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Artikel

Autor(en): Martin Baumann (Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Kanton Solothurn)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Krucken und Zähne als Mittel zur Altersbestimmung beim Gämswild

Zur Altersbestimmung beim Gämswild nutzt man die Jahrringe der Krucken (Hörner). In Kombination mit dem Schneidezahnwechsel ist so bei Gämsen mit bekanntem Todeszeitpunkt eine relativ präzise Altersbestimmung möglich. Zur Altersschätzung von Fallwild kann der Backenzahnwechsel herangezogen werden.

Kopf eines Gämsbocks
Abb. 1 - Kopf einer Gämse
Foto: Ueli Wasem (WSL)
 
Krucken eines 15-jährigen Bockes
Abb. 2 - Krucke eines 15 jährigen Bockes im September seines sechzehnten Lebensjahres (exakt 15 Jahre und 4 Monate). Der Kitzwachstumsschub ist nicht mehr zu erkennen.

Altersbestimmung der lebenden Gämse

Die weidgerechte Jagd auf Gämsen erfordert ein sicheres Ansprechen bezüglich Geschlecht, Altersklasse und Gesundheit der Tiere. Darüber hinaus ist es wichtig, ob eine Geiss ein Kitz führt oder nicht. Am lebenden Tier wird dazu die Gesamterscheinung beurteilt, wobei die folgenden Merkmale eine Rolle spielen:

  • Krucken (Länge/Höhe, Durchmesser/Stärke, Hakelung)
  • Körperbau (Vorschlag, Rückenlinie, Bauchlinie, Knochigkeit, Gesäuge, Kurzwildbret)
  • Haarkleid (Pinsel, Schwanzhaare, Barthaare, Fellfarben, Fellqualität, Haarwechsel)
  • Verhalten (Sozialverhalten, Rudelverhalten)
  • Gesundheit (Husten, Durchfall, Abmagerung, Augenveränderungen, auffälliges Verhalten, ....)

Das sichere Ansprechen von lebenden Gämsen beherrscht nur derjenige wirklich, der die Möglichkeit zum ständigen Üben im Gelände und auf der Jagd hat. Die Krucken sind beim lebenden wie beim erlegten Tier aber auch für ihn ein wesentlicher Bestandteil zum Ansprechen des Alters und des Geschlechtes. Das Ansprechen der Krucken von erlegtem Gämswild stellt somit einen idealen Startpunkt für denjenigen dar, der sich die Fähigkeit zum korrekten Ansprechen des lebenden Gämswildes aneignen will. Nicht zuletzt ist für den Revierpächter eine korrekte Altersansprache auch aus jagdplanerischen und jagdstatistischen Gründen wichtig. Die folgende Zusammenstellung behandelt die Altersansprache beim Gämswild.

Altersbestimmung der erlegten Gämse

Bei der erlegten Gämse kann das Alter in Jahren (und Monaten) meistens relativ präzise geschätzt werden, sobald die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Krucken vorhanden
  • Schneidezähne vorhanden
  • Todesdatum bekannt

Kruckenentwicklung

Die Krucken des Gämswildes wachsen jährlich schubweise im Sommerhalbjahr. Das Kruckenwachstum beginnt beim jungen Tier bereits im Vorfrühling (Februar/März) und hört im Herbst (November/Dezember) wieder auf. Im Winterhalbjahr stagniert das Wachstum vollständig. Durch dieses Wachstum entstehen Absätze im Kruckenverlauf, die sogenannten Jahrringe - vergleichbar mit denen im Baumstamm. Speziell beim jungen und schnell wachsenden Horn können aber überzählige Absätze entstehen, die als Schmuckringe bezeichnet werden. Aufgrund solcher Schmuckringe stellt sich dem Jäger häufig die Frage: Schmuckring oder Jahrring?

Da diese Schmuckringe meist in den Wachstumsschüben des 2. bis 4. Lebensjahres entstehen, werden gerade junge Gämsen im Alter eher überschätzt. Ein wichtiges Hilfsmittel zum Erkennen und Aussondern von Schmuckringen ist die Kenntnis über den normalen Wachstumsverlauf der Krucke bei der gesunden Gämse. Wenn die normale (=durchschnittliche) Länge der Wachstumsschübe bekannt ist, kann die Altersansprache eindeutiger erfolgen.

