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Prof. Dr. Volker Zahner

HSWT

Fakultät Wald und Forstwirtschaft
Zoologie, Wildtierökologie,
Entomologie
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 3
D-85354 Freising

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Telefax: +49 (8161) / 71 - 4526

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Der Schwarzspecht – Zeiger oder Verursacher von Stammfäulen?

Schwarzspecht
Abb. 1: Der Schwarzspecht ist die größte paläarktische Spechtart (Foto: N. Wimmer).
 
Initialhöhle
 
Widerstandsmessung
Abb. 2: Die Widerstandsmessungen erfolgten in luftiger Höhe (Foto: V. Zahner).

Ratatatatat – wie ein Maschinengewehr klingt die Salve, mit der die Spechte einen Baum bearbeiten. Am lautesten ist sie natürlich beim Schwarzspecht (Dryocopus martius), der größten paläarktischen Spechtart. Aber ist auch er beim Höhlenbau auf Fäulen angewiesen?

Buche bevorzugt

Am liebsten baut der Schwarzspecht (Abb. 1) seine Höhlen in die Buche. Bei der Auswahl der Bäume hat er einen ähnlichen Geschmack wie die Förster: Einen langen astfreien Schaft sollen sie haben und möglichst dick sollen sie sein. Beides dient dem Schutz der Höhlenbewohner vor Feinden. So ist ein glatter Buchenstamm von beispielsweise einem Marder schwerer zu erklettern, als ein gleichmäßig beasteter. Und je dicker der Baum ist, desto dicker und damit stabiler fällt natürlich die Wand der Spechthöhle einmal aus. Der Nachteil einer solchen Buche: Das Holz ist vergleichsweise hart und schwer zu bearbeiten.

Fäule als Hilfsmittel beim Höhlenbau?

Die enge Beziehung von Spechten zu Tot- und Faulholzstrukturen ist seit vielen Jahren bekannt. Kontrovers wird allerdings diskutiert, inwieweit der Schwarzspecht auf Fäulen beim Höhlenbau in der Buche angewiesen ist. Die Bäume, in denen er seine Höhlen anlegt, sind überwiegend vitale Bestandsglieder. Ob sich hinter der äußerlich vitalen Erscheinung eine Kernfäule befindet, lässt sich in der Regel nicht erkennen. Kontrolliert man fertige Höhlen des Schwarzspechts, entdeckt man häufig Fäuleansätze. Aber kam die Fäule mit dem Specht? Oder wählte der Specht den kernfaulen Stamm gezielt zur Höhlenanlage aus?

Widerstandsmessungen

Um dieser Frage nachzugehen wurde an Initialhöhlen des Schwarzspechts der Holzwiderstand mit dem Resi 400 ermittelt (Abb. 2). Die erhaltenen Messstreifen verglichen die Forscher mit denen benachbarter Referenzbuchen gleicher Dimension und Klasse. Damit wurden folgende Hypothesen getestet:

  1. Der Schwarzspecht bevorzugt Bäume mit Kernfäulen zur Höhlenanlage.
  2. Der Schwarzspecht wählt den kürzesten Weg zur Kernfäule.
  3. Der Schwarzspecht überwindet den intakten Splint mit Hilfe von Pilzen und dem Faktor Zeit.

Schwarzspecht wählt Buchen mit Fäule

Es konnte an den vom Schwarzspecht ausgewählten Bäumen eine verminderte Holzdichte, hervorgerufen durch einen Pilzbefall, nachgewiesen werden. 94 % der Buchen mit Höhlenanfängen trugen eine Fäule, jedoch nur 20 % der Referenzbäume. Damit wählt der Schwarzspecht signifikant häufiger Buchen mit Faulstellen. Bei einem Test zwischen frisch bearbeiteten und alten Initialhöhlen erwiesen sich die älteren als signifikant weicher. Der Schwarzspecht nutzt folglich, soweit irgend möglich, Buchen mit einem Faulkern. Den noch harten Splint überwindet er unter anderem mit der Hilfe von Holz zersetzenden Pilzen (Basidomyceten) indem er den Stamm anschlägt und erst nach einigen Jahren die Initialhöhle ausbaut (Abb. 3). Dabei wählt der Specht den Weg des geringsten Widerstands (Abb. 4).

Entstehung einer Höhle
Abb. 3: Der Schwarzspecht wählt bevorzugt Bäume mit einem Faulkern. Den noch harten Splint schlägt er an und baut dann erst nach einigen Jahren die Initialhöhle aus.

Getrennte Schlafzimmer

Stammquerschnitt
Abb. 4: Die Messungen ergaben, dass der Schwarzspecht immer den Weg des geringsten Widerstandes wählt (Foto: V. Zahner).

Ein Schwarzspechtpärchen benötigt mehrere Höhlen. Männchen und Weibchen schlafen getrennt, gebrütet wird in einer dritten Höhle. In den beiden Untersuchungsgebieten waren 1,5 bis 3,2 Schwarzspechthöhlen und 0,06 bis 1 Initialhölen pro 100 Hektar zu finden. Großhöhlen entstehen folglich über einen längeren Zeitraum, oft fünf bis zehn Jahre. Somit entstehen jährlich pro Höhlenzentrum 0,1 neue Höhlen. Sie stellen eine Struktur dar, deren Dichte auf der Fläche um den Faktor 100 geringer ist, als die der Kleinhöhlen. Die Großhöhlen sind mit 0,3 bis 1 pro 100 Hektar Minimumfaktoren. Zudem zeichnen sie sich durch eine besondere Langlebigkeit aus (etwa 30 Jahre).

Begehrter Lebensraum

Die Großhöhlen stellen für 40 Waldarten ein Lebensraumrequisit dar und bilden so eine zentrale Struktur für die Biodiversität in Wäldern. Sie können auch mehrfach genutzt werden, indem beispielsweise unten die Hohltaube brütet, in der Mitte der Specht schläft und darüber die Fledermäuse hängen.

Mittlerweile gibt es Waldbaukonzepte, die in kurzen Zeiträumen (< 100 Jahre) Buchenstarkholz produzieren sollen. Dort erzielen die Buchen zwar die für den Schwarzspecht notwendige Stammdimension, der Anteil der Buchen mit Stammfäulen im Kronenbereich ist aber geringer. Denn je älter die Buchen sind, umso höher ist der Anteil an Fäulen. Durch eine bemessene Anzahl von Biotopbäumen, die weiter altern, lässt sich das ausgleichen. Dabei muss das Strukturelement Großhöhle nicht als Einzelstruktur, sondern als Höhlenzentrum mit mehreren Bäumen auf einer Fläche von 100 bis 200 Hektar berücksichtigt werden. Diese Höhlenzentren sollten im Sinne einer ökologischen Nachhaltigkeit solange für Schwarzspechte und Folgenutzer tauglich gehalten werden, bis andere Bestände auf dieser Skalenebene in die Funktion hineinwachsen. 

Ergänzung

Das Thema wurde am 17. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung von Prof. Dr. Volker Zahner präsentiert. Die Kurzfassungen der Vortragsthemen sind als PDF (277 KB) erhältlich.

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