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Artikel

Autor(en): Sabrina Streif, Annette Kohnen, Carolin Wilhelm
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die Wildkatze in den Rheinauen und am Kaiserstuhl

Raum-Zeit-Verhalten der Wildkatze in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft

Inhalt

Hier können Sie den ausführlichen Projektbericht (PDF, 6MB) und die aktuelle Verbreitungskarte (PDF, 1MB) der Wildkatze in Baden-Württemberg herunterladen.

Die Wiederentdeckung

Europäische Wildkatze (Felis s. sylvestris)
Abb. 1: Europäische Wildkatze (Felis s. silvestris). (Foto: K. Echle)

Fast ein ganzes Jahrhundert lang galt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in Baden-Württemberg als ausgestorben, bis sie in den Jahren 2006 und 2007 anhand zweier Totfunde in der Rheinebene bei Breisach sicher nachgewiesen werden konnte. Seitdem wurden in Baden-Württemberg stetig weitere Nachweise im Rahmen des Wildtiermonitoring gesammelt.

Wildkatzenvorkommen in Baden-Württemberg und angrenzenden Ländern (Stand 2016)
Abb. 2: Wildkatzenvorkommen in Baden-Württemberg und angrenzenden Ländern (Stand 2016).

Das bisher bekannte Vorkommen der Wildkatze in Baden-Württemberg erstreckt sich mittlerweile hauptsächlich in der gesamten Rheinebene von Lörrach bis nördlich von Karlsruhe. Vereinzelte sichere Nachweise befinden sich verstreut im Land und deuten entweder auf einzelne wandernde Tiere hin, oder bilden bereits kleinere Vorkommen aufgrund aktueller Ausbreitungsbewegungen von der Rheinschiene oder den angrenzenden Wildkatzenvorkommen aus Bayern oder der Schweiz.

Das Forschungsprojekt und die Untersuchungsziele

Im Vergleich zu den waldgeprägten Verbreitungsgebieten der Wildkatze wie dem Pfälzer Wald, der Eifel und dem Harz stellt die Oberrheinebene durch ihre hohe Siedlungs- und Straßendichte sowie intensive landwirtschaftliche Nutzung eine stark fragmentierte Landschaft dar. Wie die waldgebundene Tierart diesen fragmentierten Lebensraum nutzt und wie sie sich in der Landschaft bewegt, wurde mittels GPS-Satellitentelemetrie in den Rheinauewäldern um Breisach und am Kaiserstuhl untersucht. Darüber hinaus wurde die Verbindung der Wildkatzenvorkommen im Oberrheingebiet mit dem Vorkommen in den benachbarten Ländern (Frankreich, Schweiz) untersucht. Hier sollen genetische Verwandtschaftsanalysen auch Aufschluss darüber geben, wie die geschichtliche Entwicklung des Wildkatzenvorkommens abgeleitet werden kann.

Das Untersuchungsgebiet und die Methoden

Das Untersuchungsgebiet des Forschungsprojektes liegt in der südlichen Oberrheinregion in Baden-Württemberg. Die westliche Grenze bildet der Rhein, die östliche Grenze die Bundesautobahn BAB5. Das Gebiet erstreckt sich in den Rheinauen von der Gemeinde Neuenburg am Rhein im Süden über die Stadt Breisach bis Weisweil im Norden Das Untersuchungsgebiet umfasst somit den Kaiserstuhl und die Teile der Rheinebene, in denen seit 2006 gehäufte Wildkatzennachweise erbracht wurden.

Wildkatze in der Kastenfalle
Abb. 3: Wildkatze in der Kastenfalle. (Foto: K. Echle)
 
Besenderte Wildkatze nach der Freilassung
Abb. 4: Besenderte Wildkatze nach der Freilassung.

Im Zeitraum 2010 bis 2015 angelegten Forschungsprojekt, welches durch die Landesjagdabgabe kofinanziert wurde, wurden insgesamt 21 Wildkatzen im Kaiserstuhl und den angrenzenden Rheinauen in großen Holzkastenfallen gefangen und mit GPS-Halsbändern besendert. Für eine genetische DNA-Analyse wurde den Wildkatzen Blut entnommen.

Raumnutzung der Wildkatzen in der Kulturlandschaft

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wildkatze auch in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft vorkommen kann, aber trotz des geringen Waldanteils im Untersuchungsgebiet eine waldgebundene Tierart bleibt. Die räumliche Organisation der besenderten Tiere war vergleichbar mit den Ergebnissen in bisherigen ökologischen Studien. Jedoch wurde die Größe der Wildkatzenstreifgebiete kleiner als in den waldgeprägten Hauptverbreitungsgebieten geschätzt, was vermutlich auf die sehr gute Nahrungsverfügbarkeit und dem hohen Strukturangebot innerhalb den Rheinauewäldern zurückzuführen war.

Im Untersuchungsgebiet zeigten hauptsächlich die männlichen Wildkatzen eine Anpassung an die Kulturlandschaft, indem sie weite Offenlandbereiche mittels Ackerrandstreifen und gewässernahen Gehölzreihen durchquerten. Dagegen nutzten die weiblichen Tiere das Offenland nur selten und überquerten keine strukturlosen landwirtschaftlichen Flächen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen auch, dass die Gefährdung durch Straßen insbesondere in der offenland-geprägten Kulturlandschaft mit einer hohen Straßendichte sehr hoch ist. Drei der besenderten Wildkatzenmännchen sowie weitere sieben unbekannte Wildkatzen (im Rahmen des Monitorings nachgewiesen) sind dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.

Herkunft der Wildkatze

Mittels populationsgenetischer Analysen konnte gezeigt werden, dass die Wildkatzenpopulation der Rheinebene nicht von der französischen Vogesenpopulation zu unterscheiden ist. Der Rhein stellte bisher keine Barriere für den Individuenaustausch dar. Aufgrund der genetischen Eigenschaften der beiden Populationen und fehlenden flächendeckendem Vorkommen der Wildkatze außerhalb der Rheinebene, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit rückgeschlossen werden, dass die Wildkatze tatsächlich ausgestorben war und in den letzten Jahrzehnten die Rückkehr der Wildkatze nach Baden-Württemberg stattfindet.

Mit einem Anteil von ca. 10% Introgression ist die Wildkatzenpopulation in den Rheinauen nicht direkt durch eine Vermischung mit Hauskatzen gefährdet. Ein Anteil an Hybriden in einer Population wird häufig nach der Ausbreitung in neue Verbreitungsgebiete beobachtet und könnte die Kolonisierung neuer Gebiete zeitweise sogar erleichtern. Für die erfolgreiche Wiederbesiedelung der Wildkatze in Baden-Württemberg sollten diese Prozesse langfristig beobachtet werden.

Fazit

Die zerschnittene Kulturlandschaft der Rheinebene beinhaltet zwar Lebensraum für eine Wildkatzenpopulation, doch der Erfolg einer langfristigen Wiederbesiedelung der Wildkatze in ihren ursprünglichen Lebensraum wird maßgeblich von der Strukturvielfalt in den Waldlebensräumen sowie von der Vernetzung dieses Lebensraumes abhängen.

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