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Artikel

Autor(en): Gerhard Huber
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides)

Steckbrief eingebürgerter jagdbarer Arten: 4

Marderhund
 
Verbreitungsgebiet Marderhund
Abb. 1: Weltweite Verbreitung des Marderhundes.
 
Karte der Marderhund-Strecke Bayern
Abb. 2: Streckenergebnisse für den Marderhund in Bayern von 1987/88 bis 2002/03 (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten).
 
Vergleich Gesichtszeichnung Waschbär Marderhund
Abb. 3: Vergleich Gesichtszeichnung. links Waschbär, rechts Marderhund.

Ein Räuber auf leisen Zehen...

Der Marderhund gehört zur Familie der Wildhunde. Es werden weltweit 6 Unterarten unterschieden. Aufgrund seiner Zeichnung wird der Marderhund oft mit dem Waschbär verwechselt. Der Marderhund zeigt keine Ringelung des Schwanzes (Schwanzbinde) und er ist ein Zehengänger wie der Hund. Wie auch der Schakal und der Wolf hat der Marderhund an den Vorderpfoten fünf und an den Hinterpfoten nur vier Zehen (Krallen).

Ein Einwanderer aus der Ukraine

Seine ursprüngliche Heimat ist Ostsibirien (Amur-/Ussurigebiet), Nordchina, Japan, Korea und Nordvietnam. 1928 wurde er wegen seines Pelzes in der Ukraine angesiedelt und breitete sich von dort rasch aus. Bis in die 50er Jahre konnte er sein Verbreitungsgebiet bis nach Skandinavien (Finnland 1931), die Slowakei, Rumänien (1951) und Polen (1955) erweitern. Er kommt heute in ganz Deutschland mit Ausnahme der Alpen vor. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Die bisherigen bayerischen Funde verteilen sich über fast ganz Bayern. Am stärksten tritt der Marderhund in der Oberpfalz auf, mit einem Schwerpunkt in den Landkreisen Tirschenreuth und Schwandorf (Abb. 2). Von 1987/88 bis 2002/03 wurden insgesamt 202 Marderhunde in Bayern in den Streckenlisten angegeben.

Ein Waldbewohner mit Vorliebe für feuchte Habitate

Der Marderhund ist ein Waldbewohner und bevorzugt strukturierte Lebensräume des Flach- und Hügellandes. In Mitteleuropa kommt er an feuchten Habitaten (Flußauen, Seen und künstliche Teichanlagen) mit kleineren Laub- und Mischwäldern vor.

Die Marderhunde sind dämmerungs- und nachtaktiv. In kälteren Regionen halten sie eine Winterruhe (kein Winterschlaf). Im milderen Mitteleuropa ist die Winterruhe dagegen nicht so ausgeprägt.

Die Neigung zum Graben eigener Baue ist gering. Es werden bevorzugt Fuchs- und Dachsbauten genutzt, in feuchteren Gebieten werden auch Reisighaufen und Schilfnester gebaut. Die Marderhunde leben in Paaren (oft auf Lebenszeit) oder im Familienverband. Seine Feinde sind der Wolf, Bär und Luchs sowie der Uhu.

Wenn die Jungen ca. 2-3 Wochen alt sind, verlassen sie erstmalig den Bau. Während der Ranzzeit werden vom Rüden Heulschreie ausgestoßen, Welpen und Jungtiere piepsen und heulen nach der Mutter, oft ist auch ein leises Miauen oder knurren zu hören. Marderhunde verfügen über eine gut ausgeprägten Gehör- und Geruchssinn. Das Sehvermögen ist dagegen schlechter als beim Fuchs. Marderhunde verhalten sich nicht territorial und sind oft sehr neugierig.

Der Marderhund unterliegt keiner speziellen Jagdzeit d.h. er darf mit Ausnahme der Jungenaufzucht das ganze Jahr über gejagt werden (Elterntiere sind daher von April bis August zu schonen).

Nahrung und Krankheiten

Die Tiere sind anpassungsfähige Allesfresser. Zu den bevorzugten Pflanzen gehören alle Arten von Beeren und Obst sowie Kastanien und Eicheln. In der landwirtschaftlichen Flur werden auch Hafer und Mais gefressen. Zu ihrer tierischen Nahrung zählen Mäuse, Frösche, Vögel, Fische, Reptilien, Insekten und Eier. In nahrungsarmen Zeiten wird auch Aas genommen. Der Marderhund weist prinzipiell die gleiche Parasitenfauna und Infektionskrankheiten wie der Rotfuchs auf. Besondere Bedeutung hat er als Wirtstier für die Tollwut und den kleinen Fuchsbandwurm.

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