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Dirk Schmechel

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Josef Miller
Redaktion: LWF, Deutschland
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Nachhaltigkeit - ein moderner Begriff, der aus der Forstwirtschaft kommt

Gemischter und gestufter Wald
Abb. 1: Methoden forstlicher Nachhaltigkeit: Gemischter und gestufter Wald (Quelle: StMELF).

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro haben 178 Staaten auf den dringenden Handlungsbedarf zur Rettung der Erde hingewiesen und grundlegende Vereinbarungen zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Ausgewogenheit getroffen. Mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung hat sich in Rio die Welt auf ein neues Leitbild für eine zukunftsweisende Politik verständigt. Kerndokument der Vereinbarungen ist die Rio-Agenda 21, das Aktionsprogramm für den Übergang in das 21. Jahrhundert.

Das Wort Agenda kommt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß: "Was zu tun ist". Die Rio-Agenda 21 steht für eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen zu einer globalen Partnerschaft im 21. Jahrhundert. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung reicht damit weit über den Umweltschutz hinaus.

Der Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung 2002 in Johannesburg hat der Politik auf vielen Feldern neue Impulse gegeben. Zehn Jahre nach Rio war es Zeit, kritisch Bilanz zu ziehen, Kurskorrekturen vorzunehmen: Wo sind Ansätze gelungen, wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, wo zeigen sich neue Chancen?

Umsetzung in Bayern

Die Bayerische Staatsregierung hat die von Rio ausgehenden Impulse frühzeitig aufgegriffen. Wesentliche Schritte zur Konkretisierung waren der Umweltpakt Bayern 1995 und die Veröffentlichung der Bayern-Agenda 21 im Jahr 1997. Mit ihr hat die Bayerische Staatsregierung als erstes Land umfassend auf die Herausforderung von Rio geantwortet. Die Bayern-Agenda 21 fasst unsere Leitvorstellungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung des Freistaates zusammen.

Mit dem Aktionsprogramm "Nachhaltige Entwicklung Bayern" und der "Bilanz zur Bayern-Agenda 21" hat die Bayerische Staatsregierung der Öffentlichkeit zehn Jahre nach Rio eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit vorgelegt.

Das Aktionsprogramm "Nachhaltige Entwicklung Bayern" definiert kurz, klar und prägnant die aus staatlicher Sicht erforderlichen Ziele - soweit möglich und sinnvoll in quantifizierter, messbarer Form. Gleichzeitig stellt es die wichtigsten Initiativen und Maßnahmen vor, mit deren Hilfe die gesteckten Ziele erreicht werden sollen.

Ziele und Maßnahmen des Aktionsprogramms wollen wir - wo immer möglich - in Kooperation mit den Beteiligten in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Staat verwirklichen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass eine nachhaltige Entwicklung in Bayern nicht von oben verordnet werden kann, sondern das Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Gruppen braucht. Ressortübergreifendes, vernetztes Denken, der Abgleich ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen gewinnen dabei immer größere Bedeutung.

Nachhaltigkeit strebt die Bayerische Staatsregierung nicht nur in der Umweltpolitik an, sondern in allen Lebensbereichen, also für Bildung, Gesundheit und Familien ebenso wie im Energiesektor, im Finanzwesen und seit langem in der Land- und Forstwirtschaft. Dabei setzen wir auf gezielte Anreize zu nachhaltigem Handeln, auf Eigenverantwortung sowie auf Information und Kooperation.

10-Punkte-Programm Rio+10 in Bayern

Eine Politik nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit gestaltet ganz wesentlich die Zukunft unserer Gesellschaft. Ich sehe es deshalb als unsere Verpflichtung, die Vorteile dieser Vorsorgepolitik immer wieder öffentlich hervorzuheben und das nachhaltige Denken im Bewusstsein der Bürger zu verwurzeln.

