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Alois Zollner

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Martin Lauterbach
Redaktion: LWF, Deutschland
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Der Kuckuck leidet unter dem Klimawandel

Der Kuckuck
Abb. 1: Die Verarmung unserer Lebensräume und der Klimawandel machen dem Kuckuck zu schaffen (Foto: P. Zeininger, NABU).

Noch ist er in Europa weit verbreitet. Dennoch sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten seine Bestandszahlen rückläufig. In England zum Beispiel sind in den zurückliegenden drei Jahrzehnten die Bestände um über die Hälfte geschrumpft. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten. Der Kuckuck ist auf einen großen Strukturreichtum in abwechslungsreichen Landschaften angewiesen. Diese werden europaweit jedoch immer ärmer. Aber auch der Klimawandel bereitet dem Kuckuck Sorgen, wenn er im Frühjahr zu spät aus Afrika in seine europäischen Brutgebiete zurückkehrt.

Er ist kein Singvogel und doch gibt es kaum eine andere Vogelart, die auf Grund ihres Gesangs so großen Bekanntheitsgrad erlangt hat wie der Kuckuck. Zahlreiche Volks- und Kinderliedern besingen ihn, Uhren sind nach ihm benannt, er gilt als Glücksbote und seine wenig zimperliche Form der Jungenaufzucht spiegelt sich in vielen Redewendungen wider. Fragt man jedoch nach dem Vorkommen, Aussehen oder Lebensraum der Art, bleiben viele eine Antwort schuldig.

Verbreitung, Aussehen, Lebensraum

Der Kuckuck ist in ganz Europa verbreitet und fehlt hier nur auf Island und nördlich der arktischen Baumgrenze. Im Osten reicht sein Brutareal über Russland bis nach Japan. Weltweit gibt es über 130 Arten. In Europa ist unser Kuckuck (Cuculus canorus) der einzige Vertreter seiner Familie (Cuculidae).

Der Kuckuck ist etwa taubengroß, mit schiefergrauem Kopf und Rücken, quergebänderter ("gesperberter") Brust und leuchtend gelben Augenringen. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch ein rostfarbiges Brustgefieder. Auf Grund der Körpergröße, der quergestreiften Brust und des gebänderten, langen Schwanzes sind Verwechslungen mit Sperber und Turmfalke nicht selten.

Ab Mitte April kehrt der Langstreckenzieher aus seinem, zum Teil über 6.000 Kilometer entfernten, Überwinterungsgebiet südlich der Sahara zurück.

Hierzulande bewohnt der Kuckuck nahezu alle Landschaftsformen von offenen Küsten- bis zu alpinen Waldlandschaften, wobei er die höchste Siedlungsdichte in halboffenen Fluss- und Moorlandschaften, Heiden und lichten Laub-Mischwäldern erreicht. In diesen abwechslungsreichen Landschaften ist die Vielfalt und Siedlungsdichte seiner Wirtsvögel, von denen er seine Jungen aufziehen lässt, am größten. Von erhöhten Sitzwarten in offenen Bereichen kann der Brutparasit die zukünftigen "Zieheltern" am besten beobachten. Deren Verhalten am Neststandort kundschaftet er mitunter stundenlang aus. Strukturarme, ausgeräumte Agrarlandschaften und großflächig geschlossene Nadelforste werden mangels geeigneter Wirtsvogelarten gemieden.

Spezialisiert auf’s Schmarotzen

"Kuckucks-Kind" bei den Teichrohrsängern
Abb. 2: Die Teichrohrsänger-Eltern haben mit ihrem "Kuckucks-Ei" alle Schnäbel voll zu tun (Foto: H. Blesch).

In Europa sind über 100 Vogelarten als Wirte bekannt, wovon rund 30 als Hauptwirte bevorzugt werden. Dies sind überwiegend Boden-, Gebüsch- und Gebäudebrüter mit Offen- oder Halbhöhlennestern. Allen voran Bachstelze, Wiesenpieper, Teichrohrsänger, Grasmücken, Rotkehlchen, Haus- und Gartenrotschwanz. Die Weibchen sind dabei jeweils auf eine bestimmte Vogelart geprägt, die sie ein Leben lang immer wieder aufsuchen.

Wurde ein geeignetes Nest ausgewählt, erfolgt die Ablage jeweils eines Eies. Häufig werden dabei ein oder mehrere Eier des Wirts aus dem Nest entfernt. Das Männchen unterstützt diese Aktion manchmal, indem es die zukünftigen Pateneltern ablenkt.

Je nach Siedlungsdichte seiner Wirte kann ein Weibchen in einer Saison bis zu etwa 20 Eier legen. Die im Verhältnis zur Körpergröße relativ kleinen Eier ähneln denen des Wirtes zum Verwechseln. Die List führt zum Erfolg: In zwei von drei Fällen bemerken die neuen Eltern den "Betrug" nicht.

