Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Beat Forster

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldschutz Schweiz
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 23 67
Fax: +41 44 739 22 15


Beat Wermelinger

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldentomologie
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 22 58
Fax: +41 44 739 22 15


Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Reinhard Lässig
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 79.3379.3379.3379.3379.33 (8)

Der Nordische Fichtenborkenkäfer erreicht die Schweiz

Der aus Skandinavien stammende Nordische Fichtenborkenkäfer ist 2019 erstmals in der Schweiz entdeckt worden. Mitarbeiter der Forschungsanstalt WSL konnten die neue Art in Zusammenarbeit mit den Forstdiensten des Kantons St. Gallen und des Fürstentums Liechtenstein auf beiden Seiten des Alpenrheintals mit spezifischen Pheromonfallen nachweisen.

Der Nordische Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus) ist in Skandinavien, dem östlichen Europa, Russland und Asien heimisch. Seit einigen Jahren gibt es vermehrt auch Nachweise aus Mitteleuropa, so aus Deutschland und Österreich. Neben der natürlichen Ausbreitung dürfte für das Vordringen nach Süden vor allem der Transport von berindetem Fichtenholz über Strasse und Schiene verantwortlich sein. Die neu in der Schweiz beobachtete Käferart befällt vorwiegend Fichten.

   
Der Nordische Fichtenborkenkaefer (Ips duplicatus)  
Abb. 1 - Der Nordische Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus). Foto: Nina Feddern (WSL)  
   

Biologie

Die Entwicklung des neu auftretenden Käfers verläuft ähnlich wie beim Buchdrucker (Ips typographus), der in der Schweiz und Liechtenstein häufigsten Borkenkäferart an Fichten. Der an tiefere Temperaturen gewöhnte Nordische Fichtenborkenkäfer fliegt allerdings im Frühling tendenziell früher aus als der Buchdrucker. Auch seine Larvenentwicklung ist etwas schneller, sodass seine zweite Generation im Herbst die Brutbäume meistens noch verlässt und im Boden überwintert. Aufgrund der schnellen Entwicklung könnte diese Art in heissen und trockenen Jahren in Tieflagen auch eine dritte Generation entwickeln, was die Populationsentwicklung stark beschleunigen würde und das Risiko für Befall ansteigen liesse.

Beide Borkenkäferarten sind direkte Konkurrenten um Brutplätze unter der Borke der Fichtenstämme. Unklar ist aber noch, ob der Nordische Fichtenborkenkäfer in Zukunft zusätzlichen Befall verursachen und welche wirtschaftlichen Folgen der Käferbefall haben wird.

Der Nordische Fichtenborkenkäfer gilt in den nördlich gelegenen Ländern als weniger aggressiv als der Buchdrucker. Er kann zwar ebenfalls gesunde Bäume befallen, scheint in anderen Ländern aber bisher weniger Schaden anzurichten als der Buchdrucker. Eine Frage ist, wie sich das zunehmend wärmere Klima in der Schweiz auf sein Befallsverhalten auswirkt.

Borkenkäferbekämpfung wird komplizierter

Die Insektenforscher der WSL empfehlen vorerst, in den wärmeren Jahreszeiten die bei Borkenkäferbefall üblichen Massnahmen zu ergreifen: Nach dem Entdecken von Einbohrlöchern und Bohrmehl an der Borke sowie vergilbten oder vertrocknenden Kronenbereichen sollten befallene Bäume gefällt und entweder rechtzeitig aus dem Wald gebracht oder dort entrindet gelagert werden. Im Winter nützt das Fällen und Entfernen der Bäume aus dem Wald kaum als Massnahme gegen den Nordischen Fichtenborkenkäfer, weil die Mehrheit der Käfer die kalte Jahreszeit in der Streuschicht des Bodens verbringt. Da jedoch der Nordische Fichtenborkenkäfer bisher immer gemeinsam mit dem Buchdrucker vorkam, können die Massnahmen im Winter weiterhin zielführend gegen Borkenkäferbefall im Frühjahr sein.

Der Nordische Fichtenborkenkäfer lässt sich mit blossem Auge kaum vom Buchdrucker unterscheiden. Auch die Brutbilder der beiden Arten sind sehr ähnlich. Die nordische Art ist mit rund 3-4 mm meist etwas kleiner als der Buchdrucker. Zudem besiedeln beide Arten ihre Brutbäume oft gemeinsam, der Nordische Fichtenborkenkäfer eher im mittleren und oberen Stammbereich, der Buchdrucker im unteren. Das wichtigste, nur mithilfe einer starken Lupe erkennbare Unterscheidungsmerkmal sind die unterschiedlich geformten "Zähne" am Flügeldecken-Absturz, also dem hinteren Ende des Körpers. => Details zur Unterscheidung

   
Fichtenborke mit Einbohrlöchern des Nordischen Fichtenborkenkäfers  
Abb. 2 - Fichtenborke mit Einbohrlöchern des Nordischen Fichtenborkenkäfers. Foto: Beat Wermelinger (WSL)  
   

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net