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Artikel

Autor(en): Bundesamt für Umwelt BAFU
Redaktion: WSL, Schweiz
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Biodiversitätsmonitoring: Daten zur Artenvielfalt in der Schweiz

Die neuesten Ergebnisse des Biodiversitäts-Monitorings Schweiz (BDM) zeigen, dass der Artenreichtum im Alpenraum, im Wald und erstaunlicherweise auch in gewissen Siedlungsgebieten hoch ist. Hingegen wurde in den Wiesen und Weiden eine Homogenisierung der Vegetation beobachtet. Zudem sind zahlreiche Arten gefährdet.

hohe Biodiversität in den Alpen
Abb. 1 - Die mittleren Höhenlagen der Alpen sind die eigentlichen Hotspots der biologischen Vielfalt in der Schweiz

In der Schweiz sind schätzungsweise weit über 40'000 Pflanzen- und Tierarten heimisch. Diese grosse Zahl lässt sich mit dem Reichtum an unterschiedlichen Lebensräumen in unserem Land erklären: Flüsse, Seen, Hügel und Berge. Die Schweiz hat sich auf internationaler Ebene zur Erhaltung dieser biologischen Vielfalt verpflichtet. Mit dem Biodiversitäts-Monitoring (BDM) überwacht das Bundesamt für Umwelt (BAFU) seit 2001 den Zustand und die Entwicklung der biologischen Vielfalt in der Schweiz. Die BDM-Indikatoren lassen erkennen, wie sich die biologische Vielfalt hierzulande entwickelt.

Reiche Artenvielfalt in Berggebieten, Wäldern und Siedlungen

Die Datenauswertung zeigt, dass die mittleren Höhenlagen der Alpen die eigentlichen Hotspots der biologischen Vielfalt in der Schweiz sind. In diesen Gebieten zählte das BDM durchschnittlich doppelt so viele Tagfalterarten wie im Mittelland. Und Bergwiesen und -weiden beherbergen im Durchschnitt ein Viertel mehr Gefässpflanzenarten als tiefer gelegenes Grünland. In den höheren Lagen der Alpen sind zahlreiche seltene und hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten heimisch, deren Verbreitungsgebiet stark begrenzt ist. Für ihre Erhaltung trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung.

Artenvielfalt im Wald
Abb. 2 - Erfreulich hoch ist die Artenvielfalt in den Wäldern, nicht zuletzt dank Naturverjüngung und höherem Totholzanteil.
 
Homogenisierte Wiesen
Abb. 3 - In Wiesen und Weiden lässt sich eine Homogenisierung feststellen: ohnehin schon häufige Arten wie der Löwenzahn breiten sich weiter aus.

Im Schweizer Wald wirken sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die intensiven Naturschutzbemühungen der letzten Jahre positiv aus. Es gibt heute mehr naturverjüngte Wälder und einen grösseren Totholzanteil, was vielen Waldorganismen zugute kommt. Erfreulich ist dies nicht nur für waldtypische Pilze, Moose, Insekten und Schnecken, sondern auch für die Vogelvielfalt unseres Landes.

Auf unversiegelten Flächen im Siedlungsraum ist die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten unerwartet hoch. Gewisse Pflanzen wie etwa die Schwarznessel und Brutvögel wie der Mauersegler, aber auch Moose wie beispielsweise das Silbermoos haben sich den Lebensbedingungen der Siedlungsgebiete angepasst. 

Homogenisierung von Artengemeinschaften in den Wiesen

Die durchschnittliche Anzahl Gefässpflanzenarten nahm in der Schweiz in den letzten Jahren zu - sowohl auf der Ebene der Landschaften als auch auf jener der Lebensräume. Insbesondere in Wiesen und Weiden stellte das BDM aber fest, dass die für einzelne Standorte charakteristischen Arten verschwinden, während sich anspruchslose und ohnehin schon häufige Arten wie der Löwenzahn weiter ausbreiten. Dies führt zu einer Homogenisierung und Trivialisierung der Artengemeinschaften, die auf den zunehmenden Nährstoffgehalt der Böden zurückzuführen ist und einen herben Verlust an biologischer Vielfalt bedeutet.

Weiterhin bedrohte Lebensräume und Arten

Viele Arten sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Von den 19 in der Schweiz vorkommenden Reptilienarten gelten gemäss den Kriterien der Roten Listen 15 als "verletzlich", "stark gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht". Bei den Fischen und Rundmäulern sind es 58 Prozent. Ebenfalls bedrohlich sieht die Lage bei den Brutvögeln aus: Rund 40 Prozent der heimischen Arten stehen auf der Roten Liste.

Sichtbare Folgen der Klimaerwärmung

Kreuzkröten
Abb. 4 - Viele Arten sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Neben den Reptilien und Fischen sind vor allem viele Amphibienarten stark zurückgegangen. Im Bild ein Kreuzkrötenpaar.
 
 Fotos: Thomas Reich (WSL)

Typische Gebirgspflanzen wanderten in den letzten Jahren um durchschnittlich 13 Meter nach oben. Sie könnten die sensiblen Arten konkurrenzieren, die heute in diesen Höhenlagen wachsen. Die Zahl der Pflanzenarten auf alpinen Flächen hat sich ebenfalls erhöht. Tagfalter-, Libellen- und Vogelarten aus dem Mittelmeerraum breiten sich zusehends in der Schweiz aus. Auch Pflanzen, die eher wärmeliebend sind, gelingt es mehr und mehr, sich bei uns zu verbreiten. Häufig verwildern sie aus Gärten und Parkanlagen. Diese Entwicklungen im Auge zu behalten wird eine der wichtigsten Aufgaben des BDM in den nächsten Jahren sein.

Das Biodiversitäts-Monitoring Schweiz

Mit dem Biodiversitäts-Monitoring (BDM) überwacht das BAFU seit 2001 den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität in der Schweiz. Da es nicht möglich ist, die ganze Vielfalt zu erfassen, behilft sich das Programm mit 33 Indikatoren. Sie repräsentieren wichtige und gut messbare Teilbereiche der Biodiversität. So, wie der Dow-Jones-Index Entwicklungen an der Börse widerspiegelt, lassen die BDM-Indikatoren erkennen, wie sich die Biodiversität hierzulande entwickelt.

Für die Ermittlung der meisten Indikatoren greift das BDM auf bestehende Datenquellen zurück. Selber erhebt das BDM die Artenvielfalt von ausgewählten Tier- und Pflanzenartengruppen: Gefässpflanzen, Moose, Brutvögel, Tagfalter und Gehäuseschnecken. Dazu hat das BDM zwei flächendeckende Messnetze aufgebaut. Auf den insgesamt über 2000 Stichprobenflächen, welche die Schweizer «Normallandschaft» repräsentieren, erfassen Biologinnen und Biologen alle fünf Jahre die Tier- und Pflanzenvielfalt.

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, die ein Programm zur Überwachung der Artenvielfalt entwickelt haben, welches Informationen aus allen Landesteilen bereitstellt. Das BDM ergänzt andere Erhebungen der Flora und Fauna wie etwa die Roten Listen. Die Auswertungen tragen dazu bei, längerfristige Trends zu erkennen, neue Ziele im Natur- und Landschaftsschutz zu definieren und die Entwicklung der Biodiversität fundiert zu beurteilen.

www.biodiversitymonitoring.ch

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