Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Amt für Wald, Jagd und Fischerei (Kanton Solothurn)
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 66.066.066.066.066.0 (47)

Die natürliche Entwicklung einer Lothar-Sturmfläche in Bildern

Nachdem der Orkan Lothar im Wald der Bürgergemeinde Messen (Kanton Solothurn) grosse Schäden hinterlassen hatte, wurde ein Waldreservat über 100 Jahre mit vollständigem Nutzungsverzicht auf einer Fläche von 12,2 Hektaren ausgeschieden. Fotoserien illustrieren, wie sich der Wald auf den Sturmflächen auf natürliche Weise entwickelt.

belassene Windwurffläche 2001 und 2003
Abb. 1 - Die belassene Windwurffläche in Messen 2001 und 2003.

Am 26. Dezember 1999 traf der aussergewöhnlich starke Orkan Lothar auf Westeuropa und die Schweiz. Er richtete enorme Schäden an. Der Sturm fällte in der Schweiz 12.7 Millionen m3 Holz, was einer knapp dreifachen jährlichen Einschlagmenge und ca. 3 % des Holzvorrates der Schweiz entsprach. Der finanzielle Schaden belief sich auf insgesamt über 750 Mio Franken. In den Waldungen der Bürgergemeinde Messen warf der Sturm auf 28 Hektaren (14%) die Baumbestände flächig, was 12'000 m3 Schadholz verursachte.

Zur Bewältigung dieses ausserordentlichen Ereignisses wurden neue, zur bisherigen Forstpraxis alternative Lösungsansätze geprüft und ins Auge gefasst. Sowohl ökonomische als auch ökologische Überlegungen, waldbauliches und wissenschaftliches Interesse sowie finanzielle Anreize von Bund und Kanton haben die Bürgergemeinde Messen davon überzeugt, Teilflächen der natürlichen Waldentwicklung zu überlassen und das geworfene Holz liegen zu lassen.

An der Grenze zum Dörfchen Brunnenthal entstand ein Waldreservat und gleichzeitig eine Beobachtungsfläche für das Forschungsprojekt "Waldentwicklung nach Windwurf in tiefen Lagen der Schweiz". Der Kanton Solothurn beauftragte danach die Stiftung Documenta Natura, die Waldentwicklung anhand Fotoserien zu dokumentieren. Die vom Forstbetrieb und von der örtlichen Jagdgesellschaft errichteten Beobachtungskanzeln dienten in der Folge der Jagd, der Wissenschaft sowie Besuchern, die sich einen Überblick über die Fläche verschaffen wollten.

Forschungsergebnisse aus der Beobachtungsfläche

  • Auf einer geräumten Windwurffläche wachsen zu Beginn mehr Pflanzenarten, als wenn das Holz liegen bleibt. Es handelt sich dabei nicht nur um Pflanzen des geschlossenen Waldes, sondern auch um Arten der umliegenden Landwirtschafts- und Siedlungsflächen (wie z. B. Hohlzahn). Die höchste Artenvielfalt wird zwei bis drei Jahre nach dem Sturm erreicht. Danach gehen die Artenzahlen zurück, weil konkurrenzkräftige Arten wie Brombeere oder Himbeere immer stärker dominieren.
  • Die Insektenvielfalt ist auf geräumten und belassenen Windwurfflächen etwa gleich gross, aber es sind zum Teil andere Arten. Auf Windwurfflächen - ob belassen oder geräumt - kommen aber bis zu drei Mal mehr Insektenarten vor als im stehen gebliebenen Wald, weil die Insekten von Wärme und Licht profitieren. Die grösste Vielfalt entwickelt sich dort, wo geräumte und belassene Flächen nahe beieinander liegen.
  • Bei der Holzernte befahren Maschinen die Windwurfflächen. In den Fahrspuren und in deren Nähe wird der Boden verdichtet, sodass sich das Volumen der luftführenden Poren oft um mehr als 50 % vermindert und das Wasser schlecht versickern kann. Die Wurzeln der jungen Bäume treffen dann auf stehendes Wasser, können den Boden kaum durchdringen und wachsen daher schlechter.
  • Die Natur sorgt meist von selbst für einen ausreichend dichten Jungwald, und Pflanzungen sind nicht nötig. Oft ist der Boden schon vor dem Sturm von vielen Baumsämlingen bedeckt, für die der Sturm eine Chance ist, die sie sich nicht entgehen lassen. Fehlt diese so genannte Vorverjüngung, so kommen dennoch innert weniger Jahre nach dem Sturm viele junge Bäume auf. Drei Jahre nach dem Sturm waren auf der geräumten Windwurffläche durchschnittlich 14'000 Pflanzen pro Hektare vorhanden, in der belassenen 5'000. Welche Baumarten aufkommen, hängt vom Sameneintrag ab: Altbäume, die den Sturm überstanden haben, sorgen für Nachwuchs. Pionierbaumarten wie Birken und Weiden haben sich gerade in Messen stark ausgebreitet. Ihre Samen fliegen sehr weit und keimen besonders auf geräumten Flächen reichlich.
     
belassene Windwurffläche 2001-2007 geräumte Windwurffläche 2001-2007  
Abb. 2 - Belassene Windwurffläche 2001 bis 2007.
Fotoserie anklicken zum vergrössern.
Abb. 3 - Geräumte Windwurffläche 2001 bis 2007.
Fotoserie anklicken zum vergrössern.
 
     
Fotos: Stiftung Documenta Natura, Bern    

Download

Kontakt

Mehr auf waldwissen.net