URL: https://www.waldwissen.net/wald/naturschutz/gewaesser/fva_schwarzerle/index_DE
Originalartikel: Bönecke, G. (2004): Gewässerpflege im Wald - Entwicklung schwarzerlenreicher Bachwälder, Posterbeitrag.
Autor(en): Gerhard Schaber-Schoor, geb. Bönecke
Online-Version: Stand: 13.03.2015
Redaktion: FVA, D

Gewässerpflege im Wald - Entwicklung schwarzerlenreicher Bachwälder

Die Entwicklung erlenreicher Bachwälder im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft

Ziel der naturnahen Waldwirtschaft sind stabile, naturnah zusammengesetzte und aufgebaute Mischwälder, die überwiegend aus Naturverjüngung entstehen. Waldbaulich Konzepte gründen sich auf eine möglichst weitgehende Ausnutzung natürlicher Abläufe und Selbststeuerungsmechanismen und waldbauliche Maßnahmen beschränken sich auf lenkende Eingriffe.

Lässt sich dieser Ansatz des in Baden-Württemberg geltenden Konzepts der Naturnahen Waldwirtschaft auf die Entwicklung der Waldvegetation von Bachauen kleiner und mitttlerer Fliessgewässer in unseren Mittelgebirgen anwenden? Schwerpunkt einer Untersuchung bildete das Ausbreitungs- und Verjüngungsverhalten der Schwarzerle (Alnus glutinosa).

Bedeutung des Grundwassers für erlenreiche Bachwälder

Erlensämling
Abb. 1: 1jähriger Erlensämling auf Totholz.
Keimzahlen in verschiedenen Keimbetten
Abb. 2: Verlauf der Keimung auf Flächen von 1 qm Größe: (Saatmenge rd. 5000 Samen/qm) zw. knapp 50 bis knapp 400 Samen konnten innerhalb eines Monates keimen, den weiteren Verlauf innerhalb von 10 Monaten wird in der Abbildung dargestellt.
Angeschwemmte Erlensamen
Abb. 3: Angeschwemmte Erlensamen.
Diasporenfalle
Abb. 4: Trichterfallen zur Bestimmung der Windausbreitungsleistung. (Fotos: FVA)

Standorte erlenreicher Auwaldgesellschaften sind gekennzeichnet durch:

Standorte erlenreicher Auwaldgesellschaften sind gefährdet durch:

Verjüngung auf kleinen Störungsflächen

In einem Freilandversuch wurden Saaten mit Schwarzerle auf kleinen Störungsflächen durchgeführt. Die Versuche sollten zeigen, ob sich die Schwarzerle, die sich am besten auf nahezu vegetationsfreien Flächen verjüngt, auch auf Störungsflächen unter 1 qm erfolgreich etabliert. Solche Flächen wurden in einer Bachaue mit vorhandenen bzw. potenziellen Standorten des Hainmieren-Schwarzerlen-Auwalds angelegt und zwar in einem rd. 40jährigen Fichten-Bestand nach starker Durchforstung (Var. "Fichten-Feld"), unter dem Schirm eines ebenfalls ca. 40jährigen Schwarzerlen-Bestands ( Var. "Erlen-Feld") und auf einer mit einer Mädesüß-Gesellschaft dicht bewachsenen Hochstauden-Fläche (Var. "Hochstauden-Feld", Abb. 2).

Ausbreitung der Schwarzerle

Ausbreitung mittels schwimmender Diasporen

>> sehr hohe Transport- und Ausbreitungsleistung beim "Abwärtswandern"


Ausbreitung durch Wind

>> geringe Transport- und Ausbreitungsleistung bei ungerichteter Ausbreitung durch Wind


Ausbreitung durch Tiere

>> sehr geringe Transport- aber sehr hohe Ausbreitungsleistung  (Ausbreitungssprünge über viele km) bei ungerichteter Ausbreitung durch Tiere

Ergebnisse

Die Ausbreitung und Verjüngung der Schwarzerle entlang kleiner und mittlerer Fiessgewässer und damit die Möglichkeit, hier Bestände aus Schwarzerle mit Naturverjüngung zu erhalten, hängt von einem ganzen Komplex von Faktoren ab: