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Alois Zollner

LWF

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Artikel

Autor(en): Katharina Brändlein
Redaktion: LWF, Deutschland
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Schwarzwildjäger rotten sich zusammen

Schwarzwildringe in Bayern
Abb. 1: Untersuchte Schwarzwildringe in Bayern.

Der Schwarzwildbestand in Bayern ist enorm angestiegen. Mittlerweile besiedeln die Sauen zwei Drittel der Landkreise Bayerns, ständig kommen neue Landkreise hinzu. Wegen des Anstiegs der Wildschweinpopulationen sind Konflikte mit dem Menschen vorprogrammiert.

Die Schwarzwildbestände explodieren

Steigende Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen, immer häufiger auftretende Verkehrsunfälle mit Sauen sowie die zunehmende Gefahr der Schweinepest lassen die Wildschweine vielerorts zum Problem werden. Daraus resultiert die Forderung verschiedener Interessengruppen nach einer Regulierung der Schwarzwilddichte und einer wirksamen Strategie zur Verhinderung von Schäden, vor allem in der Landwirtschaft.

Diese Forderung gab den Anstoß zu dem Projekt "Analyse der Konzepte zur Schwarzwildbejagung in Schwarzwildringen bzw. jagdlichen Zusammenschlüssen in Bayern". Ziel der Arbeit ist es, bayerischen Schwarzwildjägern eine Hilfestellung für die praktische Jagdausübung zu geben. Hierzu wurden die Strukturen und Konzepte der fünf Schwarzwildringe Bad Kissingen, Wässernachtal, Nördliche Frankenhöhe, Stauden und Konzell durchleuchtet sowie versucht, Unterschiede herauszuarbeiten. Parallel wurden 63 Jäger dieser Zusammenschlüsse persönlich und 56 Jagdgenossen schriftlich befragt. Im Mittelpunkt der Befragung standen die Themenbereiche Schwarzwildring, Bejagung, Wildschäden und Wildbretvermarktung.

Ergebnisse zur Struktur eines Schwarzwildrings

Die untersuchten Schwarzwildringe sind freiwillige Zusammenschlüsse von Jägern. In keinem der Fälle wurde ein Verein gegründet. Dies kann auch als Empfehlung weiter gegeben werden. Eine Vereinsgründung ist nicht nötig, um Schwarzwild revierübergreifend zu bewirtschaften.

Weitaus wichtiger als die Rechtsform ist ein flächendeckender Zusammenschluss. Eine mosaikartige Verteilung der Mitgliedsreviere, wie sie derzeit in Stauden vorkommt, erschwert die Arbeit des Rings erheblich. Beispielsweise wird der Informationsfluss gehemmt, die Einhaltung einheitlicher Bejagungsempfehlungen erschwert oder revierübergreifende Jagden lassen sich nur bedingt durchführen. Auch die Anzahl der Mitgliedsreviere tragen zum Erfolg eines Schwarzwildrings bei.

Der Schwarzwildring sollte mindestens aus zehn Jagdrevieren bestehen. Dies basiert darauf, dass eine gewisse Mindestfläche vorhanden sein muss, um Schwarzwild sinnvoll zu bewirtschaften. Die Anzahl der Mitgliedsreviere sollte jedoch nicht zu hoch sein, da sonst die Koordination der Mitglieder, der Informationsaustausch untereinander und die Umsetzung der Ziele erschwert werden. Als maximale Mitgliederzahl sind 40 bis 45 Reviere zu empfehlen. Die Schwarzwildringe Bad Kissingen und Wässernachtal sind an der maximalen Mitgliederzahl angelangt und bestätigen diese Empfehlung.

Es dient auch der Sache, wenn die staatlichen Forstämter Mitglied im Ring sind. Jedoch müssen die Ziele der Forstverwaltung mit den Inhalten und Zielen des Schwarzwildrings übereinstimmen.

Aus rechtlichen Gründen ist derzeit eine Mitgliedschaft der Forstverwaltung in einer Ausgleichskasse nicht möglich. Eine Ausgliederung der Ausgleichskasse aus dem Schwarzwildring würde die Mitgliedschaft jedoch ermöglichen.

Ergebnisse zur Konzeption eines Schwarzwildrings

Frischling
Abb. 2: Frischling.

Ein Schwarzwildring muss klar definierte Ziele haben und deren Umsetzung gewährleisten. Folgende Zielsetzung ist für die derzeitige Schwarzwildsituation in Bayern angemessen:

  • Minimierung der Wildschäden
  • Reduktion zu hoher Schwarzwildbestände
  • Monitoring:Buchführung über Wildschäden und Schwarzwildstrecke
  • Information und Beratung der Jäger und Jagdgenossen
  • Einbindung der Jagdgenossen

Die Ziele können nur umgesetzt werden, wenn alle Mitglieder des Schwarzwildrings hinter den Zielen stehen und sich an der Umsetzung beteiligen. Die Umsetzung steht und fällt mit dem persönlichen Engagement der Mitglieder und der Vorstandschaft.

