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Dr. Christoph Hartebrodt

Dr. Christoph Hartebrodt

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Forstökonomie

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 262
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Petra Adler, Sebastian Schmack
Redaktion: FVA, Deutschland
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Ökonomische Bewertung von Nutzungsverzichten

Die Umsetzung naturschutzfachlicher Einschränkungen, beispielsweise aufgrund von Natura 2000 oder der Wasserrahmenschutzrichtlinie, können bei der Waldbewirtschaftung in bestimmten Gebieten zu Veränderungen bei den betrieblichen Erlösen führen. Verbreitet werden dort zum Beispiel Änderungen der Baumartenzusammensetzung, Verlängerungen der Umtriebszeiten oder eine extensivere Bewirtschaftungsweise gefordert.

Jährliche Holzproduktionswerte – "Annuitäten"

Laubholzanpflanzung am Bach.
Abb. 1: Laubholzanpflanzung am Bachlauf.

Auf der Basis eines von Möhring und Rüping (2006, 2007) vorgestellten Bewertungskonzeptes für forstliche Nutzungsbeschränkungen wurde an der FVA ein webbasiertes Programm zur Berechnung von Ertragsverlusten, welche sich als Folge von Abweichungen zur aktuellen Waldbewirtschaftung ergeben, entwickelt. Die dabei verwendete Methode basiert auf jährlichen Holzproduktionswerten. Diese resultieren aus den während des Bestandeslebens anfallenden, unregelmäßigen Ein- und Auszahlungen, die unmittelbar mit der forstlichen Produktion in Verbindung stehen. Diese Zahlungsströme werden unter Berücksichtigung eines Zinsfußes in einen jährlich konstanten Zahlungsstrom, den jährlichen Holzproduktionswert, überführt.

Prof. Möhring von der Universität Göttingen hat damit erstmals die Annuität, also einen jährlichen Rentenwert aus den Kapitalwerten, für die forstliche Praxis abgeleitet. Möhring zeigt, dass es mithilfe der Annuität möglich ist einen unsteten Zahlungsstrom, der im Laufe einer Umtriebszeit entsteht, in einen jährlich konstanten Zahlungsstrom zu überführen. Die so ermittelte Erfolgsgröße kann im Prinzip jährlich bei der laufenden Holzproduktion entnommen werden und wird von Möhring als jährlicher Holzproduktionswert bezeichnet.

Dieser Begriff wurde auch gewählt, da bei diesem Bewertungsansatz nur die unmittelbar mit der Holzproduktion in Verbindung stehenden Zahlungen für Bestandesbegründung, Läuterung und Holzernte in die Berechnungen eingehen. Mögliche Erträge aus Nebennutzungen sind darin nicht enthalten. Auch die Fixkosten für die Verwaltung sind hierbei nicht berücksichtigt. Es wird ferner angenommen, dass die Verwaltungskosten gleich bleiben. Kosten und Mindererlöse, die sich in direkter Folge des Waldumbaus ergeben sind gegebenenfalls zusätzlich zu ermitteln.

Für praktische Bewertungen bieten die jährlichen Holzproduktionswerte den Vorteil, dass an Stelle der Kapitalwerte, die sich auf längere, zum Teil unterschiedliche Zeiträume beziehen, jährliche, auf den Hektar bezogene Beträge verwendet werden. Außerdem lässt sich diese jährliche forstliche Größe relativ leicht mit anderen Größen vergleichen. Der Holzproduktionswert stellt somit eine Vergleichsgröße dar, mit der unterschiedliche Baumarten bzw. Umtriebszeiten verglichen werden können.

Webbasiertes Berechnungsprogramm

Das Berechnungsprogramm ist mittels PHP-Programmierung und einer SQL-Datenbank auf dem Internetserver der FVA realisiert worden. Es ermöglicht die Berechnungen zu den Änderungen der Baumart und der Umtriebszeit. Grundsätzliche Berechnungen zu den Holzproduktionswerten, Kapitalisierung von jährlichen Zahlungen und Berechnungen der ökonomischen Umtriebszeiten anhand der zugrunde liegenden Tabellen sind ebenfalls möglich. Das Programm wurde im Rahmen der Projekte "Ökonomische Bewertung der Umsetzung der WRRL" (Abteilung Forstökonomie der FVA Ba-Wü) und  "SILVAQUA – Pilotprojekt zur Umsetzung der WRRL in Niedersachsen" (Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Universität Göttingen) erstellt. Die hier hinterlegten, aktualisierten Annuitäten entstammen dem an der FVA Ba-Wü durchgeführten Projekt "Restricted Forest Management".

