungen der Risikominderung sichtbar. Im FWJ 2006 bestanden noch 51% der Waldfläche aus Fichte, Tanne und Douglasie. Durch konsequente Umbaumaßnahmen ist dieser in den letzten Jahren auf 43% gesunken. Eine ähnliche Entwicklung ist auch im Kommunalwald zu beobachten. In den letzten Jahren wurden etliche, für Fichte, Tanne und Douglasie risikobehaftete Flächen, verstärkt mit Laubholz bepflanzt oder mit Hilfe der Naturverjüngung in stabilere Bestände überführt. Dadurch konnte der Flächenanteil von Fi/Ta/Dgl von 44% auf derzeit 37% gesenkt werden (Abb. 2).

Holzeinschlag

Da zwischen dem öffentlichen und privaten Waldbesitz erhebliche Unterschiede hinsichtlich gesellschaftlicher Ansprüche und gesetzlicher Verpflichtungen bestehen, wurden im Testbetriebsnetz Forstwirtschaft (>200 ha) nach den Empfehlungen des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) die Tätigkeiten eines Forstbetriebes in fünf Produktbereiche (PB) unterteilt: Holzproduktion (PB 1), Schutz und Sanierung (PB 2), Erholung und Umweltbildung (PB 3), Leistungen für Dritte (PB 4) und hoheitliche und sonstige behördliche Aufgaben (PB 5). Die nachfolgend beschriebenen Ergebnisse aus den Testbetriebsnetzen beschränken sich deshalb auf das Kerngeschäft Holzproduktion, um die Waldbesitzarten vergleichbar darstellen zu können.

Hinsichtlich der Höhe des Holzeinschlags spielen neben betrieblichen Gründen die unterschiedlichen Wuchsleistungen der Baumarten eine große Rolle. Da der Kleinprivatwald den höchsten Anteil der wuchskräftigen Baumartengruppe Fichte, Tanne und Douglasie hat, ist es naheliegend, dass der Kleinprivatwald auch das höchste Einschlagsniveau der Besitzarten aufweist (Abb. 3).

Holzeinschlag in den Waldbesitzarten von Baden-Württemberg
Abb. 3: Holzeinschlag in den Waldbesitzarten von Baden-Württemberg.

Die Ausnahmejahre 2006 und 2007 waren im Klein- und Großprivatwald durch Nachholbedarf des nach dem Sturm "Lothar" darniederliegenden Holzmarktes geprägt. Nach Ausklingen der Käferkalamitäten, folgend auf den Sturm "Lothar", stiegen die Holzerträge auf ein akzeptables Niveau. Das Fi/Ta/Dgl-Stammholz übertraf 2007 im Durchschnitt die 80-Euro-Marke. Besonders die Milchbetriebe nutzten diese Entwicklung für die Kompensierung fallender Milchpreise. Danach lag der Holzeinschlag im Kleinprivatwald bis 2012 um 9 Fm/ha. In den letzten Jahren liegt er stabil auf einem Niveau von ungefähr 8,5 Fm/ha. Im Körperschafts- und Staatswald arbeitete man nach anfänglicher Einschlagszurückhaltung (Forstschädensausgleichsgesetz) in der Folgezeit "nach Plan". Man erfüllte den Hiebssatz in Höhe von 7,7 Fm/ha (Kommunen) beziehungsweise 8,0 Fm/ha (Staat). Im Spätsommer kamen jedoch bei beiden Besitzarten nochmals ungefähr 20% Käferholz und sonstiges Kalamitätsholz hinzu. Ab 2008 sank der Kalamitätsholzanteil wieder auf ein erträgliches Niveau um 10% des Einschlags (Abb. 3).

Holzertrag

Nachdem die Auswirkungen von "Lothar" überstanden waren, verlief die Einschlagskurve im Körperschaftswald relativ gleichmäßig. Den kommunalen Försterinnen und Förstern ist wichtig, dass der Wald seinen im Haushaltsplan eingestellten Beitrag leistet. Im Staatswald findet eine Mischung aus Zielvereinbarung und Versorgung der Holzmärkte, besonders im Sommer, statt.

