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Simon Birrer

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Schweizerische Vogelwarte
Leiter der Abteilung "Förderung
der Vogelwelt"
CH - 6204 Sempach

Tel. +41 462 97 38 (Mo, Mi-Fr)

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Artikel

Autor(en): Schweizerische Vogelwarte (Ulrike Ahlborn)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Einheimische Waldvögel – Lebensweise und Förderungsmöglichkeiten

Wälder sind der Hauptlebensraum für 58 der 195 einheimischen Brutvogelarten der Schweiz. Wald bedeckt etwa 30% der Schweizer Landesfläche und gilt als größtes Ökosystem. Die Schweiz trägt für mehrere Vogelarten besondere Verantwortung auf internationaler Ebene.

Raufusskauz
Abb. 1 - Der Raufusskauz bevorzugt alten, hochstämmigen Nadelwald, der mit Laubbäumen durchsetzt und gut strukturiert ist.
Foto: L.& D. Boucný
 
Kernbeisser
Abb. 2 - Der Kernbeisser hält sich im Sommer vorwiegend im Kronenbereich der Bäume auf und ist daher schwer zu beobachten. Im Winter kommt er gelegentlich an Futterstellen in Hausgärten.
Foto: U. Bringolf
 

58 der 195 einheimischen Brutvogelarten der Schweiz leben vorwiegend im Wald. Doch Wald ist nicht gleich Wald. In jedem Waldtyp lebt eine besondere Vogelfauna. Denn während die eine Vogelart positiv auf bestimmte strukturelle Eigenschaften eines Waldes reagiert, werden die gleichen Bedingungen von einer anderen Art eher gemieden. Ob sich ein Wald als Lebensraum für eine bestimmte Art eignet, hängt zusätzlich von Waldgröße (Reviergröße) und dem Nahrungsangebot des Waldes ab.

Andere Arten, wie z. B. der Buchfink, haben keine besonders hohen Ansprüche an die Qualität ihres Lebensraumes und kommen daher in vielen verschiedenen Wäldern vor. Wodurch aber zeichnet sich eine hohe Qualität des Waldes im Hinblick auf den Artenschutz aus?

  • Altholzbestände
    Artenzahl und Individuendichte von Waldvögeln steigen mit zunehmendem Alter des Waldes. Großkronige Bäume bieten vielfältige Nistmöglichkeiten und die starken Stämme ermöglichen es Spechtarten Bruthöhlen zu bauen, von denen wiederum Folgebewohner wie die seltene Hohltaube profitieren.

  • Totholz
    Mehrere Arten, wie z. B Klein- und Dreizehenspechte, sind für ihren Höhlenbau auf Totholz angewiesen. Baumläufer nisten vorwiegen unter abgelösten Rindenstücken toter Stämme. Darüber hinaus stellt abgestorbenes Holz einen wichtigen Lebensraum für viele Insektenarten dar, die wiederum dem Magen der Vögel zugute kommt. Denn die Mehrzahl der Waldvogelarten frisst tierische Nahrung.

  • Lichte und strukturreiche Wälder
    In lichten Wäldern kann sich eine stärkere Kraut- und Strauchschicht entwickeln. Im Gegensatz zu den zunehmend dichter bestockten Wäldern finden Waldvögel hier ein reichhaltiges Nahrungs- und Nistplatzangebot.

  • Vermeidung von Störungen
    Vom Menschen verursachte Störungen wie Lärm (Verkehr), sowie intensive Freizeit- und Sportnutzung beeinträchtigen viele Arten und sind oftmals einer der Gründe für den Rückgang einer Art, wie z. B. der Auerhahn- Bestände in der Schweiz.

Dank naturnahem Waldbau nur wenige Waldarten gefährdet

Hohltaube
Abb. 3 - Die Hohltaube brütet in Baumhöhlen in Wäldern, aber auch in parkartigen Landschaften, Ufergehölzen oder Baumgruppen.
Foto: R. Gross
 

Die traditionelle schonende Nutzung des Waldes in der Schweiz führte dazu, dass dieser sich zur Zeit auf großen Flächen in relativ naturnahem Zustand befindet. Daher sind, im Gegensatz zu anderen Lebensräumen wie z. B. Kulturland, nur wenige im Wald lebende Vogelarten gefährdet.

Möglicherweise werden sich aber die Rahmenbedingungen für die Waldwirtschaft in den nächsten Jahren stark ändern. Alle am Wald Interessierten können dazu beitragen, dass diese Veränderungen nicht zu einer Verschlechterung der Situation führt. Wichtig ist, dass folgende Kriterien bei der Bewirtschaftung des Waldes beachtet und umgesetzt werden:

  • Im Schweizer Wirtschaftswald werden auf der ganzen Fläche die Prinzipien des naturnahen Waldbaus eingehalten (Naturschutz auf der ganzen Fläche).
  • Besondere Waldgesellschaften wie z. B. Trauben- und Stieleichenwälder werden erhalten und gefördert (Gebietsschutz). Sie sind die arten- und individuenreichsten Wälder und ihr Anteil an der Waldfläche ist sehr gering.
  • Es werden spezifische Massnahmen zur Förderung jener Arten ergriffen, für die der naturnahe Waldbau und der Gebietsschutz nicht ausreichen.

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