Rahmenbedingungen

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Veränderungen der Verkehrswerte, die zum Beispiel durch eine ordnungsgemäße Schutzgebietsausweisung entstehen können und im Rahmen von Enteignungsentschädigungen auszugleichen sind, nicht durch das verwendete Bewertungskonzept abgedeckt werden. Mögliche Veränderungen in den Verwaltungskosten werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Die hier ermittelten Beträge sollen vielmehr als betriebswirtschaftliche Argumentationshilfe bei langfristigen forstlichen Nutzungsbeschränkungen dienen.

Datengrundlage

Der jährliche Holzproduktionswert kann für unterschiedliche Baumarten und Ertragsklassen für verschiedene Betrachtungsperioden tabellarisiert werden. Diese Tabellen wurden von der FVA für die Hauptbaumarten als deutschlandweite Mittelwerte berechnet. Als Datengrundlage für die Berechnungen dienten umfangreiche Waldwachstumssimulationen. Dabei wurden die restriktionsbedingten Produktionsmodelle entsprechend der Maßnahmen einer Auswahl deutschlandweit verteilter FFH-Managementpläne gestaltet.

Die Berechnungen erfolgten für alle Baumarten mit einem Zinsfuß von 1,5 %, was einer durchschnittlichen, langfristigen, internen Verzinsung des Kapitaleinsatzes im Forstbetrieb nahe kommt. So errechnete beispielsweise Möhring für die Bewirtschaftung von Fichte und Buche Grenzrenditen von 1,5 % bis 2 % (Möhring 2001).

Darstellung der Berechnungsmöglichkeit des Annuitätenkonzepts auf Bestandesebene
Abb. 2: Darstellung der Berechnungsmöglichkeit des Annuitätenkonzepts auf Bestandesebene.

Die Berechnungen beruhen somit auf Mittelwerten, Modellannahmen und/oder Behandlungsmethoden. Die Übertragung dieser Daten auf praktische Bewertungsfälle setzt deshalb eine örtliche Überprüfung der Datengrundlagen voraus. Zudem dürfen berechnete Größen nicht als "angemessene" Ausgleichsbeträge missverstanden werden. In Ausgleichsbeträgen sind sonstige Nachteile, die sich zum Beispiel aus Verwaltungsmehraufwand, verminderter betrieblicher Flexibilität etc. ergeben können, einzubeziehen. Ein angemessener Ausgleich setzt stets auch einen Aushandlungsprozess zwischen Waldbesitz und den an den Nutzungsänderungen interessierten gesellschaftlichen Gruppen voraus. Dabei sollten die entstehenden Nachteile mindestens ausgeglichen werden. Um den verschiedenen standörtlichen Bedingungen zu entsprechen, wurden die Berechnungen für verschiedene Bonitätsgruppen durchgeführt.

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Literatur

  • MÖHRING, B (2001): Nachhaltige Forstwirtschaft und Rentabilitätsrechnung – ein Widerspruch?; Allg. Forst- u. J.-Ztg. 172 S. 61-66
    MÖHRING, B. und RÜPING, U. (2006): Bewertungskonzept für forstliche Nutzungsbeschränkungen; Schriftenreihe zur Forstökonomie Band 32 Frankfurt am Main: Sauerländer Verlag; 48 S.
    MÖHRING, B. und RÜPING, U. (2007): Bewertungskonzept für forstliche Nutzungsbeschränkungen. AFZ/Der Wald, Nr. 9, S. 487-489
    SCHMACK, S. et al (2012): Modellgestützte Bewertung naturschutzfachlicher Restriktionen. AFZ/DerWald, Nr. 20, S. 20-25

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