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Artikel

Autor(en): Isabelle Glanzmann (externe Autorin)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die wichtigsten Grundsätze im Ameisenschutz

Neben den Fressfeinden ist der grösste Feind der Waldameisen der Mensch. Durch die Ausdehnung der Siedlungen, den Bau von Strassen und andere Arbeiten im Wald sind die Bauten gefährdet. In der Schweiz stehen die Waldameisen seit 1966 unter Schutz. Das heisst u.a. dass Nester nicht zerstört werden dürfen – auch nicht bei Waldarbeiten. Welche Schutzmassnahmen sich dabei in der Region Basel bewährt haben, wird hier aufgezeigt.

Rote Waldameise
Abb. 1 - Rote Waldameise
Foto: Michael Hanselmann

Die Unterschutzstellung der Waldameisen in der Schweiz beruhte seinerzeit auf der Absicht, die Waldameisen als Hilfe der Förster im Kampf gegen Schadinsekten zu nutzen. Der Beschluss bedeutet, dass die Tiere nicht ohne offizielle Genehmigung gesammelt und Ameisennester nicht zerstört werden dürfen.
Wie aber wird sichergestellt, dass Ameisennester bei der Waldbewirtschaftung nicht gestört werden? Viele Forstarbeiten finden im Winter statt, wenn Schnee liegt und die Nester nicht sichtbar sind. Aus Unkenntnis oder fehlender Informationen können so Nester beschädigt werden. Oder wie können bestehende Völker gestärkt werden? Einige Erfahrungen aus dem Projekt Ameisenzeit zeigen, welche Schutzmassnahmen sich in der Region Basel bereits bewährt haben.

Vorbeugender Ameisenschutz bei Forstarbeiten

Um Ameisennester bei Holzerntearbeiten zu schützen, sind verschiedene Massnahmen sinnvoll. Ein wichtiges Hilfsmittel sind detaillierte Verbreitungskarten der Ameisenneststandorte. Diese liefern den Forstleuten wertvolle Daten, um die Nester bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Zudem sind sie ein wichtiges Instrument zur Dokumentation der Waldameisenbestände und bilden eine Basis für die Feststellung guter und schlechter Entwicklungen. Erst wenn Kenntnisse zu den Neststandorten vorliegen, können konkrete Massnahmen zu deren Schutz in der Praxis vorgenommen werden.

Schutz durch Markierung

Die Erfahrungen zeigen, dass eine Markierung der Ameisennester mit einem Pfosten von vielen Forstleuten begrüsst wird. Durch die Markierung sind die Nester auch im Winter gut sichtbar und so besser vor Holzerntearbeiten geschützt. Die Markierung muss aber in jedem Fall in Absprache mit dem zuständigen Förster angebracht werden. Um Wildwuchs zu vermeiden stellt Ameisenzeit in der Region Basel einheitlich Markierungspfosten zur Verfügung.

Schutz durch Information

Die betroffenen Akteure müssen über das Vorhandensein von Ameisennestern informiert werden. Mechanische Schäden können nur vermieden werden, wenn alle Beteiligten eines Holzschlages über die Standorte der Ameisennester informiert sind – das gilt auch für Forstunternehmen, die von ausserhalb kommen. Dabei gilt es insbesondere, die Maschinenführer zu informieren, dass die Nester sich unterirdisch weiter ausdehnen können, als dies von aussen sichtbar ist. Die Nester sollten nach Möglichkeit mit einem Mindestabstand von 1.5 Metern umfahren werden.

Schutz beim Anlegen von Rückegassen und beim Bau von Strassen und Maschinenwegen

Forststrassen und -wege wirken sich nach unseren Erfahrungen in den meisten Fällen positiv auf Ameisenpopulation aus. Durch ihren Bau entstehen gute Waldameisenbiotope. Auch die für eine Rückegasse oder einen Maschinenweg auszuholzende Schneise kann Licht, Sonne und dadurch auch Wärme in den Waldbestand bringen, was für ein gutes Waldameisenbiotop wichtig ist. Beim Festlegen von Rückegassen ist unbedingt darauf zu achten, dass bestehende Nester nicht zerstört werden. Im Falle eines Strassenbaus können gefährdete Haufen durch eine Umsiedlung in unmittelbare Nähe verlegt werden. Nach dem Bau der Strasse ist darauf zu achten, dass neue Haufen bei einer allfälligen Vergrasung regelmässig ausgemäht werden.