Im Jahr des Gipfeltreffens von Johannesburg hat die Bayerische Staatsregierung in dem 10-Punkte-Programm Rio+10 in Bayern eine Reihe beispielhafter Projekte zusammengestellt. Sie zeigen ganz konkret, wie eine nachhaltige Entwicklung in Bayern verwirklicht wird. Beispiele aus dem breiten Spektrum sind:

  • Neue Richtlinien für die Umweltbildung an den Schulen sollen langfristig zum Wissen über die Umwelt beitragen und eigenverantwortliches Handeln stärken.
  • Ein Wasserstoffprojekt am Flughafen München fördert den Einsatz dieser sauberen und zukunftsweisenden Energie im Alltagsbetrieb (Shuttle-Busse).
  • Im Rahmen der ökologischen Siedlungsentwicklung werden Projekte unterstützt, bei denen (belastete) Brachflächen in einem Flächenrecycling wieder zu grünen Wohnanlagen oder in Freizeitgelände umgewandelt werden.

Nachhaltigkeit und Forstwirtschaft

Einen wesentlichen Beitrag zum 10-PunkteProgramm Rio+10 in Bayern hat unsere Forstwirtschaft unter dem Motto "High-Tech und nachhaltige Forstwirtschaft" erbracht. Sie gestaltet auch die drei Aktionstage, die in Freising, im Nationalpark Bayerischer Wald (Forschung über Waldökosysteme) und am Amt für Forstliche Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf (Forstgenetik) stattfinden.

Das hat einen besonderen Hintergrund: Nachhaltigkeit ist keine Erfindung des Rio-Gipfels und auch nicht erst im letzten Jahrhundert erdacht. Ihre Wurzeln liegen im Wald. Die Pioniere der Nachhaltigkeit waren Forstleute.

So ist die Geschichte der Bayerischen Staatsforstverwaltung zugleich die Geschichte der geregelten Forstwirtschaft in Bayern. Als Kurfürst Max III. Joseph vor genau 250 Jahren (1752) die Gründung einer eigenständigen Forstkommission anordnete, waren Bayerns Wälder in einem jämmerlichen Zustand. Holz war der wichtigste Rohstoff. Übernutzungen hatten das einst dichte Waldkleid jedoch durchlöchert. Streunutzung, Waldweide und überhöhte Wildbestände verhinderten, dass natürliche Verjüngung die Lücken wieder schloss.

Hauptaufgabe der damaligen Forstleute war es, neue Wälder zu pflanzen. Pläne wurden aufgestellt, um die Versorgung mit dem unentbehrlichen Rohstoff Holz langfristig zu sichern - damit war der Gedanke der Nachhaltigkeit geboren.

Heute haben wir diese Idee zu unserem umfassenden Leitmotiv für Pflege und Nutzung des Waldes erweitert. Das gilt beispielsweise für den Wasser- und Lawinenschutz, die Erholungs- und Bildungsfunktion, die Rolle als vielseitiger Naturraum und als Heimat einer Fülle von Tier- und Pflanzenarten.

Das ganze Bündel der Leistungen auch für unsere Kinder und Enkel zu erhalten, erfordert ständigen Einsatz. Seit langem steigende Laubholzanteile im Staats- und auch im Privat- und Körperschaftswald tragen dazu bei, langfristig stabile und gesunde Mischwälder zu schaffen, die auch den Ansprüchen künftiger Generationen voll entsprechen.

Forstleute und Waldbesitzer sind sich ihrer Verantwortung für unsere Zukunft bewusst. Dass ihr Handeln den Anspruch einer umfassenden Nachhaltigkeit nach zukunftsweisenden Kriterien erfüllt, beweist auch die erfolgreiche Zertifizierung nach dem paneuropäischen Forstzertifikat PEFC. Mittlerweile unterliegen 70 % der bayerischen Wälder den strengen Kriterien dieses unabhängigen Systems. Damit ist die Forstwirtschaft ein Paradebeispiel und Vorbild nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern auch für die Ganzheitlichkeit modernen Denkens und Handelns.

Waldforschung

Laubholz – Voranbau unter Nadelbäumen
Abb. 2: Methoden forstlicher Nachhaltigkeit: Laubholz – Voranbau unter Nadelbäumen (Quelle: StMELF).

Erfolgreiche Forstwirtschaft ist ohne moderne Forschung nicht denkbar. Lange Wuchszeiträume und vielfältige Einflüsse von außen machen den Wald zu einem facettenreichen Naturwunder, dessen Komplexität auch langjährige Praktiker immer wieder auf die Probe stellt.

