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Originalartikel: Schlapp, G. (2009): Die bayerischen Naturwaldreservate aus Sicht des Naturschutzes. LWF Wissen 61, S. 26 – 29.
Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Online-Version: Stand: 22.05.2015
Redaktion: LWF, D

Was der Naturschutz zu den Naturwaldreservaten sagt

Seit mehreren Jahrzehnten bestehen in Bayern verschiedene Naturwaldreservate. Sie werden für die Forschung und die Öffentlichkeitsarbeit genutzt und dienen dem Naturschutz. Aber sind sie wirklich so gute Instrumente um die Naturschutzziele im Wald zu verwirklichen?

Eschen-Stockausschlag
Abb. 1: Eschen-Stockausschlag im Naturwaldreservat Riedholz, Landkreis Schweinfurt (Foto: S. Thierfelder)
 
Totholz
Abb. 2: Totholz im Naturwaldreservat Riedholz (Foto: S. Thierfelder)
 
NWR Waldkugel
Abb. 3: Naturwaldreservat Waldkugel, Landkreis Würzburg (Foto: S. Thierfelder)
 
Weidenstumpf
Abb. 4: Weidenstumpf im Naturwaldreservat Riedholz (Foto: S. Thierfelder)

Gesetzliche Regelungen

Die Aufgaben der Naturwaldreservate (NWR) sowie die Bestimmungen zu ihrer Einrichtung haben sich seit 1970 mehrfach geändert. Gewahrt blieben dabei aber stets die Kernpunkte, nämlich:

NWR dienen hauptsächlich dem Schutz, der Erforschung und der anschaulichen Vermittlung von Waldökosystemen. Im Sinne des Naturschutzes geht es um die langfristige Sicherung typischer Waldlebensgemeinschaften und ihrer Dynamik. Sich natürlich entwickelnde Waldlebensgemeinschaften stehen im Zentrum der Grundlagenforschung; die angewandte Forschung konzentriert sich darauf, gewonnene Erkenntnisse der Waldbaupraxis nahe zu bringen. NWR vermitteln der Öffentlichkeit einen Eindruck von "Urwald", Wildnis und Biodiversität.

Im Bundesnaturschutzgesetz ist festgelegt, dass Natur und Landschaft in ihrer natürlichen und historisch gewachsenen Artenvielfalt als nachhaltig nutzbare Lebensgrundlage des Menschen und aufgrund ihres eigenen Wertes zu schützen sind. Das Bayerische Naturschutzgesetz legt fest, dass geeignete Landschaftsteile der natürlichen Dynamik überlassen bleiben sollen.

Anforderungen des Naturschutzes im Wald

Leitet man aus den gesetzlichen Zielen und Grundsätzen die Anforderungen des Naturschutzes im Wald ab, ergibt sich folgendes:

Stärken und Schwächen

Aus einem Vergleich der gesetzlich fixierten Ziele und Aufgaben mit den fachlichen Anforderungen lassen sich im Wesentlichen nachstehende Schlüsse ziehen:

NWR sind ein bedeutsames und unverzichtbares Instrument, um Naturschutzziele im Wald zu verwirklichen. Sie dienen

NWR weisen systembedingt folgende Schwächen auf:

Neue Ansätze

Insbesondere unterdurchschnittlich kleine NWR sollten erweitert oder mit einer Pufferzone umgeben werden. Das mindert die Randeinflüsse. In größeren Waldgebieten zwischen den NWR ist der Alt- und Totholzanteil bandartig oder zumindest punktuell deutlich zu erhöhen, um einen Biotopverbund zu schaffen. Außerdem sollte das NWR-Netz in Bayern noch deutlich verdichtet werden. Als Suchkulisse bieten sich die FFH-Gebiete an.

In Dauerwaldbeständen mit Vorkommen wenig mobiler, vom Aussterben bedrohter Reliktarten, z.B. Käfer oder Schnecken, sollten gezielt Naturwaldreservate ausgewiesen werden. Bisher können nur solche Waldflächen als NWR eingerichtet werden, die bereits natürlich oder weitgehend naturnah sind. Dies sollte um solche Flächen erweitert werden, die die natürliche Waldentwicklung bei ungünstigeren Ausgangsbedingungen, z.B. aufgrund von Borkenkäferbefall, verdeutlichen. Auch bei Kommunalwaldbesitzern sollte für die Ausweisung neuer NWR geworben werden.

Die NWR haben einen flächenmäßig begrenzten Ansatz und sollten daher um große unbewirtschaftete Vollreservate ergänzt werden. Da Bayern nur zwei Nationalparke im Bergwald hat, drängt sich die Ausweisung eines Buchennationalparks geradezu auf. Auch die Auwälder der Donau kämen dafür möglicherweise in Frage.

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