Wohl bekomm’s

Die Kost geben den jungen Kuckucken natürlich die jeweiligen Ersatzeltern vor. Allerdings fordern die Jungen die gewünschte Nahrungsmenge vehement ein, indem sie ihren signal-orangeroten Rachen weit aufsperren. Die starke Reizwirkung zum Füttern kann ihre Versorger bis an deren Leistungsgrenze bringen. Nahrungs-Konkurrenz durch Geschwister braucht der "kleine" Schmarotzer aber nicht zu fürchten. In den ersten Tagen schiebt der Nestling jedes Ei und jeden Jungvogel rücklings aus dem Nest.

Die erwachsenen Vögel ernähren sich überwiegend von Großinsekten und deren Larven. Schmetterlingsraupen sind heiß begehrt und auch stark behaarte Vertreter werden nicht verschmäht. Selbst die mit Brennhaaren bewehrten Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) sind vor ihm nicht sicher, da er seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Haaren herauswürgen kann.

Der Kuckuck

Der Kuckuck sprach mit einem Star,
Der aus der Stadt geflohen war.
Was spricht man, fing er an zu schreien,
Was spricht man in der Stadt von unsern Melodeien?
Was spricht man von der Nachtigall?
"Die ganze Stadt lobt ihre Lieder."
Und von der Lerche? rief er wieder.
"Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall."
Und von der Amsel? fuhr er fort.
"Auch diese lobt man hier und dort."
Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was, rief er, spricht man denn von mir?
Das, sprach der Star, das weiß ich nicht zu sagen;
Denn keine Seele redt von dir.
So will ich, fuhr er fort, mich an dem Undank rächen,
Und ewig von mir selber sprechen.

Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769)

Weiser für biologische Vielfalt

Die Wahl zum "Vogel des Jahres" findet bereits seit 1971 statt. Seitdem nominieren der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Bayerische Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV) alljährlich eine Art. Mit ihr wird u. a. auf aktuelle Belange des Arten- und Biotopschutzes aufmerksam gemacht. So ist der Kuckuck auf eine große Strukturvielfalt in abwechslungsreichen Landschaften angewiesen. Die rückläufigen Bestandszahlen (in Deutschland in den letzten zehn Jahren circa 10 Prozent, in England in den letzten 30 Jahren um bis zu 60 Prozent) lassen hier merkliche Veränderungen in seinen Lebensräumen erkennen.

Verlandungsgebiete mit Schilfröhricht als Heimat des Teichrohrsängers, lichte, alte Waldbestände mit Vorkommen des Gartenrotschwanzes oder Heckenreihen und Waldränder, die dem Neuntöter Unterschlupf bieten, sind selten geworden. Auf Grund der sinkenden Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe und der Intensivierung der Bewirtschaftung werden gleichzeitig die Nutzungseinheiten immer größer. Die Vielfalt an Lebensstätten geht damit verloren.

Geeignete Lebensräume sind oft zu kleinflächig und nur inselartig ausgeformt. Sie können nur wenige Wirtsvögel beherbergen, Störungen wirken sich hier stärker auf die Bestände der Arten aus. Auch die Qualität der Nahrungshabitate scheint sich vielerorts zu verschlechtern, da vor allem Großinsekten unter dem oftmals flächigen Einsatz von Insektiziden leiden.

Klimawandel verhindert Brutsynchronisation

Ein weiterer Gefährdungsfaktor sind klimatische Veränderungen. Der Langstreckenzieher und Brutparasit benötigt für eine erfolgreiche Brut ein exaktes "Timing". Wenn er in seinem Brutgebiet eintrifft, müssen die richtigen Wirtsvögel in ausreichender Dichte vorhanden sein. Zu dieser Zeit und vor allem während der Aufzuchtszeit der Jungen, ist das Angebot an Insektennahrung entscheidend. Führt ein warmes Frühjahr zum Beispiel zu einem verfrühten Vegetationsbeginn, treten auch meist die an der jeweiligen Pflanze vorkommenden/fressenden Insekten früher auf. Auch die ganzjährig im Gebiet vorkommenden Standvögel und die früher eintreffenden Kurzstreckenzieher schreiten dann bereits zeitiger zur Brut. Die Synchronisation von deren Brutgeschäft und der Ankunft des Kuckucks ist somit nicht mehr gegeben. Kommen in der Aufzuchtszeit schließlich noch gehäuft Regenperioden hinzu, sind Bestandseinbrüche vorprogrammiert.

Umso wichtiger wird es also werden, die Vielfalt in unserer Landschaft auch außerhalb von Schutzgebieten zu erhalten und den Arten Ausweichräume und Wandermöglichkeiten zu ermöglichen. Dann werden wir den Kuckuck hoffentlich auch weiterhin "aus dem Walde rufen hören".

Martin Lauterbach ist Mitarbeiter in der Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

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