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Artikel

Autor(en): Gerhard Schaber-Schoor,Karl-Heinz Lieber
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz des Landesbetriebes ForstBW – Ziele und Umsetzung

Die Ergebnisse der Bundeswaldinventuren (BWI) von 2002 und 2012 belegen einerseits eine positive Entwicklung beim Waldnaturschutz und bei der Biodiversität. Andererseits stellt man fest, dass es deutschlandweit an geeigneten Monitoringinstrumenten fehlt, um die Wirkung von Waldnaturschutzmaßnahmen einschätzen und bewerten zu können. Die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz von ForstBW greift diesen Spannungsbogen auf.

Inhalt

Kompetenz schafft Vertrauen: Im Rahmen der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz soll auch die Akzeptanz gesteigert werden.
Abb. 1: Kompetenz schafft Vertrauen: Im Rahmen der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz soll auch die Akzeptanz der Forstwirtschaft in der Bevölkerung gesteigert werden.

Die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz ForstBW ist eine Naturschutzkonzeption für den Staatswald des Landes Baden-Württemberg. Sie wurde zwischen 2011 und 2013 unter der Mitwirkung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Praktikerinnen und Praktikern aus Naturschutz und Forstwirtschaft entwickelt. Sie konkretisiert die in der Naturschutzstrategie Baden-Württemberg enthaltenen Biodiversitätsziele und hinterlegt diese für den Staatswald mit konkreten Programmen und Maßnahmen. Die Öffentlichkeit wurde in die Entstehung der Gesamtkonzeption im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses eingebunden. Hierfür wurde ein im Bereich Forst und Naturschutz in der Bundesrepublik bisher einmaliges Online-Forum eingerichtet, in das sich rund 8.000 interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Beiträgen eingebracht haben. Nach Vorlage im Ministerrat wurde die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz durch die Geschäftsführung von ForstBW im Oktober 2014 im Staatswald verbindlich eingeführt.

Erster Teil der Gesamtkonzeption

Die Gesamtkonzeption Waldnaturschutz von ForstBW umfasst zwei Teile. Im ersten Teil werden langfristig Ziele des Waldnaturschutzes und Schritte zur Weiterentwicklung der bei ForstBW bereits bestehenden Programme und Maßnahmen des Waldnaturschutzes beschrieben. Hierzu gehören das Waldschutzgebietsprogramm (seit 1970 laufendes Programm zur landesweiten Ausweisung von Bann- und Schonwäldern), die Waldbiotopkartierung (seit 1989 fachlicher Beitrag der Forstverwaltung zur Biotopkartierung des Landes) oder das Alt- und Totholzkonzept Baden-Württemberg (wird im Staatswald seit 2010 verbindlich umgesetzt). Außerdem ist dargestellt, wie die Fortschreibung der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz erfolgen soll.

Zweiter Teil der Gesamtkonzeption

Der zweite Teil befasst sich mit den so genannten "Waldnaturschutzzielen 2020". Es handelt sich um zehn Ziele, die aus einer Reihe möglicher und aus Sicht der beteiligten Experten und Expertinnen für den Waldnaturschutz als vorrangig eingestuften Handlungsfeldern auf der Grundlage fachlicher Bewertungen und der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung hergeleitet wurden. Diese zehn Ziele sind im Staatswald bis 2020 umzusetzen beziehungsweise bis dahin die Voraussetzungen für eine vollständige Umsetzung zu schaffen.