Wie schliesst man auf das Alter der Gämse?

Wie beim Menschen wird das korrekte Alter der Gämse mit ihren vollendeten Altersjahren angegeben. Bei der Gämse nimmt man an, dass der Wechsel des Gämsenjahres (quasi der Geburtstag der Gämse) jeweils am 1. Juni stattfindet. Eine Gämse die im September erlegt wird, hat somit das Alter ihres letzten Geburtstages plus 4 Monate. Dadurch besitzt eine Gämse. die im Herbst erlegt wird immer einen Jahrring mehr als sie alt ist, weil der letzte Wachstumsring dem Wachstumsschub des vergangenen letzten Sommers darstellt. Beispielsweise zeigt ein Kitz einen Wachstumsring, ist aber erst 4 Monate alt; ein Jährling besitzt zwei Wachstumsringe, ist aber erst 1 Jahr und 4 Monate alt; ein 3-jähriges Tier weist vier Wachstumsringe auf, ist aber erst 3 Jahre und 4 Monate alt usw. Diese wichtige Regel gilt es ganz besonders zu beherzigen, da sonst alle Gämsen ein Jahr zu alt bestimmt werden.

Um das effektive Alter besser schätzen zu können ist es wichtig zu wissen, wie alt Gämsen in der Natur werden können. Die folgenden Angaben gelten für Gämsen, die das Jährlingsalter erreichen:

  • Maximalalter: Das maximale Alter für frei lebende Gämsen liegt bei Geissen bei ca. 24 Jahren und bei Böcken bei ca. 20 Jahren.
  • Durchschnittsalter: Das Durchschnittsalter hingegen liegt bei einer bejagten Population im Bereich von zwischen ca. 3-6 Jahren, je nach Stärke der Bejagung.
  • Hohes Alter: Wenige Gämsen werden alt. Schätzungsweise werden bloss ca. 10% der Böcke älter als 8 jährig und ca. 10% der Geissen älter als 12 jährig.
  • Sehr hohes Alter: Noch seltener sind wirklich alte Tiere: weniger als ca. 1% der Böcke einer Population werden älter als 12 jährig oder bei Geissen 17 jährig.

Zahnwechsel

1. Zahnwechsel der Schneidezähne

Gämsen wechseln in ziemlich vorhersagbarer Abfolge ihre Schneidezähne. In den ersten drei Lebensjahren ist dieser Schneidezahnwechsel eine wichtige Ergänzung zur Altersbestimmung anhand der Krucken, um junge Gämsen (unter vierjährig) sicher von älteren Gämsen zu unterscheiden.

Schneidezahnwechsel beim Gämswild
Abb. 3 - Schneidezahnwechsel beim Gamswild vom Milchgebiss zum Dauergebiss. Dunkle Bereiche markieren den Hauptzeitpunkt des Wechsels, helle Bereiche hingegen zeigen in etwa den Schwankungsbereich auf. Zur Jagdzeit im Herbst existieren wesentliche Über- schneidungsbereiche der Zahnfolge.
 

Gämsen wechseln in ziemlich vorhersagbarer Abfolge ihre Schneidezähne. In den ersten drei Lebensjahren ist dieser Schneidezahnwechsel eine wichtige Ergänzung zur Altersbestimmung anhand der Krucken, um junge Gämsen (unter vierjährig) sicher von älteren Gämsen zu unterscheiden.Die Milchschneidezähne brechen unmittelbar vor oder nach der Geburt durch, so dass Kitze im Alter von 1-2 Monaten bereits alle Milchschneidezähne besitzen. Diese paarweisen Schneidezähne werden von innen nach aussen mit I1, I2, I3 und C bezeichnet. I steht dabei für Incisivi (=Schneidezähne) und C für Canini (=Eckzähne). Die Incisivi bezeichnet man dabei jagdlich oftmals als "Zangen". Beim Schneidezahnwechsel hin zum Dauergebiss werden von innen nach aussen zuerst die beiden I1 gewechselt, dann die I2, die I3 und zuletzt die beiden C. Verschiedene Autoren geben unterschiedliche Schemata des Zahnwechsels an. Der Schneidezahnwechsel scheint von der Kondition der Gämse abhängig zu sein. Zusammenfassend gilt annäherungsweise der folgende Zahnwechsel (siehe Abbildung 3).