Am flexibelsten reagiert der Großprivatwald. Die Spitzen und Senken in der Einschlagskurve lassen sich am besten durch das primäre Ziel eines fixierten Betriebseinkommens in Zusammenwirkung von Einschlag und der Entwicklung des Holzertrags erklären (Abb. 3 und 4). Steigt der Holzertrag wie im Jahr 2008, kann der Einschlag zurückgefahren werden. Sinkt er dagegen wie 2009 oder 2012, muss zusätzliches Holz eingeschlagen werden, um das Betriebsziel zu erreichen. Ähnliche Phänomene finden sich auch bei den größeren Milchbauern im geschlossenen Hofgebiet des Schwarzwalds. Sinkt der Milchpreis unter ein bestimmtes Niveau, muss zur Abdeckung der Fixkosten (Versicherungen, Verpflichtungen, Steuern u. a.) der Holzeinschlag erhöht werden, um das anvisierte Betriebseinkommen halten zu können.

Holzertrag ohne Selbstwerbereinschlag
Abb. 4: Holzertrag ohne Selbstwerbereinschlag.

Insgesamt wird aus Abb. 4 deutlich, dass jede Besitzart dem Holzmarkt in gleicher Weise unterworfen ist. Sei es der durch Fichten, Tannen und Douglasien dominierte Klein- und Großprivatwald (blaue Linien) oder der durch höhere Laubholzanteile geprägte Kommunal- und Staatswald (rote und grüne Linie).

Sonstige Erträge und Fördermittel

In vielen Betrieben spielen die mit der Waldfläche in Verbindung stehenden Nichtholzerträge eine erhebliche Rolle. Im Großprivatwald sind dies traditionell Einnahmen aus dem Bereich Jagdbetrieb und Fischerei. Besonders im Großprivatwald mit umfangreichem Gebäudebestand wurden in den letzten Jahren verstärkt Betriebsgebäude verpachtet. Noch im Jahr 2005 übertraf diese Komponente mit 15 Euro/ha den Bereich Jagd und Fischerei (13 Euro/ ha). Sie sank jedoch in den Folgejahren kontinuierlich und beträgt derzeit ungefähr 6 Euro/ha. Einnahmen aus Christbaumgewinnung, Zierreisig und Forstpflanzen waren in den letzten Jahren ebenfalls rückläufig und erreichen derzeit ungefähr 3 Euro/ha. Insgesamt betrugen Nebennutzungen und sonstige Erträge im Großprivatwald im FWJ 2006 fast 33 Euro/ ha. 2009 erreichten sie ein Maximum mit 51 Euro/ha. Seit 2013 sind sie deutlich gesunken und markieren mit derzeit 25 Euro/ha den Tiefpunkt der letzten Jahre (Abb. 5).

Sonstige Erträge und Fördermittel
Abb. 5: Sonstige Erträge und Fördermittel.

Im Staatswald lief die Entwicklung bei Vermietung und Verpachtung gegenläufig. Während in diesem Bereich 2006 noch 13 Euro/ha erwirtschaftet wurden, werden derzeit durch den Betrieb von beispielsweise Friedwäldern und Windkraftanlagen 21 Euro/ ha erreicht. Der Bereich Jagd und Fischerei zeigt einen ähnlich stabilen Verlauf wie im Großprivatwald. Im FWJ 2015 betrugen die Einnahmen aus Jagd und Fischerei 14 Euro/ha.

Im Körperschaftswald spielte die Verpachtung und Vermietung in Zusammenhang mit dem Wald nie eine große Rolle. 2006 lag diese Ertragskomponente bei nur 4 Euro/ha, sie ist jedoch im Verlauf der Jahre auf 7 Euro/ha 2015 gestiegen. Interessant ist die Entwicklung bei der Jagd und Fischerei. Während 2006 noch 12 Euro/ha aus diesem Sektor kamen, sind es derzeit 9 Euro/ha. Durch die recht stabile Komponente aus Nebenerzeugnissen und Sonstigem (4-5 Euro/ha) erklärt sich der tendenzielle Rückgang in Abb. 5. Der Kleinprivatwald hat die Jahre mit hohen Förderbeträgen hinter sich. Nach der Zerstörung vieler Kleinprivatwälder durch den Sturm "Lothar" wurde von der Forstverwaltung der "Wiederaufbauzuschuss" eingerichtet. Dieser Zuschuss endete nach zehn Jahren 2009. Dadurch fielen die sonstigen Erträge um rund 25 Euro/ha auf 36 Euro/ha. Der Einbruch nach 2014 um 8 Euro/ha ist auf das Ende der "Umweltzulage Wald" zurückzuführen (Abb. 5).