Ziele und Umsetzung der Gesamtkonzeption

Einige der Ziele der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz können nicht gleich zu Beginn verfolgt werden, da sie entweder auf ein anderes Ziel aufbauen oder aber zunächst die hierfür erforderlichen Grundlagen erarbeitet werden müssen. Beispielsweise bedarf es für die Entwicklung eines Managementkonzepts für Waldzielarten (Ziel 5) zunächst einer Definition der entsprechenden Waldzielarten sowie einer Ermittlung der Ansprüche und des Managementbedarfs dieser Arten. Erst wenn ein Managementkonzept erarbeitet ist, wird es möglich sein, ein passendes, an den Waldzielarten orientiertes Monitoringsystem zu etablieren (Ziel 6). Das Ziel, Wälder nasser Standorte zu sichern und wiederherzustellen (Ziel 5) ist, soweit es sich auf Moore bezieht, zugleich der Beitrag des Staatswaldes zum Moorschutzprogramm des Landes und ist mit dort genannten Flächen- und Zeitzielen verknüpft. Andere Ziele – etwa die Erhaltung regionaltypischer, naturnaher Waldgesellschaften (Ziel 1) oder die Erhaltung lichter Waldbiotope (Ziel 3) – können umgehend umgesetzt werden.

Finanzierung des Projekts

Für die Gesamtkonzeption stellt ForstBW bis einschließlich 2020 jährlich etwas mehr als eine Million Euro zur Verfügung. 100.000 Euro fließen pro Jahr direkt in praktische Waldnaturschutzmaßnahmen der unteren Forstbehörden mit Staatswald (sog. "100 Tsd. Euro-Programm"). Diese Mittel sind ein Anschub, um die im Rahmen der Gesamtkonzeption vor allem an der FVA laufenden Entwicklungsarbeiten von Anfang an mit praktischen Umsetzungsmaßnahmen des Betriebes zu verbinden.

Evaluation ab 2020

Die Vielfalt der Ziele der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz ForstBW und die Veränderlichkeit einzelner Inhalte erfordert eine Evaluation der Konzeption. Die darauf aufbauende Weiterentwicklung der Gesamtkonzeption soll, unter Berücksichtigung sich verändernden Rahmenbedingungen im Umfeld von ForstBW wie auch im Hinblick auf die sich verändernden Umweltbedingungen, ab 2020 stattfinden.

Voraussetzung für einen wirkungsvollen Waldnaturschutz

Mit der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz hat ForstBW für die kommenden Jahre die Voraussetzungen für einen wirkungsvollen Waldnaturschutz geschaffen. Die Gesamtkonzeption ist sowohl Planungsgrundlage für alle naturschutzrelevanten Aspekte in der Waldwirtschaft von ForstBW als auch Handlungsanleitung für praktische Maßnahmen vor Ort. Die Konzeption ist so gestaltet, dass sie sich in die nachhaltige Waldwirtschaft von ForstBW eingliedert. Durch das im Rahmen der Gesamtkonzeption geplante "Lichtwaldarten-Konzept" entsteht wie mit dem von ForstBW 2010 eingeführten Alt- und Totholzkonzept ein weiteres Konzept "vorbeugender Schutzmaßnahmen" nach § 38 (2) BNatSchG, wodurch die Rechtssicherheit der Waldbewirtschaftung im Staatswald weiter erhöht wird.

Ausblick: Herausforderung für die im Wald Beschäftigten

Angesichts sich verändernder und steigender gesellschaftlicher wie fachlicher Ansprüche und Erwartungen an die Waldbewirtschaftung, stehen sich gerade beim Waldnaturschutz vielfältige und in Teilen widersprechende Interessenslagen gegenüber. Die waldbauliche Hinwendung zum Dauerwald steht zum Beispiel im Spannungsfeld zur Förderung von Lichtwaldarten und lichten Wäldern und die nachhaltige Nutzung des Waldes als Rohstoffquelle im Gegensatz zu Waldflächen, die ausschließlich dem Prozessschutz dienen. Das fordert das Selbstverständnis und die Überzeugung Vieler im Wald Beschäftigter grundlegend heraus. Hinzu kommt ein gestiegenes gesellschaftliches Interesse, aber auch waches Misstrauen, das von Bürgerinnen und Bürgern und Interessensgruppen an den Wald herangetragen wird. Zu den wesentlichen Zielen der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz von ForstBW zählt daher, die Kompetenz der für ForstBW Beschäftigten im Waldnaturschutz zu stärken, Transparenz und Kommunikation zu verbessern und darüber die Akzeptanz der Waldbewirtschaftung in der öffentlichen Wahrnehmung konsequent zu stärken (Ziel 10).

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