Dieser Schneidezahnwechsel vom Milch- zum Dauergebiss bedeutet deshalb, dass Gämsen zur Jagdzeit im Herbst in der Regel die folgende Zahnentwicklung zeigen, (Prozentsätze sind auf persönlicher Erfahrung beruhende Schätzwerte):

Kitze besitzen stets Milchschneidezähne; Jährlinge sind zu 90 % zweischaufelig, selten Milchgebiss; zweijährige Gämsen sind zu 90 % vierschaufelig , ganz selten sechs- oder zweischauflig; dreijährige Gämsen sind zu 50 % sechsschaufelig und zu 45% ausgeschaufelt; vierjährige Gämsen sind zu 95% ausgeschaufelt; fünfjährig und ältere Gämsen sind zu 100% ausgeschaufelt; sehr alte Gämsen (14+ jährig) besitzen mehr oder weniger abgewetzte Schneidezähne.

2. Zahnwechsel der Backenzähne

Der Wechsel der Backenzähne gibt in den ersten vier Lebensjahren ebenfalls einen Hinweis auf das Alter der Gämse. Auch dieser Zahnwechsel unterliegt individuellen Schwankungen. Beim Fallwild sind oftmals nur die Backenzähne vorhanden, deshalb kann die Kenntnis von deren Wechsel einen Hinweis auf das Alter von Fallwildstücken geben.

Backenzähne einer 9-jährigen Geiss
Abb. 4 - Schädel einer ca. 9-jährigen starken Gämsgeiss mit farbig markierten Backenzähnen: hellblau = Backenzähne P2,P3 und P4; rot = Backenzahn M1, Gelb = Backenzahn M2, hellgrün = Backenzahn M3. M bedeutet dabei Molar (Backenzahn) und P bedeutet Prämolar (Vorbackenzahn). Die Schneidezähne J1-3 und C sind ebenfalls rot markiert. Man beachte, dass der P4 im Unterkiefer hier zweiteilig ist, im Milchzahnstadium wäre er noch dreiteilig gewesen. Ähnliches gilt für P3 und P4 im Oberkiefer, welche im Milchzahnstadium noch zweiteilig gewesen wären, hier aber einteilig erscheinen.  
   
Geschlechtbestimmung beim Gamswild
Abb. 5 - Die Krucken männlicher und weiblicher Gämsen unterscheiden sich in der Hakelung und Stärke der Hornbasis (abgewandelt nach Schweizerjäger Nr. 11/ 1972 S.J. Blaupot Den Cate: Altersbestimmung an erlegten Gemsen).

Die Milchbackenzähne brechen kurz nach der Geburt durch. Die definitiven Backenzähne ersetzen die Milchzähne in der Regel im folgenden Zeitbereich: Backenzahn M1 mit ca. 6 Monaten; Backenzahn M2 mit ca. 15 Monaten; Backenzahn M3 mit ca. 27 Monaten; Backenzähne P2, P3 und P4 mit ca. 27 - 36 Monaten. P bedeutet dabei Prämolar (=Vorbackenzahn) und M bedeutet Molar (=Backenzahn). (Zur Bezeichnung der Backenzähne siehe Abbildung 4).

Bedeutung des Backenzahnes P4

Wie beim Rehwild ist bei der Gämse der hinterste Prämolar (P4) des Unterkiefers als Milchzahn dreiteilig, als definitiver Zahn hingegen zweiteilig. Sobald der P4 zweiteilig vorhanden ist, ist die Gämse mindestens 2 Jahre und 3 Monate (27 Monate) alt. Ähnliches gilt für P3 und P4 im Oberkiefer, die als Milchzähne zweiteilig, im Dauergebiss aber einteilig erscheinen.

Geschlechterunterschied beim Gämswild

Der Kruckenumfang an der Hornbasis ist bei Böcken grösser als bei Geissen. Bei den Böcken fällt die Hackelung meist stärker aus als bei Geissen. Sie zeigen oft nur ein leicht gebogenes Horn.

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Kontakt

  • Mark Struch
    Amt für Jagd und Fischerei
    Abt. Jagd und Fischerei
    Barfüssergasse 14
    CH - 4509 Solothurn
    Tel. +41 32 627 25 96
    e-mail: mark.struch @ vd.so.ch

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