Zur Umsetzung zählt

  • Erstellung eines Schwarzwildmanagementkonzeptes
  • Koordinierung und Organisation revierübergreifender Bewegungsjagden
  • Erstellung eines Kirrungskonzeptes
  • Berücksichtigung der wildbiologischen Erkenntnisse, vor allem zur Lebensweise.

Eine Ausgleichskasse, wie sie die Schwarzwildringe "Nördliche Frankenhöhe" und "Stauden" führen, kann das Konzept des Schwarzwildrings ergänzen. Sie sollte jedoch nicht im Mittelpunkt stehen.

Optimierungsmöglichkeiten

Zusammenarbeit Jäger und Jagdgenossen
Abb. 3: Zusammenarbeit Jäger und Jagdgenossen.

Ein weiteres Ergebnis des Projektes sind die Optimierungsmöglichkeiten in den Schwarzwildringen. Bei Neugründungen sollte diesen Themen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Folgende Punkte kristallisierten sich im Rahmen der Befragung heraus.

Zusammenarbeit der Jagdgenossen und Jäger: Die Zusammenarbeit zwischen Jagdgenossen und Jägern lässt sich noch optimieren. Das Verhältnis untereinander wird als gut beurteilt. Ca. 50 % der Jäger und Jagdgenossen betrachten eine bessere Integration in den Ring als sinnvoll (Abb. 3).

Ablenkfütterung: Eine Aufgabe des Schwarzwildrings kann es sein, die Mitglieder noch mehr zu sensibilisieren im Hinblick auf die Notwendigkeit von Ablenkfütterungen. Das Füttern von Wildschweinen führt nur dann zum Ziel, wenn revierübergreifend geplant wird.

Bejagung: Es hat sich gezeigt, dass die revierübergreifende Bewegungsjagd eine effektive Jagdart ist und damit ein erheblicher Prozentsatz der Jahresstrecke erfüllt werden kann. Derzeit beteiligen sich viele Reviere noch nicht an derartigen Jagden. Die Kombination von Ansitzjagden und Bewegungsjagden ist zielführend. Revierübergreifende Bewegungsjagden müssen in Zukunft verstärkt abgehalten werden.

Wildbretvermarktung: Es sind noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um Wildbret zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Die Nachfrage ist vorhanden. Vorraussetzung ist allerdings, Wildbret auf eine andere Art und Weise als bisher den Kunden anzubieten und für Wildbret verstärkt in der Region zu werben. Neue Wege müssen eingeschlagen werden, um den Absatz zu steigern. Es gibt in dieser Hinsicht schon sehr erfolgreiche Beispiele. Der Schwarzwildring könnte als Plattform ausgebaut werden, um Schwarzwild besser "an den Mann" zu bringen.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen: Ein Schwarzwildring kann ein wirksames Instrument sein, Schwarzwild revierübergreifend erfolgreich zu bewirtschaften. Nach dem heutigen Verständnis darf ein derartiger Zusammenschluss jedoch kein Hegering sein. Ein Schwarzwildring soll dem regionalen Monitoring sowie einer sinnvollen und effizienten Schwarzwildbewirtschaftung dienen.

Bad Kissingen:
Ein Schwarzwildring im Unterfränkischen, mit einheitlichen Bejagungsstrategien, der auf eine 19 jährige Erfahrung blickt. Im Westen des Schwarzwildrings dominieren große zusammen hängende Wälder, die Richtung Osten zugunsten landwirtschaftlicher Flächen abnehmen, bis schließlich Wiesen und Felder dominieren.

Wässernachtal:

Der Zusammenschluss grenzt an den SWR Bad Kissingen an. Im Mittelpunkt steht ebenfalls ein einheitliches Bejagungskonzept. Im Zentrum des Schwarzwildrings sind die landwirtschaftlichen Flächen inselartig in zusammenhängende Wälder eingesprengt. Der Waldanteil liegt bei 40 %.

Nördliche Frankenhöhe:

Der Mittelfränkische Zusammenschluss ist der Älteste in Bayern. Das Herz dieses Rings ist eine Ausgleichskasse, in die jeder Jagdpächter pro ha Revierfläche 0,25 € einzahlt. Im Wildschadensfall bekommt der Schadensersatzpflichtige einen gewissen Prozentsatz der Schadenshöhe aus der Kasse erstattet.

Stauden:

Bei dem Zusammenschluss südwestlich von Augsburg stehen einheitliche Bejagungsmethoden und eine Ausgleichskasse im Mittelpunkt. Das Kerngebiet sind die Waldungen der Baronin von Lotzbeck. Teilweise angrenzend, teilweise mehrere Kilometer davon entfernt liegen die Mitgliedsreviere.

Konzell:
Ein kleiner SWR in Niederbayern, dessen Jäger die Jagdgrenzen im Rahmen der Schwarzwildbejagung aufgehoben haben. Die Mitgliedsreviere liegen zwischen den Städten Straubing und Cham. Der Wald ist auf die Höhen zurückgedrängt, in den Tallagen wird Landwirtschaft betrieben.