Pflegemassnahmen zur Stärkung der Völker

Waldameisen brauchen in erster Linie ungestörte und meist besonnte Lebensräume. Grundsätzlich raten wir von übereifrigen Pflegemassnahmen ab, da Waldameisen in der Lage sind, sich aus eigener Kraft an Veränderungen anzupassen. Sie reagieren empfindlich auf eine Neugestaltung ihrer Nestumgebung, weshalb Hegemassnahmen ohne Kenntnis artgerechter Verfahren oft mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Durch einfache und auf das Volk angepasste Pflegemassnahmen können Waldameisenbauten jedoch durchaus gestärkt werden. Soll Pflege und Hege stattfinden, empfehlen wir drei Grundprinzipien zu beachten:

  1. Sorgfalt - Der Ameisenhaufen ist ein sehr sensibles Gebilde. Bitte stören Sie die Ameisen so wenig wie möglich. Treten Sie nur von einer Seite an den Haufen heran und laufen Sie nicht um den Bau herum – das was Sie sehen, ist vielleicht nur die Spitze des Ameisenberges. Der unterirdische Teil kann durch Tritt beschädigt werden.
  2. Kleine Schritte - Im Ameisenschutz gilt das Prinzip der kleinen Schritte. Beobachten Sie ein Nest ausgiebig, bevor Sie eine Massnahme vornehmen. Und dann gehen Sie behutsam vor. Zuerst wird vielleicht nur ein Ast weggeschnitten, der zu viel Schatten spendet, oder eine verholzte Staude im Nestbau abgesägt. Und nachher die Reaktion des Volkes abgewartet.
  3. Aktivitätszeit - Ein Ameisennest kann durch Nestpflegemassnahmen, auch wenn sie gut ausgeführt sind, beschädigt werden. Es ist daher wichtig, dass allfällige Massnahmen nur an warmen und trockenen Tagen während der Aktivitätszeit der Waldameisen vorgenommen werden!

Beispiele für Beobachtungen und Massnahmen

Hat das Ameisenvolk genügend Licht?

Ameisen brauchen in erster Linie ungestörte und meist besonnte Lebensräume. Der Lichtanspruch kann sich je nach Ameisenart und -volk deutlich unterscheiden. Eine ausgiebige Beobachtung ist deshalb wichtig.

Beobachtungshinweise:

  • Wie gross ist der Lichtanspruch dieser Ameisenart?
  • Hat das Volk genügend Sonne?
  • Wird das Volk durch Graswuchs, Brombeeren, Bäume, Äste oder Hecken stark beschattet?
  • Hat sich die Sonneneinwirkung in letzter Zeit verändert?
  • Richtet sich das Volk nach der Sonne aus?
  • Ist das Volk im Begriff, wegen Lichtmangel das Nest zu verschieben?

Ideen für (forstliche) Massnahmen:

  • Besonnte Waldränder auslichten. Wenn sich nach dieser Massnahme Ameisen ansiedeln, darauf achten, dass die Haufen nicht vergrasen oder von Sträuchern überwachsen werden.
  • Entlang von Waldstrassen und Waldwegen auf der Sonnenseite für genügend Licht sorgen (entfernen von verdämmernder Vegetation).
  • Waldlichtungen und kleine Buchten schaffen.
  • Darauf achten, dass Ameisenhaufen, die sich an Verjüngungsrändern ansiedeln, immer genügend besonnt sind.

Achtung!

Schutzbäume nicht fällen!
Oft findet man Waldameisennester im Schutz eines Baumes. Diese können die Bauten vor der Witterung schützen oder ihnen auch an besonders besonnten Orten den notwendigen Schatten spenden. Eine vorsichtige Beurteilung ist hier nötig.

Nicht alle Waldameisen-Arten brauchen gleich stark besonnte Lebensräume.
Beobachtungen zeigen, dass "Formica polyctena - Kahlrückige Waldameise" besser mit Schatten zurecht kommt als "Formica rufa - Rote Waldameise" Die "Formica pratensis - Wiesen-Waldameise" braucht am meisten Licht, ist sehr empfindlich auf Vergrasung und kommt vor allem im Offenland vor.

Ameisenhaufen
Abb. 2 - Für die Pflege ist wichtig, dass vor einer Massnahme gut beobachtet wird, ob das Volk allenfalls zu wenig Licht erhält.
Foto: Diego Scholer
 
Beschattung
Abb. 3 - Beschattung und Beschädigung eines Nestes durch verholzte Stauden.
Foto: Isabelle Glanzmann
Sind die Ameisenstrassen frei von Hindernissen?

Ameisenstrassen sind wichtige Transportwege. Falläste oder Grasüberwucherungen können die Futtersuche für Ameisen erschweren. Zudem fördern gute Transportwege die Bildung von Ablegervölkern.

Beobachtungshinweis:

  • Sind die Transportwege offen?

Ideen für (forstliche) Massnahmen:

  • Transportwege öffnen und Hindernisse wenn möglich entfernen.
Ameisenstrasse
Abb. 4 - Gute Transportwege erleichtern die Futtersuche und fördern die Bildung von Ablegervölkern, Hindernisse wie z.B. ein Holzlager können hingegen ein Volk behindern.
Foto: Diego Scholer
Ist die Nestkuppe mit Vegetation überwachsen?

