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Artikel

Autor(en): Heinz Bußler
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 67 Kommentare
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Violette Holzbiene – imposant aber harmlos

Ist die Witterung über mehrere Jahre überdurchschnittlich warm, gelingt vielen Insekten aus dem mediterranen Raum nicht nur der Sprung über die Alpen, sondern sogar eine Ansiedlung und Vermehrung in unseren Breiten. Seit 2000 gelingt dies auch der imposanten und auffälligen Violetten Holzbiene häufiger.

Die Violette Holzbiene
Abb. 1: Violette Holzbiene (Xylocopa violacea) auf angesägtem Nistgang; die bis zu 25 mm großen Bienen breiten sich vermehrt in wärmebegünstigten Gebieten Bayerns aus - und lehren leider so manchem Bürger das Fürchten (Foto: H. Bußler).

Die Violette Holzbiene (Xylocopa violacea) ist eine holzbewohnende Bienenart mit mediterraner bis asiatischer Verbreitung. Ihre Vorkommen in Deutschland waren bisher auf warme Gebiete beschränkt. Seit dem Jahr 2000 scheint sich die Art kontinuierlich auszubreiten. Dem Verfasser gelangen 2006 die Nachweise der imposanten Wildbienenart in einem Obstgarten der Altstadt von Feuchtwangen und im Laubmischwald des Naturschutzgebietes "Gräfholz und Dachsberge" nördlich von Bad Windsheim. Da die Violette Holzbiene sogar größer als alle heimischen Hummelarten ist, verursacht ihr Auftreten bei Unkundigen Schrecken und führt, wie der nachfolgende Artikel zeigt, zu völlig überzogenen Reaktionen.

Keine Unbekannte, aber sehr selten

In einem Zeitraum von über 150 Jahren, von 1850 bis 2004, sind aus Bayern nur 75 Meldungen der Violetten Holzbiene dokumentiert. Verbreitungsschwerpunkte in Bayern waren die mainnahen Bereiche des Spessarts und der Fränkischen Platte. Isolierte Nachweise waren aus dem Gebiet um Rothenburg ob der Tauber, dem Großraum Nürnberg und von den Münchener Schotterplatten bekannt. Inzwischen wird die Art auch in Naturräumen beobachtet, aus denen bisher keinerlei Nachweise vorlagen. Dies trifft nicht nur für Bayern zu, sondern auch für andere Bundesländer. Im August 2006 rief eine äußerst panisch wirkende Bürgerin aus Feuchtwangen den Verfasser an. Sie bat um Hilfe, da in ihrem Obstgarten riesige, unbekannte Fluginsekten ihr Unwesen treiben würden. Eine vorangegangene Konsultation bei einem Kammerjäger hatte keinen Erfolg, in seinem Buch über Haus- und Vorratsschädlinge war das "UFO" nicht enthalten. Ein danach zu Rate gezogener Gärtner bestimmte die Objekte als "Großen Obstbaumspinner" – eine "Schmetterlingsart", die es gar nicht gibt (Anm. des Verfassers).

Wissenschaftlicher Name:

Xylocopa violacea (L., 1758)

gr. Xylocopa = die Holz schneidende;
lat. violaceum = violett

Familie:

Bienen (Apidae)

Beschreibung:

Körper hummelähnlich, aber mit bis 2,5 cm größer als alle heimischen Hummelarten, schwarz behaart, Flügel mit metallisch blau-violettem Glanz

Aktivität:

Flugzeit von April bis Oktober

Verhalten:

Können stechen, sind aber nicht stechlustig

Lebensraum:

Sonnenexponierte, blüten- und totholzreiche Streuobstgärten, Gärten, Parkanlagen, Waldsäume, lichte Wälder

Nistweise:

Nistet in selbst genagten Gängen in bereits anbrüchigem Holz (Äste, Stämme, Pfähle, Balken)

Nahrung:

Larven ernähren sich in Brutkammern von eingetragenem Pollenkuchen

Wirtschaftliche Bedeutung:

Keine; die Larven ernähren sich nicht von Holz. Die Weibchen nagen nur einen Nistgang zur Anlage der Brutkammern in bereits anbrüchige Holzsubstanz

Gefährdung:

RL 3 Bayern "gefährdet"

Was man nicht kennt ... ... das schlägt man tot!