Aufwand im Bereich Holzproduktion

Tendenziell steigt der Aufwand in den Forstbetrieben beispielsweise durch die Teuerungsrate im Bereich der Betriebsstoffe, aber auch durch Lohnerhöhungen, wie in den meisten anderen Sektoren auch. Aufgefangen wird dieser Prozess in der Wirtschaft durch eine höhere Produktivität und eine höhere Auflage. Im Wald entspricht der Auflage das Einschlagsniveau. Im Betriebsplan der Forstbetriebe ist jedoch der nachhaltige Holzeinschlag in einem Zehnjahreszeitraum festgeschrieben. Wird in einigen Jahren mehr eingeschlagen, muss diese Menge in den Folgejahren eingespart werden. Im Bereich der Holzernte hat sich jedoch in der Mechanisierung einiges getan: Vollernter ersetzen mehr und mehr den Waldarbeitendeneinsatz. Im Kleinprivatwald spielt jedoch die Eigenarbeit der besitzenden Familie nach wie vor eine Rolle. Wird beispielsweise für eine zeitintensive Erstdurchforstung die vollmechanisierte Holzernte mehr und mehr akzeptiert, so setzt man für die normale Holzernte im mittelstarken Holz nach wie vor den eigenen land- und forstwirtschaftlich einsetzbaren Schlepper vorzugsweise mit einer Funkwinde ein. In dauerwaldartig bewirtschafteten Betrieben kamen in den letzten Jahren Funkwinden mit Kran und Holzzange hinzu.

Im Großprivatwald hat die Holzproduktion in Regieaufarbeitung in den letzten Jahren stark abgenommen. Die vollmechanisierte Holzernte ist in dieser Besitzart gang und gäbe. Derzeit werden fast 80% des Gesamteinschlags durch Unternehmen und Selbstwerbende getätigt. In Abb. 6 fällt auf, dass im Großprivatwald der Aufwand im FWJ 2015 deutlich gesenkt werden konnte, obwohl sich der Einschlag leicht erhöhte. Dies geschah durch die Absenkung der Verwaltungskosten und forcierten Holzeinschlag durch Vollerntemaschinen.

Gesamtaufwand in der Holzproduktion
Abb. 6: Gesamtaufwand in der Holzproduktion.

Im Kommunalwald spielen neben einer günstigen Holzernte auch andere, soziale oder regionalwirtschaftliche Aspekte eine Rolle. So werden beispielsweise im ländlichen Raum durch Waldarbeit in Teilzeit land- und forstwirtschaftliche Betriebe in der Gemarkung gesichert, oder es kann die Auslastung der Mitarbeitenden im Bauhof der Gemeinde verbessert werden. Derzeit werden jedenfalls über 50% der Waldarbeiten mit eigenen Kräften ausgeführt. Im Staatswald hat die Aufarbeitung in Eigenregie deutlich abgenommen. Wurden 2006 noch 67% des Einschlags in Eigenregie durchgeführt, ist dieser Anteil 2015 auf 43% gesunken.

Wirtschaftsergebnis im Bereich Holzproduktion

Die Wirtschaftsergebnisse als Differenz von Ertrag und Aufwand (ohne Fördermittel) spiegeln die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Nachsturmjahren wider. Lediglich der Großprivatwald über 200 ha konnte in den auf "Lothar" folgenden Jahren in der Holzproduktion positive Betriebsergebnisse erwirtschaften. In den FWJ 2003 und 2004 konnte er mit 96 Euro/ha und 66 Euro/ha als einzige Besitzart ein deutlich positives Ergebnis erzielten, während alle anderen Besitzarten negativ abschlossen.

Im FWJ 2006 war die Käferkalamität infolge der Sturmschäden ausgestanden und die Holzmärkte zogen an. Dies war im Kleinprivatwald der Anlass, wieder vermehrt Holz einzuschlagen. Der Nachholbedarf in den Betrieben führte in dieser Besitzart zu einem Holzeinschlag über 13 Fm/ha, was ein Wirtschaftsergebnis von fast 300 €/ha brachte, dem höchsten bis dato erhobenen Wert, sieht man von den Sturmjahren ab. In den letzten Jahren pendelte sich das Betriebsergebnis zwischen 150 und 200 Euro/ha ein (Abb. 7).