Durch Verkrautung und wuchernde Bodenvegetation kann ein Nest beschattet werden. Zudem können verholzte Stauden das Nest beschädigen und Regen sowie Kälte ins Nest eindringen lassen.

Beobachtungshinweis:

  • Ist das Nest im Bereich der Nestkuppe verkrautet oder vergrast?

Ideen für (forstliche) Massnahmen:

  • Störende Vegetation im Bereich der Nestkuppeabschneiden, verholzte Stauden absägen.

Achtung!

Bei dieser Beobachtung ist es wichtig, nur den Bereich der Nestkuppe zu beurteilen. Vegetation ausserhalb der Nestkuppe kann bei gewissen Nestern z.B. in Form eines Sockels auch Schutz vor Wassereinbruch bedeuten.

Wie kann ich Waldameisennester im Offenland schützen?

Die Wiesen-Waldameise (F. pratensis) bevorzugt offene Lebensräume. Sie ist auf Wiesen, Weiden, in Gehölzen und an Böschungen zu finden. Diese Art kann deshalb durch den Verkehr oder auch die Landwirtschaft bedroht sein, wenn die Völker zum Beispiel durch Grasschnitt immer wieder beschädigt werden. Zudem sind Waldameisen sehr empfindlich gegenüber von Pestiziden.

Beobachtungshinweis:

• Ist der Haufen durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung oder durch den Strassendienst bedroht?

Ideen für (forstliche) Massnahmen:

  • Landwirte oder Personen aus den Strassenunterhaltsdiensten freundlich auf das Vorhandensein und die Bedeutung des Ameisenhaufen aufmerksam machen.
  • In Absprachen mit dem zuständigen Landeigentümer/-pächter die Nester markieren.
Nest in einer Wiese
Abb. 5 - Die Wiesen-Waldameise bevorzugt offene Lebensräume. Sie ist auf Wiesen, Weiden, in Gehölzen und an Böschungen zu finden. Diese Art kann deshalb durch den Verkehr oder auch die Landwirtschaft bedroht sein.
Foto: Heinz Döbeli
Sind bauliche Massnahmen zum Schutz von Ameisennestern sinnvoll?

Der Einsatz von Nestschutzgittern ist nur zu verantworten, wenn der Erbauer dafür nachhaltig und langfristig Verantwortung übernimmt. Defekte Drahtgeflechte könnten eine Gefahr für Wild und Vögel darstellen. Sie sollen nur dort erfolgen, wo die Ameisenpopulation ernsthaft gefährdet ist und der Schutz regelmässig kontrolliert wird.

Schutz des Nestes
Abb. 6 - Schutzvorrichtungen gehören nur dahin, wo die Ameisenpopulation ernsthaft gefährdet ist; sie sind regelmässig zu kontrollieren.
Foto: Isabelle Glanzmann

An stark frequentierten Plätzen, Hauptwanderwegen oder Strassenrändern können gefährdete Nester mit einer optisch ansprechenden Barriere aus Holz wirksam geschützt werden.

An steilen Hängen können Waldameisenhügel teilweise abrutschen. Droht ein Nest abzurutschen, kann es mit einfachen Holzwänden gestützt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Holzwände nicht zu hoch sind und dem Ameisennest keinen Schatten spenden.

Können Waldameisennester umgesiedelt werden? Notumsiedlungen sind in einzelnen Fällen sinnvoll, insbesondere wenn sonst ein Haufen zerstört werden muss, beispielsweise bei bevorstehenden Baumassnahmen. Diese Arbeit sollte aber nur von Fachpersonen mit dem nötigen Wissensstand durchgeführt werden.

Umsiedelung
Abb. 7 - Notumsiedlungen sind von Fachpersonen zu beurteilen und zu begleiten.
Foto: Peter Hostetter

Ameisenzeit

... ist ein Projekt der Waldeigentümer und Naturschützer. WaldBeiderBasel und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband bündeln die Kräfte und engagieren sich gemeinsam in einem 10-jährigen Projekt für die Waldameisen, die wichtige Funktionen in unseren Wäldern übernehmen. Dazu gehört die Verbreitung von Pflanzensamen, Förderung der Honigtau produzierenden Insekten, ausserdem können sie bei Schädlingsinvasionen sofort regulierend eingreifen.

Leider ist die Waldameise in Teilen der Schweiz bedroht und steht auf der Roten Liste. In Zusammenarbeit mit den Forstleuten und den Naturschützern soll das Interesse für die kleinen Waldarbeiter geweckt werden.

Das Projekt Ameisenzeit hat zum Ziel, die Waldameisen zu fördern. Dazu gehören Massnahmen, die sicherstellen, dass Waldameisenbauten genügend Licht erhalten oder dass sie bei Forstarbeiten so gut wie möglich geschont werden. Ebenso wichtig sind Massnahmen, die auf die kleinen Waldarbeiter aufmerksam machen und über sie informieren.

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