Beim Lokaltermin in einem wunderschönen Altstadtgarten mit uraltem Obstbaumbestand wurde dann das Corpus delicti vorgezeigt: Ein alter Apfelbaum, zersägt in Meterstücke und in Plastiksäcken ausbruchssicher verstaut. Beim Auspacken fanden sich dann 12 tote und zwei noch lebende Exemplare der Violetten Holzbiene. Der Apfelbaum war vom Zottigen Schillerporling (Inonotus hispidulus) im Kernholz stark zersetzt. Hier hatten die Bienen lehrbuchmäßig ihr Brutsystem angelegt. Zutritt verschafften sie sich über einige Frostrisse an der Oberfläche. Der Baum hätte sicherlich noch einige Jahrzehnte gelebt, Äpfel getragen und den Holzbienen als Wohnung dienen können. Die Gartenbesitzerin gab an, dass die Tiere erstmals im Mai 2006 aufgetaucht seien und den Apfelbaum an der südexponierten, warmen Scheunenwand bezogen hätten. Da sie sich von ihnen bedroht gefühlt hätte, betrat sie den Garten nur noch "bewaffnet" mit einem Federballschläger. Ultima ratio war das nächtliche Fällen des Apfelbaumes. Großes Misstrauen und gleichzeitig Erstaunen rief der Wunsch hervor, die beiden noch lebenden Exemplare mitzunehmen, um sie im eigenen Garten freizulassen. Auch das Entnehmen der Tiere aus den Plastiksäcken, mit bloßen Händen, konnten die Angst vor den Wildbienen nicht mindern. Nicht rational verlief auch das Gespräch, als gefragt wurde, ob die Bienen jemals aggressiv gewesen seien oder jemanden gestochen hätten. Nichts dergleichen war passiert, aber allein ihre Anwesenheit empfand die Frau als unerträgliche Bedrohung.

Nachweis auch im Wald

Die Literatur nennt als Lebensraum der Art für Mitteleuropa Obstgärten, Gärten, Parkanlagen, Waldsäume, also lichte, sonnenexponierte Habitate. Um so überraschender war es, die Art im August 2006 auch im "tiefen" Wald des Naturschutzgebietes Gräfholz und Dachsberge nördlich Bad Windsheim anzutreffen. Der Fundort lag zwar in der Tiefe der Waldfläche, allerdings auf einer nach Sturmwurf aufgelichteten, blütenreichen Innensaumfläche. Im Zuge einer fortschreitenden Klimaerwärmung wird sich die Violette Holzbiene weiter ausbreiten und auf Grund ihrer Vorliebe für offene Habitate auch häufiger Kontakt zu Menschen bekommen. Ob es allerdings immer gelingt, die Harmlosigkeit dieser Art zu vermitteln, ist angesichts bisheriger Erfahrungen leider zweifelhaft.

Heinz Bußler ist Mitarbeiter in der Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Literatur

Hage, H.-J. (2005): Die Holzbiene Xylocopa violacea (LINNAEUS, 1758) in Bayern. NachrBl. Bayer. Ent. 54 (1/2), S. 39-45

Zaric, N.(1995): Die Holzbiene – schwarze Schönheit am Waldrand. Wald und Holz 9, S. 16-17

Schmalz, K-H. (2005): Erste Sichtnachweise der Blauschwarzen Holzbiene Xylocopa violacea (Hymenoptera: Apidae) in Osthessen. Beitr. zur Naturkunde Osthessens 41, S. 45-46

Westrich, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs – Spezieller Teil. Stuttgart, S. 889-890

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