Betriebsergebnisse im Kerngeschäft Holzproduktion
Abb. 7: Betriebsergebnisse im Kerngeschäft Holzproduktion.

In den letzten fünf Jahren konnte der Großprivatwald durchweg Betriebsergebnisse über 250 Euro/ha erzielen. Möglich wurde dies durch eine kontinuierliche Verschlankung der Verwaltung sowie Ausreizen sämtlicher Möglichkeiten der Rationalisierung in der Holzernte. Die Kommunen konnten in den Jahren 2011 bis 2014 150 Euro/ha erwirtschaften. Im letzten Jahr waren es bedingt durch einen höheren Anfall an Kalamitätsholz (20%) und niedrigere Holzerträge ungefähr 100 Euro/ha. Einen ähnlichen Verlauf wie der Kommunalwald zeigt der Staatsforstbetrieb, allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Konnten 2011 bis 2014 noch über 50 Euro/ha erwirtschaftet werden, führten schlechtere Holzerlöse und aufwändige Einzelaufarbeitung von Kalamitätshölzern (25%) mit 4 Euro/ha zu einem gerade noch positiven Betriebsergebnis.

Fazit und Ausblick

Die Strukturveränderungen in der Land- und Forstwirtschaft sind auch im Kollektiv der Testbetriebe nicht spurlos vorbeigegangen. Im Kleinprivatwald nahmen zu Beginn der Untersuchung noch keine reinen Forstbetriebe, das heißt Betriebe ohne landwirtschaftlichen Betriebszweig, an der Untersuchung teil. Die Bezeichnung "Testbetriebsnetz Bauernwald" ergab sich daher naturgemäß aus dieser Tatsache. In den über 20 Jahren seit der Einrichtung eines ständigen Testbetriebsnetzes sind etliche Testbetriebe dem Strukturwandel gefolgt. Vorhandene landwirtschaftliche Flächen wurden verkauft, verpachtet oder auch aufgeforstet.

Unter der Berücksichtigung dieser Entwicklung werden heute beim Ausscheiden von Testbetrieben auch Betriebe ohne Landwirtschaft in das Kollektiv aufgenommen. Im Kommunalwald wurde das Modell landwirtschaftlichen Betrieben im Winter zusätzliche Verdienste zu ermöglichen, zunehmend durch professionellen Unternehmenseinsatz abgelöst. Dies gilt in besonderer Weise für den Großprivatwald. Hier wird der Einschlag praktisch ausschließlich durch professionelle Unternehmen durchgeführt. Insofern zeichnet der Großprivatwald eine Linie dessen, was betriebswirtschaftlich ausgereizt werden kann.

Privatwald im mittleren Schwarzwald
Abb. 8: Privatwald im mittleren Schwarzwald. (Foto: FVA/Weidner)

Nicht vergessen werden darf, dass sich alle Waldbesitzarten durch ihr Wirtschaften auf die regionale wirtschaftliche Gesamtrechnung positiv auswirken. Im Zusammenwirken von örtlich belieferten Sägewerken, Zimmerei- und Holzbaubetrieben schafft diese Kette Arbeitseinkommen und verhindert ein übermäßiges Abfließen von Geld aus ländlichen Regionen. Nach der Clusterstudie Forst und Holz Deutschland umfasst die Holzbranche in Deutschland insgesamt 185.000 Betriebe, 1,3 Mio. Beschäftigte und ein Umsatzvolumen von 181 Mrd. Euro. Damit hat die deutsche Forst- und Holzbranche mehr Beschäftigte als die Automobilindustrie (780.000 Beschäftigte).

Einen Schub für die Waldwirtschaft brächten verstärkte Anstrengungen hinsichtlich der Energieeffizienz des Altbaubestandes, was die regionale Forst- und Holzwirtschaft mit ihren gut aufgestellten Betrieben fördern würde. Dazu gehört innerhalb aller in der Forst- und Holzwirtschaft tätigen Branchen ein neues Bewusstsein für die eigenen Stärken im eigenen Spezialbereich in der jeweiligen Region.

Die an der FVA betriebenen Testbetriebsnetze können auf forstbetrieblicher Ebene aufzeigen und in Erinnerung rufen, dass eine aktive Waldwirtschaft mit der regelmäßigen Nutzung von Stamm-, Industrie- und Energieholz für alle Waldbesitzenden in jedem Fall ein lohnenswertes Geschäft ist!

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