Eine praxisorientierte Forschung, wie sie hier im forstlichen Teil des Grünen Zentrums Weihenstephan geleistet wird, trägt wesentlich dazu bei, "Licht in des Wissens Nacht" zu bringen, wie es der Forstklassiker Georg Ludwig Hartig (1764-1837) formuliert hat, und so die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung ständig zu verbessern.

Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan

Um dieses Ziel optimal verwirklichen zu können, haben wir im Februar 2002 das Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan als Pilotprojekt aus der Taufe gehoben. Damit soll die Bindung zwischen den drei forstlichen Institutionen am Standort Weihenstephan noch enger als bisher werden. Es sind dies:

  • die forstlichen Lehrstühle der Technischen Universität München,
  • die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) als Einrichtung der Bayerischen Forstverwaltung.

Die räumliche Nachbarschaft und die sich ergänzenden Aufgaben bieten beste Voraussetzungen für die Ausschöpfung zusätzlicher Synergieeffekte. Ich persönlich bin ein großer Befürworter dieses einzigartigen Zentrums, in das ich hohe Erwartungen setze.

Alle drei beteiligten Partner sind den Geheimnissen des Waldes bereits heute mit modernsten Methoden auf der Spur. In zahlreichen Schriften und mit vielen weiteren Informationsangeboten stellen sie schon heute ihr Wissen den Waldbesitzern zur Verfügung. Mit dem Grünen Zentrum soll die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis noch ein Stück "kundenorientierter" werden. Dazu gehören die punktgenaue Erhebung des Forschungsbedarfs, die institutionsübergreifende Koordinierung der Forschungsarbeiten, der zielgruppengerechte Wissenstransfer und eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit.

Die Aufbereitung von Forschungsergebnissen für die Praxis trägt wesentlich zu einem modernen Erscheinungsbild des Forstsektors in der breiten Öffentlichkeit wie auch unter Experten bei. Mit dem neuen Zentrum haben die Praktiker haben nun einen Ansprechpartner, der fundiert wissenschaftliche Auskünfte zu allen forstlichen Fragen und Problemen geben kann.

Der Grundstein für das Zentrum Wald-Forst-Holz wurde bereits mit der Neustrukturierung des Hochschulstandortes Weihenstephan gelegt und wird jetzt mit einem richtungsweisenden Konzept in die Tat umgesetzt. Einen wesentlichen Teil der Projektfinanzierung hat die Bayerische Staatsforstverwaltung übernommen.

Forstliche Ausbildung

Neben der Forschung ist eine fundierte Ausbildung des forstlichen Nachwuchses Grundlage einer auf Dauer nachhaltigen Forstwirtschaft. Die Studienfakultät für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der Technischen Universität München und der Fachbereich Wald und Forstwirtschaft der Fachhochschule Weihenstephan sind zwei tragende Säulen dieser Ausbildung in Bayern.

Ich werde mich in enger Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium und den Hochschulen weiterhin dafür einsetzen, dass das Studienangebot in den forstlichen Studiengängen auch künftig der Tatsache gerecht wird, dass in Bayern über 2,5 Millionen Hektar Wald wachsen, die im Sinne der gesamten Gesellschaft effizient zu bewirtschaften sind. Der Ministerrat hat zuletzt am 8.10.2002 die Weichen in diese Richtung gestellt und damit unseren bisherigen Kurs bestätigt.

Aktionstag Rio+10

Mit dem Aktionstag Rio+10 wollen wir zeigen, dass Forstwirtschaft und Forstwissenschaft in Bayern auf eine stolze Tradition blicken und gleichzeitig modern, ganzheitlich, zukunfts- und zielbewusst Verantwortung für das Grüne Drittel in Bayern übernehmen. Die Beschlüsse von Rio aus dem Jahre 1992 sind dabei eine wichtige Richtschnur.

Diese Veranstaltung steht auch stellvertretend für eine Fülle anderer Projekte, die zeigen, dass das Ideal der Nachhaltigkeit in Bayern ernst genommen wird.

Forstwirtschaft und Forstwissenschaft haben eine Vorreiterrolle beim Thema Nachhaltigkeit und Generationen übergreifendes Denken. Sie können dabei mit Stolz auf den bereits zitierten Georg Ludwig Hartig verweisen, der schon vor 200 Jahren (1804) den Grundgedanken der Nachhaltigkeit in treffende Worte fasste: "Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen (...) so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, wie sich die jetzt lebende Generation zueignet."

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